Startseite/Krank zur Arbeit? Weshalb das keine gute Idee ist
  • Krank zur Arbeit zu gehen, ist keine gute Idee, ©AntonioDiaz - stock.adobe.com

Krank zur Arbeit? Weshalb das keine gute Idee ist

2022-07-18T09:04:32+02:009. Juli 2022|

Sicher, manch­mal ist man bei sei­ner Arbeits­stel­le von Hel­din­nen und Hel­den umringt, die auch noch krank zur Arbeit schlei­chen. Wes­halb das kei­ne gute Idee ist, erklärt die WHU-Exper­tin Prof. Dr. Fabio­la Ger­pott. 

Von Mat­thi­as Lauerer

Bli­cken wir kurz auf das Bild zu den Kran­ken­ta­gen. Die gro­be Sze­ne­rie im drit­ten Jahr der Coro­na­pan­de­mie zeigt sich wie folgt: „Die Men­schen mel­den sich ten­den­zi­ell weni­ger krank, unklar ist jedoch, wes­halb. Sind sie tat­säch­lich weni­ger krank – ver­mut­lich nicht – oder arbei­ten sie ein­fach mehr von zu Hau­se, trotz Krank­heit?“, sagt Prof. Dr. Fabio­la Ger­pott dazu. Die Exper­tin für „Lea­ders­hip, Diver­si­täts­ma­nage­ment und orga­ni­sa­tio­na­les Ver­hal­ten“ forscht an der „WHU – Otto Beis­heim School of Manage­ment“. Ihr liegt beson­ders am Her­zen, dass die Viel­falt von Füh­rungs­kräf­ten und Mit­ar­bei­tern in Orga­ni­sa­tio­nen mehr Wert­schät­zung erfährt. Mit ihrer Arbeit will sie Din­ge ansto­ßen und ver­än­dern. „Ich möch­te durch Evi­denz dazu bei­tra­gen, dass Füh­rung bes­ser wird.“

Prof. Dr. Fabio­la Ger­pott, Exper­tin für „Lea­ders­hip, Diver­si­täts­ma­nage­ment und orga­ni­sa­tio­na­les Ver­hal­ten, ©WHU – Otto Beis­heim School of Management

Neue Wortschöpfung

In einer aktu­el­len Stu­die, die sie gemein­sam mit Pri­scia Bro­se schrieb, die am „Depart­ment of Lea­ders­hip and Manage­ment“ an der „Küh­ne Logistics Uni­ver­si­ty“ in Ham­burg arbei­tet, fand das Duo her­aus: „Wir argu­men­tie­ren, dass Arbeit­neh­mer nicht nur zur Arbeit gehen, obwohl sie krank sind, son­dern auch oft von zu Hau­se aus arbei­ten, obwohl sie krank sind, ins­be­son­de­re seit die COVID-19-Kri­se Home-Office-Arbeit in gro­ßem Umfang ermög­licht hat. Wir bezeich­nen die­ses Phä­no­men als „Work­ahomeism.“  

Wirtschaftlich nicht sinnig

Von der „WHU“ heißt es gene­rell zum sen­si­blen The­ma: „Mit­ar­bei­ten­de, die krank zur Arbeit kom­men, sind für Unter­neh­men ein Pro­blem. Arbeit­neh­men­de den­ken, sie zei­gen beson­de­res Pflicht­be­wusst­sein, und Füh­rungs­kräf­te tole­rie­ren die­sen ´Prä­sen­tis­mus´ oft oder ver­lan­gen ihn impli­zit sogar. Was bei­den Sei­ten oft nicht bewusst ist: Allein aus wirt­schaft­li­cher Sicht tun Mit­ar­bei­ten­de, die trotz Krank­heit arbei­ten, dem Unter­neh­men oft kei­nen Gefal­len.“ 

Die Sache mit der Schuld

Aber wes­halb soll­te man sich so ver­hal­ten, ergo wes­halb arbei­ten wir den­noch von zuhau­se aus, obwohl wir eigent­lich ins Bett gehö­ren? „Wir fan­den her­aus, dass Arbeit­neh­mer, die ´Work­ahomeism´ in Erwä­gung zogen, sich weni­ger schul­dig fühl­ten, als wenn sie sich zu Hau­se aus­ruh­ten. Wenn die Arbeit­neh­mer jedoch tat­säch­lich ´Work­ahomeism´ prak­ti­zier­ten, fühl­ten sie sich genau­so schul­dig oder sogar noch schul­di­ger, als wenn sie sich zu Hau­se aus­ruh­ten.“ Es scheint also eine Crux mit jenem Gefühl zu geben, nur: Wel­che kran­ke Arbeits­kul­tur hat sich in unse­ren Köp­fen und den Betrie­ben fest­ge­setzt, in der wir uns – aus schie­rer Angst oder Pflicht­ge­fühl – kör­per­lich ram­po­niert ans Werk machen?  

