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Lohnen sich Bitcoin oder Gold als Inflationsschutz?

2022-11-24T12:21:04+01:0024. November 2022|

Die Infla­ti­on in Deutsch­land ist auf einem 70-Jah­res­hoch. Noch ist kei­ne Trend­wen­de in Sicht. Auch die jüngs­ten Rück­gän­ge der Infla­ti­on in den USA dür­fen nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die Prei­se noch sehr hoch sind. Sind Gold und Bit­coin da ein Infla­ti­ons­schutz? 

Von Ant­je Erhard

Bit­coin oder Gold als Infla­ti­ons­schutz? Vor weni­gen Tagen hat sich die­se Fra­ge für vie­le Anleger:innen gar nicht gestellt: Mit dem Zusam­men­bruch der dritt­größ­ten Kryp­to-Bör­se der Welt, FTX, ban­gen nun vie­le um ihre Kryp­to-Assets. FTX ist insol­vent. Da geht es nicht um Infla­ti­ons­schutz, son­dern dar­um, das eige­ne Kapi­tal über­haupt zurück­zu­be­kom­men. 

Doch grund­sätz­lich ist es eine berech­tig­te Fra­ge: Kann ein Bit­coin Infla­ti­ons­schutz bie­ten? Denn er ist ja limi­tiert. Und was limi­tiert ist, behält sei­nen Wert.  

„Der Bit­coin ver­fügt über eine kur­ze His­to­rie von gut zehn Jah­ren, das ist noch zu wenig, um ver­läss­lich sei­ne Eigen­schaf­ten als Infla­ti­ons­schutz bewer­ten zu kön­nen“, sagt Adri­an Fritz von 21.co.  

Ein Blick auf den Chart gibt dem Exper­ten Recht: Wäh­rend die Infla­ti­on seit April 2021 in den USA über­wie­gend nur eine Rich­tung kennt – nach oben – pen­delt der Bit­coin zwi­schen knapp 60.000 US-Dol­lar und 15.000 US-Dol­lar auf und ab, schwankt dabei sehr stark. Das ist wenig ver­läss­lich. Aber eben ein kur­zer Zeit­raum. 

Bitcoin als Inflationsschutz, wenn… 

Doch bei der Fra­ge nach dem Schutz vor Infla­ti­on müs­se man unter­schei­den, wie die Infla­ti­on zustan­de kommt bzw. woher sie kommt, sagt Adri­an Fritz. Ten­den­zi­ell sieht er den Bit­coin als Infla­ti­ons­schutz in Zei­ten mone­tä­rer Expan­si­on der Noten­ban­ken, sprich wenn die Wäh­rungs­hü­ter Geld in die Märk­te pum­pen. „Das heizt die Infla­ti­on an, denn sie hängt auch davon ab, wie viel Geld in Umlauf kommt.“ Der Grund: Der Bit­coin kor­re­liert stark mit der Geld­men­ge.  

Die ande­re Sei­te der Infla­ti­on ent­steht, wenn ein Ange­bot knapp ist wie aktu­ell in Euro­pa die Ener­gie. „Güter­knapp­heit hat nichts mit der Geld­men­ge zu tun. In Zei­ten von Güter­knapp­heit ist des­halb der Bit­coin kein Infla­ti­ons­schutz.“  

Hyperinflation steigert Bitcoin-Nachfrage 

Hin­ge­gen in Län­dern mit Hyper­in­fla­ti­on wie in der Tür­kei sei der Bit­coin span­nend. Die Infla­ti­on in der Tür­kei beträgt im Okto­ber 85,5 Pro­zent. Das ist der höchs­te Anstieg seit 1997. Der tür­ki­sche Prä­si­dent Recep Erdo­gan akzep­tiert die gän­gi­ge Leh­re nicht, dass Zen­tral­ban­ken mit Zins­er­hö­hun­gen – so wie in den USA, der Euro­zo­ne oder in Groß­bri­tan­ni­en – die Infla­ti­on nach unten brin­gen.  

Die Noten­bank der Tür­kei hat in den ver­gan­ge­nen Mona­ten die Zin­sen mehr­fach gesenkt. Sie kann nicht unab­hän­gig – wie in ande­ren Län­dern üblich – ent­schei­den. „In sol­chen Län­dern ist die Ent­wer­tung des Gel­des enorm und zugleich der Bit­coin sehr beliebt“, sagt Adri­an Fritz. „Mit dem Ein­bruch der Wäh­rung suchen die Men­schen in sol­chen Län­dern Alter­na­ti­ven, um ihre Erspar­nis­se zu sichern.“  

