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    NFTs, ©Vertigo3d/iStock

NFTs – Millionen für digitale Bilder?

2022-01-11T12:23:12+01:0011. Januar 2022|

69,3 Mil­lio­nen US-Dol­lar – so viel kos­te­te das teu­ers­te je von einem leben­den Künst­ler ver­stei­ger­te Gemäl­de. Ein­zi­ger Unter­schied: Der Besit­zer kann es nicht an die Wand hän­gen. Es ist ledig­lich digi­tal ver­füg­bar, als NFT, als Non Fun­gi­ble Token. NFTs haben nicht nur Ein­gang in den Kunst­markt gefun­den. Kon­zer­ne wie adi­das verkau­fen Bild­samm­lun­gen digi­tal, vir­tu­el­le Grund­stü­cke wech­sel­ten bereits für 1,5 Mil­lio­nen US-Dol­lar den Besit­zer. Inzwi­schen ist das The­ma NFT auch an der Bör­se han­del­bar. Aber was sind NFTs und wozu sind sie gut?

Von Ant­je Erhard

Die Zah­len sind schier unglaub­lich, um nicht zu sagen aber­wit­zig: 2,9 Mil­lio­nen US-Dol­lar kos­te­te ein NFT des ers­ten Tweets, den Twit­ter-Grün­der Jack Dor­sey 2006 ver­öf­fent­licht hat. Und 69,3 Mil­lio­nen das Kunst­werk „Ever­y­days“, des Künst­lers Beep­le ali­as Mike Win­kel­mann – eine Col­la­ge aus 5.000 Tei­len. Eine pixe­li­ge Kat­ze namens Dra­gon wur­de für knapp eine Mil­li­on US-Dol­lar als vir­tu­el­les Bild gehan­delt. Gera­de kauf­te der Rap­per Emi­nem für 462.000 US-Dol­lar ein Affen-Comic als NFT.  

Obwohl es NFTS schon seit 2017 gibt, erreich­ten sie erst im ver­gan­ge­nen Jahr wirk­lich Auf­merk­sam­keit. Ein NFT ist eine Art digi­ta­les Eigen­tums­recht, ein Echt­heits­zer­ti­fi­kat und damit ein – so sagt man fäl­schungs­si­che­rer —  Nach­weis über den Besitz eines Kunst­werks auf der Ethe­re­um-Block­chain. Über­setzt so was wie ein ein­zig­ar­ti­ger, fäl­schungs­si­che­rer Ver­mö­gens­wert. Durch die „Regis­trie­rung“ auf der Block­chain ist ein NFT ein Uni­kat – auch wenn es das Bild mil­lio­nen­fach bereits im Inter­net als gif- oder jpeg-Datei gibt. Jeder kann die­se Datei­en wei­ter im Inter­net anse­hen oder aus dem Inter­net laden – aber die Ori­gi­nal­ko­pie des Ori­gi­nal-Kunst­werks hat eben nur einer. Als NFT. Auf der Block­chain. Gezahlt wird in der Kryp­to-Wäh­rung Ether Man benö­tigt eine Wal­let mit der Kryp­to-Wäh­rung, um NFTs zu han­deln. Jeder kann die Block­chain ein­se­hen und prü­fen, wem die­ser oder jener NFT gehört. Ein NFT ist ein­zig­ar­tig, ist ein­deu­tig iden­ti­fi­zier­bar und bis zum Ursprung rück­ver­folg­bar. 

Ein NFT kann ein Bild sein, ein Musik­stück, ein Video, das High­light eines Sport-Events, ein Text, ja sgoar ein Tweet. Oder die gute alte Brief­mar­ken­samm­lung. Ein NFT kann alles sein – Haupt­sa­che etwas Exklu­si­ves. Gehan­delt wer­den sie auf spe­zi­el­len Platt­for­men wie Open­sea als der­zeit größ­ter Anbie­ter, aber auch auf Mint­ba­se oder Nif­ty. Sie funk­tio­nie­ren ähn­lich wie ebay: Hier kann man NFTs er- und ver­stei­gern oder zum Fest­preis kau­fen und ver­kau­fen. Dass der teu­ers­te NFT beim ehr­wür­di­gen Auk­ti­ons­haus Christie’s ver­stei­gert wur­de, sorg­te für beson­de­res Auf­se­hen.  

 Aber war­um ent­steht hier so ein Hype, wofür? Künst­ler haben so die Mög­lich­keit, digi­tal (zusätz­li­ches) Geld zu ver­die­nen und erschlie­ßen schnell welt­weit Ziel­grup­pen. Und sie erhal­ten bei jedem Wei­ter­kauf Pro­vi­sio­nen. Käu­fer spe­ku­lie­ren dar­auf, dass die digi­ta­len Wer­ke – ähn­lich den phy­si­schen, greif­ba­ren – an Wert gewin­nen. Und in Zei­ten, wo Zin­sen rar sind, suchen vie­le Anleger*innen nach alter­na­ti­ven Invest­ments. So künf­tig könn­ten vie­ler­lei Besitz­tü­mer auf der Block­chain gespei­chert wer­den. Häu­ser, Grund­stü­cke, Old­ti­mer… Doch Expert*innen war­nen auch: 

