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    Nachhaltige Geldanlage, Quelle: Black Kira/iStock

Nachhaltige Geldanlage: Wie kriege ich schwarze Zahlen mit grünen Investments ins Depot?

2021-08-11T15:36:32+02:0011. August 2021|

2.240.000.000.000 US-Dol­lar, 2,24 Bil­lio­nen Dol­lar. Auf die­se Sum­me ist das Ver­mö­gen nach­hal­ti­ger Fonds welt­weit bis zum Ende des zwei­ten Quar­tals ange­stie­gen. Ein Plus von 12 Pro­zent im Jah­res­ver­gleich. Das geht aus dem „Glo­bal Sus­tainab­le Fund Flows Report“ von Morningstar her­vor. Ten­denz steigend. 

Von Ant­je Erhard
Fast zwei Drit­tel der deut­schen Verbraucher:innen wür­den denn auch gern nach­hal­tig inves­tie­ren, ergab eine For­sa-Umfra­ge unter 20–59-Jährigen in Deutsch­land. Doch mehr als die Hälf­te, 53 Pro­zent, weiß nicht, wie. Für ein Drit­tel sind die Ange­bo­te gar zu kom­pli­ziert. Geht nach­hal­tig auch ein­fach im Depot?
Ver­hee­ren­de Wald­brän­de in Ita­li­en und der Tür­kei, eine Flut­ka­ta­stro­phe unbe­schreib­li­chen Aus­ma­ßes in Deutsch­land – sind das Zei­chen für den Kli­ma­wan­del? Wer­den wir uns auf sol­che und wei­te­re Kata­stro­phen welt­weit ein­stel­len müs­sen? – Ereig­nis­se wie die­se las­sen uns ein­mal mehr über Kli­ma­schutz und nach­hal­ti­ge Lebens­wei­se nach­den­ken. Auch bei der Geldanlage.

Nach­hal­tig­keit — dafür ste­hen drei Buch­sta­ben: ESG – Envi­ron­ment, Social und Gover­nan­ce. Also Umwelt­freund­lich­keit, sozia­le Ver­ant­wor­tung und ethi­sche Unter­neh­mens­füh­rung. Und die­ser Trend boomt – über­all: 23 Pro­zent der Anleger:innen in Deutsch­land haben bereits nach­hal­tig, das heißt in ESG-Anla­gen, Geld inves­tiert. Das ist fast ein Vier­tel aller, die an der Bör­se Geld anle­gen, ergab eine For­sa-Umfra­ge. Im ver­gan­ge­nen Jahr waren es noch 14 Pro­zent. Nach­hal­tig­keit boomt – in vie­len Berei­chen unse­res Lebens. Auch in der Geld­an­la­ge. Doch vie­le von uns wis­sen nicht, wie sie nach­hal­tig Geld können.

Das Pro­blem einer­seits: Die vie­len Mög­lich­kei­ten. Allein von den rund 10.000 Fonds in Deutsch­land gibt es mehr als 1.400 nach­hal­ti­ge. Dazu eine unüber­schau­ba­re Men­ge an Akti­en, ETFs, The­men-Zer­ti­fi­ka­ten etc. Das zwei­te Pro­blem: Die Trans­pa­renz bzw. Regu­lie­rung. Es gibt weder in Deutsch­land, noch in der EU oder gar glo­bal Vor­ga­ben, was genau nach­hal­tig und ESG ist bzw. sein darf.  Oft ist nach­hal­tig nur ein Anstrich, ein Mar­ke­ting­in­stru­ment – so genann­tes Greenwashing.

Immer­hin — seit dem 10. März müs­sen Finanz­in­sti­tu­te laut einer EU-Ver­ord­nung offen­le­gen, wie nach­hal­tig ihre Finanz­pro­duk­te sind. Ein Anfang. Wie fin­den wir nun aber, was nach­hal­tig ist und zu uns passt?

Ein ers­ter Anhalts­punkt sind die 17 Nach­hal­tig­keits­zie­le der Ver­ein­ten Natio­nen. Nach die­sen Zie­len sind Invest­ments in Waf­fen, aber auch in Tabak, Öl und Alko­hol tabu, eben­so in Unter­neh­men, die Kin­der­ar­beit zulassen.

Wei­te­re Hil­fe erfah­ren wir Anleger:innen heu­te von Rating-Agen­tu­ren. Die­se Agen­tu­ren beur­tei­len heu­te nicht mehr „nur“ die Finanz­kenn­zah­len von Anla­ge-Pro­duk­ten, eini­ge haben sich auf die Bewer­tung, wie nach­hal­tig ein Invest­ment ist, spe­zia­li­siert. Dar­un­ter sind Agen­tu­ren wie MSCI ESG, Morningstar oder ISS. Das Beson­de­re: Bei Nach­hal­tig­keits­ra­tings zah­len – anders als bei kon­ven­tio­nel­len Ratings – die Nut­zer die Daten, also Ver­mö­gens­ver­wal­ter zum Bei­spiel. Damit haben nach­hal­ti­ge Ratings eine höhe­re Unab­hän­gig­keit. Aller­dings geht jede Agen­tur nach eige­nen Kri­te­ri­en vor.

Die Index-Anbie­ter haben bereits reagiert und nach­hal­ti­ge Bör­sen­in­di­zes auf­ge­legt. In Deutsch­land ist zum Bei­spiel der DAX auch in der nach­hal­ti­gen Ver­si­on als DAX 50 ESG zu haben, dar­in sind dann auch Mit­glie­der der klei­ne­ren deut­schen Bör­sen­in­di­zes enthalten.

