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    Megatrends, ©metamorworks/iStock

Megatrends: Der große Wurf als Investmentideen?

2022-04-14T10:00:25+02:0019. Januar 2022|

Man nennt sie auch Lawi­nen in Zeit­lu­pen: Mega­trends. 12 Stück hat das Zukunfts­in­sti­tut auf­ge­lis­tet. Aber was sind Mega­trends? Wie ent­ste­hen die? Wie beein­flus­sen sie unser Leben? Und die Wirt­schaft? Und die Gesell­schaft? Sind sie die nächs­ten gro­ßen Din­ger, der nächs­te gro­ße Wurf, auf die wir nicht gewar­tet haben, die aber unser Leben leich­ter, bes­ser machen? Mega­trends betref­fen uns alle. Auf ganz unter­schied­li­che Wei­se. Aber wie? Und kann ich das steu­ern? Und: Wie kön­nen Anle­ger:innen in Mega­trends inves­tie­ren? Wel­che Risi­ken gibt es zwischen schnell wach­sen­den Boom-Märk­ten, cle­ve­ren Geschäfts­mo­del­len, aber auch mit Progno­se-Unsi­cher­heit und hohen Erwar­tun­gen? 

Von Ant­je Erhard

Mega­trend – das Wort wird schnell in den Mund genom­men. Ein Mega­trend ver­mark­tet sich näm­lich gut. Doch nicht alles was Trend ist, ist auch ein Mega­trend. Das Zukunfts­in­sti­tut hat zwölf sol­cher Trends auf­ge­lis­tet. Der Wan­del der Geschlech­ter­rol­len (Gen­der Shift), Gesund­heit, Glo­ba­li­sie­rung, Indi­vi­dua­li­sie­rung, Kon­nek­ti­vi­tät, Mobi­li­tät, die Ver­än­de­rung der Arbeits­welt (New Work), Nach­hal­tig­keit (Neo-Öko­lo­gie), Sicher­heit, Urba­ni­sie­rung, das Altern der Gesell­schaft (Sil­ver Socie­ty) und Wis­sens­kul­tur gehö­ren dazu. 

Und genau das ist es, was sol­che Trends aus­macht: Mega­trends sind lang­sa­me, aber enor­me und eben unauf­halt­sa­me Ver­än­de­run­gen. Per­sön­li­che Ver­än­de­run­gen. Ver­än­de­run­gen in der Wirt­schaft, in der Gesell­schaft. Über­all. Sie beein­flus­sen uns Men­schen, sie beein­flus­sen unser Leben, unse­rer Insti­tu­tio­nen, unse­re Gesell­schaft. 

Kla­re Kri­te­ri­en, was ein Mega­trend ist, gibt es nicht. Doch hin­sicht­lich Dau­er, Aus­wir­kun­gen, Ver­brei­tung und Kom­ple­xi­tät lässt sich zumin­dest fol­gen­des defi­nie­ren: Mega­trends haben eine lan­ge Halb­werts­zeit, man spricht von 50 Jah­ren. Sie betref­fen alle Lebens­be­rei­che. Sie tre­ten welt­weit auf. Und sie sind kom­plex bzw. mehr­schich­tig, mit Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen vie­len Berei­chen. 

„Blockbuster des Wandels“ – Trend ist nicht gleich Trend 

Das Zukunfts­in­sti­tut nennt Mega­trends „die Block­bus­ter des Wan­dels“. Denn Trend ist nicht gleich Trend, man kann nicht alle Trends in einen Topf wer­fen. Es gibt neben den Mega­trends auch die natür­li­che Evo­lu­ti­on und den Kli­ma­wan­del, sozio­kul­tu­rel­le und Tech­no­lo­gie­trends, Konsum‑, Zeit­geist- und Mode­trends und Mikro­trends. Sie begin­nen und enden nicht gleich­zei­tig. 

