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    Kreislaufwirtschaft wird immer wichtiger, ©Imgorthand/iStock

Müll als Investment: Lohnt sich das?

2022-05-06T14:57:51+02:006. Mai 2022|

Die Müll­ber­ge welt­weit wach­sen. Die Kreis­lauf­wirt­schaft wird wich­ti­ger. Aber immer noch wird zu wenig recy­celt.  

Von Ant­je Erhard

632 Kilo­gramm Abfall sind bei jedem von uns im Jahr 2020 ange­fal­len. Das ist deut­lich mehr als der EU-Durch­schnitt von 505 Kilo­gramm, ermit­tel­te das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt. Mehr Müll schmei­ßen EU-weit nur noch die Bewohner:innen Däne­marks, Luxem­burgs und Mal­tas weg. Und obwohl wir uns umwelt­be­wuss­ter ver­hal­ten, schät­zen Exper­ten, dass die Müll­ber­ge wei­ter stei­gen. Nach Pro­gno­sen der Welt­bank wird das Müll­auf­kom­men welt­weit bis 2050 um rund 70 Pro­zent zuneh­men. Das wür­de dar­an lie­gen, dass neue Käu­fer­schich­ten ent­ste­hen und vie­le Pro­duk­te immer kür­zer in Gebrauch sei­en. Auch die Glo­ba­li­sie­rung tra­ge dazu bei. 

Die EU-Kom­mis­si­on will, dass Pro­duk­te umwelt­freund­li­cher her­ge­stellt wer­den, län­ger hal­ten, leicht zu repa­rie­ren und schließ­lich zu recy­celn sind. Vor allem für die Tex­til-Indus­trie, die Möbel­bran­che und Her­stel­ler von Bau­stof­fen wie Zement soll es neue Rege­lun­gen geben. 

Die Nie­der­lan­de wol­len bis 2050 voll­stän­dig auf Kreis­lauf­wirt­schaft umge­stellt haben – dann soll es also kei­nen Abfall mehr geben. 

Branche wächst um fünf Prozent

Doch der Müll­berg welt­weit wächst. Und damit die Abfall­wirt­schaft. Stu­di­en beschei­ni­gen ihr ein jähr­li­ches Wachs­tum von fünf Pro­zent. Ihr Vor­teil: Kon­stanz. Müll fällt immer an, und damit ist sei­ne Ent­sor­gung uner­läss­lich. Kreis­lauf­wirt­schaft ist denn auch ein Top-The­ma unse­rer Zeit. Über­all, pri­vat wie in der Wirt­schaft. 

Das fängt bei Haus­müll an und reicht bis zur Wie­der­ver­wer­tung sel­te­ner Roh­stof­fe. Nur 17,4 Pro­zent des glo­ba­len Elek­tro­schrotts wer­den aus­rei­chend recy­celt. Das ergab eine Stu­die des United Nati­ons Insti­tu­te for Trai­ning and Rese­arch.  

„In Deutsch­land sind wir schon ein gutes Stück wei­ter vom getrennt gesam­melt, gemein­sam ver­brannt“, erklärt Bern­hard Klin­zing, Finanz­jour­na­list und Geschäfts­füh­rer der Klin­zing Asset Manage­ment GmbH. Die Recy­cling-Quo­te bei Kunst­stof­fen lie­ge über 50 Pro­zent. „Wenn man sieht, wie teu­er Öl gewor­den ist, könn­te da auch noch mehr gehen. Tech­no­lo­gisch ist das auch mach­bar. Es gibt vie­le klei­ne Unter­neh­men, die es schaf­fen, noch mehr Wert­stof­fe aus unse­rem Müll zu zie­hen. Aber dafür gibt es kei­ne Nach­fra­ge.“  

Hohe Kosten für Recycling

Des­halb ste­he er dem The­ma Mülll als Invest­ment skep­tisch gegen­über: Es loh­ne sich knapp, die Pap­pe wie­der zu ver­kau­fen oder die Erde aus dem Kom­post. Recy­cling sei müh­sam und kost­spie­lig. Und so wür­de nach wie vor viel Müll in die Schwel­len­län­der ver­schifft.  

