• Susanne Weber, Braumeisterin und Brau- und Getränketechnologin, ©Paulaner

Paulaner-Braumeisterin Susanne Weber: “Ich habe den spannendsten Beruf der Welt”

2022-06-22T13:13:15+02:0021. Juni 2022|

Nach ihrem Schul­ab­schluss hat Susan­ne Weber Braue­rin und Mäl­ze­rin bei Pau­la­ner in Mün­chen gelernt. Das ist in die­sem Sep­tem­ber 15 Jah­re her. Heu­te ist sie selbst Aus­bil­dungs­lei­te­rin und beglei­tet jun­ge Frau­en und Män­ner durch ihre Lehr­jah­re. Wir haben sie gefragt, wie sie die Aus­bil­dung in einem män­ner­do­mi­nier­ten Beruf erlebt hat, wel­che beruf­li­chen Erfah­run­gen sie in Ame­ri­ka und der Schweiz sam­meln konn­te und was ihr die Tätig­keit als Aus­bil­dungs­lei­te­rin bedeu­tet. 

Von Isa­bell Angele

courage-online.de: Frau Weber, Sie haben bei Paulaner die Ausbildung zur Brauerin & Mälzerin absolviert. Wie kam es dazu?

Susan­ne Weber: In mei­nem Abschluss­jahr­gang waren Beru­fe wie Zahn­arzt­hel­fe­rin oder Indus­trie­kauf­frau sehr beliebt, aber das hat mich damals gar nicht inter­es­siert. Ich woll­te eigent­lich Poli­zis­tin wer­den, lei­der hat das nicht geklappt. Da mein Groß­va­ter Bier­brau­er war, kam mir schließ­lich die Idee, Prak­ti­ka in Braue­rei­en zu absol­vie­ren. Unter ande­rem war ich bei Pau­la­ner. Dort war eine jun­ge Frau in der Aus­bil­dung, was damals noch nicht so selbst­ver­ständ­lich war, und sie hat mir ganz ehr­lich von ihren Erfah­run­gen berich­tet. So habe ich den Ent­schluss gefasst, mich für eine Aus­bil­dung zu bewer­ben.  

Woran liegt es, dass sich tendenziell wenige Frauen für den Beruf entscheiden?

Mein Ein­druck ist, dass noch immer vie­le Frau­en vor einer män­ner­do­mi­nier­ten Bran­che zurück­schre­cken. Außer­dem ver­bin­det man mit einer hand­werk­li­chen Aus­bil­dung, wie es auch die zum Brau­er und Mäl­zer ist, schwe­re kör­per­li­che Arbeit. Ich glau­be auch, dass vie­le Frau­en Sor­ge haben, dass sie den Respekt, den sie in die­sem Beruf brau­chen, nicht bekom­men.  

Was unternehmen Sie gegen solche Vorurteile?

Wir ver­su­chen aktiv gegen die­se Kli­schees zu arbei­ten. Zum Bei­spiel sind wir immer beim Zukunfts­tag dabei, wo Mäd­chen die Mög­lich­keit haben, sich die Arbeit in einer Braue­rei anzu­schau­en und sich ein eige­nes Bild davon zu machen. Außer­dem arbei­ten wir eng mit der IHK zusam­men. Wir wol­len den jun­gen Frau­en zei­gen, dass sie hier die glei­chen Chan­cen haben, wie ihre männ­li­chen Kol­le­gen. Es ist ja auch nicht mehr so, dass man stän­dig schwe­re Fäs­ser schlep­pen muss.  

War es für Sie als Frau schwierig, sich in diesem männerdominierten Beruf durchzusetzen?

Es war nicht ein­fach. Das lag aber auch am Start in die Berufs­welt all­ge­mein. Ich kam gera­de frisch aus der Schu­le und das behü­te­te Schul­le­ben war vor­bei. Ab sofort muss­te ich um 6 Uhr zur Arbeit antre­ten. Das fiel mir am Anfang nicht leicht. Aber auch die Zusam­men­ar­beit mit den älte­ren Gesel­len lief nicht immer rei­bungs­los. Sie kamen ein­fach noch aus einer ganz ande­ren Zeit und für sie war es unge­wohnt, mit einer Frau zusam­men­zu­ar­bei­ten, die Braue­rin und Mäl­ze­rin ler­nen woll­te. Ich war damals kurz davor, die Aus­bil­dung abzu­bre­chen. Aber zum Glück habe ich es durch­ge­zo­gen. Ich hät­te das wahr­schein­lich gar nicht mit mei­nem Stolz ver­ein­ba­ren kön­nen. Danach habe ich mit dem Meis­ter wei­ter­ge­macht. Mein Vater hat damals immer gesagt: Wenn ich ein Hand­werk ler­nen möch­te, muss ich auch einen Meis­ter machen. Heu­te habe ich sogar zwei. Ich bin Brau­meis­te­rin und außer­dem Brau- und Geträn­ke­tech­no­lo­gin. Ich habe mit dem Beruf mei­ne Pas­si­on gefun­den und bin Brau­meis­te­rin mit Herz und See­le.  

Hat sich die Situation für Frauen bis heute geändert?

Susanne Weber, Braumeisterin und Brau- und Getränketechnologin, Copyright: Paulaner

Susan­ne Weber, Brau­meis­te­rin und Brau- und Geträn­ke­tech­no­lo­gin, © Paulaner

Abso­lut! Die Män­ner wer­den immer offe­ner, wenn ihnen eine jun­ge Frau im Brau­er und Mäl­zer Hand­werk begeg­net. Mei­nes Erach­tens hat aber auch ein Umden­ken in der Gesell­schaft statt­ge­fun­den, sodass sich auch immer mehr Mäd­chen für eine sol­che Aus­bil­dung ent­schei­den. Mitt­ler­wei­le haben wir in fast jedem Aus­bil­dungs­jahr­gang min­des­tens eine Frau. Und das zahlt sich aus: In den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren haben mit The­re­sa Seidl und Anna­le­na Ebner gleich zwei Braue­rin­nen in Aus­bil­dung die Münch­ner- und Süd­baye­ri­schen Brau­meis­ter­schaft gewon­nen. Bei­de kamen von Pau­la­ner und das erfüllt mich mit Stolz.  

Wie kann man sich die Ausbildung vorstellen?

Wir bil­den in einem dua­len Sys­tem aus. Die Aus­zu­bil­den­den befin­den sich wäh­rend ihrer Aus­bil­dungs­zeit im Wech­sel in der Berufs­schu­le und im Betrieb. 

In der Betrieb­li­chen Pha­se durch­lau­fen sie alle Pha­sen der Bier­her­stel­lung von der Roh­stoff­an­nah­me bis hin zur Abfül­lung des Bie­res. Für mich ist es sehr wich­tig, ihnen die Viel­fäl­tig­keit und alle Aspek­te des Bier­brau­ers zu ver­mit­teln. So kom­men sie neben der klas­si­schen Aus­bil­dung am Brau­kes­sel unter ande­rem eine Woche zur Hopfen­ern­te zu einem Hop­fen­bau­ern, in die Mäl­ze­rei, in unse­re Brau­häu­ser und teil­wei­ße zur Holz­fass­her­stel­lung. So sol­len sie das Zusam­men­spiel von Brautra­di­ti­on und moder­ner Tech­nik ver­ste­hen. 

Durch ihren Job sind Sie viel herumgekommen. Wie kam es dazu?

Nach mei­nem Aus­bil­dungs­ab­schluss ging ich für ein Jahr in die USA. Mög­lich war das durch ein ein­jäh­ri­ges Sti­pen­di­um im Rah­men des Par­la­men­ta­ri­schen Paten­schaf­pro­gramms, das vom Kon­gress der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka und dem Deut­schen Bun­des­tag im Rah­men des 300. Jah­res­tag der ers­ten deut­schen Ein­wan­de­rung ins Leben geru­fen wur­de. Für mich war es eine Chan­ce, mei­nen erlern­ten Beruf aus einer ande­ren Per­spek­ti­ve zu sehen. Gear­bei­tet habe ich in einer klei­nen Gast­haus­braue­rei in St. Lou­is, Mis­sou­ri. Die Her­aus­for­de­rung als baye­ri­sche Braue­rin war es, nicht nach dem Rein­heits­ge­bot zu brau­en. Bier aus Hafer­flo­cken zu brau­en war für mich im ers­ten Moment unvor­stell­bar. Die Zeit in den USA hat mich rück­bli­ckend per­sön­lich und beruf­lich enorm geprägt und mei­nen Hori­zont in den ver­schie­dens­ten Berei­chen erwei­tert. 

Wie ging es danach weiter?

Im Anschluss an mei­nen ein­jäh­ri­gen USA-Auf­ent­halt ging es für mich auf die Doemens Aka­de­mie in Mün­chen. Hier absol­vier­te ich mei­ne Meis­ter­aus­bil­dung zur Betriebs­brau­meis­te­rin und Brau-und Geträn­ke­tech­no­lo­gin. Es waren zwei Jah­re Wei­ter­bil­dung mit vie­le Höhen und Tie­fen, die aber mit mei­ner ers­ten Anstel­lung als Brau­meis­te­rin in der Schweiz gekrönt wur­den. Hier pro­fi­tier­te ich von den Erfah­run­gen aus den USA, in einer klei­nen Braue­rei zu arbei­ten in einem Land, wo es kein fest­ge­leg­tes Rein­heits­ge­bot gibt. Mein ers­ter Aus­zu­bil­den­der und ich repa­rier­ten Schrot­müh­len, brau­ten flei­ßig Bier für ins­ge­samt sie­ben Restau­rants und füll­ten jede Fla­sche Bier per Hand. Die­se Zeit war sehr anspruchs­voll, aber für mich per­sön­lich sehr prä­gend. Ich habe gelernt, gelas­se­ner zu sein. Und natür­lich macht es einen unheim­lich stolz, nach geta­ner Arbeit die Stamm­gäs­te zu sehen und man weiß genau sie genie­ßen gera­de dein Bier. 

Schließlich sind Sie wieder zu Paulaner zurückgekehrt.

‚Ein­mal Pau­la­ner, immer Pau­la­ner‘. Die Braue­rei hat­te immer einen Platz in mei­nem Her­zen, und so hat es mich sehr gefreut, als ich 2016 die Chan­ce hat­te, wie­der ein Teil der Braue­rei-Fami­lie zu wer­den. Ich bin im Bereich der Brau­spe­zi­fi­schen Mikro­bio­lo­gie tätig und seit 2017 zusätz­lich Aus­bil­dungs­lei­te­rin der Brau­er und Mäl­zer. 

Was gibt Ihnen die Tätigkeit als Ausbildungsleiterin?

Die Arbeit mit den jun­gen Men­schen liegt mir sehr am Her­zen. Es gibt mir sehr viel, sie auf die­ser drei­jäh­ri­gen Rei­se zu beglei­ten. Am schöns­ten sind die Tage, an denen bei der IHK die Aus­bil­dungs­er­geb­nis­se ver­kün­det wer­den. Die­ser Moment, wenn man die Freu­de und Erleich­te­rung auf den Gesich­tern der frisch­ge­ba­cke­nen Braue­rin­nen und Brau­er sieht, ist wun­der­bar.   

Was müssen Bewerberinnen und Bewerber für die Ausbildung zum Brauer & Mälzer mitbringen?

Hilf­reich sind gute Noten in Che­mie, Bio­lo­gie und Phy­sik. Aber mir per­sön­lich ist beson­ders wich­tig, dass mir die Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber im Gespräch das Gefühl geben, dass sie den Beruf wirk­lich ler­nen wol­len. Vor der Coro­na-Pan­de­mie hat es mir einen guten Anhalts­punkt gege­ben, wenn vor­ab ein Prak­ti­kum in einer Braue­rei absol­viert wur­de. Die­se Mög­lich­keit hat­ten die jüngs­ten Bewer­ber oft­mals nicht. Bei ihnen woll­te ich sehen, dass sie sich ander­wei­tig gut über den Beruf infor­miert haben.   

Apropos Corona-Pandemie: Hat diese Zeit den Bierkonsum beeinflusst?

Als die Gast­stät­ten geschlos­sen waren und auch die Bier­gär­ten nur pha­sen­wei­se geöff­net hat­ten, ist der Heim­kon­sum deut­lich ange­stie­gen. Damit wur­de natür­lich auch mehr Fla­schen- als Fass­bier gekauft. Jetzt, wo die Loka­le ihren Betrieb wie­der wie gewohnt auf­neh­men konn­ten, hat sich das wie­der nor­ma­li­siert. Die Men­schen haben sich danach gesehnt, wie­der in Gast­stät­ten und Bier­gär­ten zu kom­men. 

Was würden Sie jungen Frauen, die das Brau- und Mälzer-Handwerk lernen wollen, mit auf den Weg geben?

Traut euch, sonst ver­passt ihr den womög­lich span­nends­ten Beruf der Welt!  

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