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  • Vor allem Frauen müssen sich um ihre private Rentenvorsorge kümmern, ©shurkin_son - stock.adobe.com

Rentenlücke: Gerade für Frauen ein großes Problem – aber nicht unlösbar

2022-10-31T09:00:25+01:0030. Oktober 2022|

Die jähr­li­chen Ren­ten­be­schei­de tru­deln ein und zei­gen schwarz auf weiß, wie viel wir spä­ter im Ruhe­stand zum Leben haben. Doch da Frau­en in Deutsch­land im Schnitt 18 Pro­zent weni­ger als Män­ner ver­die­nen, sind sie auch im Alter schlech­ter gestellt. Was nun? 

Von Ant­je Erhard

Zum 1. Juli sind die Ren­ten gestie­gen: So erhal­ten Ruheständler:innen im Wes­ten 5,35 Pro­zent mehr Geld, in Ost­deutsch­land 6,12 Pro­zent. Aller­dings sinkt für künf­ti­ge Senior:innen-Generationen der Frei­be­trag bis zu dem die Alters­ein­künf­te nicht ver­steu­ert wer­den müs­sen, um jähr­lich ein Pro­zent.  

Ohne­hin ist das Ren­ten­ni­veau von der­zeit 48 Pro­zent nicht aus­rei­chend, um spä­ter aus­kömm­lich leben zu kön­nen – egal ob Mann oder Frau. Um den bis­he­ri­gen Lebens­stan­dard im Ruhe­stand hal­ten zu kön­nen, hal­ten Expert:innen ein Niveau von 55 Pro­zent für not­wen­dig. Ohne Vor­sor­ge geht es also nicht. Das zeigt die Ren­ten­lü­cke. Doch elf Mil­lio­nen Haus­hal­te in Deutsch­land kön­nen nicht für spä­ter spa­ren. Und so ergab eine Stu­die der Swiss Life, dass 49 Pro­zent der Frau­en in Deutsch­land Sor­ge vor Alters­ar­mut haben. 

Doch Vor­sor­ge wird gera­de in die­sen Zei­ten noch viel schwie­ri­ger: Denn der­zeit schlägt auch noch die Infla­ti­on nega­tiv zu. Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank hat zwar gera­de die Leit­zin­sen deut­lich ange­ho­ben, um der Infla­ti­on ent­ge­gen­zu­wir­ken, doch bis die Teue­rung wie­der ein akzep­ta­bles Maß erreicht, dau­ert es. 

Weniger Einkommen, weniger Vorsorge, weniger Rente: Ein Teufelskreis 

Zurück zum Ein­kom­men: Mit weni­ger Ein­kom­men erhal­ten Frau­en weni­ger Ren­te. Auch der EU-Durch­schnitt beim Ein­kom­mens­un­ter­schied zwi­schen Frau und Mann ist wenig erbau­lich: Nach Anga­ben des Euro­päi­schen Sozi­al­fonds für Deutsch­land beträgt der Ein­kom­mens­un­ter­schied zwi­schen den Geschlech­tern in der EU im Schnitt 13 Pro­zent.  

Ein gerin­ge­res Ein­kom­men hat aber lebens­lan­ge Fol­gen. Auch und gera­de bei der Alters­vor­sor­ge: So beträgt das Gen­der Pen­si­on Gap in Deutsch­land laut Sta­tis­ta 39 Pro­zent. Das ist der Unter­schied zwi­schen Mann und Frau in der Ren­te, basie­rend auf gesetz­li­cher, betrieb­li­cher und pri­va­ter Vor­sor­ge. 

Es ist ein Teu­fels­kreis: Wer weni­ger ver­dient, zahlt weni­ger in die Ren­ten­kas­se und erhält weni­ger Ren­te. Vor allem ab einem Alter von 35 Jah­ren klafft die Span­ne zwi­schen Mann und Frau aus­ein­an­der: Wenn Frau­en Müt­ter wer­den und zeit­wei­se gar nicht und spä­ter in Teil­zeit arbei­ten, bedeu­tet das im Schnitt zwölf Jah­re weni­ger Ein­zah­lun­gen für spä­ter. Und 66 Pro­zent der Müt­ter in Deutsch­land arbei­ten nun mal in Teil­zeit. 

Im Schnitt ver­dient eine Frau in Deutsch­land Voll­zeit brut­to 3.578 Euro laut Sta­tis­ta, Män­ner hin­ge­gen 4.146 Euro. Eine 30 Jah­re alte Frau, die mit 67 in Ren­te geht, wür­de dar­aus im Schnitt rund 1.747,51 Euro Brut­to-Ren­te erhal­ten. Nach Abzug von Sozi­al­ver­si­che­rung und Steu­ern blei­ben 1.398,28 Euro. Laut Ren­ten-Rech­ner ergibt sich eine Ren­ten­lü­cke von 545,77 Euro zum letz­ten Net­to-Gehalt. Und das sind nur Durch­schnitts­wer­te, die die indi­vi­du­el­le Situa­ti­on aus Teil­zeit­ar­beit, Aus­zeit, Steu­er­klas­se, etc. nicht berück­sich­tigt. 

Lebenserwartung und Steuern ebenfalls berücksichtigen 

Doch das ist nicht die ein­zi­ge schlech­te Nach­richt: Frau­en wer­den im Schnitt gut 83 Jah­re alt. Die Alters­vor­sor­ge muss also min­des­tens 16 Jah­re rei­chen, vor­aus­ge­setzt dass wir nicht frü­her in Ren­te gehen.  

