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    Designerin Leonie Isabel Appels vom Label Liapure steht nach der Verleihung des "Bunte New Faces Award Style" mit ihrem Preis bei einer Hybrid-Veranstaltung auf der Dachterrasse eines Frankfurter Hotels. Beginn der Frankfurt Fashion Week, die erstmals in Frankfurt stattfindet, allerdings digital, ©Frank Rumpenhorst/picture alliance/dpa

liapure-Gründerin Leonie Appels: „Man muss in die Unternehmerrolle wachsen“

2021-11-01T14:11:54+01:001. November 2021|

Vor zwei Jah­ren hat die Münch­ne­rin Leo­nie Appels ihr Mode­la­bel lia­pu­re gegrün­det. Im Inter­view gibt die 29-Jäh­ri­ge ehr­li­che Ein­bli­cke in die Mode­in­dus­trie und spricht dar­über, wo sie mit ihrem Unter­neh­men hin­will und wie ihr die ehe­ma­li­ge Sie­mens-Vor­stän­din Jani­na Kugel auf den rich­ti­gen Weg gehol­fen hat. 

Von Isa­bell Walter

courage-online.de: Was ist das Konzept von liapure?

Leo­nie Appels: Ich set­ze auf Lang­le­big­keit und zeit­lo­se Schnit­te. Die Klei­dungs­stü­cke wer­den alle in Euro­pa mit bes­ten Stof­fen gefer­tigt und sol­len nach­hal­tig Freu­de berei­ten. Im Gegen­satz zur Fast-Fashion fer­ti­ge ich Schnit­te, die wirk­lich pas­sen. Soll­te das ein­mal nicht so sein, wird das Klei­dungs­stück ent­spre­chend der Kund­schaft geän­dert. Gene­rell habe ich eine soge­nann­te Essen­ti­als Kol­lek­ti­on, die dau­er­haft ver­füg­bar ist. Damit decke ich in den Far­ben weiss, creme, dun­kel­blau und schwarz die Basis­tei­le wie etwa Tanktops, Hosen oder Pull­over ab. Zwei­mal im Jahr ver­öf­fent­li­che ich außer­dem eine Ate­lier Kol­lek­ti­on, bei der beson­ders auf­wen­di­ge Klei­dungs­stü­cke in limi­tier­ter Auf­la­ge hand­ge­fer­tigt wer­den. Die­se ergän­zen die zeit­lo­sen Essen­ti­als durch ver­spiel­te, femi­ni­ne Details, wie etwa bestick­te Krägen.

Wie haben Sie zum Modedesign gefunden?

Für vie­le ist ja schon von Kind­heit an klar, dass sie Mode­de­sign machen wol­len. So war das bei mir nicht. Ich war zwar immer schon sehr krea­tiv und habe sehr viel gezeich­net, war aber sehr offen. Des­halb habe mich nicht nur für das Mode­de­sign-Stu­di­um in Ber­lin, son­dern auch für Innen­ar­chi­tek­tur in Mün­chen bewor­ben. Letzt­lich waren es mei­ne Eltern, die mich moti­viert haben, nach Ber­lin zu gehen, weil das auch mei­ner per­sön­li­chen Ent­wick­lung zugu­te­kom­men wür­de. Schon wäh­rend der bei­den Auf­nah­me­prü­fun­gen habe ich gemerkt, dass mir Mode­de­sign mehr liegt. Nach weni­gen Mona­ten im Stu­di­um bin ich dann völ­lig dar­in auf­ge­gan­gen und wuss­te, dass Mode­de­sign das rich­ti­ge für mich ist.

Wie lief das Studium ab?

Ins­ge­samt dau­ert das Stu­di­um drei Jah­re. In den ers­ten ein­ein­halb Jah­ren liegt der Fokus aus­schließ­lich auf Damen­mo­de. Im Anschluss kommt dann die Spe­zia­li­sie­rung. Ich habe mich für Her­ren­mo­de ent­schie­den, da ich so vie­le Inhal­te wie mög­lich mit­neh­men woll­te und so nun Damen und Her­ren­mo­de glei­cher­ma­ßen abde­cken kann.

