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Rürup-Rente: Die wichtigsten Fragen und Antworten

2021-05-20T12:23:32+02:0020. Mai 2021|

Basis­ren­te – das klingt nach einem soli­den Finanz­fun­da­ment fürs Alter. Doch das stimmt nicht immer. Wie die­se Form der staat­lich geför­der­ten Alters­vor­sor­ge funk­tio­niert und für wen sie inter­es­sant ist.

Von Ste­phan Haberer

Eine Alters­vor­sor­ge, die allen offen­steht, mit der gesetz­li­chen Ren­te als Vor­bild – das war die Idee hin­ter der soge­nann­ten Basis­ren­te.  2005 von einer Ren­ten­kom­mis­si­on unter Bert Rürup, dem dama­li­gen Vor­sit­zen­den der soge­nann­ten „Fünf Wei­sen“, ins Leben geru­fen, trug sie fort­an auch sei­nen Namen: Rürup-Ren­te. Von die­ser staat­lich geför­der­ten Vor­sor­ge soll­ten ursprüng­lich vor allem Selbst­stän­di­ge und Frei­be­ruf­ler pro­fi­tie­ren. Schließ­lich zah­len sie in der Regel weder in die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung noch in berufs­stän­di­sche Ver­sor­gungs­wer­ke ein. Mitt­ler­wei­le wird die Rürup-Ren­te jedoch auch bei vie­len, meis­tens gut ver­die­nen­den  Ange­stell­ten belieb­ter, las­sen sich damit doch mit­un­ter staat­lich geför­dert statt­li­che Sum­men fürs Alter ansparen.

Die Rürup-Ren­te gibt es in vie­len Vari­an­ten, von der klas­si­schen Ren­ten­ver­si­che­rung mit Garan­tie­zins bis hin zu Fonds­spar­plan-Vari­an­ten. Dabei kann ver­ein­bart wer­den, dass zu Ren­ten­be­ginn min­des­tens die ein­ge­zahl­ten Bei­trä­ge zur Ver­fü­gung ste­hen. Ver­zich­tet man auf die­se Garan­tie, kann das die Ren­di­te­chan­cen deut­lich erhö­hen, ins­be­son­de­re bei Fonds­va­ri­an­ten. Es birgt jedoch auch das Risi­ko, dass sich das ange­spar­te Kapi­tal min­dern kann, wie der Coro­na-Crash gera­de gezeigt hat. Auf lan­ge Sicht aber – und Ren­ten­po­li­cen lau­fen meist über Jahr­zehn­te – ging es an den Bör­sen bis­her immer nach oben. Wei­te­rer Plus­punkt von Fonds­va­ri­an­ten: Wäh­rend der Anspar­pha­se wird kei­ne Abgel­tungs­teu­er auf Fonds­er­trä­ge fäl­lig. Den­noch müs­sen alle, die auf die Basis­ren­te set­zen, eini­ge Krö­ten schlu­cken. Die Details.

Was bietet die Basisrente?

Bei der Rürup-Ren­te wird das ange­spar­te Kapi­tal immer als lebens­lan­ge monat­li­che Ren­te aus­ge­zahlt, und das frü­hes­tens ab dem 62. Geburts­tag. Zudem kann in gewis­sen Gren­zen auch ein Berufs­un­fä­hig­keits- und Hin­ter­blie­be­nen­schutz inte­griert wer­den, ohne dass die staat­li­che För­de­rung gefähr­det wür­de. Der Ver­ren­tungs­zwang schützt zwar davor, das Kapi­tal vor dem Ruhe­stand zu „ver­früh­stü­cken“, er macht die Basis­ren­te aber auch unat­trak­ti­ver. Denn eine Kapi­tal­aus­zah­lung ist unmöglich.

Was ist dann der Kick?

Der Reiz der Rürup-Ren­te liegt in der unter­schied­li­chen Besteue­rung der Ein- und Aus­zah­lun­gen. Ein­ge­zahl­te Bei­trä­ge las­sen sich von der Steu­er abset­zen. Auf die Aus­zah­lun­gen im Alter wird dage­gen grund­sätz­lich Ein­kom­men­steu­er fällig.

