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Schnelle Hilfe für Menschen mit psychischen Problemen

2021-05-07T12:28:20+02:009. Februar 2021|

Laut aktu­el­len Stu­di­en lei­den in Deutsch­land rund 20 Mil­lio­nen Men­schen an Depres­sio­nen, Ängs­ten oder Ess­stö­run­gen. In der Coro­na-Kri­se ver­mut­lich noch mehr. Trotz­dem müs­sen vie­le bis zu sechs Mona­te auf einen The­ra­pie­platz war­ten. Um in die­ser Zeit schnel­le Hil­fe bie­ten zu kön­nen, hat Nora Blum (28) mit ihrer Freun­din Kat­rin Bermbach (29) die Online­platt­form „Self­apy“ gegrün­det.

In den Online­kur­sen ler­nen Betrof­fe­ne Tech­ni­ken, mit denen sie sich von nega­ti­ven Gedan­ken und Ängs­ten gezielt befrei­en und ihre Stim­mung ver­bes­sern kön­nen. Für wen die Kur­se geeig­net sind, ob sie wirk­lich hel­fen und war­um Inves­to­ren und Kran­ken­kas­sen von „Self­apy“ begeis­tert sind, ver­rät uns Nora Blum im Interview.

Von San­dra Berthaler

Du hast „Selfapy“ 2016 mit deiner Freundin Katrin Bermbach gegründet. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Menschen mit psychischen Problemen online zu helfen?

Nora Blum: Kat­rin und ich haben uns wäh­rend eines Stu­di­en­auf­ent­halts in Cam­bridge ken­nen­ge­lernt. Irgend­wann kam das The­ma „Unter­stüt­zung psy­chisch belas­te­ter Men­schen“ auf. Wir bei­de haben früh erkannt, dass es hier eine Ver­sor­gungs­lü­cke gibt. Mei­ne Mut­ter ist Psy­cho­the­ra­peu­tin, mein Onkel Psy­cho­ana­ly­ti­ker. Bei uns zu Hau­se am Ess­tisch war Psy­cho­lo­gie und eben auch der Man­gel an The­ra­pie­plät­zen regel­mä­ßig Thema.

Kat­rin muss­te wäh­rend ihres Psy­cho­lo­gie-Prak­ti­kums an einer Kli­nik Hun­der­te Pati­en­ten anru­fen und ihnen die Absa­ge für den The­ra­pie­platz mit­tei­len. Im Gespräch kam uns die Idee, die­se Unter­ver­sor­gung über einen digi­ta­len Ansatz zu lösen.

Depressionen sind in Deutschland der zweithäufigste Grund, warum viele nicht zur Arbeit gehen können. Woran könnte das liegen?

Eine Depres­si­on äußert sich vor allem durch Sym­pto­me wie Nie­der­ge­schla­gen­heit, Antriebs­lo­sig­keit und Inter­es­se­lo­sig­keit. Das wirkt sich dann nicht nur auf das pri­va­te Leben aus, son­dern auch im Arbeits­kon­text. Es kann unglaub­lich hart für Betrof­fe­ne sein, den Antrieb zu fin­den und zur Arbeit zu gehen. Dazu kom­men häu­fig Sym­pto­me wie Selbst­zwei­fel oder Vor­wür­fe, die den Fokus ver­schie­ben und die Betrof­fe­nen belas­ten kön­nen. Gene­rel­le Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen – die zu ver­mehr­ten Selbst­zwei­feln füh­ren – und Schlaf­stö­run­gen, die sich wie­der­um auf dei­ne Kon­zen­tra­ti­on auswirken.

Der Wan­del der Arbeits­welt ist eben­falls ein Fak­tor. Die stän­di­ge Erreich­bar­keit oder die schwie­ri­ge Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf kann auch in psy­chi­schen Krank­hei­ten münden.

Für wen ist „Selfapy“ geeignet und kann es eine echte Therapie ersetzen?

Wir ver­ste­hen uns defi­ni­tiv nicht als Ersatz für die klas­si­sche The­ra­pie, son­dern sehen uns eher als schnel­le Hil­fe für Men­schen, die auf einen The­ra­pie­platz war­ten. Oder für Men­schen die, aus wel­chem Grund auch immer, kei­ne tra­di­tio­nel­le Psy­cho­the­ra­pie wahr­neh­men kön­nen oder wollen.

Unse­re Online­kur­se rich­ten sich vor allem an Men­schen mit leich­ten bis mit­tel­schwe­ren Sym­pto­men. Sie sind wis­sen­schaft­lich fun­diert und basie­ren auf den Grund­la­gen der Kogni­ti­ven Ver­hal­tens­the­ra­pie. Jeder mit einem Smart­pho­ne oder Com­pu­ter kann die Kur­se nutzen.

Welche „Selfapy“-Kurse gibt es und wie genau laufen sie ab?

Seit Dezem­ber 2020 bie­ten wir unse­re neue Depres­si­ons-App an, die auf Rezept durch Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen ver­ord­net wird. Sie ist eine Ergän­zung zu unse­rem ansons­ten nied­rig­schwel­li­gen prä­ven­ti­ven Kurs­an­ge­bot. Hier rei­chen unse­re Online­kur­se von Unter­stüt­zung bei Ess­stö­run­gen, Angst und Panik, depres­si­ver Ver­stim­mung bis hin zu Stress und Achtsamkeit.