Mega­trends ent­ste­hen nicht ein­fach, sie wer­den nicht erfun­den oder fest­ge­legt. Sie ent­wi­ckeln sich lang­fris­tig. „Sie sind das kon­zen­trier­te Ergeb­nis der sys­te­ma­ti­schen Beob­ach­tung, Beschrei­bung und Bewer­tung neu­er Ent­wick­lun­gen in Wirt­schaft und Gesell­schaft“, kom­men­tiert das Zukunfts­in­sti­tut. Oft sei­en es zunächst „Weak Signals“, die es zu erken­nen und zu inter­pre­tie­ren gilt. Dar­aus kön­nen ech­te Trends wer­den, wenn sich Phä­no­me­ne aus Wis­sen­schaft, Tech­nik, Wirt­schaft oder Gesell­schaft aus ihrer Nische her­aus in die Mit­te der Gesell­schaft ent­wi­ckeln. Oder wenn neue Phä­no­me­ne rele­vant wer­den und den Main­stream ver­än­dern. 

Ursprung: unbekannt – Wirkung: enorm 

Wo sie ursprüng­lich her­kom­men, lässt sich meist im Nach­hin­ein nicht mehr fest­stel­len. Vie­le Trends ent­ste­hen aus meh­re­ren, zum Teil par­al­lel ver­lau­fen­den Phä­no­me­nen, die sich gegen­sei­tig ver­än­dern, ver­stär­ken, beein­flus­sen. Sie pas­sie­ren jedoch nicht über­all gleich­zei­tig und gleich stark. So lässt uns der Mega­trend E‑Mobility wahr­schein­lich zuerst an Unter­neh­men wie den Elek­tro­au­to­bau­er Tes­la den­ken. Doch nach Ein­schät­zung des Zukunfts­in­sti­tuts voll­zieht sich der Durch­bruch der Elek­tro-Mobi­li­tät tat­säch­lich in Chi­na. Was Urba­ni­sie­rung bedeu­tet, lässt sich nach Ein­schät­zung des Insti­tuts vor allem in Asi­en bzw. in asia­ti­schen Mega­ci­ties beob­ach­ten. 

Gera­de in der Pan­de­mie haben sich eini­ge Mega­trends noch beschleu­nigt, etwa der zur Digi­ta­li­sie­rung. Ohne­hin wir­ken Mega­trends nicht ein­di­men­sio­nal, son­dern kom­plex und viel­sei­tig. Sie beein­flus­sen sich gegen­sei­tig. So wird durch den Mega­trend Kon­nek­ti­vi­tät der Mega­trend New Work vor­an­ge­trie­ben, aber auch der Mega­trend Gen­der Shift. Als Effekt sol­cher Trends kön­nen dis­rup­ti­ve Ent­wick­lun­gen gesche­hen. Um sol­che Phä­no­me­ne jedoch zu erken­nen und nut­zen zu kön­nen, müs­sen wir Wis­sen dazu auf­bau­en und uns auf die Ver­än­de­run­gen und Umwäl­zun­gen vor­be­rei­ten. Denn meist sind Mensch und Gesell­schaft gezwun­gen, sich zu ver­än­dern, wenn ein Phä­no­men zum Mega­trend wird. Aber Trend ist ja nicht gleich Mega­trend: For­schen­de fra­gen zunächst, was wirk­lich neu an einem Phä­no­men ist. Ob es nur ein kurz­fris­ti­ger Hype, oder ein lang­fris­tig rele­van­ter Pro­zess ist. Für die­je­ni­gen unter uns, die nicht Zukunftsforscher:innen sind, kein leich­ter Pro­zess, kein leich­ter Weg. Wir sind Teil des Wan­dels, wol­len doch aber zugleich Ord­nung, Struk­tur und Sicher­heit. 

Nichts­des­to­trotz kön­nen wir uns einer so geball­ten Kraft nicht ent­zie­hen. Den­noch gilt es auch und gera­de bei einem Invest­ment, sorg­fäl­tig abzu­wä­gen, ob eine Mega­trend-Stra­te­gie wirk­lich erfolg­ver­spre­chend sein kann. Schau­en wir zunächst auf die Pros und Cons: 

Schnelles Wachstum – schnelles Geld? 

Pro: Zukunfts­märk­te kön­nen schnell wach­sen und Akti­en aus die­sen Berei­chen eben­falls. Doch ob ein Mega­trend wirk­lich auf Dau­er Bestand hat und sei­ne Erwar­tun­gen erfüllt, zeigt sich erst im Lau­fe von Jah­ren.  