Dann aber ist das Ein­kom­men meist nied­ri­ger als wäh­rend des Arbeits­le­bens – und damit auch der per­sön­li­che Steu­er­satz, was unterm Strich Steu­ern spart. So weit, so normal.

Ein beson­de­rer Rürup-Kick ent­steht, weil man der­zeit einen grö­ße­ren pro­zen­tua­len Anteil der Bei­trä­ge steu­er­lich abset­zen kann, als im Ruhe­stand zu ver­steu­ern sind. Bei­spiel: 2020 las­sen sich 90 Pro­zent der Bei­trä­ge als Son­der­aus­ga­ben von der Steu­er abset­zen. Die­ser Pro­zent­satz steigt bis 2025 um je zwei Pro­zent­punk­te auf 100 Pro­zent. Auch der zu ver­steu­ern­de pro­zen­tua­le Anteil der Ren­te steigt jähr­lich. Aber nur um jeweils einen Pro­zent­punkt, also deut­lich langsamer.

Der zu ver­steu­ern­de Anteil ist zudem an das Jahr gekop­pelt, in dem die Ren­te erst­mals gezahlt wird. Fließt die Ren­te ab 2020, sind 80 Pro­zent davon zu ver­steu­ern, 20 Pro­zent blei­ben kom­plett steuerfrei.

Unterm Strich klafft also zwi­schen Ein- und Aus­zah­lung eine Steu­er­lü­cke von der­zeit zehn Pro­zent­punk­ten: 2021 sind es elf (92 Pro­zent zu 81 Pro­zent). Bis 2025 steigt die­se Lücke auf 15 Pro­zent­punk­te. Danach aber sinkt sie – ab 2040 müs­sen Neurent­ner auch ihre Basis­ren­te kom­plett versteuern.

Besteht eine Obergrenze für die steuerliche Förderung?

Für Sin­gles liegt die Ober­gren­ze 2020 bei 25 046 Euro im Jahr. Davon wer­den wie oben beschrie­ben 90 Pro­zent steu­er­min­dernd aner­kannt (22 541,40 Euro). Für Ehepartner:innen ver­dop­peln sich die Beträ­ge. Für sie liegt die Ober­gren­ze damit bei 50 092 Euro, als Son­der­aus­ga­ben wer­den davon der­zeit 45 082,80 Euro anerkannt.

Wer profitiert am meisten von der Förderung?

Von der „Steu­er­sche­re“ zwi­schen Ein- und Aus­zah­lun­gen pro­fi­tie­ren ins­be­son­de­re Per­so­nen, die bis etwa 2030 in Ruhe­stand gehen. Unter die­sen wie­der­um ganz beson­ders Besserverdiener:innen wegen ihres hohen per­sön­li­chen Steu­er­sat­zes wäh­rend des Erwerbs­le­bens, ins­be­son­de­re wenn sie die steu­er­li­che För­de­rung kom­plett aus­rei­zen. So kann ein Ehe­paar mit 200 000 Euro zu ver­steu­ern­dem Jah­res­ein­kom­men knapp 20 000 Euro Ein­kom­men­steu­er und Soli jähr­lich spa­ren, wenn es 50 092 Euro in eine Basis­ren­te steckt.

Haben Frauen besondere Vorteile vom Rürup-Modell?

Sta­tis­tisch gese­hen leben Frau­en viel län­ger als Män­ner und ihre gesetz­li­che Ren­te ist deut­lich nied­ri­ger. Ins­be­son­de­re wenn der Mann gut ver­dient, kann es sich für Ehe­paa­re daher rech­nen, eine Basis­ren­te mit hohen Aus­zah­lun­gen auf die Frau abzu­schlie­ßen (sie­he Bei­spiel­rech­nung). Solan­ge bei­de leben, fließt die­se Ren­te ins Haus­halts­ein­kom­men. Stirbt der Ehe­mann, ist die Wit­we bes­ser ver­sorgt. Jedoch kann eine Basis­ren­te die sons­ti­ge Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung min­dern (sie­he unten).

