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Mode aus Pilzen: Die Sache mit dem Zunderschwamm

2021-10-19T12:03:21+02:0019. Oktober 2021|

Aus Pil­zen las­sen sich Geld­bör­sen oder Käp­pis her­stel­len. Doch was hat es damit auf sich? 

Von Mat­thi­as Lauerer

1991 fin­det ein Wan­der­pär­chen die Über­res­te des spä­ter auf den Namen „Ötzi“ getauf­ten Alpi­nis­ten im auf­tau­en­den Eis. Jener Jäger trug im Jahr 3.300 vor Chris­ti Geburt in einem Leder­beu­tel ein Stück Zun­der­schwamm bei sich. Von die­sem wun­der­li­chen Mate­ri­al hören wir jetzt – und schla­gen den Bogen zur Tex­til­de­si­gne­rin Nina Fabert in der Gegen­wart, denn die schreibt in Ber­lin ihre Mas­ter­ar­beit über den ein­zig­ar­ti­gen Pilz. Dann grün­det sie vor vier Jah­ren die Fir­ma „Zvn­der“. Wer sich durch die Fir­men­web­sei­te klickt, sieht dort unter den mehr als einem Dut­zend Pro­duk­ten einen Quilt, diver­se Geld­bör­sen, Umhän­ge­ta­schen oder die „Docker Cap“. Alles Hand­ar­beit, alle Stü­cke sind Uni­ka­te. Wer will, kann sich auch ein­zel­ne Pilz­stü­cke kau­fen und selbst ans Werk gehen.

Ein spezieller Pilz

Die­sen beson­de­ren Stoff gewinnt man aus dem Zun­der­schwamm­pilz, dem „Fomes fomen­ta­ri­us“. Der wächst in unse­ren Brei­ten ger­ne auf geschwäch­ten Rot­bu­chen und Bir­ken. Unter der Scha­le des äußer­lich fes­ten Pil­zes ver­steckt sich wei­ches Gewe­be. Bei der Her­stel­lung wer­den die fri­schen Pil­ze geschält und das „Tra­ma“, latei­nisch für „Gewirk“ vom Röh­ren­ge­we­be getrennt, wie es der Pilz­ex­per­te Peter Karasch erklärt. Wei­ter sagt er: „Der Stoff wird in Was­ser ein­ge­weicht und gekocht. Durch Hit­ze ent­steht eine Lau­ge, wel­ches den Zun­der weich und geschmei­dig macht.“ Zuletzt wer­den die Schei­ben gezo­gen und getrocknet.

Geschwächte Bäume bieten den Nährboden

Und: Je häu­fi­ger der Zun­der­schwamm in einem mit­tel­eu­ro­päi­schen Wald auf­taucht, des­to gesün­der ist die­ser. Grund dafür: „Im 20. Jahr­hun­dert führ­te die inten­si­ve Nut­zung der Wäl­der und die damit ver­bun­de­ne ´Sau­ber­keit´ –  ins­be­son­de­re das vor­zei­ti­ge Abhol­zen von krän­keln­den Bäu­men – dazu, dass der Pilz in vie­len Gegen­den nur noch sel­ten anzu­tref­fen ist“, dekli­nier­te es die Schwei­zer „Eid­ge­nös­si­sche For­schungs­an­stalt WSL“ auf ihrer Web­sei­te. Es sieht also so aus, als böte die Natur wun­der­ba­re Alter­na­ti­ven zum her­kömm­li­chen Leder, das man aus Tie­ren gewinnt. Ein zwei­tes Bei­spiel, bei dem man einen neu­en Weg geht, fin­det sich in den Ver­ei­nig­ten Staaten.

„Hermès“ ist angetan

Denk­bar also, dass so titu­lier­tes „Myzel-Leders“ welt­weit immer mehr in die Pro­duk­ti­on ein­ge­bet­tet wird. Doch bis jetzt ließ sich der natür­li­che Wachs­tums­pro­zess des span­nen­den Mate­ri­als nicht kon­trol­lie­ren. Um dies zu ändern, grün­de­ten die Mate­ri­al­ent­wick­ler Sophia Wang und Phil­ip Ross die Fir­ma „Myco Works“. Mit ihrem paten­tier­ten Ver­fah­ren „Fine Myce­li­um“ lässt sich die Pflan­zen­struk­tu­ren ver­stär­ken und der Wachs­tums­pro­zess steu­ern. Dass hier gro­ße Din­ge her­an­rei­fen bemerk­ten auch Investor:innen. Im Novem­ber 2020 gaben sie der Fir­ma bei einer Finan­zie­rungs­run­de sat­te 45 Mil­lio­nen US-Dol­lar. Und seit März 2021 lie­fern Wang und Ross ihr beson­de­ren Stoff an den Luxus­gü­ter­her­stel­ler „Her­mès“, der dar­aus eine sünd­haft teu­re Tasche her­stellt. Was gilt: Ob im Klei­nen wie in Ber­lin oder beim inno­va­ti­ven Schwer­ge­wicht in den USA: Es scheint, als ob wir von sol­chen Ideen und Pro­duk­ten bald noch sehr viel mehr hören.

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Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­t­um ist stu­dier­te Heil­päd­ago­gin und seit 2017 bei der Deut­schen Kin­der­krebs­stif­tung für „Pro­jekt­ma­nage­ment und psy­cho­so­zia­le The­men“ zustän­dig. Zuvor enga­gier­te sich die Mut­ter von Zwil­lin­gen, die selbst sehr jung an Krebs erkrank­te, ehren­amt­lich für die Stif­tung. “Ein Ehren­amt kann dabei hel­fen, aus­zu­lo­ten, wo die eige­ne beruf­li­che Rei­se hin­ge­hen soll”, ermu­tigt Rita Kor­t­um. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Beharrlichkeit. 

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