Startseite/Sarah Henke kocht los
  • Sarah Henke
    Sarah Henke, ©Sarah Henke, privat

Sarah Henke kocht los

2021-11-08T12:26:59+01:008. November 2021|

Das wei­te Land und die Spit­zen­kü­che. Passt das zusam­men? Eine kuli­na­ri­sche Über­ra­schung erlebt, wer sich in Ander­nach am Rhein­ki­lo­me­ter 613 ins Restau­rant „YOSO“ ein­fin­det. Dort kocht eigent­lich die Ster­ne­kö­chin Sarah Hen­ke, doch die ist im Moment in Mut­ter­schutz. Ein Gespräch.

Von Matt­hais Lauerer

„Über mei­ne Her­kunft gibt es bis­lang nur weni­ge Infor­ma­tio­nen. Ich wur­de als Fin­del­kind in Seo­ul gefun­den. Ich konn­te lau­fen und ´Noo­Na´ sagen. Ver­mut­lich gebo­ren bin ich am 23. Febru­ar 1982. Das war es schon.“ So schil­dert es die Ster­ne­kö­chin Hen­ke in ihrem Buch „Korea. Mei­ne kuli­na­ri­sche Rei­se ins Land der vie­len Wunder.“

Soeben Nachwuchs bekommen

Vor neun Wochen ist die 39-Jäh­ri­ge Mama gewor­den. „Das ist eine sehr gro­ße Her­aus­for­de­rung, auf die man sich nicht vor­be­rei­ten kann“, sagt sie. Beson­ders „die ers­ten drei Wochen mit mei­nem Sohn Sam Je Joon waren sehr trä­nen­reich.“ Über­setzt steht des­sen zwei­ter und drit­ter Teil des Tauf­na­mens für die Begrif­fe „talen­tiert“ und „inte­griert“, ganz wie ein Syn­onym für Hen­kes unge­wöhn­li­che Lebens­ge­schich­te. Die­se ist es, die die Men­schen auf­hor­chen lässt. Die Spit­zen­kö­chin in spe lan­det bei einer deut­schen Fami­lie und wächst in einem Dörf­chen nahe Uslar in Süd­nie­der­sach­sen auf.

Viel unterwegs

Ihr beruf­li­cher Weg führt sie durch die Küchen der Repu­blik. Die Wan­der­jah­re ver­bringt die jun­ge Frau unter deut­schen und por­tu­gie­si­schen Dächern. Hen­ke schafft im „Schloss­ho­tel Ler­bach“ und ent­deckt fei­ne Füh­rung bei Sven Elver­feld im „Aqua“. „Der sehr mensch­li­che Umgang im Team ist Sven sehr wich­tig, also die Stim­mung in der Küche“, sagt sie. Spä­ter geht es für zwölf Mona­te zu Jens Ritt­mey­er ins „Sao Gabri­el“. „Ich war immer sehr ehr­gei­zig und nahm an Koch­wett­be­wer­ben teil. Nie jedoch mit dem Tenor: Ich wer­de Sterneköchin.“

Feine Speisen

Die jet­zi­ge Welt, im Aus­klang der Coro­na­pan­de­mie, sieht im „YOSO“ sehr rosig aus: „Ich wür­de behaup­ten, dass es bes­ser denn je läuft, was ich mei­nem Team zu ver­dan­ken habe.“ Die Nach­fra­ge sei „hoch“ und „wir sind sehr gut gebucht.“ Auch geben die Gäs­te mehr Geld aus. Durch die Kri­se hat sich auch etwas ver­än­dert, ver­scho­ben. „Die Men­schen sind froh, sich wie­der auf­zu­hüb­schen und hier einzukehren.“

Wegen der Zeit des Nach­den­kens wäh­rend der Lock­downs hat das Team um Hen­ke auch das Kon­zept umge­stellt. Heu­te reicht man den Besu­chern „nur“ noch ein Sechs-Gang-Menü für 112 Euro. „Damit lässt es sich wirt­schaft­lich bes­ser rech­nen, kal­ku­lie­ren und ein­kau­fen“, sagt sie dazu. Auch für „das Per­so­nal sei es nun schö­ner zu organisieren.“

