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  • Mette Hindborg Gade, Chief People Officer beim Fintech Pleo, ©Pleo

Pleo-Personalchefin Mette Gade: “Es darf nicht entscheidend sein, wo oder wann man arbeitet”

2022-10-25T13:16:30+02:0025. Oktober 2022|

Nach mehr als zehn Jah­ren bei McK­in­sey star­te­te Met­te Hind­borg Gade im März als Per­so­nal­che­fin beim Fin­tech Pleo in Däne­mark. Im Inter­view erzählt sie, was ihren Füh­rungs­stil von ande­ren unter­schei­det, was Future Work für sie bedeu­tet und wes­halb sie fin­det, dass der Grund­ge­dan­ke von Work-Life-Balan­ce falsch ist. 

Von Isa­bell Angele

courage-online.de: Was sind deine Erfahrungen mit Führungskräften? 

Met­te Hind­borg Gade: Ich habe wäh­rend mei­ner bis­he­ri­gen Kar­rie­re mit vie­len inspi­rie­ren­den Men­schen gear­bei­tet, aber nie­mand hat so gedacht und gear­bei­tet wie ich. Das kann einen sehr ver­un­si­chern, aber ich hat­te einen tol­len Coach an mei­ner Sei­te. Sie hat mich immer sehr bestärkt. Letzt­lich ist mei­ne Art zu füh­ren das, was mich aus­zeich­net.   

Was unterscheidet deinen Führungsstil von anderen? 

Ich bin für die Mit­ar­bei­ten­den da und höre ihnen zu. Ein gro­ßer Teil der Arbeit als Chief Peop­le Offi­cer ist das Zuhö­ren und Pro­ble­me iden­ti­fi­zie­ren. Empa­thie ist hier ein Schlüs­sel­wort. In mei­ner Rol­le will ich bei Pleo ein bestär­ken­des Umfeld schaf­fen, in dem Mit­ar­bei­ten­de dazu ange­regt wer­den, an den gemein­sa­men Zie­len zu arbei­ten, die Wei­ter­ent­wick­lung des Unter­neh­mens vor­an­zu­trei­ben und aktiv Ein­fluss auf ihre Zufrie­den­heit am Arbeits­platz zu neh­men. Dazu gehört es, authen­tisch zu sein und fle­xi­bel auf die Bedürf­nis­se der Mit­ar­bei­ten­den zu reagie­ren. Nur so kön­nen sie ihr vol­les Poten­zi­al aus­schöp­fen. Denn in einem Umfeld, in dem sich die Mit­ar­bei­ten­den wohl­füh­len und ent­fal­ten kön­nen, wer­den auch Effi­zi­enz und Schnel­lig­keit geför­dert. Grund­sätz­lich hat sich hier in den ver­gan­ge­nen Jah­ren schon eini­ges getan und auch ande­re Füh­rungs­kräf­te ver­su­chen, empa­thi­scher zu füh­ren. Das Arbei­ten der Zukunft hält Ein­zug.  

Apropos Future of Work: Was bedeutet das für dich? 

Das Schlüs­sel­wort ist hier Zuge­hö­rig­keit. Future of Work beschreibt für mich, dass sich Mit­ar­bei­ten­de am Arbeits­platz wert­ge­schätzt und gese­hen füh­len. Die­ses Gefühl der Zuge­hö­rig­keit wird durch ver­schie­de­ne Aspek­te erzeugt, die den Arbeits­all­tag für Mit­ar­bei­ten­de ver­bes­sern. Ein gro­ßer Punkt ist hier­bei fle­xi­bles arbei­ten – sowohl ört­lich wie auch zeit­lich. Remo­te zu arbei­ten ist heu­te fast nicht mehr weg­zu­den­ken. Für Pleo war das von Anfang an ein The­ma – nicht erst mit der Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie. Unse­re Teams arbei­ten aus ins­ge­samt 48 Län­dern, da muss­te das schon immer funk­tio­nie­ren.  

Das kommt sicherlich auch der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zugute. 

Abso­lut. Als Mut­ter von zwei klei­nen Kin­dern sehe ich selbst, wie wich­tig fle­xi­bles Arbei­ten ist. Es darf nicht ent­schei­dend sein, wo man sitzt, wenn man sei­ne Auf­ga­ben erle­digt, oder ob man eher mor­gens oder abends arbei­tet, wenn es für den per­sön­li­chen Rhyth­mus bes­ser funk­tio­niert. Letzt­lich geht es dar­um, eine Balan­ce zu fin­den, die für bei­de Sei­ten passt.   

Gibt es beim Arbeiten der Zukunft auch etwas, das deiner Erfahrung nach nicht funktioniert? 

Die Work-Life-Balan­ce.  

Das musst du genauer erklären. 

Mei­nes Erach­tens ist der Grund­ge­dan­ke hier schon falsch. Wir haben im All­ge­mei­nen eine viel zu ver­ein­fach­te Vor­stel­lung davon, was ein Leben glück­lich macht. Ich ver­su­che des­halb, Men­schen dabei zu hel­fen, ihre Lebens­en­er­gie und ihr Glück in die eige­ne Hand zu neh­men. Man muss sich dar­über klar wer­den, wel­che Fak­to­ren einem die posi­ti­ve Ener­gie rau­ben und was einen selbst glück­lich macht. Nur so kann man dar­an arbei­ten. Für mich ist Arbeit eine Kom­bi­na­ti­on aus Glück und Hoch­leis­tung. Aber das kann für jeden Men­schen anders aus­se­hen. Wich­tig ist: Arbeit muss nicht nur als Belas­tung gese­hen wer­den. Viel wich­ti­ger ist es, ein posi­ti­ves Arbeits­um­feld zu schaf­fen, in dem sich die Mit­ar­bei­ten­den wohl­füh­len und ein­brin­gen kön­nen. Auf die­se Art braucht man sich kei­ne Gedan­ken dar­über zu machen, wel­che Zeit man mit Arbeit und wel­che Zeit man mit ande­ren Din­gen ver­bringt. Es geht dar­um, die­ses tra­di­tio­nel­le Den­ken auf­zu­bre­chen.  

Inwiefern beeinflusst dein Führungsstil die Mitarbeitergewinnung bei Pleo? Wonach suchst du bei den Kandidat:innen?  

Wir ach­ten bei neu­en Mit­ar­bei­ten­den dar­auf, dass sie best­mög­lich in die Fir­men­kul­tur pas­sen, die ich eta­blie­re. Im Grun­de geht es um zwei Punk­te: Die Leis­tung im Job muss stim­men und die Per­son muss die Wer­te von Pleo tei­len. Hier geht es vor allem um Authen­ti­zi­tät, Ehr­lich­keit, Ver­trau­en und um den unter­neh­me­ri­schen Antrieb, Pleo vor­an­zu­brin­gen.  

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