Und dann ist da auch noch die Steu­er­last auf die Ren­te: Nach dem Alters­ein­künf­te­ge­setz erhal­ten Arbeiternehmer:innen, die 2005 oder frü­her in Ren­te gin­gen, 50 Pro­zent steu­er­frei. Seit 2005 steigt der Besteue­rungs­an­teil jähr­lich um zwei Pro­zent­punk­te, seit 2021 um einen Pro­zent­punkt pro Jahr. Das bedeu­tet, dass alle, die ab 2040 in den Ruhe­stand gehen, ihre gesetz­li­che Ren­te voll ver­steu­ern müs­sen. Ledig­lich eine Pau­scha­le von 102 Euro für Wer­bungs­kos­ten zieht das Finanz­amt ab.  

Immer­hin wird gera­de für Frau­en Fami­li­en­ar­beit ange­rech­net: Ist ein Kind vor 1992 gebo­ren, wer­den frau pro Kind zwei­ein­halb Jah­re Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten gut­ge­schrie­ben. Ist ein Kind nach 1992 gebo­ren, gel­ten bis zu drei Jah­re. Für die Zeit der Erzie­hung wer­den Frau­en nach Anga­ben der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung so gestellt, als hät­ten sie Bei­trä­ge in der Höhe des Durch­schnitts aller Ver­si­cher­ten gezahlt. Vor­aus­set­zung dafür sind min­des­tens fünf vor­han­de­ne Ren­ten­punk­te. Umge­rech­net brin­ge ein Jahr Kin­der­er­zie­hungs­zeit unge­fähr 30 Euro Ren­te im Monat. 

Private Vorsorge zur Vermeidung der Rentenlücke

Pri­va­te Vor­sor­ge tut also Not. Im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt waren Immo­bi­li­en ein mach­ba­res Invest­ment ange­sichts nied­ri­ger Zin­sen. Doch auch die haben dazu bei­getra­gen, dass Immo­bi­li­en­prei­se stark gestie­gen sind. Im aktu­el­len Umfeld aus stei­gen­den Zin­sen und immer noch hohen Kauf­prei­sen kön­nen vie­le nicht mehr in Immo­bi­li­en inves­tie­ren. 

Mit dem Abschaf­fen der Nega­tiv­zin­sen auf dem Spar­kon­to wird die­ses aber immer noch nicht attrak­tiv: Nach Infla­ti­on sind Ein­la­gen immer noch ein Zuschuss­ge­schäft und brin­gen kei­ne Erträ­ge für die Sparer:innen. 

Und auch die Bör­se ist im Moment ein unru­hi­ges Pflas­ter: Seit Mona­ten fal­len die Kur­se, weil Infla­ti­ons- und Rezes­si­ons­sor­gen die Investor:innen ver­schre­cken. Doch zumin­dest lässt sich hier nach und nach vor­sor­gen – in klei­nen Schrit­ten: 

Vorsorge an der Börse 

Wer mit 30 Jah­ren zumin­dest 100 Euro pro Monat an der Bör­se inves­tiert, kann 37 Jah­re lang vor­sor­gen. Neh­men wir eine Ren­di­te von 5,5 Pro­zent an. So viel macht ein breit auf­ge­stell­ter Akti­en­in­dex lang­fris­tig. Eine Infla­ti­on von lang­fris­tig 1,5 Pro­zent ist da bereits berück­sich­tigt. Der­zeit ist die Infla­ti­on sehr viel höher – im Schnitt der letz­ten 20 Jah­re lag sie jedoch in Deutsch­land bei 1,5 Pro­zent. 

Im Lau­fe von 37 Jah­ren bis zur Ren­te kom­men auf die­se Art 145.027 Euro End­ka­pi­tal vor Steu­ern zusam­men. Davon sind 44.400 Euro Ein­zah­lun­gen. Der Groß­teil, näm­lich 100.627 Euro, ent­fällt auf die Zin­sen. 

Wer pri­vat vor­ge­sorgt hat, muss auf sein Wert­pa­pier kei­ne Steu­ern und Sozi­al­ab­ge­ben zah­len, denn er hat ja bereits ver­steu­er­tes Ein­kom­men ange­legt. Aller­dings müs­sen die Erträ­ge wie Divi­den­den und Zin­sen ver­steu­ert wer­den. In die­sem Bei­spiel fie­len 31.165 Euro Kapi­tal­ertrags­steu­ern an, wür­de man das Kapi­tal auf einen Schlag ent­neh­men und ver­steu­ern. 

Auszahlungen – Verschiedene Lösungsansätze 

Wer Geld zurück­ge­legt hat, kann es sich spä­ter monat­lich aus­zah­len las­sen. Dazu gibt es ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten: 

  • Bei­spiel 1: Eine Sofort­ren­te: Ein Spar­be­trag wird an eine Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft gezahlt, die dann eine lebens­lan­ge Ren­te aus­zahlt in Form einer Garan­tie und einer – jähr­lich schwan­ken­den – Über­schuss­be­tei­li­gung. Das lohnt sich, je älter man wird. Wer weiß das aber schon? 
  • Bei­spiel 2: Ein Aus­zahl­plan: Hier wird die Spar­sum­me durch eine gewis­se Anzahl an Jah­ren geteilt und der Betrag monat­lich entnommen.
  • Bei­spiel 3: Eine Kom­bi­na­ti­on aus Sofort­ren­te und Aus­zahl­plan: Hier wird zunächst das Gespar­te monat­lich aus­ge­zahlt und nach eini­gen Jah­ren erst der übri­ge Betrag als Sofort­ren­te. 

Fazit: Die Ren­ten­lü­cke ist nicht weg­zu­dis­ku­tie­ren. Im aktu­el­len Umfeld ist pri­va­te Vor­sor­ge aber wirk­lich schwie­rig. Was uns Frau­en aber nicht davon abhal­ten darf, für unser Alter vor­zu­sor­gen. Selbst klei­ne Schrit­te sind bes­ser als gar kei­ne. 

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