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    Stress in der Pandemie, ©MangoStar Studio/iStock

Studie: Pandemie fördert Stress – bei Frauen stärker als bei Männern

2021-10-25T09:04:46+02:0023. Oktober 2021|

Die Deut­schen ver­brin­gen einer Stu­die zufol­ge zu viel Zeit im Sit­zen, wer­den immer trä­ger und kön­nen Stress nicht aus­rei­chend bewäl­ti­gen. Nur noch jede:r neun­te Bürger:in — ein Tief­stand seit 2010 — füh­re einen “rund­um gesun­den” Lebens­stil mit Blick auf Ernäh­rung, kör­per­li­che Akti­vi­tät, Rau­chen, Alko­hol­kon­sum und Stresslevel.

Das geht aus dem “DKV-Report 2021” her­vor, den Stu­di­en­lei­ter Ingo Fro­bö­se von der Sport­hoch­schu­le Köln und die Deut­sche Kran­ken­ver­si­che­rung ver­gan­ge­ne Woche vor­stell­ten. Die Hoch­schu­le hat­te im Auf­trag des Ver­si­che­rers die Daten von rund 2800 reprä­sen­ta­tiv befrag­ten Men­schen ab 18 Jah­ren ausgewertet.

Der seit 2010 zum sechs­ten Mal erstell­te Report habe meh­re­re besorg­nis­er­re­gen­de Nega­tiv­re­kor­de zuta­ge geför­dert, sag­te DKV-Vor­stands­chef Cle­mens Muth. Das gel­te auch für die Sitz­zei­ten: Die Deut­schen ver­brin­gen werk­tags inzwi­schen im Schnitt 8,5 Stun­den auf ihrem Aller­wer­tes­ten — eine Stun­de mehr als noch 2018. Jun­ge Erwach­se­ne (18 bis 29 Jah­re) sind danach sogar “Sitz­welt­meis­ter” mit 10,5 Stun­den an Werktagen.

Home­of­fice — in der Pan­de­mie stark zuneh­mend — sei zur Sitz­fal­le gewor­den. Am meis­ten sit­zen die Bürger:innen bei der Arbeit (33 Pro­zent) oder vor dem Fern­se­her (29 Pro­zent) — Män­ner eine Stun­de län­ger als Frauen.

Zu lan­ge Sitz­zei­ten könn­ten ris­kant sein und nega­ti­ve gesund­heit­li­che Effek­te haben, stell­te Muth klar. Aber auch beim Emp­fin­den und Bewäl­ti­gen von Stress habe sich der Wert erheb­lich ver­schlech­tert. Es drän­ge sich die Fra­ge auf: “Ist die gesun­de Lebens­form ein Auslaufmodell?”

Der Exper­te Fro­bö­se bilan­zier­te: “Die Deut­schen blei­ben trä­ge, sie wer­den immer trä­ger.” Im Trend leb­ten sie so unge­sund wie nie seit dem ers­ten Report von 2010. Rund 60 Pro­zent fin­den laut der Befra­gung vom Früh­jahr 2021 kei­ne Wege, um den gefühl­ten Stress zu redu­zie­ren oder aus­zu­glei­chen. Das sei das bis­her höchs­te gemes­se­ne Stress­ni­veau, mahn­te der Sport­wis­sen­schaft­ler. “Die Mehr­heit schafft es nicht, ihre Akkus wie­der aufzuladen.”

Die Erschwer­nis­se der Pan­de­mie för­der­ten die Stress­last. “Frau­en sind im Ver­gleich zu Män­nern belas­te­ter”, erläu­ter­te Fro­bö­se unter Hin­weis auf Arbeits­be­las­tung mit Kin­der­be­treu­ung und Homeschooling.

