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Personalvorständin Elke Frank: „Frauen haben bessere Chancen als Männer“

2021-10-01T16:16:54+02:001. Oktober 2021|

Elke Frank ist Personalvorständin bei Deutsch­lands zweitgrößtem IT-Kon­zern, der Soft­ware AG. Im Inter­view verrät sie, wie sie mehr Frau­en für IT-Jobs begeis­tern will, was sie in Vorstellungsgesprächen erlebt – und wie man Nie­der­la­gen überwindet 

Von Julia Pfanner

Cou­ra­ge: Frau Frank, Sie sind bei der Soft­ware AG die ein­zi­ge Frau im Vor­stand, neben drei Männern. Nicht genug, oder?

Elke Frank: Ja, ich bin die ein­zi­ge Frau. Das The­ma Gen­der ist wich­tig, aller­dings geht Diversität für mich weit darüber hin­aus. Wir wol­len Team­mit­glie­der haben, die inter­na­tio­nal auf­ge­stellt sind, mit unter- schied­li­chen Hintergründen, Aus­bil­dun­gen et cete­ra. Unser CEO San­jay Brah­ma­war ist Bel­gi­er mit indi­schen Wur­zeln, kommt aus der Tech­welt. Unser Finanz­chef war bei einem Zulie­fer­un­ter­neh­men für die Lkw-Indus­trie. Unser Pro­dukt­chef ist Mathe­ma­ti­ker. Also ich fin­de, für ein MDAX-Unter­neh­men ist unser Vor­stand sehr divers.

Wie hoch ist der Frau­en­an­teil ins­ge­samt bei Ihnen im Unternehmen?
Wir haben welt­weit cir­ca 5000 Mit­ar­bei­ten­de, davon sind 30 Pro­zent Frau­en. In Führungspositionen haben wir eine Frau­en­quo­te von 25 Pro­zent. Das ist für die Soft­ware­bran­che nicht schlecht, aller­dings ist da Luft nach oben.

Bekom­men Sie denn genügend Bewer­bungen von Frauen?
Pro Jahr beset­zen wir 600 bis 700 Stel­len, im Ver­kauf, in For­schung und Ent­wick­lung und in Berei­chen wie Finan­zen, IT, Recht oder Per­so­nal. Etwas mehr als die Hälfte der Bewer­bun­gen kommt von Frau­en. Das ist gut, für die IT-Bran­che aber nicht ungewöhnlich.

Sie haben aber bei der Soft­ware AG Frau­ enan­tei­le von 25 und 30 Pro­zent genannt. Wie wol­len Sie den Anteil steigern?
Da gibt es ver­schie­de­ne Möglichkeiten. Ich fin­de es enorm wich­tig, dass es auf jeder Hier­ar­chie­ebe­ne einen aus­rei­chen­den Frau­en­an­teil gibt. Wenn Frau­en in Führungspositionen sind, schau­en sie beson­ders dar­auf, dass Frau­en nach­kom­men. Dazu gibt es eini­ges an For­schung. Frau­en fördern Frau­en, und sie üben auch eine Anzie­hungs­kraft auf ande­re Frau­en aus, sodass sich sol­chen Teams immer mehr Frau­en anschließen.

Was mei­nen Sie denn mit einem „ausrei­chenden“ Frauenanteil?
Auf jeder Ebe­ne 50 Pro­zent Frau­en zu haben wäre schön, aber ich will nicht unrea­lis­tisch sein. Ich würde sagen, aus­rei­chend heißt zwi­schen 30 und 40 Pro­zent. Damit bil­den sich Netz­wer­ke unter den Frau­en. Die Frau ist nicht mehr der „Ali­en“, die eine, die es geschafft hat. Bei der es heißt: Ah ja, das ist die Quote.

Wie wol­len Sie das schaffen?
Unser Fokus liegt auf gemisch­ten Teams. Damit neh­men wir die ers­te Hürde von unbe­wuss­ten Denk­mus­tern und Ste­reo­ty­pen. Wir haben uns im Vor­stand klar dazu ver­pflich­tet, dass wir Diversität fördern möchten. Bereits die Hälfte der Teil­neh­mer unse­res Ent­wick­lungs­pro­gramms sowie unse­rer Nach­fol­ge­pla­nun­gen für wich­ti­ge Posi­tio­nen sind Frau­en. Das allein ist schon ein Zei­chen, dass es vor­an­geht. Auch hierarchieübergreifende Men­to­ring-Pro­gram­me für Frau­en haben viel Ein­fluss auf den Frau­en­an­teil. Ich habe vier weib­li­che Men­tees: eine Kol­le­gin in Indi­en, eine in den USA und zwei in Deutsch­land. Die ande­ren Führungskräfte haben auch wel­che. Das hilft, dass Frau­en sicht­ba­rer wer­den und sich viel­leicht das eine oder ande­re Mal mehr zutrauen.