Und welche Nachteile gibt es?

Die Rürup-Ren­te kann weder belie­hen noch ver­äu­ßert wer­den. Und sie ist weder über­trag­bar noch ver­erb­bar. Es kön­nen aber Ren­ten­zah­lun­gen für kin­der­geld­be­rech­tig­te Kin­der und Ehe­part­ner ver­trag­lich ver­ein­bart werden.

Ein Basis­ren­ten­ver­trag ist zudem unkünd­bar. Er lässt sich ledig­lich bei­trags­frei stel­len. Dann ver­zinst sich bereits ein­ge­zahl­tes Kapi­tal wei­ter oder wird wei­ter ange­legt – bis zur Auszahlung.

Wei­te­rer Nach­teil für Ange­stell­te und vie­le Freiberufler:innen: Die Ober­gren­ze für die steu­er­li­che För­de­rung greift nicht nur bei Ein­zah­lun­gen in Rürup-Ver­trä­ge, son­dern auch bei sol­chen in die gesetz­li­che Ren­te oder in berufs­stän­di­sche Ver­sor­gungs­wer­ke. Flie­ßen im Monat zum Bei­spiel 1000 Euro in die Ren­ten­kas­se (12 000 Euro im Jahr), kann man der­zeit „nur“ 1087,16 Euro im Monat (13 046 Euro im Jahr) steu­er­min­dernd in die Basis­ren­te stecken.

Und wie ist es bei Pfändungen und Hartz IV?

Die Rürup-Ren­te wird oft als „unpfänd­bar“ und „Hartz-IV-sicher“ bezeich­net. Das stimmt aber nur bedingt. In der Anspar­pha­se besteht zwar ein beson­de­rer Schutz, doch der gilt für maxi­mal 256 000 Euro. Und die­ser Betrag baut sich mit dem Alter auf: Mit 35 Jah­ren sind erst 48 000 Euro geschützt, mit 45 Jah­ren 91 000 Euro und mit 55 exakt 152 000 Euro. Von jedem Euro über dem jeweils geschütz­ten Betrag sind dage­gen 70 Cent pfänd­bar. Und der Teil des Rürup-Ver­mö­gens, der den drei­fa­chen Wert des jeweils geschütz­ten Betrags über­steigt, ist sogar kom­plett pfänd­bar. Fließt dage­gen schon Rürup-Ren­te, ist sie (wie alle ande­ren Ein­künf­te) nur inner­halb der nor­ma­len Pfän­dungs­frei­gren­zen geschützt.

Rürup-Gut­ha­ben ist zudem auch nur in den übli­chen gesetz­li­chen Gren­zen Hartz-IV-siche­res Schon­ver­mö­gen. Auch bei der Grund­si­che­rung im Alter kön­nen Aus­zah­lun­gen aus Basis­ren­ten die­se Sozi­al­leis­tung mindern.

Werden Basisrenten auf Witwenrenten angerechnet?

Bei Hin­ter­blie­be­nen von Beam­ten wird eine Basis­ren­te nicht ange­rech­net. In der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung min­dern Basis­ren­ten nur dann die Hin­ter­blie­be­nen­ren­te, wenn bei­de Ehepartner:innen nach dem 31.12.1961 gebo­ren wurden.

Muss man Krankenversicherungsbeiträge auf Basisrenten zahlen?

Nur wer weni­ger als 90 Pro­zent der zwei­ten Hälf­te sei­nes Erwerbs­le­bens gesetz­lich kran­ken­ver­si­chert war und auch im Ruhe­stand gesetz­lich kran­ken­ver­si­chert ist, muss im Alter auf Basis­ren­ten Kran­ken- und Pfle­ge­kas­sen­bei­trä­ge zahlen.

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