Meiste Kryptos können gar kein Inflations-Hedge sein 

Eins ist aber sicher: Nicht alle Kryp­to-Wäh­run­gen sind per se eine poten­zi­el­le Absi­che­rung gegen Infla­ti­on. „Wenn es um die Fra­ge eines poten­zi­el­len Infla­ti­ons-Hedges geht, macht eigent­lich nur Bit­coin Sinn“, sagt Adri­an Fritz. „Bit­coin hat ein limi­tier­tes Ange­bot und ist daher ver­gleich­bar mit Gold. Bei ande­ren Kryp­tos ist das nicht der Fall.“ Über­dies hät­ten vie­le Kryp­tos ande­re Funk­tio­nen im Finanz­sys­tem als den Schutz vor Infla­ti­on. So wer­de zum Bei­spiel Ethe­re­um als gro­ße dezen­tra­le glo­ba­le Platt­form betrach­tet, um eine Alter­na­ti­ve zum her­kömm­li­chen Finanz­sys­tem dar­auf auf­zu­bau­en. 

Gold, wenn es ungemütlich wird 

Wenn es geld­po­li­tisch unge­müt­lich wird, wird Gold als siche­rer Hafen und Infla­ti­ons­schutz ge- und behan­delt. Die Begrün­dung: „Es ist – ver­gli­chen mit Papier­geld – nicht belie­big ver­mehr­bar“, sagt Micha­el Blu­men­roth, Roh­stoff-Exper­te der Deut­schen Bank. Doch der Gold­preis in US-Dol­lar ist in die­sem Jahr trotz der sehr hohen Infla­ti­ons­ra­ten nicht von der Stel­le gekom­men. „Zwei Fak­to­ren las­ten auf dem Gold­preis“, sagt Micha­el Blu­men­roth, der star­ke US-Dol­lar und die stei­gen­den Nomi­nal- und Real­zin­sen.“ Der Dol­lar hat­te bis Anfang Novem­ber stark auf­ge­wer­tet. „Das hat­te zur Fol­ge, dass sich Gold außer­halb des US-Dol­lar-Wäh­rungs­rau­mes mode­rat bis stark ver­teu­er­te. Zum Quar­tals­en­de Sep­tem­ber 2022 notier­te Gold in nahe­zu allen Wäh­run­gen der Indus­trie­län­der höher als zu Jah­res­be­ginn, ins­be­son­de­re in asia­ti­schen Wäh­run­gen wie dem Yen, aber auch in Euro. So wur­de Gold wenigs­tens zum Teil sei­nem Ruf als Infla­ti­ons­schutz gerecht, da in vie­len Län­dern der Anstieg des Gold­prei­ses in der jewei­li­gen Hei­mat­wäh­rung einen gro­ßen Teil der Infla­ti­ons­ra­te, bzw. wie in Japan auch deut­lich mehr aus­mach­te.“ 

Gegenwind durch steigende Zinsen 

Noch stär­ke­rer Gegen­wind habe den Gold­prei­sen durch deut­lich anstei­gen­de Kapi­tal­markt­zin­sen ent­ge­gen gebla­sen. Vor allem in den USA erhöh­te die Noten­bank Fed im Jah­res­ver­lauf deut­lich die Leit­zin­sen. Aktu­ell ste­hen die­se bei 4,0 Pro­zent und auch die Ren­di­ten der US-Staats­an­lei­hen ren­tie­ren über alle Lauf­zei­ten hin­weg knapp unter bzw. über der 4,0‑Prozent-Marke. „US-Staats­an­lei­hen ste­hen als ver­meint­lich „siche­rer Anla­ge­ha­fen“ in direk­ter Kon­kur­renz zu Gold, das weder Zin­sen noch Divi­den­de abwirft. Die Anlei­hen wur­den somit im Jah­res­ver­lauf immer attrak­ti­ver. Län­ger lau­fen­de US-Staats­an­lei­hen wur­den zudem auch dadurch für Anle­ger inter­es­san­ter, dass deren Ren­di­te seit eini­ger Zeit über den für die Zukunft von den Markt­teil­neh­mern erwar­te­ten Infla­ti­ons­ra­ten liegt.“ Sie wie­sen dem­nach soge­nann­te posi­ti­ve Real­zin­sen auf, das heißt Nomi­nal­zin­sen minus erwar­te­te Infla­ti­ons­ra­te. „Bei einem Invest­ment in Gold ist die Ren­di­te hin­ge­gen unge­wiss.“ 

Gold: Chance, wenn die Zinsen sinken 

Die Gold­prei­se hät­ten mit hoher Wahr­schein­lich­keit auch in US-Dol­lar als „Infla­ti­ons­schutz“ zuge­legt, wenn die US-Noten­bank nicht so robust gegen die hohen Infla­ti­ons­ra­ten vor­ge­gan­gen wäre. „Gold dürf­te wie­der Poten­zi­al auf­wei­sen, wenn sich der US-Dol­lar abschwächt – wie in den ver­gan­ge­nen Tagen – und wenn die Märk­te ers­te Zins­sen­kun­gen ins­be­son­de­re der US-Noten­bank ein­prei­sen wer­den.“ 

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