Fazit von Bern­hard Klin­zing: „Müll gehört zu den The­men, wo die tat­säch­li­chen Kos­ten auf die Gesell­schaft abge­la­den wer­den. Es ent­ste­hen kei­ne markt­wirt­schaft­li­chen Struk­tu­ren, die das ein­prei­sen und die dem Bes­ten in der Klas­se einen Vor­teil ver­schaf­fen wür­den, an des­sen Erfolg sich betei­li­gen lie­ße.“ 

Doch noch ist die Aus­wahl an ent­spre­chen­den Unter­neh­men, die für Anleger:innen inves­tier­bar sind, über­schau­bar. Hier ein paar Bei­spie­le: 

Wenige börsennotierte Unternehmen

Tom­ra aus Nor­we­gen, Her­stel­ler von Rück­nah­me- und Recy­cling-Auto­ma­ten. Die Auto­ma­ten ste­hen auch in deut­schen Super­märk­ten. Auf drei Jah­re hat die Aktie 41 Pro­zent gewon­nen, auf Sicht eines Jah­res notiert sie acht Pro­zent im Minus. 

Befe­sa recy­celt indus­tri­el­le Res­te aus der Stahl­in­dus­trie. Auch hier konn­ten sich Anleger:innen län­ger­fris­tig über drei Jah­re über 50 Pro­zent Kurs­zu­wachs freu­en. Auf Sicht eines Jah­res notiert die Aktie unver­än­dert. 

70 Pro­zent Plus in drei Jah­ren und mehr als 50 Pro­zent in einem Jahr erreich­te die Aktie von Was­te Manage­ment. Das Unter­neh­men aus den USA betreibt Recy­cling-Anla­gen. 

Der Che­mie­kon­zern DSM in den Nie­der­lan­den fer­tigt recy­cel­te Mate­ria­li­en für die Mode- und Auto­mo­bil­in­dus­trie. 66 bezie­hungs­wei­se acht Pro­zent Kurs­zu­wäch­se gab es auf drei bezie­hungs­wei­se ein Jahr. 

Wenige Index-Lösungen

Auch Index-Lösun­gen sind inzwi­schen auf dem Markt – aber auch hier ist das Ange­bot noch recht über­sicht­lich:  

Der ECPI Cir­cu­lar Eco­no­my Lea­ders Index (ISIN: LU1953136527) inves­tiert in 50 sol­cher Unter­neh­men: Es gibt ihn seit drei Jah­ren. 2021 hat er um 35 Pro­zent zuge­legt, steht seit Jah­res­be­ginn aller­dings acht Pro­zent im Minus. Aus­ge­schlos­sen sind Unter­neh­men, die in Tabak und Waf­fen inves­tie­ren. 

Wei­te­res Bei­spiel: Der BNP Pari­bas Easy ECPI Glo­bal ESG Blue Eco­no­my UCITS (ISIN: LU2194447293) ETF inves­tiert in 50 Unter­neh­men, die an der nach­hal­ti­gen Nut­zung der Mee­res­res­sour­cen arbei­ten. Das beinhal­tet den Schutz der Küs­ten, die Ener­gie- und Res­sour­cen-Nut­zung, See­ver­kehr, Umwelt­ver­schmut­zung und Fische­rei.  

Unter den Fonds gibt es den Fide­li­ty Sus­tainab­le Water & Was­te Fund (ISIN: LU1892829828). Er ent­hält vor allem Titel aus den USA.  

Fazit: Müll gehört zu den drän­gends­ten Pro­ble­men unse­rer Zeit. Es gibt bereits Unter­neh­men, die hier an inno­va­ti­ven Lösun­gen arbei­ten, denn Recy­cling ist teu­er. Wer hier inves­tie­ren möch­te, kann eine Bei­mi­schung aus einer klei­nen Aus­wahl bör­sen­no­tier­ter Unter­neh­men für das eige­ne Depot erwä­gen. 

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