Es gibt The­men, die spal­ten – und die gen­der­neu­tra­le Spra­che gehört ganz sicher dazu. Mar­lies Krä­mer war es, die mich zum Nach­den­ken brach­te. 2018 hat­te die damals 80-Jäh­ri­ge gegen ihre Bank, die Spar­kas­se Saar­brü­cken, geklagt. 

Der Grund: In den For­mu­la­ren des Finanz­in­sti­tuts wür­den nur „Kon­to­in­ha­ber“, also Män­ner ange­spro­chen. Als das durch die Pres­se ging, war ich zunächst irri­tiert. Geht´s noch? Haben wir nichts Wich­ti­ge­res zu tun?

Je län­ger ich aber dar­über nach­dach­te, des­to unsi­che­rer wur­de ich. Was hat Spra­che mit dem Den­ken zu tun? War­um haben wir uns so dar­an gewöhnt, dass der Mann im Mit­tel­kreis steht und sich alles ande­re – also auch wir Frau­en – außen rum grup­piert? Da kommt mir in den Sinn, dass wir ein „Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend“ haben. Fällt Euch da was auf? Rich­tig! Alle „Rand­grup­pen“ sind hier zusam­men­ge­fasst. Die Norm aber ist – der Mann!

Mar­lies Krä­mer hat ihren Pro­zess ver­lo­ren. Aber den­noch viel erreicht. Wir dis­ku­tie­ren dar­über, sehr kon­tro­vers. Mei­ne Tan­te nennt es „Sprach­ter­ror“, wenn sie so etwas wie „Zuschauer:innen“ mit Sprach­pau­se hört. Und damit steht sie nicht allein da. „Die Bür­ger wol­len kei­ne Gen­der­spra­che“, titel­te die FAZ am 23. Mai. Zwei von drei Deut­schen, das hat eine Umfra­ge von Infra­test Dimap erge­ben, leh­nen das Gen­dern ab.

Die ande­re Sei­te der Medail­le: Spra­che ist leben­dig – und Gewohn­hei­ten ver­än­dern sich schnell. Als ich neu­lich einen Text von einer Autorin las, sprang es mir förm­lich ins Gesicht: der Inves­tor, der Anle­ger – und ohne wei­ter nach­zu­den­ken, habe ich Investor*in und Anleger*in dar­aus gemacht. Intui­tiv — ich habe mich als „Anle­ger“ oder „Inves­tor“ schlicht nicht ange­spro­chen gefühlt.

„Ich ken­ne vie­le Frau­en, die gegen das Gen­dern sind“, sag­te mir jüngst ein durch­aus wohl­ge­son­ne­ner Freund. Ja, die ken­ne ich auch, dach­te ich. „Sind das auch Frau­en, die gegen die Quo­te sind?“, ent­fuhr es mir. Frau­en also, denen die Welt gefühlt offen­steht – die über­zeugt sind, Gleich­be­rech­ti­gung wer­de längst gelebt?

Ich bin unsi­cher. Als Autorin stol­pe­re ich ein ums ande­re Mal. Tat­säch­lich macht das Gen­dern die Spra­che schwer ver­dau­lich – Pas­siv­kon­struk­tio­nen oder kom­pli­zier­te Dop­pel­for­mu­lie­run­gen erschwe­ren das Schrei­ben und stö­ren den Lese­fluss. Jeder, der … ach ne: jede und jeder, die und der – ist wirk­lich kein Ver­gnü­gen. Aber unbe­strit­ten ist auch, dass Spra­che das Den­ken beein­flusst – und Gen­dern das Den­ken verändert.

Wir hat­ten ja ange­kün­digt, streit­ba­rer zu wer­den – also stär­ker als bis­her mit Euch um Posi­tio­nen zu rin­gen. Zuge­ge­ben muten wir Euch mit unse­rer aktu­el­len Kolum­ne „Mann sagt“ eini­ges zu. Wie­der ist es ein „Krä­mer“, der die Dis­kus­si­on anheizt. Dies­mal aber nicht Mar­lies, son­dern Wal­ter Krä­mer – ein über­zeug­ter Geg­ner der gen­der­neu­tra­len Spra­che. Har­te Geschüt­ze, die der Sta­tis­tik­pro­fes­sor an der TU Dort­mund und Vor­sit­zen­de des Ver­eins Deut­sche Spra­che da auffährt.

Wir haben lan­ge dar­über dis­ku­tiert, ob wir ihn mit sei­nen radi­ka­len The­sen zu Wort kom­men las­sen wol­len. Und haben uns dann dafür ent­schei­den. Denn ja: Ener­gie ent­steht durch Rei­bung. Bit­te schreibt uns Eure Mei­nung! Wir sind gespannt, was Ihr dazu denkt – und freu­en uns auf Eure Anre­gun­gen und Argumente!

Eure Bir­git Wet­jen und das Team von Cou­ra­ge

Aktu­el­le News direkt ins Postfach