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Mehr netto vom brutto: Wie Eltern das gelingt

2021-12-22T08:10:02+01:0023. Dezember 2021|

Kin­der brau­chen Betreu­ung. Gera­de berufs­tä­ti­ge Eltern klei­ne­rer Kin­der sind dabei oft auf Diens­te ande­rer ange­wie­sen. Das kos­tet. Damit sich Fami­lie und Beruf leich­ter ver­ein­ba­ren las­sen, sichert der Staat die Betreu­ung mit ab: Über die Betei­li­gung durch den Fiskus.

Von Gise­la Haberer

Eltern kön­nen bestimm­te Aus­ga­ben für Aus­bil­dung und Betreu­ung ihrer Kin­der steu­er­lich abset­zen. Dafür geben sie die­se Aus­ga­ben je nach­dem als „Son­der­aus­ga­ben“, als „haus­halts­na­he Dienst­leis­tung“ oder als „außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung“ in ihrer Steu­er­erklä­rung an. Die Kos­ten wer­den von ihren Ein­künf­ten oder direkt von ihrer Steu­er­schuld abge­zo­gen. In jedem Fall fällt dann das, was sie tat­säch­lich an Steu­er zu zah­len haben, gerin­ger aus. 

Kosten für Kinderbetreuung: Als Sonderausgabe steuerlich absetzbar 

So dür­fen Eltern zum Bei­spiel Kos­ten für die Betreu­ung ihrer Kin­der als „Son­der­aus­ga­ben“ abset­zen und zwar pro Kalen­der­jahr zwei Drit­tel der tat­säch­lich ange­fal­le­nen Kos­ten – bis zu maxi­mal 4.000 Euro pro Eltern­paar. Kos­tet bei­spiels­wei­se die Kita 1.200 Euro im Jahr, sind 800 Euro steu­er­lich absetz­bar. Dies gilt pro Kind jeweils bis zu des­sen 14. Geburts­tag. Danach sind Betreu­ungs­kos­ten nur noch absetz­bar, falls der Nach­wuchs sich wegen einer vor dem 25. Geburts­tag ein­ge­tre­te­nen Behin­de­rung nicht selbst unter­hal­ten kann. Grund­sätz­li­che wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen: Steu­er­pflich­ti­ge woh­nen in Deutsch­land. Die leib­li­chen oder adop­tier­ten Kin­der woh­nen in ihrem Haus­halt.  

Kosten für Kinderbetreuung: Nachweis verlangt   

Als Betreu­ungs­kos­ten wer­den zum Bei­spiel Aus­ga­ben für pri­vat beschäf­tig­te Baby­sit­ter, Au-pairs oder Tages­müt­ter aner­kannt sowie Gebüh­ren für Kin­der­krip­pen, Kin­der­gär­ten und Kitas. Dabei lässt sich nur abset­zen, was durch Rech­nung, Gebüh­ren­be­scheid und Über­wei­sung beleg­bar ist. Dies kön­nen neben Hono­ra­ren und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen auch Kos­ten für Fahr­ten, Ver­pfle­gung, Unter­kunft, Ein­trit­te oder Taschen­geld sein. Bar­zah­lun­gen gel­ten nicht. Zudem ist bei pri­vat ange­stell­ten Au-pairs, Tages­müt­tern oder Haus­halts­hil­fen der Arbeits­ver­trag vor­zu­le­gen. Bei Haus­halts­hil­fen ist der Anteil der Betreu­ungs­zeit am bes­ten ver­trag­lich gere­gelt. Bei Au-Pairs lässt sich pau­schal die Hälf­te der Kos­ten als Son­der­aus­ga­be für Kin­der­be­treu­ung abset­zen, die ande­re Hälf­te even­tu­ell als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung.  

Grenzfälle: Was wird als Betreuung anerkannt – was nicht?   

Die Recht­spre­chung hat kla­re Grenz­li­ni­en in Sachen Unter­richt wäh­rend Betreu­ungs­zei­ten gezo­gen. Wer­den Kin­dern spie­le­risch Kennt­nis­se etwa einer Fremd­spra­che ver­mit­telt, ohne Bezug auf einen Schul-Unter­richt, ist die so genutz­te Betreu­ung steu­er­lich absetz­bar. Auch Kos­ten für eine Vor­schul­klas­se wer­den aner­kannt, da der eigent­li­che Unter­richt erst mit der Grund­schu­le beginnt. Sobald Kin­der jedoch klas­si­schen Unter­richt erhal­ten, etwa Nach­hil­fe oder um ein Musik­in­stru­ment oder eine Com­pu­ter­spra­che zu erler­nen, sind die Kos­ten dafür nicht als Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten absetz­bar. Nicht aner­kannt wer­den außer­dem Kos­ten für Klas­sen­rei­sen, Feri­en­la­ger oder für die Ver­pfle­gung des Kin­des, zum Bei­spiel in einer Kita.  