 Achtung Kurseinbrüche – trotz des Hypes 

„Dass es sich bei NFTs der­zeit um einen Hype han­delt, ist nur schwer zu ver­nei­nen“, sagt Timo Emden, Kryp­to- und Block­chain-Exper­te von Emden Rese­arch. „Die Gefahr poten­ti­el­ler Kurs­ein­brü­che dürf­te in naher Zukunft somit stei­gen. Anle­ger soll­ten es grund­sätz­lich tun­lichst ver­mei­den blind auf den NFT-Zug auf­zu­sprin­gen. NFTs besit­zen mei­ner Mei­nung nach das Poten­zi­al bei­spiels­wei­se den gesam­ten Kunst-Markt umzu­krem­peln. Auch zahl­rei­che Orga­ni­sa­tio­nen benut­zen NFTs mitt­ler­wei­le um Spen­den ein­zu­sam­meln. Zu beach­ten gilt es, dass mög­li­cher­wei­se auch der NFT-Markt lei­den könn­te, wenn Bit­coin und Co unter die Räder kom­men.“ 

Vor allem Pro­mi­nen­te und Künst­ler sind auf den fah­ren­den Zug auf­ge­sprun­gen und haben Musik und Kunst per NFT ver­kauft. Doch der Wert der Objek­te ist schwer zu bemes­sen, Wert­stei­ge­run­gen heu­te kaum abschätz­bar. Kri­ti­ker monie­ren, dass Prei­se durch Mani­pu­la­tio­nen ein­fach in die Höhe getrie­ben wer­den kön­nen. Außer­dem soll es der­zeit noch rela­tiv leicht sein, Fäl­schun­gen zu erstel­len: Von einem Bild lie­ße sich eine Kopie erstel­len und als NFT ver­kau­fen. Ein­mal auf der Block­chain erfasst, kön­nen NFTs aber nicht gefälscht, ver­mehrt oder zer­stört wer­den. 

Kein Wun­der, dass das Geschäft Fahrt auf­nimmt und jeder ein Stück abha­ben möch­te: So ver­kauf­te der FC Bay­ern Mün­chen Spie­ler­kar­ten als NFT und Bands brin­gen ihre Alben als Token her­aus. Wer sie erwirbt, bekommt häu­fig auch die Mög­lich­keit, ech­te Kon­zer­ten als VIP in der ers­ten Rei­he zu erle­ben. 

Das Poten­ti­al scheint groß zu sein. So bringt der Elek­tro­nik-Her­stel­ler Sam­sung 2022 Smart-TVs auf den Markt, die NFTs unter­stüt­zen. Das heißt, Inter­es­sen­ten kön­nen sich ein NFT auf ihrem Smart-TV in Ori­gi­nal-Bild­qua­li­tät anse­hen. Auf einer fern­seh­bild­schirm­ba­sier­ten Platt­form soll man Kunst recher­chie­ren, anse­hen und dann auch erwer­ben kön­nen. 

Schuh-Her­stel­ler wie Nike kön­nen limi­tier­te Pro­duk­te und Edi­tio­nen als NFT ver­kau­fen und den Kun­den die Pro­duk­te in echt dann bevor­zugt zur Ver­fü­gung stel­len. 

Erster NFT-ETF in den USA zugelassen 

Der NFT-Trend macht auch vor den Kapi­tal­märk­ten nicht Halt: Seit Dezem­ber ist an der Wall Street ein NFT-ETF gelis­tet: Ein ETF von Defi­an­ce: „Anle­ger kön­nen somit in den Trend der Tech­no­lo­gie inves­tie­ren, ohne selbst die Rech­te besit­zen zu müs­sen. 1:1 inves­tiert der Fonds aller­dings nicht in NFTs. Gekauft wer­den Akti­en von Unter­neh­men, wel­che am NFT-Markt par­ti­zi­pie­ren“, sagt Timo Emden. 

Der ETF ent­hält zum Bei­spiel die Kryp­to-Platt­form Coin­ba­se und Unter­neh­men, die NFTs ver­kauft haben, wie zum Bei­spiel Play­boy. Seit sei­ner Auf­la­ge hat der Defi­an­ce Digi­tal Revo­lu­ti­on ETF gut 29 Pro­zent an Wert ver­lo­ren. Die Mit-Grün­de­rin und CIO von Defi­an­ce, Syl­via Jablon­ski, bezeich­net NFTs als „Bit­coin von heu­te“.  

Hier zu Lan­de sind noch kei­ne NFT-ETFs auf dem Markt, weiß Timo Emden: „Grund­sätz­lich lohnt sich der Blick über die Lan­des­gren­zen hin­aus wie bei­spiels­wei­se in die USA. Wer nicht in einen ETF inves­tie­ren möch­te, kann sich auch an ech­ten NFTs ver­su­chen. 

Nach Infor­ma­tio­nen von Dapp­Ra­dar, einem Anbie­ter von NFT, hat der NFT-Markt 2021 das bis­lang bes­te Jahr sei­ner Geschich­te erlebt mit einem Han­dels­vo­lu­men von 23 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. 

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