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Kryptowährungen handeln: Die wichtigsten Infos

2022-09-20T13:47:07+02:0020. September 2022|

Die Kurs­ein­brü­che am Kryp­tomarkt haben Fol­gen: Han­dels­platt­for­men machen Mil­li­ar­den-Ver­lus­te. Kryp­to-Banken wie Nuri in Deutsch­land oder Hedgefonds wie Three Arrows in den USA gehen in die Insol­venz. Invest­ments in Kryp­tos sind risi­ko­reich. Aber wie kommt man eigent­lich an eine Kryp­towährung? 

Von Ant­je Erhard

Jede:r vier­te Deut­sche zwi­schen 18 und 30 hat Kryp­to­wäh­run­gen im Depot. Das ergab eine Umfra­ge des Kryp­to-ETP-Anbie­ters Wis­dom­Tree unter 1.000 Erwach­se­nen zwi­schen 18 und 30. 84 Pro­zent von ihnen füh­len sich mit Kryp­tos bis zu einem gewis­sen Maß ver­traut. Und jede:r Vier­te sieht Kryp­tos jetzt posi­ti­ver als beim All­zeit­hoch von gut 69.000 US-Dol­lar im Novem­ber 2021. Der­zeit steht der Bit­coin bei gut 19.000 US-Dol­lar. 

Immer wie­der kni­cken die Kur­se ein, die Tal­fahrt der digi­ta­len Wäh­run­gen scheint nicht vor­bei zu sein. Allein die stei­gen­den Zin­sen sind eine Belas­tung. Die Kryp­to-Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung von drei Mil­li­ar­den US-Dol­lar Ende ver­gan­ge­nen Jah­res ist auf knapp eine Mil­li­ar­de gesun­ken.  

Die Kurs­ein­brü­che haben Fol­gen in der rea­len Welt: Der Hedge­fonds Three Arrows Capi­tal muss­te in den USA Insol­venz anmel­den, in Deutsch­land die Kryp­to-Bank Nuri. Im zwei­ten Quar­tal mach­te die größ­te Kryp­to-Bör­se in den USA, Coin­Ba­se, 1,1 Mil­li­ar­den US-Dol­lar Ver­lust. Die Aktie hat seit dem Bör­sen­gang drei Vier­tel ihres Wer­tes ver­lo­ren.… 

Wer in Kryp­tos inves­tiert, muss sich der Risi­ken bewusst sein. Kryp­tos sind hoch­spe­ku­la­tiv. Hohe Ver­lus­te sind mög­lich. Expert:innen raten zu klei­nen Bei­mi­schun­gen in der Gesamt-Allo­ka­ti­on von fünf bis maxi­mal zehn Pro­zent. Doch wie kommt man an eine Kryp­to­wäh­rung? Es gibt ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten:  

Möglichkeit 1: Online-Broker 

Bei Online-Bro­kern wie Tra­de Repu­blic oder Bison ist es recht ein­fach, Kryp­tos zu kau­fen. Wer dort bereits ein Depot hat, kauft Kryp­tos wie Akti­en oder ETFs. Die Regis­trie­rung und die Legi­ti­ma­ti­on funk­tio­nie­ren schnell und ein­fach, die Apps sind intui­tiv auf­ge­baut, das Ange­bot an Kryp­tos ist gera­de im Fal­le von Bison mit sie­ben noch über­schau­bar. Hier sind Bit­coin, Ethe­re­um, Lite­coin, Ripp­le, Bit­coin Cash­Chain­link und Unis­wap han­del­bar. Bei Tra­de Repu­blic sind inzwi­schen mehr als 50 Kryp­tos im Ange­bot. Bei die­sen Anbie­tern hat man also von Akti­en bis Kryp­tos alles in einem Depot. Aller­dings las­sen sich die Kryp­tos nicht in eine ande­re Ver­wahr­mög­lich­keit, etwa in eine eige­ne Wal­let, über­tra­gen. Das bedeu­tet, man kann sie nicht als Zah­lungs­mit­tel etc. ein­set­zen. 

Möglichkeit 2: Börsen und Marktplätze 

Kryp­tos las­sen sich auch wie Akti­en ein­fach an der Bör­se kau­fen zum Bei­spiel an der BSDEX. Das ist die Bör­se Stutt­gart Digi­tal Exchan­ge. Hier las­sen sich ech­te Bit­coins kau­fen und ver­kau­fen. Ange­bot und Nach­fra­ge bestim­men den Preis. Auch Markt­plät­ze wie Binan­ce und Coin­Ba­se sind geeig­net. Hier bestimmt der Ver­käu­fer, wie teu­er die Kryp­to­wäh­rung ist, die Markt­plät­ze sind nur die Ver­mitt­ler.  

