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    Neue Regierung - bessere Vorsorge? © Fabrizio Bensch/Reuters

Neue Regierung – bessere Vorsorge? Was ändert sich mit der Ampel-Koalition für unser Geld?

2021-11-30T10:45:51+01:0030. November 2021|

Mit der neu­en Regie­rung wird sich auch finan­zi­ell eini­ges für uns ändern. Was genau? Zum Bei­spiel bei der Ren­te? Und bei der Aktien-Anlage?

Von Ant­je Erhard

Es ist die Qua­dra­tur des Krei­ses: Das Ren­ten­ni­veau soll nicht sin­ken, die Bei­trä­ge nicht stei­gen. So plant es die Ampel-Koali­ti­on. Doch wie soll das gehen? 25,8 Mil­lio­nen Ren­ten zähl­te die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung im ver­gan­ge­nen Jahr. Davon 18,46 Mil­lio­nen Alters­ren­ten. Hin­zu kom­men Ren­ten, die Men­schen wegen ver­min­der­ter Erwerbs­fä­hig­keit bezie­hen oder Ren­ten auf Basis von Versicherungsleistungen.

Das Ren­ten­ni­veau soll nicht unter 48 Pro­zent des bis­he­ri­gen Ein­kom­mens sin­ken und das Ren­ten­ein­tritts­al­ter bei 67 Jah­ren blei­ben. Der Bei­trags­satz von der­zeit 18,6 Pro­zent soll nicht höher als 20 Pro­zent aus­fal­len. Doch das muss alles finan­ziert werden.

Vor allem das The­ma Ren­te und Alters­vor­sor­ge ist also als eine der drän­gends­ten Her­aus­for­de­run­gen für die Zukunft in den Blick­punkt der neu­en Koali­ti­on gera­ten. Doch was wird sich ändern – und was nicht:

Die Aktien-Rente kommt. Endlich. Aber mit wenig Geld…

Eine Akti­en-Ren­te nach schwe­di­schem Vor­bild soll kom­men. Seit Jah­ren war dar­über dis­ku­tiert wor­den. Das Modell bedeu­tet: 10 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich aus dem Bun­des­haus­halt sol­len für die Bürger:innen an den Kapi­tal­märk­ten in einen Fonds inves­tiert wer­den. Der soll von einer unab­hän­gi­gen Stel­le ver­wal­tet wer­den. Ob das reicht? Schon jetzt zahlt der Bund jähr­lich 100 Mil­li­ar­den Euro für die Ren­ten­kas­se zu, deren Gesamt­aus­ga­ben bei mehr als 300 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich lie­gen. Die Ren­di­te soll — lang­fris­tig betrach­tet – das Ren­ten­ni­veau und den Bei­trags­satz sta­bil hal­ten. Wie das Kon­zept genau aus­ge­stal­tet wer­den soll und ob alle Ver­si­cher­ten dazu ver­pflich­tet wer­den, beinhal­tet der Koali­ti­ons­ver­trag nicht.

Exper­ten kri­ti­sie­ren den Sprung als zu kurz – auch wenn es „grund­sätz­lich Sinn macht, die Alters­vor­sor­ge für Akti­en zu öff­nen“, sagt Robert Hal­ver, Lei­ter Kapi­tal­markt-Ana­ly­se der Baa­der Bank: Die Aus­ga­ben für die Ren­ten sei­en so hoch, „da rei­chen rund drei Pro­zent für die  Akti­en-Ren­te nicht aus. Das kann bes­ten­falls ein Ein­stieg sein. Bis jetzt ist das eine Akti­en-Mini­mal­ren­te.“ Robert Hal­ver rech­net vor: Selbst mit 5 Pro­zent Ren­di­te kom­men nur 500 Mil­lio­nen Euro an zusätz­li­chen Ein­nah­men für die Ren­ten zustan­de. Das sei nur ein „Trop­fen auf den hei­ßen Stein“.

Kri­tik äußer­te auch Joa­chim Ragnitz, Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler vom ifo-Insti­tut: „Die Ein­füh­rung eines Kapi­tal­stocks in der Gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung belas­tet ins­be­son­de­re die erwerbs­tä­ti­ge Bevöl­ke­rung zusätz­lich.“ Der tie­fe­re Sinn einer Kapi­tal­de­ckung sei, einen Kapi­tal­stock auf­zu­bau­en, aus des­sen Auf­lö­sung man spä­ter die Ren­ten finan­zie­ren kön­ne. Bei rund 41 Mil­lio­nen Ver­si­cher­ten in Deutsch­land mit Anspruch auf spä­te­re Ren­ten­zah­lun­gen kön­ne man jedoch bei 19 Mil­li­ar­den Euro Kapi­tal­stock „jedem Rent­ner ein­ma­lig etwa 240 Euro aus­zah­len“. Selbst bei über­durch­schnitt­li­chen Ren­di­ten wäre das „nur ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein“. Viel­mehr müs­se man einen „weit­aus höhe­ren Kapi­tal­stock auf­bau­en“, um die gesetz­li­che Ren­te zu stabilisieren.