Pro: Geschäfts­mo­del­le auf Basis von Mega­trends kön­nen den Unter­neh­men, die schnell wach­sen, schnell hohe Gewin­ne brin­gen und das über Jah­re, damit sind dann auch hohe Kurs­stei­ge­run­gen und Divi­den­den-Aus­schüt­tun­gen mög­lich. Aber: häu­fig sind die hohen Erwar­tun­gen schon in den Kur­sen ein­ge­preist. 

Pro: Wer schein­bar ver­al­te­te Geschäfts­mo­del­le mei­det, senkt womög­lich auch das Risi­ko einer Under­per­for­mance.  

Con­tra: Auf der ande­ren Sei­te muss sich jede:r Anleger:in fra­gen, ob das Port­fo­lio denn auch breit genug diver­si­fi­ziert ist. Ein aus­ge­wo­ge­nes Port­fo­lio setzt Chan­cen, Risi­ken und Sicher­heit ins Ver­hält­nis. Alles zusam­men geht nie – aber ein Port­fo­lio muss gut diver­si­fi­ziert sein. Nur über ver­schie­de­ne Tech­no­lo­gien the­ma­tisch zu diver­si­fi­zie­ren, das reicht bei Wei­tem nicht. Es ist wich­tig, in ver­schie­de­ne Anla­ge­klas­sen und Regio­nen zu inves­tie­ren. 

Megatrends mit Aktien, ETFs oder Fonds abbilden 

Wer hier inves­tie­ren möch­te, kann Akti­en, ETFs oder Fonds aus Boom­bran­chen ins Port­fo­lio neh­men. Wich­tig ist: Selbst inner­halb eines Trend-The­mas ist die Zusam­men­set­zung von Fonds und ETFs nicht not­wen­dig gleich: Zwei ETFs oder Fonds zu ein und dem­sel­ben The­ma bzw. Trend, zum Bei­spiel Gesund­heit, kön­nen völ­lig unter­schied­li­che Titel ent­hal­ten. Es gibt hier kei­ne Vor­ga­ben, das Manage­ment ent­schei­det selbst. Bevor du hier inves­tiert, schau dir genau an, was in den Töp­fen drin ist. So ver­mei­dest du einer­seits Klum­pen­ri­si­ken, wenn du bestimm­te Wert­pa­pie­re schon im Port­fo­lio hast. Ande­rer­seits wird die Per­for­mance unter­schied­lich je nach Zusam­men­set­zung des ETFs oder Fonds aus­fal­len. 

Knackpunkt Kosten 

Ein nicht uner­heb­li­cher Knack­punkt sind die Kos­ten: Ein „klas­si­scher“ ETF auf einen Index wie den S&P 500, den MSCI World oder den DAX baut die­se Indi­zes nach, ist des­halb rela­tiv güns­tig und per­formt eben auch „nur“ so wie der Index. Aus­nah­men gibt es auch hier – wir haben bereits über syn­the­ti­sche ETFs und deren Mög­lich­kei­ten berich­tet. Mega­trend-ETFs wol­len bes­ser abschnei­den als der Markt, sie wer­den auf­wän­di­ger gema­nagt und sind des­halb auch teu­rer. Wäh­rend etwa ETFs auf klas­si­sche Akti­en­in­di­zes zwi­schen 0,07 und 0,65 Pro­zent pro Jahr an Gebüh­ren kos­ten, sind The­men-ETFs meist deut­lich teu­rer: Sie kön­nen schnell 1,45 oder zwei Pro­zent pro Jahr kos­ten.  

Dar­über hin­aus sind nicht alle Trends ein Mega­trend. So gibt es vie­le Anbie­ter, die Trend­the­men als Mega­trend klas­si­fi­zie­ren, etwa Was­ser, Ernäh­rung, Künst­li­che Intel­li­genz. Trends sind das auch. Die gän­gi­gen Regeln beim Inves­tie­ren gel­ten auch hier: Breit diver­si­fi­zie­ren, Kos­ten im Blick, kei­ne Klum­pen­ri­si­ken, gesun­de Geschäfts­mo­del­le beach­ten. 

