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    Der Krieg in der Ukraine sorgt für fallende Kurse, ©istock

Krise – Wie gehe ich mit Kursverlusten um und wie wappne ich mich?

2022-02-24T18:14:13+01:0024. Februar 2022|

An der deut­schen Bör­se lässt die Kriegs­angst die Kur­se regel­recht ein­bre­chen. Der DAX fällt am Don­ners­tag unter 14.000 Punk­te. Die Markt­teil­neh­mer sind geschockt. Wie sol­len wir Anleger:innen damit umge­hen? 

Von Ant­je Erhard

Aus dem Ukrai­ne-Kon­flikt ist ein offe­ner Krieg gewor­den. Rund um die Welt fal­len die Akti­en­kur­se. Schon in den ers­ten Han­dels­mi­nu­ten Minu­ten hat der DAX am Don­ners­tag ünf Pro­zent ver­lo­ren, fällt unter 14.000 Punk­te. Siche­re Häfen wie Bun­des­an­lei­hen sind gesucht. Indus­trie­me­tal­le wer­den panisch gekauft. Der Wei­zen­preis explo­diert auf ein 9‑Jah­res-Hoch. Öl der Nord­see­sor­te Brent steigt auf über 105 US-Dol­lar pro Fass — zum ers­ten Mal seit über sie­ben Jahren.

Kursverluste seit Jahresbeginn nahezu weltweit

Seit Jah­res­be­ginn wan­ken die Märk­te, ver­liert der DAX knapp 13 Pro­zent, der S&P 500 in New York elf Pro­zent. Beson­ders getrof­fen sind die Tech­wer­te – der NASDAQ Com­po­si­te ist knapp 17 Pro­zent gefal­len. Im Rest der Welt zeigt sich ein ähn­li­ches Bild: Der Nik­kei 225 in Tokyo fällt um zehn Pro­zent, der CSI in Shang­hai um gut acht, der Hang Seng um mode­ra­te zwei Prozent.

Flucht in sichere Häfen wie Gold

Auf der ande­ren Sei­te sind ver­meint­lich siche­re Häfen gesucht: Anleger:innen flüch­ten in Gold, das immer näher an die 2.000 US-Dol­lar-Mar­ke steigt. Der Run auf Gold – der pas­sier­te schon zu Zei­ten der Krim-Kri­se 2014. Doch nach eini­gen Wochen hat­te Gold damals wie­der an Wert ver­lo­ren. Jochen Stanzl, Chef­markt­ana­lyst CMC Mar­kets, sieht die Preis­ent­wick­lung aller­dings skep­tisch: „Der Krieg in der Ukrai­ne hat den Gold­preis aus sei­nem mona­te­lan­gen Dorn­rös­chen­schlaf erweckt. Wir sehen umfang­rei­che Posi­ti­ons­auf­bau­ten von Anle­gern, die aus Akti­en umschich­ten und bei Gold ankern, das als „siche­rer Hafen“ in unsi­che­ren Zei­ten gilt. Rela­tiv zu den bedeut­sam gestie­ge­nen Zin­sen ist Gold aller­dings eher über­be­wer­tet. Das scheint im Moment aber die Anle­ger wegen dem Krieg in der Ukrai­ne nicht zu interessieren.”

„Das Trio Infer­na­le aus Kriegs­angst, Infla­ti­ons­angst und Zins­angst hat sich abrupt Rich­tung Kriegs­angst ver­scho­ben, das hat­ten die meis­ten Markt­teil­neh­mer nicht erwar­tet“, fasst

Robert Hal­ver, Lei­ter Kapi­tal­markt­ana­ly­se der Baa­der Bank, die Lage an der Frank­fur­ter Bör­se zusam­men. Die Kriegs­angst in Euro­pa sei nun real.

Nach Ein­schät­zung von Jochen Stanzl sei­en aber vie­le Anleger:innen abge­si­chert: „Akti­en haben bereits vor den Ereig­nis­sen in der Ukrai­ne kor­ri­giert, da die Fed eine Zins­wen­de wegen der hohen Infla­ti­on zeit­lich vor­zie­hen möch­te und den Markt mög­lichst scho­nend und über Wochen dar­auf vor­be­rei­tet hat. Man sieht in vie­len Sta­tis­ti­ken, dass akti­ve Anle­ger gegen Kurs­ver­lus­te abge­si­chert waren, bevor es zum Ein­marsch Russ­lands in die Ukrai­ne gekom­men ist – weil sie sich auf eine Zins­wen­de vor­be­rei­tet haben. Daher ver­läuft die Kor­rek­tur bei Akti­en rela­tiv geord­net, rus­si­sche Akti­en ein­mal ausgenommen.“

Anleger:innen soll­ten sich auf wei­te­re Ver­lus­te und vola­ti­le, also schwan­kungs­an­fäl­li­ge Bör­sen ein­stel­len. Doch was genau bedeu­tet das? Wie den küh­len Kopf bewahren?

Kapi­tal­markt-Expert Robert Hal­ver rät Anleger:innen aber: „Auf die­sem Niveau nicht mehr ver­kau­fen, den gesun­ke­nen Bestand nicht ver­äu­ßern.“ Es sei sinn­vol­ler, das Depot jetzt abzu­si­chern. Dazu eig­nen sich Dis­count-Zer­ti­fi­ka­te oder Put-Optionsscheine.