Deutsche Rentenversicherung soll „reguliert“ investieren

Was sich auch ändern soll: Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung darf zwar am Kapi­tal­markt inves­tie­ren. Aller­dings „regu­liert“. Bis­lang sind die Vor­ga­ben für die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung eng gesteckt: Die Bei­trä­ge wer­den sicher in Ter­min- und Tages­gel­der inves­tiert. Doch hier fal­len Nega­tiv­zin­sen an. Mit Invest­ments an den Kapi­tal­märk­ten – aller­dings „regu­liert“, wäre es mög­lich, die­se Nega­tiv­zin­sen zu umge­hen, aller­dings stie­ge dann auch das Risi­ko. Wie die Regu­lie­rung aus­se­hen soll, ist noch nicht bekannt.

Riester reformieren – aber wie?

Wei­te­rer Punkt: Die pri­va­te Alters­vor­sor­ge soll refor­miert wer­den, Die Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band kri­ti­siert längst: „weder die staat­lich geför­der­te Ries­ter-Ren­te noch die betrieb­li­che Alters­vor­sor­ge funktionieren“.

Das Pro­blem bei Ries­ter: Vie­le Ver­trä­ge sei­en „teu­er, unfle­xi­bel und wer­fen nur wenig Ren­di­te ab“, so die Ver­brau­cher­zen­tra­le. Ries­ter wer­de „häu­fig im Ver­trieb genutzt, um die angeb­li­chen Vor­tei­le … in den Vor­der­grund zu stel­len. Die För­de­rung kann die erheb­li­chen Nach­tei­le von Ries­ter-Ver­trä­gen dabei nur sel­ten aus­glei­chen. Dazu ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Ries­ter-Ren­te im Ren­ten­al­ter voll ver­steu­ert wer­den muss. Ohne För­de­rung bei der Ein­zah­lung wäre Ries­ter für Verbraucher:innen häu­fig ein Minusgeschäft.“

Verbraucherzentrale plädiert seit Langem für Fonds

Statt­des­sen wäre „die Ein­füh­rung einer Extra­ren­te auf Basis eines öffent­lich-recht­lich orga­ni­sier­ten Vor­sor­ge­fonds, der eine breit diver­si­fi­zier­te und kos­ten­ar­me Anla­ge in Akti­en ermög­licht“, sinn­voll. Die Extra­ren­te wür­de gerin­ge Kos­ten ver­ur­sa­chen, wäre ein­fach abzu­schlie­ßen, fle­xi­bel in der Aus­zah­lung, lie­ße sich durch unab­hän­gi­ge Expert:innen kontrollieren

Betriebliche Vorsorge neu aufstellen

„Auch die betrieb­li­che Vor­sor­ge funk­tio­niert an vie­len Stel­len nicht“, kri­ti­sier­te die Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band.“ Brut­to­ent­gelt umzu­wan­deln füh­re zu gerin­ge­ren Ren­ten­an­sprü­chen und wer den Arbeit­ge­ber wech­se­le, müs­se meist einen neu­en Ver­trag abschlie­ßen und damit auch noch­mals Abschluss- und Ver­triebs­kos­ten zah­len. Doch damit nicht genug. Unter den nied­ri­gen Zin­sen lei­den vie­le Kas­sen seit Jah­ren. Hier soll es nach den Plä­nen der neu­en Regie­rung auch „Anla­ge­mög­lich­kei­ten mit höhe­ren Ren­di­ten“ geben. Angeb­lich soll auch hier ein Fonds auf­ge­legt werden.

Vollständige Steuern auf Rente ab 2060

Die künf­ti­gen Steu­ern auf die Ren­te wer­den aller­dings gestreckt: Ab 2023 steigt der steu­er­pflich­ti­ge Anteil an der Ren­te um 0,5 Pro­zent. Bis­he­ri­ge Plä­ne sahen ein Pro­zent pro Jahr vor. Somit fällt die Ren­ten­steu­er in Gän­ze ab 2060 an.

Höhere Freibeträge für Sparer

Wer selbst vor­sorgt und bereits in Akti­en inves­tiert, bekommt dafür Frei­be­trä­ge. Die sind aber rela­tiv gering. Mit der neu­en Regie­rung sol­len sie ange­ho­ben wer­den. Aller­dings erst ab 2023: Die Pausch­be­trä­ge auf Gewin­ne aus Akti­en, Divi­den­den etc. erhöht sich dann von der­zeit 801 auf 1000 Euro. „Viel zu wenig“, kri­ti­siert Robert Hal­ver. „Wer bereit ist, selbst Geld anzu­le­gen, soll­te auch mehr steu­er­li­che För­de­rung bekommen.“

Sein Fazit: „Die aktu­el­len Ren­ten- und Vor­sor­ge­plä­ne der neu­en Regie­rung grei­fen zu kurz. Jeder muss die pri­va­te Alters­vor­sor­ge selbst in die Hand neh­men und eigen­ver­ant­wort­lich vor­sor­gen“, sagt Robert Hal­ver. „Dar­an ändert sich auch mit der neu­en Regie­rung nichts.“ Sein Tipp: Regel­mä­ßi­ge Spar­plä­ne, damit vor allem auch klei­ne und mitt­le­re Ein­kom­men zur Alters­vor­sor­ge über­haupt in Fra­ge kämen. „Es hät­te Sinn gemacht, dass schwe­di­sche Modell zu über­neh­men – aber min­des­tens 50 Mil­li­ar­den Euro zu investieren.“

In Schwe­den inves­tie­ren die Bürger:innen 2,5 Pro­zent vom gesetz­li­chen Ren­ten­bei­trag in Akti­en und Anlei­hen. Verpflichtend.

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