Die Kur­se sind für zwölf Wochen kon­zi­piert. Bei den Prä­ven­tiv­kur­sen hängt die Art der indi­vi­du­el­len Betreu­ung von der jewei­li­gen Kran­ken­kas­se des Nut­zers ab. Für alle unse­re Kur­se gilt aber: Im Rah­men der Pati­en­ten­si­cher­heit steht immer ein Psy­cho­lo­ge per Nach­rich­ten­funk­ti­on für Fra­gen zur Verfügung.

Die Corona-Krise setzt vielen Menschen psychisch zu. Habt ihr dafür auch ein Angebot?

Rela­tiv schnell zu Beginn der Pan­de­mie haben wir einen kos­ten­frei­en Coro­na-Kurs ein­ge­rich­tet, der von meh­re­ren Tau­send Nut­zern ange­nom­men wur­de. Für uns hat die Qua­li­täts­si­che­rung der Kur­se obers­te Prio­ri­tät. Die Ergeb­nis­se und das Nut­zer­feed­back zu unse­rem Coro­na-Kurs wer­den der­zeit im Rah­men einer wis­sen­schaft­li­chen Aus­wer­tung analysiert.

Trotz­dem fin­den natür­lich auch wei­ter­hin Men­schen, die psy­chisch unter der Coro­na-Pan­de­mie lei­den, Hil­fe bei uns. Sie kön­nen im Rah­men eines kos­ten­frei­en Info­ge­sprächs mehr über unser Ange­bot erfah­ren und bei­spiels­wei­se unse­ren Prä­ven­tiv­kurs bei depres­si­ver Ver­stim­mung oder den Stress & Acht­sam­keit-Kurs nut­zen. Wir bera­ten sehr ger­ne in einem kos­ten­frei­en Info­ge­spräch, wel­cher Kurs am bes­ten geeig­net ist.

Was kosten die „Selfapy“-Kurse und werden sie auch von meiner Krankenkasse erstattet?

Unse­re neue Depres­si­on-Web-App kann man sich ein­fach bei sei­nem Haus­arzt oder sei­ner The­ra­peu­tin ver­schrei­ben las­sen. Für die­sen Kurs über­neh­men alle gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen die Kos­ten! Die Prä­ven­tiv­kur­se wer­den bereits von vie­len Kran­ken­kas­sen erstat­tet, ob die eige­ne Kas­se dabei ist, kann man ganz leicht auf unse­rer Web­site prüfen.

Wie viele Menschen habt ihr schon begleitet und wie ist das Feedback auf eure Kurse?

Bereits mehr als 35.000 Men­schen haben unse­re Online­kur­se bis­her genutzt. Das Feed­back der Nut­zer ist teil­wei­se wirk­lich emo­tio­nal und ergrei­fend. Uns errei­chen vie­le Nach­rich­ten, in denen uns Men­schen dan­ken, dass wir sie durch eine sehr schwe­re Zeit in ihrem Leben beglei­tet haben.

Auch die aktu­el­le Stu­die, die wir mit der Cha­ri­té durch­ge­führt haben, zeigt: Unse­re Kur­se hel­fen den Men­schen. All das ist unglaub­lich wert­voll für uns und moti­viert uns jeden Tag weiterzumachen.

Katrin und du habt beide Psychologie studiert. Wie habt ihr es geschafft, in kurzer Zeit ein erfolgreiches Online-Unternehmen mit 50 Mitarbeitern aufzubauen?

Ich den­ke, das Wich­tigs­te ist, einen gro­ßen Glau­ben an sich und die eige­ne Idee mit­zu­brin­gen. Gera­de am Anfang war das wich­tig, denn wir sind auf vie­le Zweif­ler gesto­ßen. Doch wir wuss­ten immer: Wir kön­nen das schaf­fen! Dank unse­rer Visi­on und unse­rem tol­len Team ste­hen wir an dem Punkt, an dem wir heu­te sind.

Ihr habt bereits wenige Monate nach der Gründung eine Seed-Finanzierung im hohen sechsstelligen Bereich erhalten, im Januar 2020 folgten weitere sechs Millionen Euro. Was macht euch für Investoren so attraktiv?

Beson­ders in den letz­ten Jah­ren ist der E‑He­alth-Bereich für Inves­to­ren attrak­tiv gewor­den. Bei­spiels­wei­se hat die Poli­tik u.a. mit dem Digi­ta­le-Ver­sor­gung-Gesetz erheb­li­che Maß­nah­men in Gang gesetzt, wel­che die Digi­ta­li­sie­rung im Gesund­heits­be­reich beschleunigen.

Auf die­ser Basis konn­ten auch wir unse­re neue Depres­si­ons-App umset­zen, die auf Rezept ver­schrie­ben wer­den kann – das ist ein ech­ter Mei­len­stein für uns und natür­lich auch für Inves­to­ren spannend.

Was ist euer langfristiges Ziel?

Unse­re Visi­on ist, dass nie­mand mehr, der an einer psy­chi­schen Belas­tung lei­det, auf Hil­fe war­ten muss. Daher arbei­ten wir jeden Tag dar­an, so vie­len Men­schen wie mög­lich mit einer digi­ta­len und fle­xi­blen Lösung Unter­stüt­zung zu ermöglichen.

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