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“Remember to come back in September” — Was ist dran an der Börsenweisheit?

2021-09-23T12:11:58+02:0023. September 2021|

Allein in die­sem Jahr hat der DAX drei 1000-Punk­te-Mar­ken gewuppt. Trotz aller Risi­ken. Und die sind ja nicht weni­ger gewor­den. Was bedeu­tet das für den Bör­sen-Herbst? “Remem­ber to come back in Sep­tem­ber” heißt es ja. Die­se Bör­sen-Regel ergänzt das Sprich­wort „Sell in May“. War­um das zu befol­gen, in die­sem Jahr kei­ne gute Idee war.…

Von Ant­je Erhard

Allein in die­sem Jahr hat Deutsch­lands  größ­ter Bör­sen­in­dex drei 1000-Punk­te-Mar­ken über­wun­den: 14.000, 15.000, 16.000 Punk­te. Ende März war der DAX über­haupt erst­mals über 15.000 Punk­te gestie­gen. Und trotz­dem raus aus dem Markt wie die Bör­sen­re­gel „Sell in May“ nahe­legt? Es heißt ja auch: „The trend is your friend“? Schau­en wir auf die Details zwi­schen Mai und August:

Die Bör­sen­stim­mung war gut. Trotz anhal­ten­der Pan­de­mie mit der sich schnell ver­brei­ten­den Del­ta-Vari­an­te und immer neu­en Lock­downs. Trotz anzie­hen­der Infla­ti­on, trotz Sor­gen vor einer Zins­wen­de der Noten­ban­ken. Die „Aber“-Liste ist lang. Doch die Noten­ban­ken mit der Poli­tik des güns­ti­gen Gel­des hal­ten die Ral­ly trotz stei­gen­der Bewer­tun­gen glo­bal am Lau­fen. Und spül­ten die Akti­en­prei­se Mit­te August auf einen Rekord-DAX von 16.024 Punk­ten. Ende April ende­te der Han­del noch bei 15.136.

Auch inter­na­tio­nal lief es in die­sem Som­mer, zwi­schen Ende April und August: In New York klet­ter­te der Dow Jones von 33.875 auf 35.399 Punk­te. Zwi­schen­drin lag der Rekord bei 35.625. Der S&P 500 und die Tech-Indi­zes erreich­ten eben­falls Rekord­hö­hen. Mehrmals.

Wer im Mai die­ses Jahr also aus den Märk­ten aus­ge­stie­gen ist, hat eine kurz­zei­ti­ge Ral­ly ver­passt. Doch was ist mit “Remem­ber to come back in September”?

Achtung, Fundamentaldaten

Schaut frau auf die fun­da­men­ta­len Daten, ist die som­mer­li­che Bör­sen­ent­wick­lung ver­wun­der­lich: Chi­na macht Investor:innen mit immer neu­en Regu­lie­run­gen Sor­gen, in den USA wächst die Wirt­schaft, aber nicht mehr so stark, die Sor­ge vor stei­gen­den Zin­sen schwappt immer wie­der hoch, und wie lie­fer­fä­hig die Unter­neh­men in den nächs­ten Mona­ten sein wer­den, ist schwer zu sagen.

Doch egal, ob Auto­her­stel­lern die Chips feh­len oder der Bau-Bran­che das Bau-Mate­ri­al: Unter­neh­men wer­den dar­an gemes­sen, ob und wie sie Gewin­ne machen. Und da liegt eines der Pro­ble­me: Die stei­gen­de Infla­ti­on sorgt für Ner­vo­si­tät. Denn sie schürt die Angst vor weni­ger Wirtschaftswachstum.