Mit Puts vor Verlusten wappnen

Mit Put-Optio­nen lässt sich das Depot voll­stän­dig oder zum Teil absi­chern. Die dazu benö­tig­te Anzahl Puts lässt sich ein­fach berech­nen: Depot­wert geteilt durch Index­stand mal Bezugsverhältnis.

Der maka­bers­te Spruch an der Bör­se lau­tet: Kau­fen, wenn die Kano­nen don­nern. An Tagen wie die­sen läuft es einem da kalt den Rücken run­ter. Vie­len von uns dürf­te es schwer­fal­len, von Krieg und Leid pro­fi­tie­ren zu wol­len. Also jetzt in den Markt ein­stei­gen, Robert Halver?

„Es gibt auch aktu­ell posi­ti­ve Ent­wick­lun­gen“, sagt Robert Hal­ver. Posi­tiv sei der­zeit zum Bei­spiel, dass sich Omi­kron abmil­de­re. „Das hilft der Wirt­schaft und dann auch den Bör­sen.“ Robert Hal­ver rät mit Blick dar­auf, auf Zykli­ker oder Divi­den­den-Titel zu schau­en. So habe Mer­ce­des gera­de am Don­ners­tag ange­kün­digt, die höchs­te Divi­den­de der Fir­men­ge­schich­te aus­zu­schüt­ten. „Auch wenn an einem Tag wie heu­te sol­che posi­ti­ven Nach­rich­ten nahe­zu unter­ge­hen, so ist das ein sehr gutes Zei­chen für die Aktionäre.“

Auch das Kapi­tal­markt-Team der Com­merz­bank um Chef­an­la­gest­re­ge Chris-Oli­ver Schi­cken­tanz rät, Risi­ko­po­si­tio­nen nicht panisch zu ver­kau­fen, viel­mehr das Depot mit US-Dol­lar, Anlei­hen, Gold und aus­ge­wähl­ten Ener­gie­ak­ti­en breit zu diver­si­fi­zie­ren. „Akti­en­käu­fe wür­den wir zunächst noch etwas zurück­stel­len, bis sich die (mili­tä­ri­sche) Lage in der Ukrai­ne und die Reak­ti­on des Wes­tens klärt.“

Makaber – Kaufen, wenn die Kanonen…

Es sei „nicht ziel­füh­rend wäre, den Kurs­ent­wick­lun­gen hin­ter­her­zu­lau­fen und der Flucht in siche­re Häfen zu fol­gen“, heißt es wei­ter. Viel­mehr sei die Fra­ge, ob es nicht an der Zeit wäre, bestehen­de Akti­en­po­si­tio­nen aus­zu­bau­en – getreu dem Mot­to ‚Akti­en kau­fen, wenn die Kano­nen donnern’.

„Und tat­säch­lich ten­die­ren wir am ehes­ten in die­se Rich­tung, da sich auch die (mit­tel­fris­ti­gen) kon­junk­tu­rel­len Fol­gen in Gren­zen hal­ten soll­ten.“ Den­noch schrän­ken die Expert:innen ein: Zum jet­zi­gen Zeit­punkt ste­hen wir aber – nach der rus­si­schen Akti­on – noch am Beginn von Reak­ti­on und Gegen­re­ak­ti­on, wobei die Kon­kre­ti­sie­rung der euro­päi­schen Reak­ti­on (d.h. wei­te­re Sank­tio­nen) noch aus­steht. In die­ser Gemenge­la­ge ist wei­ter­hin mit erhöh­ter Vola­ti­li­tät zu rech­nen. Es erscheint uns daher noch ver­früht, bereits jetzt mit einer Auf­sto­ckung des Akti­en­an­teils zu begin­nen. Ähn­li­ches gilt dann auch mit Blick auf Gewinn­mit­nah­men in den ande­ren Anlageklassen.“

Sparpläne unbedingt weiter bedienen

Robert Hal­ver rät auch, Spar­plä­ne wei­ter zu bedie­nen. „Unbe­dingt, denn Bör­se ist etwas Lang­fris­ti­ges.“ Und außer­dem kön­ne es sich loh­nen, auch jetzt auf sub­stanz­star­ke Ein­zel­wer­te zu schau­en und zu fra­gen: „Wo kann sich jetzt der Ein­stieg lohnen.“

Trotz einer Kor­rek­tur von 15 Pro­zent im S&P 500 seit Jah­res­be­ginn sol­len sich Anleger:innen auch nach Ein­schät­zung von Jochen Stanzl „nicht von ihren lang­fris­ti­gen Invest­ment­abs­sich­ten abbrin­gen las­sen“. Schließ­lich kön­ne ein Spar­plan mit wie­der­keh­ren­den Käu­fen jetzt von güns­ti­ge­ren Ein­stiegs­kur­sen profitieren.

Fazit: Die Kriegs­angst ist real gewor­den. Doch Bör­sen reagie­ren dar­auf eher kurz­zei­tig. Den­noch – Depot-Absi­che­rung ist ein wich­ti­ger Fak­tor in einer Anlage-Strategie.

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