Kinderbetreuungskosten: gemeinsam und getrennt abziehbar  

Bei gemein­sa­mer Ver­an­la­gung steht Eltern zusam­men der maxi­ma­le Steu­er­ab­zug von 4.000 Euro im Jahr zu. Wer­den Eltern ein­zeln steu­er­lich ver­an­lagt, etwa nach einer Tren­nung, kommt es dar­auf an, wo das Kind wohnt und wer die Betreu­ung bezahlt. Grund­sätz­lich ist der offi­zi­el­le Wohn­sitz des Kin­des maß­geb­lich. Lebt das Kind abwech­selnd bei bei­den Eltern­tei­len und bei­de zah­len für Betreu­ung, dür­fen bei­de nach­weis­lich ent­stan­de­ne Kos­ten steu­er­lich abset­zen. Finan­zie­ren Eltern die Betreu­ung ihres Kin­des jeweils zur Hälf­te, kann jeder zwei Drit­tel der nach­weis­ba­ren Kos­ten bis zum hal­ben Höchst­satz von 2.000 Euro gel­tend machen. Eltern kön­nen auch eine ande­re Auf­tei­lung bean­tra­gen. Dafür geben sie eine form­lo­se Erklä­rung beim Finanz­amt ab, die von bei­den unter­schrie­ben ist, und tra­gen die gewünsch­te Auf­tei­lung in der Anla­ge Kind ein.  

Betreuung: auch als haushaltsnahe Dienstleistung absetzbar 

Eltern kön­nen Kos­ten für die Betreu­ung ihrer Kin­der unter 14 Jah­ren auch alter­na­tiv als „haus­halts­na­he Dienst­leis­tung“ abset­zen. Der steu­er­lich aner­kann­te Betrag wird dann direkt von der Steu­er­schuld abge­zo­gen. Grund­sätz­lich sind bis zu 20 Pro­zent der Auf­wen­dun­gen absetz­bar. Es gel­ten aber unter­schied­li­che Höchst­gren­zen. Hat die „Nan­ny“ nur einen Mini­job im Haus­halt, sind die Kos­ten für ihre Diens­te bis maxi­mal 510 Euro im Jahr abzu­set­zen. Ist eine sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Ange­stell­te für die Betreu­ung der Kin­der zustän­dig, sind es bis 4.000 Euro im Jahr. Steu­er­be­ra­ter und Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ei­ne berech­nen, was unterm Strich güns­ti­ger ist.  

Kosten für Privatschulen: Was als Sonderausgabe absetzbar ist und was nicht 

Staat­li­che Schu­len sind in der Regel von der öffent­li­chen Hand finan­ziert. Für ihren Besuch wer­den kei­ne Gebüh­ren erho­ben. Anders bei Pri­vat­schu­len: Sie ver­lan­gen Schul­geld. 30 Pro­zent der jähr­li­chen Aus­ga­ben, maxi­mal 5.000 Euro im Jahr, dür­fen Eltern als „Son­der­aus­ga­be“ steu­er­lich gel­tend machen, wenn fol­gen­de Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind: Für das Kind besteht ein Anspruch auf Kin­der­geld und Kin­der­frei­be­trag. Die Schu­le ist über­wie­gend pri­vat finan­ziert. Sie führt zu einem staat­lich aner­kann­ten oder gleich­wer­ti­gen Abschluss oder berei­tet dar­auf vor. Es han­delt sich um eine deut­sche Schu­le im In- oder Aus­land oder die Schu­le liegt in einem ande­ren Mit­glieds­staat der EU, in Island, Liech­ten­stein oder Nor­we­gen. Das Schul­geld wird bei der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung in der „Anla­ge Kind“ ein­ge­tra­gen.  

Steu­er­lich nicht abzieh­bar sind Stu­di­en­ge­büh­ren sowie Zah­lun­gen für Nach­hil­fe, Musik­schu­len, Sport­ver­ei­ne oder Pro­jek­te wie “Klas­sen­zim­mer unter Segeln”.  

Der Fis­kus hilft auch wei­ter, wenn die Kin­der erwach­sen, aber finan­zi­ell noch nicht flüg­ge sind. 

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