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  • Netzwerkexpertin Christiane Wolff, ©Mica Wintermayr

Netzwerkexpertin Christiane Wolff: “Frauen geraten oft in eine Perfektionsfalle”

2022-08-25T14:02:26+02:0026. August 2022|

Nicht weni­ge – vor allem Frau­en – scheu­en sich davor, auf Netz­wer­ke­vents zu gehen und neue Kon­tak­te zu knüp­fen. Völ­lig zu Unrecht, fin­det Netz­werk­ex­per­tin Chris­tia­ne Wolff. Sie selbst sieht in einem guten Netz­werk unzäh­li­ge Chan­cen. Wie man das pas­sen­de Netz­werk fin­det, wel­che Faux­pas man ver­mei­den soll­te und mit wel­chen Tipps das Netz­wer­ken gelingt, hat sie uns im Inter­view ver­ra­ten. 

Von Isa­bell Angele

courage-online.de: Wenn ich mir Ihren Lebenslauf ansehe, gibt es eine Konstante: Die Kommunikation. Wussten Sie schon immer, dass Sie in diesem Bereich durchstarten möchten? 

Chris­tia­ne Wolff: Ja, ich den­ke schon. Ich war schon immer ein sehr offe­ner und kom­mu­ni­ka­ti­ver Mensch und das hat sich auch in mei­nem Kar­rie­re­weg wider­ge­spie­gelt. Wäh­rend des Stu­di­ums habe ich um die zehn Prak­ti­ka absol­viert – alle im Bereich Kom­mu­ni­ka­ti­on. Das ging von RTL über einen Ver­lag bis hin zum Ber­li­ner Senat. Mei­ne Stär­ken habe ich dabei ganz klar in der Kom­mu­ni­ka­ti­on, in der PR und im Netz­wer­ken erkannt.  

Apropos Netzwerken: “Ohne ein gutes Netzwerk geht gar nichts”, was sagen Sie dazu? 

Das kann ich zu 100 Pro­zent unter­schrei­ben. Mein Leben wur­de nur durch mein ste­tig wach­sen­des Netz­werk so wie es jetzt ist. Ich habe dadurch vie­le Chan­cen erhal­ten und konn­te mich in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen wei­ter­ent­wi­ckeln. Auch anders­her­um konn­te ich vie­len Men­schen wei­ter­hel­fen. Mir gibt ein gutes Netz­werk Inspi­ra­ti­on, Wis­sen, Kon­tak­te und natür­lich auch Job­chan­cen.  

Wie finde ich das passende Netzwerk für mich? 

Um das geeig­ne­te Netz­werk zu fin­den, müs­sen die eige­nen Zie­le zunächst abge­steckt sein. Vor­ab soll­te man sich des­halb die Fra­gen stel­len, war­um ich netz­wer­ken möch­te und wo, wie und wel­che Per­so­nen ich tref­fen möch­te? Es ist schließ­lich ein Unter­schied, ob ich mich inner­halb mei­ner Bran­che ver­net­zen möch­te, inner­halb mei­ner Funk­ti­on oder auch, ob ich mich gern vor­ran­gig mit Frau­en aus­tau­schen möch­te. Mein Tipp wäre es, sich bei Freun­den, Kol­le­gen oder auch Kun­den umzu­hö­ren, in wel­chen Netz­wer­ken sie aktiv sind. Viel­leicht ergibt sich so die Gele­gen­heit, in ein Netz­werk rein­zu­schnup­pern. Am hilf­reichs­ten ist es, sich meh­re­re Netz­wer­ke anzu­schau­en, sich dann für zwei oder drei zu ent­schei­den und zu über­le­gen, in wel­chen man sich am bes­ten ein­brin­gen kann. Sei es mit The­men, Orga­ni­sa­ti­on, oder bei­spiels­wei­se auch mit Mode­ra­ti­ons­auf­ga­ben.  

Sollte ich mich als Frau einem reinen Frauennetzwerk anschließen, oder brauche ich nicht auch ein stärker durchmischtes Netzwerk? Derzeit ist die Business-Welt ja noch überwiegend männerdominiert. 

Die Mischung macht es! Bei man­chen The­men ist ein Frau­en­netz­werk eine wun­der­ba­re Sache. So kön­nen sie sich in einem geschütz­ten Rah­men aus­tau­schen. Ich fin­de es des­halb sinn­voll, sich meh­re­ren Netz­wer­ken anzu­schlie­ßen. Übri­gens muss so ein Netz­werk nicht immer for­mell sein. Bei­spiels­wei­se kann auch ein Golf­club wun­der­ba­re Kon­tak­te brin­gen.  

Frauen gelten im Allgemeinen zwar als kommunikativer, bei beruflichen Netzwerktreffen sind sie trotzdem häufig in der Minderheit. Woran liegt das? 

Dazu ein Bei­spiel: Wenn ich zu einem Netz­werklunch in klei­ne­rem Rah­men ein­ge­la­den habe, haben die Män­ner sofort zuge­sagt. Von Frau­en kam statt­des­sen häu­fig die Rück­mel­dung, dass sie mit­tags nicht so lan­ge weg­kön­nen. Frau­en gera­ten oft in eine Per­fek­ti­ons­fal­le und arbei­ten lie­ber ihre To-Dos ab, statt zu Netz­wer­ken. Das ist mei­nes Erach­tens ein Feh­ler. Netz­werk­pfle­ge ist ein wich­ti­ger Teil der Arbeit und so soll­te es auch wahr­ge­nom­men wer­den. Bei Abend­ver­an­stal­tun­gen ist es lei­der häu­fig auch noch üblich, dass Frau­en auf die Kin­der auf­pas­sen, wäh­rend der Mann zum Netz­wer­ken geht. Auch das soll­te in einer Part­ner­schaft auf­ge­teilt wer­den.  