Bereits 2006 ein Thema

Lei­der ist die­ser Gang zur Arbeit, obwohl man sich schlecht fühlt, nichts Neu­es. 2006 schrieb die „New York Times“ in einem Stück über Lyn­da Ford. Die arbei­te­te damals als Prä­si­den­tin der Per­so­nal­be­ra­tungs­fir­ma „Ford Group“. In ihrem Buch „Trans­form Your Work­place“ heißt es: „Manch­mal mel­den sich Men­schen nicht krank, weil sie selbst­ver­lieb­te Work­aho­lics sind, die nicht beden­ken, dass sie alle um sich her­um anste­cken.“ Häu­fi­ger sei es jedoch so, dass „die Unter­neh­mens­kul­tur es miss­bil­ligt, wenn Men­schen sich krank­schrei­ben las­sen, und sie sogar unter Druck setzt, zu erschei­nen.“  

Ich muss zur Arbeit! Oder?

Oder spu­len wir ins Jahr 2020 vor. Damals heißt es im sel­ben Blatt: „Last­wa­gen­fah­rer und Lager­ar­bei­ter bei ´UPS´ und ´FedEx´ haben das Gefühl, dass sie kei­ne ande­re Wahl haben, als wei­ter­hin zur Arbeit zu erschei­nen, selbst mit Coro­na­vi­rus-ähn­li­chen Sym­pto­men.“ Und ein 23-jäh­ri­ger Paket­abfer­ti­ger bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Ich habe mich nicht krank­ge­mel­det, weil ich befürch­te, dass ich mei­nen Job ver­lie­re oder bestraft wer­de, wenn ich das tue. Ich habe kei­ne Erspar­nis­se und einen vier Mona­te alten Sohn.“ Sicher spie­len hier die gel­ten­den, rüden neo­li­be­ra­len Arbeits­ver­hält­nis­se in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten eine gro­ße Rol­le. Dort rümpft man über „paid sick lea­ve“, also die Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall eben­so die Nase, wie über jene neu­en Mamas, die ger­ne eine ent­lohn­te Aus­zeit nach der Geburt ihres Kin­des hät­ten, was in prak­tisch allen Indus­trie­na­tio­nen die Norm ist. Noch ein­mal zu Prof. Ger­pott zurück. Sol­che Geschich­ten decken sich mit den heu­ti­gen, wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen der 33-jäh­ri­gen For­sche­rin.  

Tipps für den Chef

Zum Schluss gibt die „WHU“-lerin noch all jenen Tipps, die mit ihrem Ver­hal­ten für kran­ke Mit­ar­bei­ten­de im Job sor­gen: „Machen Sie als Füh­rungs­kraft Ihren Mit­ar­bei­ten­den deut­lich, dass es für das Unter­neh­men kei­ne Vor­tei­le hat, wenn sie krank arbei­ten.“ Und wei­ter: „Ange­stell­te ent­schei­den sich ins­be­son­de­re dann dazu, krank wei­ter­zu­ar­bei­ten, wenn sie den Ein­druck haben, noch nicht genug geschafft zu haben. Des­halb ist es kon­tra­pro­duk­tiv, wenn sie wei­ter Druck auf Mit­ar­bei­ten­de aus­üben, die gera­de nicht den vol­len Ein­satz brin­gen kön­nen.“  

Die bes­ten Sto­ries für dich!

Noch mehr Infos für dich

Zahnmedizin: Selbständigkeit in der eigenen Zahnklinik

Vor rund zwan­zig Jah­ren grün­de­te Dr. Dia­na Svo­bo­da ihre eige­ne Zahn­kli­nik in Essen. Heu­te betreibt sie einen zwei­ten Stand­ort in Düs­sel­dorf und ver­treibt ihre eige­ne Gesichts­pfle­ge­li­nie. Wir haben mit ihr dar­über gespro­chen, wie sie zur Zahn­me­di­zin kam und wes­halb sie sich für eine pri­vat­ärzt­li­che Behand­lung ent­schie­den hat. 

Dir hat der Artikel gefallen? Jetzt teilen...

Nach oben