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    Mit Musikrechten können auch Anleger:innen Geld verdienen, ©Lisboa dreams - stock.adobe.com

Musikrechte: Songs als Geldanlage boomen

2022-05-11T10:39:50+02:0013. Mai 2022|

Songs als Geld­an­la­ge? Wie soll das gehen, wo Musik für uns Verbraucher:innen doch immer güns­ti­ger gewor­den ist, seit es Strea­ming-Anbie­ter gibt. Fakt ist, Stars, ihre Label und Invest­ment-Gesell­schaf­ten pro­fi­tie­ren von die­sem Markt. Wie viel Wis­sen braucht man als Anleger:in, damit Musik­rech­te Musik im Depot sind? 

Von Ant­je Erhard

Sie­ben Mil­li­ar­den US-Dol­lar. So viel Geld hat der Audio-Strea­ming-Dienst Spo­ti­fy an Musik­rech­ten aus­ge­ge­ben. Aller­dings ver­teilt sich die Sum­me auf acht Mil­lio­nen Künstler:innen. Nur ein klei­ner Teil davon kann gut davon leben – etwa Jus­tin Bie­ber. Die Musiker:innen ver­die­nen je nach­dem, wie oft sie gestreamt wer­den. Das Geld fließt denn auch zuerst an die Ver­la­ge und Label. Die geben es je nach Ver­trags­be­din­gun­gen an die Musiker:innen wei­ter. Aber jedes Mal, wenn ein Song im Radio gesen­det, gestreamt, geco­vert oder irgend­wo gespielt wird, ver­dient der Rech­te­inha­ber damit Geld. Die Rech­te dar­an gel­ten bis zu 70 Jah­re nach dem Tod eines Künst­lers.  

In Zei­ten, da phy­si­sche Ton­trä­ger kaum noch ver­kauft wer­den kön­nen, ist die Bedeu­tung von Musik­rech­ten enorm gestie­gen. Inzwi­schen sind Rech­te eine wich­ti­ge Ein­nah­me­quel­le: Für jün­ge­re Musiker:innen ist es die Kom­pen­sa­ti­on – ja sogar Über­kom­pen­sa­ti­on – weg­ge­fal­le­ner CD-Ver­käu­fe. Älte­re Künstler:innen sichern sich mit dem Ver­kauf von Musik­rech­ten ihres Lebens­wer­kes ihre Alters­vor­sor­ge. 

Vor allem bekannte Musiker:innen verdienen an ihren Rechten

Anleger:innen müs­sen nun kei­ne Stars sein, um mit Musik Geld zu ver­die­nen. Das ist auf den ers­ten Blick ver­wun­der­lich, Musik ist doch immer güns­ti­ger gewor­den, seit es Strea­ming­an­bie­ter gibt. Doch der Musik­markt boomt und mit ihm die Rech­te. Vor allem bekann­te Musiker:innen kön­nen die Rech­te an ihren Songs zu Geld machen. Vie­le tun dies auf Zeit und / oder mit der Prä­mis­se, was mit den Songs gesche­hen darf. Doch immer mehr Musiker:innen ver­kau­fen ihre Rech­te kom­plett und für immer. 

500 Millionen US-Dollar für Bruce-Springsteen-Urheberrechte

So hat Sony Music an Bruce Springsteen 500 Mil­lio­nen US-Dol­lar für die Rech­te an all sei­nen Songs gezahlt. Da sehen die 47,5 Mil­lio­nen US-Dol­lar, die Micha­el Jack­son 1985 für die Rech­te an 251 Beat­les-Songs gezahlt hat­te, ver­gleichs­wei­se beschei­den aus.  

Springsteen ist längst nicht der Ein­zi­ge: Auch Tina Tur­ner, Shaki­ra, Bob Dyl­an und vie­le ande­re haben ihr musi­ka­li­sches Erbe zu Geld gemacht. Vor allem alt­ge­dien­te Stars haben davon recht viel: In ihren Ver­trä­gen war meist noch gar nicht gere­gelt, wie es ver­gü­tet wird, wenn Strea­ming­diens­te ihre Musik spie­len. Meh­re­re Gerichts­ur­tei­le gab den Stars Recht, die Rech­te gal­ten als nicht mit­ver­kauft. 