Der erste Eindruck kann entscheidend sein: Worauf sollte man achten, wenn man auf das erste Netzwerkevent kommt? 

Vor­be­rei­tung ist bei einem Netz­werk­tref­fen genau­so wich­tig wie bei jedem ande­ren beruf­li­chen Mee­ting. Was ist geplant? Um wel­che The­men geht es? Wel­che Gäs­te kom­men? Wel­che Fra­gen könn­te ich stel­len? Wen möch­te ich ken­nen­ler­nen? Das alles sind wich­ti­ge Vor­be­rei­tungs­punk­te. Zusätz­lich soll­te man sich die Fra­ge stel­len: Wel­che Exper­ti­se kann ich selbst mit­brin­gen, mit wel­chen The­men ken­ne ich mich aus und wel­che mei­ner Kon­tak­te könn­ten viel­leicht für ande­re Gäs­te hilf­reich sein? Außer­dem sind Visi­ten­kar­ten wich­tig. Sie machen die neu­en Kon­tak­te offi­zi­ell und man kann sie mit Noti­zen über das Gespräch ergän­zen. So ist es spä­ter leich­ter, an das bespro­che­ne The­ma anzu­knüp­fen. Einem kom­plet­ten Neu­ling wür­de ich über­dies immer dazu raten, früh­zei­tig zu kom­men. So haben sich noch kei­ne Grüpp­chen gebil­det und man kommt leich­ter mit ein­zel­nen Leu­ten ins Gespräch. Übri­gens: Es ist nie ver­kehrt, vor einem Netz­wer­ke­vent noch einen Hap­pen zu essen. Denn mit vol­lem Mund netz­werkt es sich so schlecht (lacht)!  

Welche Fauxpas sollte man vermeiden? 

Ganz klar: Mit der Tür ins Haus fal­len. Dem poten­zi­el­len neu­en Kon­takt schon in den ers­ten Sät­zen zu sagen, dass ich einen Job von ihm möch­te, ist nicht beson­ders höf­lich. Gene­rell ist es bes­ser, zunächst etwas zu geben, statt direkt zu neh­men. Lässt es die Situa­ti­on nicht anders zu, soll­te man das Gespräch zumin­dest mit einem Augen­zwin­kern eröff­nen. Als Bei­spiel: “Es tut mir leid, dass ich Sie mit mei­nem Anlie­gen so über­rum­pe­le, aber ich woll­te ger­ne noch die Chan­ce für ein kur­zes Gespräch nut­zen, bevor Sie auf­bre­chen.” Ansons­ten gel­ten die Grund­re­geln der Höf­lich­keit: Ich plat­ze in kei­ne lau­fen­den Gesprä­che, vor allem nicht, ohne mich ordent­lich vor­ge­stellt zu haben und ich las­se kei­ne Gesprächs­part­ner ein­fach ste­hen, nur weil ich auch noch ande­re Leu­te auf mei­ner Lis­te ste­hen habe.  

Welche Tipps haben Sie, um erfolgreich zu netzwerken? 

Am Anfang ist es ganz wich­tig, sich ein Ziel und eine Stra­te­gie zu über­le­gen. Ent­schei­dend ist auch die Fra­ge, was ich selbst in einem Netz­werk ein­brin­gen kann. Hilf­reich ist über­dies der Aus­tausch mit Freun­den und Kol­le­gen, in wel­chen Netz­wer­ken oder Clubs sie even­tu­ell aktiv sind. Im Anschluss nimmt man sich ein paar Mona­te Zeit, um sich etwa fünf bis zehn Netz­wer­ke anzu­schau­en. Wenn man sich dann für zwei bis drei davon ent­schie­den hat, heißt es: Los­le­gen und aktiv sein!  

Wenn die Kontakte einmal hergestellt sind: Wie knüpft man daran an? 

Eine Prio­ri­sie­rung der Kon­tak­te ist sehr wich­tig. Mit den Kon­tak­ten im “Inner Cir­cle” hal­te ich regel­mä­ßig Kon­takt. Bei eini­gen Men­schen mel­de ich mich etwa zwei- bis drei­mal pro Jahr. Und dann gibt es natür­lich noch die­je­ni­gen, bei denen man sich freut, wenn man sie auf einem Event trifft, mit denen der beruf­li­che Kon­takt aber nicht so rele­vant ist. Das hat nichts damit zu tun, wie “wich­tig” jemand ist, aber es gilt, die eige­ne Zeit sinn­voll zu nut­zen. Gibt es noch kei­ne gemein­sa­men Pro­jek­te oder The­men als Anknüp­fungs­punk­te, ist es nie ver­kehrt, sich auf Urlau­be oder Hob­bies zu bezie­hen. Nur ein Bei­spiel: Ein Kon­takt hat erzählt, dass er dem­nächst in den Urlaub fährt. Ich selbst ken­ne mich zufäl­lig vor Ort aus, weil ich dort schon Urlau­be ver­bracht habe. War­um dann nicht ein­fach ein paar Restau­rant­emp­feh­lun­gen geben? Das hilft dem Kon­takt wei­ter und man bleibt im Gespräch.   

Ein letzter Tipp an alle Netzwerker:innen und diejenigen, die es werden wollen? 

Bei allen Zie­len und Stra­te­gien: Ver­gesst den Spaß, die Neu­gier und die Offen­heit nicht! Wenn ihr das The­ma mit Leich­tig­keit angeht, ver­liert ihr auch die Freu­de dar­an nicht.  

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