Kommt denn im Bereich IT­-For­schung und ­Ent­wick­lung mehr weib­li­cher Nach­ wuchs nach?
Die Schu­len und Universitäten tun inzwi­schen eini­ges, aber das reicht nicht. Vor allem in Schu­len könnten wir jun­ge Frau­en noch mehr ermu­ti­gen, MINT-Studiengänge, also in den Berei­chen Mathe­ma­tik, Infor­ma­tik, Natur­wis­sen­schaft und Tech­nik, zu wählen. Die Frau­en, die so eine Lauf­bahn ein­schla­gen, haben bes­te Aus­sich­ten, Kar­rie­re zu machen. Denn die Unter­neh­men welt­weit suchen genau nach die­sen Kolleginnen.

Haben Frau­en da der­zeit sogar mehr Chan­cen als Männer?
In Euro­pa haben Frau­en wegen der aktu­el­len Gleich­stel­lungs­dis­kus­si­on tatsächlich mehr Chan­cen, Kar­rie­re zu machen. Beson­ders in MINT-Beru­fen. Denn jedes Unter­neh­men schaut hier spe­zi­ell nach Frau­en. Es ist auch durch For­schung aus­rei­chend belegt, dass diver­se Teams zu bes­se­ren Ent­schei­dun­gen kom­men und bes­se­re wirt­schaft­li­che Ergeb­nis­se für das Unter­neh­men erzielen.

Was hal­ten Sie von Quoten?
In der Arbeits­welt wol­len alle für ihre Leis­tung respek­tiert wer­den. Ich glau­be, kei­ner möchte der Quo­ten­mann oder die Quo­ten­frau sein. Ich bin daher kein gro­ßer Fan von Quo­ten. Aber ich mag, was sie bewir- ken. Seit es in Deutsch­land das Gesetz für die gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be von Frau­en und Männern an Führungs­ posi­tio­nen (FüPoG) in Aufsichtsräten gibt, hat sich dort enorm viel getan. In den ver­gangenen zwei Jah­ren haben vie­le Auf­sichtsräte bereits die 30­-Pro­zen­t­-Quo­te erfüllt. Kürzlich wur­de ja auch das „Zwei­te Führungspositionen-­Gesetz“ für Frau­en in Vorständen beschlos­sen. In den letz­ten Mona­ten sind vie­le Frau­en in DAX­ und MDAX-­Un­ter­neh­men in den Vor­stand auf­ge­stie­gen. Ohne den poli­ti­schen Druck wäre da wohl weni­ger pas­siert. Aller­dings ist immer noch Luft nach oben.

Im Auf­sichts­rat der Soft­ware AG sitzt aber nur eine Frau, neben fünf Männern.
Noch zu wenig, ja. Aber immer­hin eine. Und Ursu­la Soritsch­Renier bringt die Tech­no­lo­giebril­le mit und hat sehr viel Erfah­rung in inter­na­tio­na­len Kon­zer­nen. Wie gesagt: Die IT ist ein super Feld für Frau­en, um Kar­rie­re zu machen.

Wel­che Kar­rie­re­tipps geben Sie?
Für Frau­en ist es vor allem am Anfang der Kar­rie­re wich­tig zu überlegen, ob und wie sie Kar­rie­re machen wol­len. Und wenn ja, das auch zu äußern. Das ver­ges­sen vie­le. Etwa zu sagen: Ja, lie­ber Chef, ich würde ger­ne die nächste Stu­fe neh­men, ich möch­te mehr Gehalt oder eine Beförderung. Und: Kon­zen­triert euch auf eure Stärken und hebt sie her­aus. Frau­en ten­die­ren da­ zu, sich dar­auf zu kon­zen­trie­ren, was sie nicht so gut können, und heben das her­ vor. Das machen Männer ganz anders.

Wie denn?
Ich führe vie­le Vorstellungsgespräche. Männer können immer alles sehr gut und sind überhaupt die Kan­di­da­ten schlecht­ hin. Ich übertreibe natürlich, aber in der Ten­denz stimmt das. Wenn Frau­en eine Stel­len­be­schrei­bung lesen, sagen sie: Oh, da muss ich noch ler­nen. Und im Gespräch ver­kau­fen sie sich dann eher unter Wert.

Was raten Sie die­sen Frauen?
Seid mutig und neu­gie­rig. Traut euch was zu. Ver­lasst die siche­re Kom­fort­zo­ne und springt über euren Schat­ten. Nehmt lie­ber mal einen Job an, der eine Num­mer zu groß ist. Holt euch dann Unterstützung, aber ver­sucht es wenigs­tens. Seid euch nicht zu scha­de, Din­ge auch mal einzu­fordern sowie mal jeman­den um Hil­fe zu fra­gen, auch ger­ne mal den Chef. Coaching­angebote soll­te man anneh­men. Ich emp­fehle auch einen Per­spek­tiv­wech­sel: mal in ein ande­res Team, eine ande­re Funk­tion oder auch ein ande­res Land gehen. Dar­aus habe ich am meis­ten gelernt, da­ ran bin ich gewachsen.