Binan­ce und Coin­Ba­se haben eine gute Aus­wahl an Kryp­tos, Binan­ce die deut­lich grö­ße­re. Binan­ce ist zudem güns­ti­ger auf der Gebüh­ren­sei­te. Der gro­ße Vor­teil von Coin­Ba­se liegt in der Regu­lie­rung: Coin­Ba­se ist sowohl in den USA wie in Deutsch­land regu­liert, hat hier­zu­lan­de eine Kryp­to-Ver­wahr­li­zenz, was Sel­ten­heits­wert hat. Binan­ce ist in Euro­pa nicht regu­liert. 

Möglichkeit 3: Krypto-ETPs 

Kryp­to-ETFs gibt es in Deutsch­land nicht. Auch wenn manch­mal damit gewor­ben wird, bzw. die Pro­duk­te so bezeich­net wer­den. In den USA gibt es ETFs. Aber auch dort sind es ledig­lich ETFs auf Futures. Das heißt, sie basie­ren auf Ter­min­ge­schäf­ten. Auch das gibt es hier­zu­lan­de nicht. Die „ETFs“ hier­zu­lan­de sind in Wirk­lich­keit ETNs bzw. ETPs, Exchan­ge Tra­ded Notes oder Pro­ducts. Sie sind kein ETF, sich las­sen sich ledig­lich so ein­fach wie ETFs han­deln. 

Achtung, ETPs/ETNs sind Schuldverschreibungen 

ETPs oder ETNs sind – anders als ETFs – Schuld­ver­schrei­bun­gen: Ein Emit­tent grün­det eine Zweck­ge­sell­schaft, die in Kryp­to­wäh­run­gen wie den Bit­coin inves­tiert. Die Coins wer­den von einer Depot­bank oder einem ande­ren Part­ner ver­wahrt. Das erhöht die Sicher­heit, doch im Fal­le einer Insol­venz der Zweck­ge­sell­schaft ist das Kapi­tal weg: Schuld­ver­schrei­bun­gen sind nicht über die Ein­la­gen­si­che­rung abge­si­chert. ETFs aber schon.  

Die Pro­duk­te sind über Bro­ker wie com­di­rect oder Tra­de Repu­blic und Platt­for­men wie Bison ein­fach zu erwer­ben. Sie sind an der Bör­se gehan­delt und kön­nen somit bör­sen­täg­lich ge- und ver­kauft wer­den. Die jewei­li­ge Kryp­to­wäh­rung, in die man inves­tiert, ist phy­sisch hin­ter­legt. Es gibt Bas­ket-Lösun­gen, um diver­si­fi­ziert in ver­schie­de­ne Kryp­tos zu inves­tie­ren. Die Gebüh­ren sind aber hoch, betra­gen schon mal bis zu 2,5 Pro­zent pro Jahr. Die Regu­lie­rung ist noch wenig aus­ge­prägt. Immer wie­der kommt es zu Dieb­stäh­len. 

Seit 2019 ist Bewe­gung im Markt für ETNs bzw. ETPs: In der Schweiz leg­ten 21Shares, das inzwi­schen in 21.co umbe­nannt wur­de, und Wis­dom­Tree als ers­te Anbie­ter ETPs auf Bit­coin & Co auf. 2020 Inzwi­schen bie­ten ver­schie­de­ne Emit­ten­ten Kryp­tos als ETN an: Van­Eck, HANetf oder CoinS­ha­res.  

Möglichkeit 4: Derivate 

Die Zer­ti­fi­ka­te-Indus­trie hat die Kryp­tos noch viel frü­her für sich ent­deckt als die ETP-Anbie­ter. 2016 hat­te die Schwei­zer Bank Von­to­bel das ers­te Bit­coin-Zer­ti­fi­ka­te auf den Markt gebracht. Längst gibt es auch Deri­va­te auf ande­re Kryp­to­wäh­run­gen. Zu unter­schei­den sind Anla­ge- und Hebel­pro­duk­te: Anla­ge-Pro­duk­te sind zum Bei­spiel Par­ti­zi­pa­ti­ons­zer­ti­fi­ka­te oder Dis­count-Zer­ti­fi­ka­te. Sie alle inves­tie­ren in eine Kryp­to-Wäh­rung, jedoch mit unter­schied­li­chen Risi­ken. Par­ti­zi­pa­ti­ons- oder Index-Zer­ti­fi­ka­te lau­fen fast 1:1 mit der Kurs-Ent­wick­lung des Basis­wer­tes, zum Bei­spiel des Bito­cin, mit. Bei Dis­count-Zer­ti­fi­ka­ten steigt man zu einem nied­ri­ge­ren Preis ein, aber dafür wird man aber einer bestimm­ten Kurs­stei­ge­rung gede­ckelt und nimmt an wei­te­ren Stei­ge­run­gen nicht teil. 

Zu den Hebel-Pro­duk­ten gehö­ren zum Bei­spiel Tur­bo-Zer­ti­fi­ka­te oder Mini Futures. Mit sol­chen Hebel-Pro­duk­ten kann man auf stei­gen­de und fal­len­de Kur­se set­zen. Der Basis­wert wird dabei mit einem Hebel gehan­delt. Die­ser Hebel ver­viel­facht Gewin­ne wie Ver­lus­te. Er wirkt in bei­de Rich­tun­gen. Die Zer­ti­fi­ka­te kön­nen end­los lau­fen oder zeit­lich befris­tet sein. 