Wie ging es danach weiter?

Ich habe meh­re­re Sta­tio­nen bei ver­schie­de­nen Unter­neh­men gemacht. Unter ande­rem war ich in Ham­burg bei stoffe.de, in Mün­chen bei mythe­re­sa und in Mai­land bei Stone Island. Ich habe dort vie­le Ein­bli­cke in den e‑Commerce, in den Beruf als Sty­lis­tin sowie in Design und Schnitt bekom­men. Bei dem Münch­ner Start-up Zoé Lu, mei­ner letz­ten Sta­ti­on vor der Selb­stän­dig­keit, habe ich noch viel über Unter­neh­mens­grün­dung und die ers­ten Schrit­te in einem jun­gen Unter­neh­men gelernt.

2019 gründeten Sie mit liapure Ihr eigenes Modelabel, wie kam es dazu?

Ich habe schnell gemerkt, dass es mir fehlt, eige­ne Designs zu ent­wer­fen. Die meis­ten Unter­neh­men schau­en sich nur die Best­sel­ler aus dem Vor­jahr an und ver­pas­sen den Klei­dungs­stü­cken neue Details, die zu den aktu­el­len Trends pas­sen. Das ver­kauft sich gut, aber als Desi­gner ist man damit sehr ein­ge­schränkt. Dass ich selb­stän­dig arbei­ten möch­te, war des­halb schon früh klar. Bis ich dann tat­säch­lich gegrün­det habe, hat­te ich bereits die ers­te Kol­lek­ti­on fer­tig. Das feh­len­de Busi­ness-Wis­sen habe ich mir vor­ab durch einen ein­jäh­ri­gen Mas­ter­stu­di­en­gang an der Wirt­schafts­uni­ver­si­tät Boc­co­ni in Mai­land angeeignet.

Store, ©liapure

Store, ©lia­pu­re

Wie lief die Gründung ab?

Ich habe das Gewer­be im Okto­ber 2019 ange­mel­det und mir eine Schnei­der­meis­te­rin und eine Schnitt­di­rectri­ce gesucht, mit denen ich bis jetzt sehr gut zusam­men­ar­bei­te. Die Schnei­der­meis­te­rin setzt mei­ne Son­der­kol­lek­tio­nen und die Maß­ar­bei­ten um und die Schnitt­di­rectri­ce ver­leiht mei­nen Schnitt­mus­tern den letz­ten Schliff. Mit ihnen zusam­men habe ich die ers­te Essen­ti­als Kol­lek­ti­on fer­tig­ge­stellt. Außer­dem habe ich Pro­duk­ti­ons­stät­ten gesucht und den Online­shop auf­ge­baut. Den Grund­auf­bau der Web­site kann man rela­tiv ein­fach im Inter­net erwer­ben. Alle Zusät­ze, wie etwa die Ter­min­bu­chung zum Pri­va­te Shop­ping, habe ich selbst pro­gram­miert. Wie das geht, habe ich über ver­schie­dens­te You­Tube-Vide­os gelernt. Dass ich das selbst auf­ge­baut habe, kommt mir bei der täg­li­chen Arbeit natür­lich zugu­te. Bei klei­ne­ren Pro­ble­men auf der Sei­te fin­de ich den Feh­ler oft selbst. So kann ich auch bes­ser mit den Fach­leu­ten kom­mu­ni­zie­ren und die Zusam­men­ar­beit strukturieren.

Gerade bei den Stoffen und den Nähereien müssen Sie als Gründerin bestimmt in Vorleistung gehen. Wie stemmen Sie die Finanzierung?