Dar­über hin­aus gibt es vie­le Mög­lich­kei­ten, je nach per­sön­li­chem Ren­di­te-Anspruch und Risi­ko-Bewusst­sein in ESG-Anla­gen zu inves­tie­ren: „Auch bei der nach­hal­ti­gen Geld­an­la­ge ist die Risi­ko­streu­ung extrem wich­tig“, sagt die Finanz­jour­na­lis­tin und Bör­sen­ex­per­tin Jes­si­ca Schwar­zer. „Des­halb wür­de ich immer aktiv gema­nag­te Fonds und pas­si­ve ETFs bevor­zu­gen. Neben der Diver­si­fi­ka­ti­on hat das einen wei­te­ren ent­schei­den­den Vor­teil: Ich über­las­se die Aus­wahl der ein­zel­nen Akti­en oder Anlei­hen Pro­fis, näm­lich dem Fonds­ma­na­ger und sei­nem Team bezie­hungs­wei­se dem Inde­xan­bie­ter. Das soll­te uns im Fal­le der Fonds auch vor dem Green­wa­shing schüt­zen. Es gibt vie­le unter­schied­li­che Fonds und ETFs. Ein­stei­ge­rin­nen wür­de ich glo­bal inves­tie­ren­de Pro­duk­te an Herz legen, wer sich schon etwas bes­ser aus­kennt, kann sich The­men- und Bran­chen-Fonds oder ‑ETFs anschau­en. Erneu­er­ba­re Ener­gie, Mobi­li­tät der Zukunft oder Was­ser wären hier Themen.“

Wer sich bei der Geld­an­la­ge auf die Tech­nik ver­las­sen möch­te, wenig Zeit und even­tu­ell auch wenig Wis­sen über die Kapi­tal­märk­te hat, kann nach­hal­tig auto­ma­ti­siert anle­gen. Das ermög­li­chen so genann­te Robo Advi­sor: Ent­spre­chend unse­rer Erwar­tun­gen an Ren­di­te und Risi­ko legt ein Algo­rith­mus auto­ma­tisch unser Geld nach­hal­tig an und über­prüft regel­mä­ßig, ob unse­re Vor­ga­ben noch in Ein­klang mit der Markt­la­ge sind. In Deutsch­land gibt es zwei Robo Advi­sor, die voll­stän­dig nach­hal­tig inves­tie­ren: Das sind my sus­tainab­le impact, my-si, und Vivi­dam. Vie­le ande­re Robos, wie Solid­vest oder Grow­ney inte­grie­ren ESG-Kri­te­ri­en in ver­schie­de­ne Pro­duk­te oder bie­ten Nach­hal­tig­keits­fonds oder nach­hal­ti­ge ETFs oder Akti­en an.

Die Zei­ten, in denen es bei der Kapi­tal­an­la­ge nur um maxi­ma­le Gewin­ne ging, sind vor­bei. Auch nach­hal­ti­ge Geld­an­la­gen wer­den dar­an gemes­sen, ob sie attrak­ti­ve Ren­di­ten erzie­len. Rund die Hälf­te der Anle­ge­rIn­nen glaubt aller­dings, dass nach­hal­ti­ge Geld­an­la­gen weni­ger Ren­di­te erzie­len als kon­ser­va­ti­ve: „Gera­de in Zei­ten von Null- und Straf­zin­sen gepaart mit stei­gen­der Infla­ti­on (und damit nega­ti­vem Real­zins) kön­nen Anle­ge­rIn­nen auf die Anla­ge­klas­se Akti­en nicht ver­zich­ten“, erklärt Jes­si­ca Schwar­zer. „Sie brin­gen bei brei­ter Risi­ko­streu­ung lang­fris­tig sechs bis acht Pro­zent Ren­di­te pro Jahr. Die Ren­di­ten nach­hal­ti­ger Fonds und ETFs kön­nen sich durch­aus sehen las­sen. Sie schnei­den nicht schlech­ter ab, als Pro­duk­te ohne die­sen Fil­ter. Das haben vie­le Stu­di­en gezeigt. Manch­mal sind die nach­hal­ti­gen Vari­an­ten sogar bes­ser. Auch bei nach­hal­ti­gen Fonds und ETFs gilt aber: Je spe­zi­el­ler das The­ma oder je enger die Bran­che, des­to grö­ßer wird auch das Risiko.“

Fazit: Inmit­ten von immer mehr Straf­zin­sen auf Gespar­tes und inmit­ten stei­gen­der Infla­ti­on rücken Wert­pa­pier-Anla­gen immer mehr in unser aller Inter­es­se. Gut so! Denn an den Kapi­tal­märk­ten las­sen sich höhe­re Ren­di­te als mit einem Spar­buch erzie­len, auch wenn man dafür ein höhe­res Risi­ko als bei einem Spar­buch ein­ge­hen muss. Berech­nun­gen zei­gen aber: Nach 15 Jah­ren haben Anle­ge­rIn­nen, die kon­ti­nu­ier­lich und breit gestreut Kapi­tal an der Bör­se ange­legt haben, ist aus die­sem Kapi­tal immer mehr gewor­den. Die Ver­gan­gen­heit ist zwar kein Garant für die Zukunft: Doch Nach­hal­tig­keit ist gekom­men, um zu blei­ben. Und wir Anle­ge­rIn­nen kön­nen damit heu­te mehr als nur finan­zi­el­le Zie­le erreichen.

Cou­ra­ge-Tipp: Wer sich inten­si­ver mit den The­men Geld­an­la­ge und Bör­se beschäf­ti­gen möch­te, erhält fun­dier­te Infor­ma­tio­nen u.a. im Buch ‚Wie wirk­lich jeder ent­spannt reich wer­den kann’ von der Bör­sen­ex­per­tin und Finanz­jour­na­lis­tin Jes­si­ca Schwarzer.

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