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Kursrutsch an der Börse – und nun?

2022-05-10T17:56:17+02:0010. Mai 2022|

Welt­weit fal­len die Akti­en­kur­se. Und nicht nur die. Auch Anlei­hen, Edel­me­tal­le und vie­le Roh­stof­fe geben nach. Was nun? 

Von Ant­je Erhard

Kei­ne Panik – wir haben kei­nen Akti­en­crash. Das wür­de bedeu­ten, dass die Kur­se an einem Tag oder an meh­re­ren Tagen hin­ter­ein­an­der mas­siv ein­bre­chen. Das ist bei aller Bör­sen-Tris­tesse nicht der Fall. Den­noch – der­zeit läuft es rup­pig an den Kapi­tal­märk­ten. Seit Jah­res­be­ginn ist der DAX 14 Pro­zent „Land unter“. Doch andern­orts sieht es schlim­mer aus: In New York ver­liert der S&P mehr als 16 Pro­zent, der Hang Seng in Hong­kong eben­falls, und in Shang­hai sind die Kur­se im CSI 300 sogar um 20 Pro­zent gesun­ken. 

Das Beson­de­re ist, dass Akti­en, Anlei­hen, Kryp­tos und Edel­me­tal­le  — also die wich­tigs­ten Anla­ge­klas­sen — gleich­zei­tig fal­len. 32 Pro­zent ist der Bit­coin allein seit dem Jah­res­wech­sel gepur­zelt, das meis­te davon ging auf das Kon­to der ver­gan­ge­nen Han­dels­ta­ge. Aber selbst bei Gold und Co, die als siche­re Häfen betrach­tet wer­den, ist der Glanz ver­blasst: Gold gehört aber immer­hin zu den Assets mit posi­ti­ver Bilanz und 1,5 Pro­zent Plus seit Janu­ar. 

„Die­se Markt­la­ge ist wirk­lich sel­ten“, sagt Frank Mohr, Head of ETF Sales Tra­ding bei der Socié­té Géné­ra­le. Es kam in der Ver­gan­gen­heit nicht oft vor, dass alle Asset­klas­sen an Wert ver­lie­ren. „Wir haben das zu Anfang der Pan­de­mie gese­hen oder aber im Jahr 2008 zur Finanz­kri­se. Gera­de neue Investor:innen ken­nen das noch nicht, nicht in dem Maße.“  

US-Notenbank erhöht Leitzinsen

Grund dafür sind die stei­gen­den Zin­sen in den USA: In der ver­gan­ge­nen Woche hat die US-Noten­bank FED die Leit­zin­sen zum zwei­ten Mal in die­sem Jahr erhöht. Obwohl sie es über Wochen vor­aus kom­mu­ni­ziert hat, waren die Investor:innen ver­schreckt. Zu groß ist die Angst vor den wirt­schaft­li­chen Fol­gen.  

In der Ver­gan­gen­heit waren Zins­er­hö­hun­gen nahe­zu immer Ein­lei­tung für eine Rezes­si­on, also eine Pha­se wirt­schaft­li­cher Schwä­che. Schon frü­her gin­gen dabei die Akti­en­kurs­ver­lus­te mit stei­gen­den Zin­sen am Anlei­hen­markt ein­her. Und die Geschich­te wie­der­holt sich: Die Ren­di­ten der zehn­jäh­ri­gen US-Staats­an­lei­hen klet­tern auf ein Niveau von über drei Pro­zent. Da waren sie zuletzt im Jahr 2018. Und auch deut­sche Anlei­hen ren­tie­ren wie­der posi­tiv: 1,12 Pro­zent auf die zehn­jäh­ri­ge Bund-Ren­di­te, Deutsch­lands Bench­mark-Anlei­he, so viel gab es zuletzt vor mehr als zwei Jah­ren am Anlei­hen­markt. 

Zinsen können Aktien abbremsen

„Die Zin­sen kön­nen nicht ewig nied­rig blei­ben“, kom­men­tiert Markt-Exper­te Frank Mohr, „auch wenn der Zeit­punkt wenig ide­al zu sein scheint.“ Der Mix aus Pan­de­mie, Infla­ti­on, Lie­fer­eng­päs­sen und Chi­nas wirt­schaft­li­cher Schwä­che in Fol­ge der Pan­de­mie habe bereits zu viel Ver­un­si­che­rung unter den Anleger:innen bei­getra­gen. „Stei­gen­de Zin­sen spre­chen da nicht unbe­dingt für Akti­en“, ergänzt er. „Das kann die Märk­te abbrem­sen.“ 

Vor allem Chi­na bleibt ein gro­ßes Sor­gen­kind: Die Wirt­schaft schwä­che sich dort so stark ab wie zur Finanz­kri­se und zu Beginn der Pan­de­mie. Die aktu­el­le Schwä­che sei aber „eine Kri­se mit Ansa­ge“, kom­men­tiert Micha­el Ott von der Com­merz­bank. Es sei bemer­kens­wert, dass Chi­na das zulas­se. Es wer­de ja viel pro­du­ziert, doch die Waren kämen bei Kon­su­men­ten und im Export nicht an 

Gegenbewegung, wenn es nicht schlimmer wird

Jochen Stanzl von CMC Mar­kets ergänzt: „Es ist bekannt, dass Lie­fer­eng­päs­se, Infla­ti­on und stei­gen­de Zin­sen das Markt­um­feld rapi­de ver­schlech­tern. An sol­chen Punk­ten genügt es oft schon, wenn Signa­le kom­men, dass sich die Situa­ti­on nicht wei­ter ver­schärft.“ Der­zeit sei in den Kur­sen eine Zuspit­zung der Pro­ble­me ein­ge­preist. „Wenn die­se nicht ein­tritt, könn­te es zu einer Gegen­be­we­gung kommen.“

Die Con­clu­sio von Frank Mohr ist nach­voll­zieh­bar: Die Tal­fahrt an den Kapi­tal­märk­ten ist womög­lich noch nicht aus­ge­stan­den. Was sol­len Anleger:innen aber nun tun? „Fäl­len Sie kei­ne unbe­dach­ten Ent­schei­dun­gen“, rät Frank Mohr. Sinn­voll sei, Spar­plä­ne jetzt wei­ter zu bedie­nen. „Hier ist der Vor­teil, dass man jetzt fürs glei­che Geld mehr Antei­le bekommt. Breit gestreu­te Anla­gen wie ETFs sind für die lang­fris­ti­ge Geld­an­la­ge nach wie vor gut und sinn­voll.“ Risi­ko-Invest­ments wie Akti­en auf­zu­sto­cken, kön­ne hin­ge­gen zu früh sein. „Wir haben womög­lich noch nicht das Ende der Kor­rek­tur gese­hen. Aber trotz­dem: Nach der Berei­ni­gung kommt ein neu­er Anstieg.“ 

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