Mei­ne Eltern haben für mei­ne Geschwis­ter und mich zur Geburt Akti­en­de­pots ange­legt und regel­mä­ßig ein­ge­zahlt. Als wir dann 25 Jah­re alt wur­den, haben wir die­se Depots über­nom­men und hat­ten durch das Geld die Mög­lich­keit, unse­re Träu­me zu ver­wirk­li­chen. Mei­ne Brü­der haben bei­spiels­wei­se ein Pro­jekt­ent­wick­lungs­bü­ro in der Schweiz gegrün­det und ich hat­te damit mein Start­ka­pi­tal für lia­pu­re. Das Geld hat mir bei der Grün­dung unglaub­lich gehol­fen. Das Kapi­tal reicht noch bis Ende des Jah­res, ab dann muss sich lia­pu­re selbst tra­gen und ich mir im Ide­al­fall Gewin­ne aus­zah­len können.

Die Modeindustrie ist ein hartes Pflaster. Wie konnten Sie hier Fuß fassen?

Das stimmt. In sehr vie­len Mode­un­ter­neh­men herrscht eine Ellen­bo­gen-Men­ta­li­tät. Man ist nur auf die eige­nen Zie­le fokus­siert und es gibt kein Mit­ein­an­der. Das war auch mit einer der Grün­de, wes­halb ich ent­schie­den habe, mich selb­stän­dig zu machen. So kann ich selbst ent­schei­den, mit wel­chen Men­schen ich zusam­men­ar­bei­te. Es ist nicht ein­fach, ein Mode­un­ter­neh­men auf­zu­bau­en und man stößt immer wie­der an sei­ne Gren­zen. Gleich­zei­tig stärkt es aber auch das Selbst­ver­trau­en, wenn man Hin­der­nis­se über­win­det. Im Bereich nach­hal­ti­ger Mode­la­bels – wo sich auch lia­pu­re ein­ord­net – habe ich aber bes­se­re Erfah­run­gen gemacht. Ich habe vie­le Kon­tak­te zu ande­ren Grün­de­rin­nen und Grün­dern geknüpft und es gibt einen regen Aus­tausch. Für Shoo­tings buchen wir bei­spiels­wei­se gemein­sam Foto­gra­fen, um die Aus­ga­ben so gering wie mög­lich zu hal­ten. Wir ver­su­chen uns gegen­sei­tig zu unter­stüt­zen, wo es geht.

Was waren die größten Herausforderungen bei der Gründung?

Vor allem muss man in die Unter­neh­mer­rol­le wach­sen. Kaum einer wird als Chef gebo­ren. Man muss ler­nen, auf Busi­ness­ebe­ne mit Geschäfts­part­nern zu kom­mu­ni­zie­ren. Die Tren­nung von Geschäft­li­chem und Pri­va­tem kann am Anfang sehr schwer­fal­len. Im Grün­dungs­jahr hat­te ich mit mei­nen Part­nern sehr viel Glück. Im zwei­ten Jahr hat­te ich aber teil­wei­se gro­ße Schwie­rig­kei­ten. Durch zwei Geschäfts­part­ner, mit denen die Zusam­men­ar­beit nicht gut lief, habe ich sehr viel Geld ver­lo­ren. Im Früh­jahr 2021 war ich des­halb und auch wegen Coro­na und der damit ver­bun­de­nen Laden-Schlie­ßung nicht sicher, ob ich das Geschäft über­haupt wei­ter­füh­ren kann.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Die Schwie­rig­keit in der Mode­bran­che ist oft, per­sön­li­ches und geschäft­li­ches zu tren­nen. Wenn die Zusam­men­ar­beit mit einem Busi­ness-Part­ner nicht funk­tio­niert, ist das kei­ne per­sön­li­che Kri­tik, es wird aber häu­fig so auf­ge­fasst. Des­halb habe ich gelernt, dass es wich­tig ist, höf­lich, aber bestimmt zu kom­mu­ni­zie­ren. So kön­nen Fehl­trit­te die­ser Art ver­mie­den wer­den. Eine gro­ße Unter­stüt­zung waren mir hier vor allem erfah­re­ne Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mer, wie bei­spiels­wei­se Jani­na Kugel. Sie hat mich unter­neh­me­risch auf die rich­ti­ge Bahn gelenkt. Ich habe sehr viel gelernt, was im Hin­blick auf Busi­ness-Struk­tu­rie­run­gen wich­tig ist.

Janina Kugel ist eine der prominentesten liapure-Trägerinnen. Wie konnten Sie Ihr Label hier platzieren?

Jani­na Kugel durf­te ich für einen Bei­trag in der BUNTE aus­stat­ten. Sie woll­te expli­zit nur jun­ge Desi­gner und Labels tra­gen und so wur­de ich von der BUNTE Redak­ti­on ange­fragt. Weil ich den Auf­trag unbe­dingt haben woll­te, habe ich Kon­takt mit Frau Kugel auf­ge­nom­men und sie gefragt, was ihre Lieb­lings­far­be ist. Das Farb­kon­zept von lia­pu­re ist sehr zurück­hal­tend und da war pink – Frau Kugels Lieg­lings­far­be – eine Her­aus­for­de­rung. Ich habe ihr dann extra für die BUNTE einen Man­tel ent­wor­fen. Das hat sie so begeis­tert, dass ich den Auf­trag bekom­men habe. Damit habe ich nicht nur eine pro­mi­nen­te, son­dern auch treue Kun­din gewon­nen. Wor­auf ich auch sehr stolz bin, ist dass ich auch die Schau­spie­le­rin Sen­ta Ber­ger für einen Bei­trag in der BUNTE aus­stat­ten durfte.

Kürzlich haben Sie den BUNTE New Faces Award in der Kategorie „Style“ als Next Young Fashion Designer gewonnen. Was bedeutet die Auszeichnung für Sie und Ihr Label?

Ich sehe den Preis als eine Aus­zeich­nung für das, was ich in den letz­ten Jah­ren geleis­tet habe. Der Award hat mir das Gefühl gege­ben, gese­hen zu wer­den. Außer­dem hat er mir gezeigt, dass die Arbeit und das Enga­ge­ment, das ich in lia­pu­re ste­cke, nicht umsonst sind. Gera­de nach den Schwie­rig­kei­ten im Früh­jahr hat mir der Preis auch einen Push gege­ben weiterzumachen.

Was sind die größten Meilensteine, die Sie seither erreicht haben?

Das sind meh­re­re Punk­te: Ein­mal natür­lich der Launch mei­ner ers­ten Kol­lek­ti­on und die Lade­n­er­öff­nung im Juli 2020. Die offi­zi­el­le Ate­lier-Eröff­nung konn­te ich wegen der Coro­na-Pan­de­mie erst ein knap­pes Jahr spä­ter fei­ern, aber auch das war ein vol­ler Erfolg. Was natür­lich auch von gro­ßer Bedeu­tung für mich war, war die Auzeich­nung als Next Young Fashion Desi­gner beim Bun­te New Faces Award.

Wo sehen Sie Ihr Label in den nächsten fünf Jahren?

Bis dahin möch­te ich mit mei­nem Label auch in off­line in meh­re­ren Städ­ten ver­tre­ten sein, sodass Kun­din­nen und Kun­den die Klei­dung in ganz Deutsch­land vor Ort erle­ben und dann auch kau­fen kön­nen. Wei­te­re eige­ne Mono­brand Stores wären selbst­ver­ständ­lich ein Traum, aber viel­leicht für einen Zeit­raum von fünf Jah­ren etwas weit gegrif­fen. Außer­dem hof­fe ich, dass ich bis dahin eine oder meh­re­re Mit­ar­bei­te­rin­nen oder Mit­ar­bei­ter beschäf­ti­gen kann und einen Spar­ring­part­ner habe, der lia­pu­re mit mir vor­an­bringt. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

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