Zugleich habe Inak­ti­vi­tät zuge­nom­men, wobei der Fak­tor Sit­zen deut­lich zu Buche schla­ge. Nach den Ergeb­nis­sen der Befra­gung sind rund 70 Pro­zent der Bür­ger und Bür­ge­rin­nen gemäß den Emp­feh­lun­gen der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO mehr als 300 Minu­ten pro Woche kör­per­lich aktiv. Bei der Arbeit, in der Frei­zeit oder beim “Trans­port” — also auf dem Weg von einem Ort zum ande­ren. Das klingt zwar zunächst gut, 2010 waren es aber noch 83 Prozent.

Und 11 Pro­zent stuft die Befra­gung als “Mini­ma­lis­ten” ein, die gera­de mal 150 bis 300 Minu­ten pro Woche kör­per­lich in Bewe­gung sind. Fast jeder fünf­te Deut­sche — 19 Pro­zent — unter­schrei­tet sogar 150 Minu­ten kör­per­li­che Akti­vi­tät. Die­se inak­ti­ve Grup­pe mache ihm gro­ße Sor­gen, unter­strich Fro­bö­se. “Die machen nix.” Mit kör­per­li­cher Akti­vi­tät sind phy­si­sche — mode­ra­te wie inten­si­ve — Tätig­kei­ten im Job oder im All­tag gemeint, die sti­mu­lie­rend wir­ken. Es geht also kei­nes­wegs nur um rei­nen Sport.

Auf­fäl­lig stark klaf­fen die erho­be­nen Wer­te mit der Selbst­ein­schät­zung der Befrag­ten aus­ein­an­der: Aktu­ell stu­fen unver­än­dert 61 Pro­zent ihren Gesund­heits­zu­stand als gut oder sehr gut ein. Nach Ein­schät­zung von Muth ist die­se kras­se Dis­kre­panz auch ein Beleg dafür, dass vie­le Men­schen kein aus­rei­chen­des Bewusst­sein für einen gesun­den Lebens­stil haben.

Unter den “rund­um gesund” Leben­den schnei­den Frau­en mit einem Anteil von 14 Pro­zent bes­ser ab als Män­ner mit 9 Pro­zent. Bei den Bun­des­län­dern hat Sach­sen (18 Pro­zent) die Nase vorn, gefolgt von Ham­burg, Bran­den­burg und Rhein­land-Pfal­z/­Saar­land. Im Mit­tel­feld lie­gen Bay­ern, Niedersachsen/Bremen, Hes­sen und Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Die Ana­ly­se ergibt, dass die Bür­ger und Bür­ge­rin­nen in Nord­rhein-West­fa­len (7 Pro­zent) am wenigs­ten auf einen gesun­den Lebens­stil achten.

Erst­mals habe man auch auf die Metro­po­len geschaut, schil­der­te Muth: Top sei Ham­burg mit 17 Pro­zent. Das Schluss­licht beim gesun­den Lebens­stil bil­de Köln mit nur 4 Prozent.

Bei der Ernäh­rung ist wei­ter­hin die knap­pe Hälf­te gesund unter­wegs, wobei als Richt­schnur die Emp­feh­lun­gen der Deut­schen Gesell­schaft für Ernäh­rung gel­ten. Frau­en kom­men auf bes­se­re Wer­te als Män­ner — so essen sie bei­spiels­wei­se zu drei Vier­teln täg­lich Obst und Gemü­se. Alko­hol kon­su­mie­ren 82 Pro­zent ver­ant­wor­tungs­voll — also gar nicht oder nur gele­gent­lich mal ein Glas Wein oder Bier. Fast jede:r Fünf­te trinkt dem­nach zu viel. Zur Ziga­ret­te greift nahe­zu unver­än­dert knapp ein Vier­tel der Befragten.

Posi­tiv in der Coro­na-Zeit: Fast jeder Zwei­te gibt an, in der Pan­de­mie mehr Spa­zie­ren zu gehen. Fro­bö­se zufol­ge nimmt der Trend aber schon wie­der ab. Die Poli­tik habe Sport in der Coro­na-Kri­se “in die Ecke gerückt” und mit Blick auf Infek­ti­ons­ri­si­ken als “gefähr­lich” dar­ge­stellt. Das sei falsch gewe­sen und wer­de Spu­ren hinterlassen.

dpa-AFX

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