Achtung, Einzeltitel 

Gera­de bei The­men-Invest­ments soll­test du die Ein­zel­ti­tel im Blick haben: Für man­che spe­zi­el­len The­men gibt es zu wenig bör­sen­no­tier­ter Unter­neh­men. Wenn die The­men aber zu all­ge­mein gehal­ten sind, könn­te qua­si alles im Index ent­hal­ten sein.  

Trend­the­men wird hohes Wachs­tums­po­ten­ti­al zuge­spro­chen. Doch nicht jeder Trend wird ein Mega­trend. Und wenn ein Trend­the­ma an Bedeu­tung ver­liert, kön­nen Ver­lus­te ent­ste­hen.  

Grund­sätz­lich ist nicht gesagt, dass Invest­ments in Mega­trends wirk­lich hohe bzw. bes­se­re Ren­di­ten ein­brin­gen als der Gesamt­markt. Denn wenn ein The­ma so groß gewor­den ist, dass es ein glo­ba­ler Trend ist, ist ein güns­ti­ger Ein­stieg meist schon nicht mehr mög­lich. Meist ist mit einem Hype dann auch die Bewer­tung schnell in die Höhe geschos­sen und die Rea­li­tät — die Fun­da­men­tal­da­ten — hal­ten nicht Schritt. Das kann sich lang­fris­tig aber wie­der ändern, so dass gera­de sol­che Invest­ments einen lan­gen Atem brau­chen. Den­noch gilt es, dass Invest­ment im Auge zu behal­ten, denn Trends kön­nen sich ändern, neue The­men die alten ablö­sen, sich die Kon­junk­tur­la­ge ver­schlech­tern. 

Anbei eine Über­sicht an Mega­trend-Fonds, die weder Bera­tung noch Emp­feh­lung ist noch Anspruch auf Voll­stän­dig­keit erhebt. Sie gehö­ren zu den nach Fonds-Volu­men größ­ten Pro­duk­ten, die auf dem deut­schen Markt han­del­bar sind: 

  • Alli­anz The­ma­ti­ca A EUR  ISIN: LU1479563717
  • Axa WF Fram­ling­ton Evol­ving Trends A Cap EUR  ISIN: LU0503938366
  • CPR Invest Glo­bal Dis­rup­ti­ve Oppor­tu­nities A Acc. ISIN: LU1530899142
  • Deka-Mega­Trends CF ISIN: DE0005152706
  • M&G Glo­bal The­mes Fd. A Acc. EUR  ISIN: LU1670628491
  • Pic­tet Glo­bal Mega­trend Selec­tion P ISIN: LU0386882277
  • Pic­tet Glo­bal The­ma­tic Oppor­tu­nities P ISIN: LU1437676635
  • Post­bank Mega­trend Fonds ISIN: DE0005317374
  • Robe­co Mega­Trends D EUR  ISIN: LU0974293671
  • UBS Equi­ty Long Term The­mes ISIN: LU1323611001 

Mein Rat wäre: Inves­tie­re in The­men, die du 

  1. ver­stehst
  2. die lang­fris­tig Bedeu­tung­ha­ben oder gar aus heu­ti­ger Sicht sogar kei­ne Alter­na­ti­ven haben 
  3. in die du lang­fris­tig inves­tie­ren kannst, ohne das Geld zu brauchen
  4. die du als Bei­mi­schung ins Depot legst (10-max. 20 Pro­zent des Portfolios)
  5. die dir eine intensive(re) zeit­li­che Betreu­ung Wert sind, um ggf. auf ver­än­der­te Markt­la­gen reagie­ren zu können. 

Wenn du Skep­sis bei einem ein­zel­nen Mega­trend hast, kannst du alter­na­tiv ein Mul­ti-The­men-Invest­ment über­le­gen. 

Wir bei Cou­ra­ge-online star­ten eine Rei­he zu den Mega­trends unse­rer Zeit: Was sie kön­nen, wel­che Chan­cen und Risi­ken sie haben, wie sie inves­tier­bar sind. Los geht’s heu­te mit dem The­ma: „Gen­der Shift – Inves­tie­ren in die Gleich­be­rech­ti­gung“. Der Mega­trend, der beson­ders lang­sam vor­an­geht. Aber auch inves­tier­bar ist. Wir zei­gen euch Bei­spie­le. 

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