Sarah Henke

Stern im „Guide Michelin“

Die jun­ge Frau, die unter ihrem Kunst­na­men „Sarah Hen­ke“ in der Sze­ne unter­wegs ist, lässt ihre Gerich­te rund um die Ele­men­te Erde, Feu­er und Was­ser gedei­hen. Mit Erfolg, denn ihr gelingt ein Stern im „Gui­de Miche­lin Deutsch­land“. Dazu notie­ren die Tes­ter: „Eine Küche vol­ler Fines­se einen Stopp wert“. Sie loben auch „das kon­stant hohe Niveau bei der Zube­rei­tung.“ Wei­te­re 15 Punk­te gibt es vom „Gault & Mil­lau“ für die „Aro­men­kü­che Sarah Hen­ke.“ 2015 kürt eine Jury der „Kuli­na­ri­schen Aus­le­se” sie zur „Bes­ten Köchin des Jah­res“. Kommt dann noch hin­zu, dass eine Frau mit uner­find­li­chen Wur­zeln in der korea­ni­schen Fer­ne schon seit sechs Som­mern so erfreu­lich kocht, selbst in einer Coro­na­pan­de­mie nicht schwankt und auch nicht hoch­nä­sig wird, wenn ein Stern ihr Haus schmückt, so belegt das eine Hal­tung, die man bewun­dern darf.

Bewegender Besuch

2013 besucht die Köchin zum ers­ten Mal Asi­en und im April 2018 geht es für sie ins Land der Vor­fah­ren. Ein ange­dach­tes Buch über ihre Lebens­rei­se ist schuld dar­an. „Dafür ins Land zu rei­sen, in dem ich gebo­ren wur­de, war eine tol­le Sache.“ Dort gibt es „viel zu bestau­nen und zu schme­cken“, sagt Sarah heu­te dazu. Ihr Besuch sei „sehr bewe­gend gewe­sen und ich habe mich dort oft gefragt: Wes­halb warst Du nicht schon frü­her in Korea?“

Harte Lehrjahre

Und was sagt sie über ihren ful­mi­nan­ten Auf­stieg in der Gas­tro­no­mie? Wie gelang ihr die­ser? „Als Per­son muss man einen gewis­sen Ehr­geiz mit­brin­gen und beson­ders in den Anfangs­jah­ren gibt es viel Ent­beh­rung. Nie­mand kann dann einen Job von 8 Uhr bis 17 Uhr erwar­ten.“ Für sie sei es „ein kom­plet­ter Ver­zicht“ gewe­sen. „Beson­ders die drei Jah­re auf Sylt waren sehr hart, weil es zeit­in­ten­siv war.“ Hen­ke glaubt auch: „Hät­te ich die­se Zeit nicht inves­tiert, wür­de ich heu­te nicht daste­hen, wo ich bin.“ Für die Zukunft wünscht sie sich, dass das „YOSO“ auch in zehn Jah­ren noch exis­tiert und wacker für Gour­mets die Türen aufschließt.

Die bes­ten Sto­ries für dich!

Noch mehr Infos für dich

Unterschätzt werden: Was dahinter steckt und was du dagegen tun kannst

„Nie wer­de ich die­ses abschät­zi­ge Lachen in den Mee­tings ver­ges­sen“, erin­nert sich die Digi­tal­spe­zia­lis­tin Ste­fa­nia L. Als die jun­ge Frau mit fran­zö­si­schem Akzent eine Pro­jekt­lei­tung über­nahm, kos­te­te sie das gewal­tig Ner­ven. Wie auch die Unter­schätz­ten Gehör fin­den, ver­ra­ten die Psy­cho­lo­gin Ste­fa­nie Stahl und der Kar­rie­re­be­ra­ter Mar­tin Wehrle. 

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben