• Passives Einkommen
    Passives Einkommen, ©Serhii Sobolevskyi/iStock

Passives Zusatzeinkommen: 1000 Euro mit ETFs. Nicht einfach – aber machbar

2022-01-17T09:07:16+01:0017. Januar 2022|

Ein Ver­mö­gen auf­bau­en, ohne zu arbei­ten. Das geht nicht über Nacht. Aber pas­si­ve Ein­künf­te las­sen sich schon mit über­schau­ba­rem Start­ka­pi­tal auf­bau­en. Zeit und Geduld sind die Grund­vor­aus­set­zun­gen. Was aus 150 Euro Spar­ra­te wird, wie viel Kapi­tal es braucht, um auf 1.000 Euro Zusatz­ein­kom­men zu kom­men. Und wie lan­ge das dauert.

Von Ant­je Erhard

Regel­mä­ßi­ges Zusatz­ein­kom­men – das wün­schen sich vie­le, glau­ben aber nicht, es errei­chen zu kön­nen. Zuge­ge­ben, ganz ohne Auf­wand geht es nicht. Aber es geht. So weit die gute Nach­richt. Pas­si­ve Ein­künf­te sind Ein­nah­me­quel­len, für die man bzw. frau nicht arbei­tet, die aber den­noch kon­ti­nu­ier­lich zur Ver­fü­gung ste­hen.  

So ein Zusatz­ein­kom­men lässt sich auf ver­schie­de­ne Wege erzie­len: Durch Geschäf­te, die, ein­mal auf den Weg gebracht, Geld brin­gen: Das kön­nen zum Bei­spiel digi­ta­le Güter auf Online-Platt­for­men sein, deren Ver­wer­tungs­rech­te Ein­künf­te brin­gen. Oder Emp­feh­lungs­mar­ke­ting gegen Pro­vi­sio­nen oder Dropship­ping, also der Ver­kauf von Pro­duk­ten ande­rer Her­stel­ler in einem Online­shop… Das Inter­net ist voll von Ange­bo­ten. Nicht alles davon ist seri­ös. Das alles ist aber nicht immer jeder­manns Sache und setzt zum Teil vie­le Spe­zi­al-Kennt­nis­se vor­aus. Und viel Zeit. 

Passive Investments: Auch sie brauchen Zeit, Geld und Wissen. 

Alter­na­ti­ven kön­nen pas­si­ve Invest­ments sein: Divi­den­den aus Akti­en, Miet­ein­nah­men aus Immo­bi­li­en, Zin­sen aus P2P-Kre­di­ten, Ein­künf­te aus Geld­an­la­gen. Auch hier ist häu­fig Wis­sen und Zeit nötig, um zum Ziel zu kom­men, vor allem aber Kapi­tal. Doch das kann man sich auf­bau­en. Schritt für Schritt. Neh­men wir ein ver­gleichs­wei­se ein­fa­ches Bei­spiel: ETFs sind ein rea­lis­ti­sches Vehi­kel für Zusatz­ein­kom­men, weil kei­ne gro­ßen Sum­men erfor­der­lich sind und der Zin­ses­zins­ef­fekt über die Zeit eine enor­me Wir­kung ent­fal­tet. 

Zusatzeinkommen mit ausschüttenden ETFs 

Das funk­tio­niert mit so genann­ten aus­schüt­ten­den ETFs. Hier wer­den Erträ­ge aus Zin­sen oder Divi­den­den den Anleger:innen regel­mä­ßig aus­ge­zahlt. Meist quar­tals­wei­se oder auch jähr­lich. Quar­tals­wei­se ist üblich. Das Geld aus ETF-Invest­ments fließt also regel­mä­ßig, aller­dings kann die Höhe vari­ie­ren. Wer aber auf unter­schied­li­che Aus­zah­lungs­mo­na­te ach­tet und meh­re­re ETFs mit Blick auf ein Zusatz­ein­kom­men erwirbt, kann regel­mä­ßig auch monat­lich auf Aus­zah­lun­gen kom­men. Denn ETFs haben unter­schied­li­che Aus­zah­lungs­ter­mi­ne. So lässt sich im Quar­tal jeder Monat mit einem Zusatz­ein­kom­men abde­cken, wenn wir zum Bei­spiel in drei ver­schie­de­ne ETFs mit drei Aus­zah­lungs­ter­mi­nen inves­tie­ren. 

Der Umkehr-Fall ist ein the­sau­rie­ren­der ETF. Das heißt, die­ser ETF legt die Erträ­ge aus Divi­den­den und Zin­sen wie­der an. So ver­mehrt sich das Fonds­ver­mö­gen durch den Zin­ses­zins-Effekt. Die­ser Effekt ist um so grö­ßer, je län­ger das Geld inves­tiert ist. Zwei Mög­lich­kei­ten tun sich nun auf: Ein­mal­be­trä­ge zu inves­tie­ren oder monat­lich Geld zu spa­ren.  

150 Euro sparen – 300 Euro Zusatzeinkommen generieren 

Doch wie viel Geld ist not­wen­dig, um ein zusätz­li­ches pas­si­ves Ein­kom­men zu erzie­len? Rech­nen wir es schwarz auf weiß: Neh­men wir eine Spar­ra­te von 150 Euro im Monat an. Ohne Anfangs­ka­pi­tal, für 20 Jah­re. Bei rea­lis­ti­schen, sogar eher kon­ser­va­ti­ven 5 Pro­zent Ren­di­te ergibt sich ein Kapi­tal inklu­si­ve Zin­sen von 61.118,97 Euro (Quel­le: ExtraETF.com). Ange­nom­men, die­ser Betrag soll auf 20 Jah­re als Zusatz­ein­kom­men aus­ge­zahlt wer­den, bei zwei Pro­zent Ver­zin­sung (auf Sicher­heit gehen): Das bedeu­tet ein Zusatz­ein­kom­men von monat­lich 308,67 Euro (Quel­le: ExtraETF.com). 

Nach Steuern bleiben dennoch 288 Euro übrig 

Berück­sich­ti­gen wir aber fai­rer­wei­se die Steu­er­zah­lun­gen mit: In Deutsch­land ist seit 2009 Abgel­tungs­steu­er auf Kapi­tal­erträ­ge von 25 Pro­zent fäl­lig, plus Soli­da­ri­täts­zu­schlag und ggf. Kir­chen­steu­er. Ein Steu­er­frei­be­trag von 801 Euro kann gegen­ge­rech­net wer­den. Laut Berech­nun­gen von ExtraETF.com ergibt sich immer noch ein Gesamt­ver­mö­gen von 57.406,15 Euro und ein monat­li­ches Zusatz­ein­kom­men von 288,43 Euro, das für 20 Jah­re reicht. 

10.000 Euro bringen immerhin 130,70 Euro für 20 Jahre 

Machen wir die glei­che Rech­nung mit glei­chen Para­me­tern auf und neh­men eine Ein­mal-Anla­ge an: 10.000 Euro. Nach 20 Jah­ren und unter glei­chen Vor­aus­set­zun­gen wie bei der regel­mä­ßi­gen Spar­ra­te ergibt sich ein Kapi­tal von 25.880,03 Euro, wenn zu den 10.000 Euro nichts wei­ter gespart wird. Unter Berück­sich­ti­gung von Abgel­tungs­steu­er und Soli sind 20 Jah­re lang Ein­künf­te von 130,70 Euro zu erwar­ten (Quel­le: ExtraETF.com). 

Langer Zeithorizont – hohes Zusatzeinkommen 

Erlau­ben wir uns die Berech­nung aus Sicht jun­ger Men­schen mit Zeit­ho­ri­zont 30 Jah­re, ohne Anfangs­ka­pi­tal, mit 150 Euro Spar­ra­te zu fünf Pro­zent Ren­di­te. Hier sehen wir, wie der Fak­tor Zeit ein­zahlt: Aus 150 Euro im Monat wer­den in 30 Jah­ren 106.499,50 Euro nach Steu­ern. Auf 20 Jah­re Aus­zah­lung gerech­net sind nach Steu­ern Zusatz­ein­künf­te von 526,94 Euro (Quel­le: ExtraETF.com). 

1.000 Euro sind schon deutlich sportlicher zu erzielen 

Gehen wir einen Schritt wei­ter: Neh­men wir ein zusätz­li­ches monat­li­ches Ein­kom­men von 1.000 Euro an, um die Ren­ten­lü­cke zu schlie­ßen oder eben einen höhe­ren Lebens­stan­dard zu errei­chen. Pla­nen wir wie­der auf Sicht von 20 Jah­ren, weil die Lebens­mit­te viel­leicht schon erreicht ist. Aber neh­men wir an, dass mit dem bis­lang erreich­ten Ein­kom­men 300 Euro Spar­ra­te pro Monat mög­lich sind und neh­men wir wie­der fünf Pro­zent Ren­di­te pro Jahr an. Ein recht hohes Anfangs­ka­pi­tal ist zusätz­lich nötig, um 1000 Euro monat­lich zu erzie­len: 30.000 Euro. Das Ergeb­nis: 201.836,27 Euro kom­men im Lau­fe der Zeit zusam­men. Nach Steu­ern immer­hin 173.348,72 Euro. Auf 20 Jah­re bringt das ein Zusatz­ein­kom­men bei zwei Pro­zent lau­fen­der Ver­zin­sung von 1.019,36 Euro, nach Steu­er 849,33 Euro (Quel­le: ExtraETF.com). 

Aber wie investieren? Langfristig, breit aufgestellt, möglichst schwankungsarm 

Doch zunächst kommt es dar­auf an, wor­in man bzw. frau inves­tiert. Faust­re­gel: Lang­fris­tig, breit gestreut und mit über­schau­ba­ren Risi­ken! Ein guter Mix aus Sicher­heit und Ren­di­te ergibt sich durch ETFs in gro­ße Akti­en­in­di­zes. Zu den regel­mä­ßi­gen Anleger:innen-Favoriten zäh­len der MSCI World, der MSCI All Coun­try World, der FTSE All World. Die­se gibt es zum Bei­spiel auch als nach­hal­ti­ge Vari­an­ten. 

Divi­den­den-ETFs sind eine wei­te­re Mög­lich­keit: Es gibt ver­schie­dens­te ETF, die regio­nal oder glo­bal inves­tie­ren und deren Unter­neh­men regel­mä­ßig Divi­den­den aus­schüt­ten. So ein Divi­den­den-ETF soll­te min­des­tens 40–50 Titel ent­hal­ten zur brei­ten Streu­ung. Die­se Unter­neh­men soll­ten die Divi­den­den mög­lichst über meh­re­re Jah­re – hier gehen die Mei­nun­gen aus­ein­an­der – nicht gesenkt, am bes­ten aber erhöht haben. Min­des­tens fünf bis sie­ben Jah­re ohne Sen­kun­gen deu­ten auf ein soli­des Manage­ment und erfolg­rei­ches Geschäfts­mo­dell hin, sofern die Divi­den­den nicht aus der Sub­stanz gezahlt wer­den. Drei Pro­zent Divi­den­den­ren­di­te soll­ten außer­dem min­des­tens drin sein. Kurs­stei­ge­run­gen kom­men noch on top. Es gibt eine Rei­he von Divi­den­den-ETF, die glo­bal aus­ge­rich­tet sind, in 100 Titel breit streu­en und kos­ten­sei­tig eben­falls attrak­tiv sind. 

Auch eine regio­na­le Inves­ti­ti­on kann Sinn machen. ETFs auf Indi­zes wie den S&P 500 mit 500 Titeln oder den Euro Sto­xx 50 mit 50 Wer­ten zäh­len hier­zu. Schwan­kungs­an­fäl­li­ger und risi­ko­rei­cher sind hin­ge­gen Bran­chen- und The­men-ETFs. Die kann man als Bei­mi­schung natür­lich mit ins Depot neh­men, aber für die lang­fris­ti­ge Aus­rich­tung zäh­len mög­lichst viel Sta­bi­li­tät, Sicher­heit und Ren­di­te. 

Ob ausschüttend oder thesaurierend: Kriterien wichtig 

Doch ob aus­schüt­tend oder nicht – es gibt Kri­te­ri­en für ETFs, die nicht durch den Fokus auf das Zusatz­ein­kom­men aus dem Blick gera­ten sol­len. Das sind zum Einen die Gebüh­ren. So sind ETFs auf die meis­ten gro­ßen Akti­en­in­di­zes wie etwa auf den MSCI World, den Euro Sto­xx 50 oder regio­na­le Indi­zes wie den S&P 500 oder den DAX nur um die 0,2 Pro­zent pro Jahr teu­er. Teu­rer wird es bei exo­ti­sche­ren Märk­ten. 

Ein wich­ti­ges Augen­merk  soll auch auf der Fonds­grö­ße lie­gen. 200 bis 300 Mil­lio­nen Euro soll­ten es min­des­tens sein. Andern­falls lau­fen Anleger:innen Gefahr, dass der ETF mit einem ande­ren zusam­men­ge­legt oder geschlos­sen wird. Posi­tiv ist auch, wenn ein Pro­dukt schon zwei bis drei Jah­re auf dem Markt ist: In die­ser Zeit muss es sich bewäh­ren. Tut es das nicht, kann es wie­der geschlos­sen wer­den. Außer­dem sind die Pro­duk­te bes­ser ver­gleich­bar, wenn sie län­ger am Markt sind.  

Natür­lich spie­len auch die Ren­di­ten eine Rol­le – auch wenn man von der Ver­gan­gen­heit nicht auf die Zukunft schlie­ßen kann. Ren­di­ten schwan­ken und hän­gen von vie­len Fak­to­ren ab. Nicht nur von der Markt­ent­wick­lung, auch von den Kos­ten. Doch lang­fris­tig min­des­tens 6% p.a. bei the­sau­rie­ren­den ETFs, min­des­tens 3% p.a. bei aus­schüt­ten­den ETFs soll­ten es schon sein. 

Damit ist ein Zusatz­ein­kom­men durch­aus rea­li­sier­bar. Der Weg ist nicht ganz ein­fach, aber machbar. 

Unser gra­tis Newsletter

Noch mehr Infos für dich

Musikrechte: Songs als Geldanlage boomen

Songs als Geld­an­la­ge? Wie soll das gehen, wo Musik für uns Verbraucher:innen doch immer güns­ti­ger gewor­den ist, seit es Strea­ming-Anbie­ter gibt. Fakt ist, Stars, ihre Label und Invest­ment-Gesell­schaf­ten pro­fi­tie­ren von die­sem Markt. Wie viel Wis­sen braucht man als Anleger:in, damit Musik­rech­te Musik im Depot sind? 

Dir hat der Artikel gefallen? Jetzt teilen...

Nach oben