Come back in September: Das „schwarze Schaf der Börsenmonate“

Im Sep­tem­ber geht es denn auch über­wie­gend abwärts auf den inter­na­tio­na­len Bör­sen­par­ketts. Der Sep­tem­ber ist in Wirk­lich­keit „das schwar­ze Schaf der Bör­sen­mo­na­te“,  sagt Jörg Sche­rer, Lei­ter der Tech­ni­schen Ana­ly­se der HSBC Deutsch­land. Das las­se sich auch tech­nisch bele­gen: „Seit 1987 ende­ten beim DAX nur 14 von 33 Sep­tem­ber-Mona­ten mit einem posi­ti­ven Vorzeichen.“

Und so ver­liert der DAX im Sep­tem­ber im Schnitt zwei Pro­zent. Schlech­ter ist nur noch der August mit 2,08 Pro­zent. Wer im Mai ver­kauft, lässt sich im Schnitt im Juni eine Per­for­mance von nur 0,05 Pro­zent ent­ge­hen und von 1,23 Pro­zent im Juli. Das macht den Sep­tem­ber also nicht wett.

Wall Street: Nachwahl- und 1er-Jahre verhageln den September

Side­kick: Schau­en wir auf die Wall Street: Auch in den USA ist der Sep­tem­ber ein mise­ra­bler Bör­sen­mo­nat. Dort mah­nen der­zeit auch noch der Prä­si­dent­schafts- und Deka­den-Zyklus zur Vor­sicht, schreibt Jörg Sche­rer: In Nach­wahl-Jah­ren erlei­de der Dow Jones Index „eine klas­si­sche Sep­tem­ber- / Okto­ber-Del­le“ in einem typi­schen Ver­lauf. In einem 1‑er Jahr, also mit einer „1“ am Ende wie 2021, zei­ge das Mus­ter sogar „deut­li­che Rück­schlag­ge­fah­ren“. In nur zwei von 12 Fäl­len konn­te der Dow Jones in einem 1er-Jahr zule­gen bei einer Tref­fer­quo­te von 16,6 Pro­zent. „Nega­ti­ve Chart­mus­ter fal­len des­halb in den nächs­ten Wochen auf frucht­ba­ren sai­so­na­len Boden.“

Die Sell in May-Regel hat­te vor allem frü­her ihre Berech­ti­gung: Über die Som­mer­mo­na­te, zur Urlaubs­zeit, war es im Zeit­al­ter ohne Inter­net und Smart­pho­ne nahe­zu unmög­lich, vom Strand aus in das Bör­sen­ge­sche­hen ein­zu­grei­fen. Somit haben vie­le Anleger:innen vor dem Som­mer ver­kauft. Um im Sep­tem­ber zurück­zu­keh­ren. Doch die Zei­ten ändern sich. Und so sind auch Bör­sen­re­geln nicht (mehr) in Stein gemei­ßelt. Sie im Kopf zu behal­ten und die Gesamt­la­ge immer wie­der zur über­prü­fen, das ist trotz­dem eine gute Idee. Nicht nur im Mai.…

Courage-Tipp “Come back in September”

Cou­ra­ge-Tipp: Wer auf den gesam­ten Markt set­zen möch­te, kann zum Bei­spiel ETFs auf den DAX, den Dow Jones oder den S&P 500 ins Depot neh­men. Sie eig­nen sich recht gut als lang­fris­ti­ges Basis-Invest­ment. Nahe­zu alle gro­ßen Anbie­ter bie­ten ent­spre­chen­de Fonds, ETFs, Zer­ti­fi­ka­te etc. an. Die Vor­tei­le sind klar die brei­te Streu­ung, die das Risi­ko auf vie­le Akti­en ver­teilt, die Trans­pa­renz, weil auf einen Blick ersicht­lich ist, was im jewei­li­gen Pro­dukt ent­hal­ten ist, die gute Han­del­bar­keit, der Schutz vor Insol­venz des Anbie­ters bei Fonds bzw. ETFs  und die rela­tiv güns­ti­gen Kos­ten, haupt­säch­lich bei ETFs. Nach­tei­lig ist, dass frau mit dem Markt „schwimmt“. Die eige­ne Per­for­mance ist eben „nur“ so gut wie die des zugrun­de­lie­gen­den Pro­dukts. Und nicht bes­ser. Und frau braucht einen lan­gen Atem: Invest­ments in Indi­zes eig­nen sich vor allem lang­fris­tig. Und lang­fris­tig zu inves­tie­ren statt zu zocken ist an der Bör­se grund­sätz­lich eine gute Idee…

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