Investoren hoffen auf gute Geschäfte in der Zukunft

Doch die Investor:innen hof­fen auf gute Geschäf­te in der Zukunft. Vier Mil­li­ar­den US-Dol­lar lie­ßen sie sich im Jahr 2020 die­se Hoff­nung kos­ten. So viel zahl­ten sie für Urhe­ber­rech­te welt­weit. 

Wer mit­ma­chen möch­te, soll­te es als Bei­mi­schung im Depot anse­hen. Anleger:innen kön­nen am ein­fachs­ten in bör­sen­no­tier­te Strea­ming-Diens­te oder Label inves­tie­ren: So sind Spo­ti­fy, Uni­ver­sal Music an den Akti­en­märk­ten gelis­tet. Auch War­ner Music ist an der Bör­se. 

Fonds aufgelegt

Die Aktie der Uni­ver­sal Music Group wird von 77 Pro­zent der Ana­lys­ten mit „kau­fen“ bewer­tet; 23 Pro­zent sagen „hal­ten“. Die Kurs­zie­le umfas­sen Schät­zun­gen von 20,40 bis 32 Euro. Der­zeit notiert die Aktie bei knapp 20 Euro. Inner­halb eines Jah­res ist sie um rund 17 Pro­zent gefal­len. Bei Spo­ti­fy ist knapp die Hälf­te der Ana­lys­ten – 45 Pro­zent – opti­mis­tisch und urteilt „kau­fen“, 41 Pro­zent haben die Aktie auf „hal­ten“, 14 Pro­zent auf „ver­kau­fen“. Die Kurs­zie­le rei­chen von 90 bis 223 Euro. Aktu­ell notiert Spo­ti­fy bei 90 Euro. Auf Jah­res­sicht hat sie rund die Hälf­te an Wert ver­lo­ren. 

In Groß­bri­tan­ni­en wur­de 2018 ein ent­spre­chen­der Fonds auf­ge­legt, der Hip­gno­sis Songs Fund. Dafür hat die Fir­ma Hip­gno­sis Music Manage­ment, die gera­de erst im März die Rech­te an allen Leo­nard Cohen-Songs erwor­ben hat­te, eine Part­ner­schaft mit der welt­größ­ten Invest­ment­ge­sell­schaft Black­stone geschlos­sen. Wert: eine Mil­li­ar­de US-Dol­lar.  

Wie hoch der Anteil ist, den Black­stone erhält, wur­de nicht mit­ge­teilt. Rech­te an Songs von Ed Sheeran oder Jus­tin Bie­ber sind Teil die­ses Fonds, der zehn­tau­sen­de Song-Rech­te besitzt. Hip­gno­sis Song Manage­ment gehört dem Medi­en-Unter­neh­mer Merck Mer­cu­ria­dis. Er hat Bey­on­cé und ande­re Stars gema­nagt.  

Verschiedene Gesellschaften im Geschäft mit Musikrechten

Aber auch die Kon­kur­renz ist umtrie­big. Die Pri­va­te-Equi­ty-Gesell­schaft Apol­lo hat eine eige­ne Gesell­schaft gegrün­det und mit einer Mil­li­ar­de US-Dol­lar Kapi­tal aus­ge­stat­tet – nur für den Kauf von Musik­rech­ten. Und die Betei­li­gungs­ge­sell­schaft KKR hat­te schon im ver­gan­ge­nen Früh­jahr eine Alli­anz mit der Ber­tels­mann Musik-Spar­te BMG ver­ein­bart. BMG ist das welt­weit viert­größ­te Musik-Unter­neh­men hin­ter Uni­ver­sal Music, Sony und War­ner Music. An BMG hat Tina Tur­ner im ver­gan­ge­nen Jahr ihre Rech­te an ihrer Musik ver­kauft. 

Der Erfolg lässt sich aller­dings schwer vor­her­sa­gen. Jeder hofft auf einen gro­ßen Wurf wie den Dau­er­bren­ner „Last Christ­man“ von Wham aus dem Jahr 1984. Neben den Urhe­ber­rech­ten wer­den des­halb auch die Mas­ter­rech­te inter­es­sant, also die Rech­te an einer musi­ka­li­schen Auf­nah­me. 

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