Gibt es bei der Soft­ware AG Gehalts­un­ter­schie­de zwi­schen Männern und Frauen?
Unser Anspruch ist, für die­sel­be Leis­tung das­sel­be Gehalt zu bezah­len. Je nach Land natürlich an die lega­len Gege­ben­hei­ten ange­passt. Unse­re Mit­ar­bei­ter sind in mehr als 70 Ländern tätig. Die Gehälter wer­den immer in Abstim­mung mit der Per­so­nal­ab­tei­lung, also nach einer Art Vier­-Augen-­Prin­zip ermit­telt oder ange­passt. Und wir schau­en uns auch alle Ge­hälter in regelmäßigen Abständen an.

Coro­na hat die Arbeits­welt verändert: weni­ger Dienst­rei­sen, mehr Home­of­fice, mehr Flexibilität bei den Arbeits­zei­ten. Wird das nach der Pan­de­mie wie­der verschwinden?
Ich gehe nicht davon aus, und das ist auch gut so. Fakt ist, dass ana­log und digi­tal die Arbeit von mor­gen bestim­men wer­ den. Wir haben alle gelernt, dass arbei­ten von außer­halb des Büros sehr gut funk­tioniert und vie­le Vor­tei­le hat. Aller­dings nicht immer. Bei The­men, die Inno­va­ti­on und Kreativität erfor­dern, seh­nen wir uns schon wie­der zurück ins Büro. Sinn und Zweck des Büros wer­den sich verändern, es wird viel mehr ein Ort der Zusam­menarbeit und Inter­ak­ti­on sein. Dort wer­den Team­work­shops statt­fin­den und weni­ger Arbei­ten, bei denen wir für uns allein geis­ti­ge Arbeit machen. Denn die kann man im Zwei­fel bes­ser von außer­ halb machen.

Wie steht es um die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf? 2020 ging Delia Lach­an­ce, Mitgründerin von Westwing, in Mut­ter­schutz und Eltern­zeit und ver­lor für die­se Zeit ihren Vorstandsposten.
Der Fall ist natürlich extrem. Erst vor Kur­zem wur­de das #stay­on­boar­d­-Gesetz ver­ab­schie­det, das eine Eltern­zeit oder Mut­terschutz auf Vor­stands­ebe­ne ermögli­chen soll. Mütter können nun auch im Vor­ stand min­des­tens drei Mona­te Aus­zeit neh­men. Glei­ches gilt für Männer. Aller­dings fin­de ich es unrea­lis­tisch, dass ein Vor­stands­pos­ten meh­re­re Jah­re freigehal­ten wird. Ich bin überzeugt, dass Digita­lisierung und Tech­no­lo­gie vor allem Frau­en und auch Männern die Chan­ce geben, Fami­lie und Beruf bes­ser zu ver­ein­ba­ren. Mir ist es egal, wann und wo mei­ne Mit­arbeiter arbei­ten. Mir geht es vor allem dar­um, dass sie sich an Ver­ein­ba­run­gen hal­ten und die Ergeb­nis­se stimmen.

Gab es in Ihrer Kar­rie­re gro­ße Hürden, die Sie neh­men mussten?
Ich hat­te immer Chefs und Che­fin­nen, die mich gefördert haben. Ob bei Micro­soft, der Tele­kom, bei Daim­ler oder jetzt. Sie haben mir oft Jobs gege­ben, die eigent­lich eine Num­mer zu groß waren, haben mich dann aber unterstützt. Aber auch ich stand vor gro­ßen Herausforderungen.

Wann?
Bei Carl Zeiss Visi­on zum Bei­spiel war ich zwei­ein­halb Jah­re. Die Zeit dort war ex­trem anstren­gend, aber ich habe un­heimlich viel gelernt. Ich hat­te in die­ser Zeit vie­le CEOs. Natürlich woll­te ich er­folgreich sein, aber jeder Chef hat eine ei­gene Stra­te­gie mit­ge­bracht und die alte wie­der infra­ge gestellt. Ich bin dann zu Micro­soft gewech­selt, was wirk­lich ein super Schritt war.

Die Kri­se als Chan­ce – das hört man immer wie­der. Stimmt das denn?
Nie­der­la­gen pas­sie­ren. Jedem! Mich hat das stärker gemacht. Weil ich weiterge­macht habe, mir ange­schaut habe, was gut lief, was nicht und was ich bes­ser machen muss.

Vita
Elke Frank (49) ist seit 2019 Vorständin bei der Soft­ware AG und für die Berei­che Per­so­nal, Recht, IT und Trans­for­ma­ti­on ver­ant­wort­lich. Zuvor arbei­te­te sie für Daim­ler, Carl Zeiss Visi­on, Micro­soft Deutsch­land und die Deut­sche Tele­kom. 2015 veröffentlichte sie zusam­men mit ihrem dama­li­gen Micro­soft-Kol­le­gen Thors­ten Hübschen das Buch „Out of Office – War­um wir die Arbeit neu erfin­den müssen“. Elke Frank hat an der Uni Würzburg in Jura promoviert.

Zudem ist sie seit 2020 Mit­glied des Auf­sichts­rats der Scout24 AG, die das Por­tal Immoscout24 betreibt. Pri­vat ist die Personalvorständin ein gro­ßer Berg­fan. Sie fährt lei­den­schaft­lich gern Ski und wan­dert. Zusam­men mit ihrem Ehe­mann lebt sie in Stuttgart.

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