Der Hebel des Zer­ti­fi­ka­tes gibt an, um wie viel Mal mehr der Wert des Hebel­zer­ti­fi­ka­tes steigt oder fällt, je nach­dem, wie sich der Basis­wert ändert, der dem Zer­ti­fi­kat zugrun­de liegt. 

Man kann auf stei­gen­de Kur­se (Call-Hebel­zer­ti­fi­ka­te) oder auch auf fal­len­de Kur­se (Put-Hebel­zer­ti­fi­ka­te) spe­ku­lie­ren. Die über­pro­por­tio­na­le Wir­kung des Hebels kann hohe Gewin­ne, aber auch hohe Ver­lus­te brin­gen. Ent­wi­ckelt sich der Kurs des Basis­wer­tes in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung als erwar­tet, sinkt der Wert des Invest­ments eben­so über­pro­por­tio­nal. Wird bei den Kurs­schwan­kun­gen dann auch noch das Knock-out-Niveau erreicht, so ver­liert das Pro­dukt sei­nen Wert. Die Risi­ken sind hier nicht zu unter­schät­zen: 

Hebel-Zertifikate: Hohe Risiken, hohe Chancen 

Sie rei­chen bei Zer­ti­fi­ka­ten und Hebel-Pro­duk­ten vom Emit­ten­ten-Risi­ko (wenn der Emit­tent des Pro­duk­tes plei­te­geht, gibt es kei­ne Ein­la­gen­si­che­rung), über das Kor­re­la­ti­ons­ri­si­ko (das Zer­ti­fi­kat ent­wi­ckelt sich so wie der so genann­te Basis­wert), Wäh­rungs­ri­si­ken, Auf­gel­der bis hin zum Wert­ver­lust-Risi­ko. 

Es gibt also ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, je nach Wis­sens­stand, Ziel­set­zung, tech­ni­scher Affi­ni­tät und Sicher­heits­be­dürf­nis, in Kryp­tos zu inves­tie­ren. Die siche­re Ver­wah­rung ist ein Punkt, der vie­le abschreckt. Denn Kryp­tos kön­nen nicht phy­sisch im Tre­sor auf­be­wahrt wer­den. Mitt­ler­wei­le haben die Bör­sen durch Inves­ti­tio­nen ins­be­son­de­re in so genann­te Cold Wal­lets, also Spei­cher ohne Inter­net-Zugang, inves­tiert – hier sind die Kryp­tos ver­gleichs­wei­se sicher, zumin­dest bei den eta­blier­ten Anbie­tern. 

Sichere Aufbewahrung ist Key für Kryptos 

Als beson­ders sicher gilt neben der Cold Wal­let die Ver­wah­rung in einer so genann­ten Hard Wal­let: Eine Hard Wal­let ist eine Art Brief­ta­sche oder dezen­tra­les Bank-Kon­to nur für Kryp­to­wäh­run­gen. Sie ist nicht mit dem Inter­net ver­bun­den. Die­se Hard Wal­let spei­chert die Pri­va­te Keys. Sie ist ver­gleich­bar mit einem USB-Stick. Nur dass er kaum zu kna­cken ist, und bei Ver­lust sind die Kryp­tos nicht auto­ma­tisch weg. Es gibt ein Back-up, das nennt man Seed. Das ist eine Ket­te von Wor­ten, die man auf­be­wah­ren muss, um das Gerät zu deak­ti­vie­ren.   

Nur wäh­rend einer Trans­ak­ti­on ist die Hard Wal­let mit dem Inter­net ver­bun­den. Mit die­sen Keys kön­nen Anleger:innen auf ihre Kryp­tos zugrei­fen. Doch in der digi­ta­len Welt müs­sen sol­che Daten gut gesi­chert wer­den. Not your key – not your coins, sagt man in der Kryp­to-Welt. 

Wal­lets haben einen Pri­va­te und einen Public Key. Damit haben die Besitzer:innen Zugang zu ihren Coins, aber auch eine Über­wei­sungs­adres­se zum Ver­sen­den der Coins. Ist eins von bei­den ver­lo­ren, sind auch die hin­ter­leg­ten Coins ver­lo­ren. 

Zu Beginn des Kryp­to-Zeit­al­ters haben vie­le Anle­ger die Pri­va­te Keys noch ihrem her­kömm­li­chen Com­pu­ter gespei­chert, aber vie­le haben ihre Keys ver­lo­ren. Und damit die Bit­coins. Das Inter­net ist voll von Geschich­ten dar­über. Kryp­tos könn­ten alter­na­tiv auf Com­pu­tern ohne Inter­net-Anschluss (Cold Wal­let) gespei­chert wer­den. Doch egal ob Hot oder Cold Wal­let, Stick oder Com­pu­ter ohne Inter­net – obers­te Regel sind gut ver­schlüs­sel­te Pass­wör­ter.  

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