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    Jahresendrally, ©ismagilov/iStock

Jahresendrally: Mythos oder Wahrheit?

2021-11-18T12:36:42+01:0018. November 2021|

Die gute Nach­richt zuerst: Es gibt sie wirk­lich, die Jah­res­en­dral­ly. Aber nicht jedes Jahr. In die­sem Jahr sieht es aller­dings gut aus. Grund­sätz­lich ist das vier­te Quar­tal meist das Bes­te an den Bör­sen. Am lukra­tivs­ten sind aller­dings weni­ge Han­dels­ta­ge davon.

Von Ant­je Erhard

Das vier­te Quar­tal gilt grund­sätz­lich als das Bes­te an der Bör­se. Und das könn­te auch 2021 klap­pen. Deutsch­lands wich­tigs­ter Akti­en­in­dex DAX erreicht im vier­ten Quar­tal im Schnitt ein Plus von 6,7 Pro­zent. Das bele­gen Daten der HSBC und des Daten-Anbie­ters Refi­ni­tiv seit 1988. In den letz­ten 32 Jah­ren muss­te Anleger:innen ledig­lich fünf­mal eine rote Bilanz im vier­ten Jah­res­vier­tel hin­neh­men: 1990, 1991, 2000, 2008 und 2018. Das heißt: Mit einer Wahr­schein­lich­keit von durch­schnitt­lich 85 Pro­zent ist das vier­te Quar­tal posi­tiv für den DAX.

Fünf Handelstage – Auf Jahresbasis ein Plus von fast 50 Prozent. Aber keine Garantie.

Doch fas­sen wir das Phä­no­men Jah­res­en­dral­ly enger und betrach­ten nicht das kom­plet­te vier­te Quar­tal, son­dern ledig­lich den Jah­res­end­spurt: Die eigent­li­che Jah­res­en­dral­ly umfasst die letz­ten fünf Han­dels­ta­ge vor Weih­nach­ten und den Anfang des neu­en Jah­res: Wer nur in den fünf Han­dels­ta­gen vor Weih­nach­ten in den DAX ein­steigt, erzielt dann eine Per­for­mance von 0,86 Pro­zent im Schnitt. Klingt über­schau­bar. Auf das Jahr hoch­ge­rech­net wäre das aber ein Kurs­plus von fast 50 Prozent.

Wer in den fünf Tagen vor Weih­nach­ten bis hin zum 6. Janu­ar inves­tiert ist, erreicht 2,5 Pro­zent Per­for­mance im Schnitt in die­sem Zeit­raum. Das wären fast 65 Pro­zent auf ein Jahr, hoch­ge­rech­net. „Wer schon allein im vier­ten Quar­tal an der Bör­se inves­tiert ist, hat hier eine ein­fa­che und ner­ven­scho­nen­den Stra­te­gie“, sagt Jörg Sche­rer, Lei­ter der Tech­ni­schen Ana­ly­se der HSBC. Doch Vor­sicht, sagt der Exper­te: „Die Wahr­schein­lich­keit ist hoch für das Phä­no­men Jah­res­en­dral­ly, eine Garan­tie ist es aber nicht und nicht das ein­zi­ge Kri­te­ri­um, wenn man an der Bör­se inves­tie­ren will.

Jahresendrally

©HSBC, Refi­ni­tiv

2021 kommt die Ral­ly recht früh in Gang: In die­sem Jahr dürf­ten posi­ti­ve Unter­neh­mens­er­geb­nis­se und vor allem posi­ti­ve Pro­gno­sen für das kom­men­de Jahr aus­schlag­ge­bend für Kurs­ge­win­ne sein – aber auch die anhal­ten­de Nied­rig­zins-Poli­tik der Noten­ban­ken, die für anhal­tend hohe Liqui­di­tät sorgt.

Jahresendrally schon in Fahrt?

Chris­toph Gey­er, Chief Tech­ni­cal Ana­lyst der Com­merz­bank, kom­men­tiert: „Aktu­ell ver­zeich­nen die Märk­te ein ums ande­re Mal Rekord­stän­de. Meist wenig dyna­misch, aber inzwi­schen mit anzie­hen­den Umsät­zen. Dies bedeu­tet, dass die

Markt­teil­neh­mer lang­sam Zutrau­en zu den Auf­wärts­be­we­gun­gen gefun­den haben.

Natür­lich wird dies nicht unend­lich so wei­ter gehen und Kor­rek­tur­be­we­gung unaus­weich­lich wer­den. Aber der­zeit soll­te die offen­bar bereits begon­ne­ne Jah­res­en­dral­lye genos­sen werden.“

Gute Gründe für die Rally

Grund­sätz­lich hat so eine Jah­res­en­dral­ly vie­le Grün­de: Die Schnäpp­chen­jagd zum Jah­res­en­de ist einer davon. Mit güns­ti­gen Ein­stiegs­kur­sen ver­su­chen gera­de pro­fes­sio­nel­le Investor:innen, ein wenig Win­dow Dres­sing zu betrei­ben. Punkt zwei ist – vor allem in den USA – ein Steu­er-Effekt. Man ver­kauft die Ver­lust-Brin­ger im Depot und ver­rech­net in der Steu­er­erklä­rung die Ver­lus­te mit den Erträgen.

Vie­le Marktteilnehmer:innen sind um Weih­nach­ten her­um im Urlaub. Die Umsät­ze sind nicht so hoch wie üblich. Die Fol­ge: „Es gibt weni­ger Rück­schlä­ge an den Bör­sen im vier­ten Quar­tal, weni­ger Draw Downs (Anmer­kung der Autorin: Das ist der höchs­te Ver­lust­wert kumu­liert in einem bestimm­ten Zeit­raum), weni­ger Vola­ti­li­tät. Anleger:innen kön­nen sich so dem Markt gut nähern“, sagt Jörg Scherer.

Erst­mals nach­ge­wie­sen wur­de das Phä­no­men der Kurs­ge­win­ne zum Jah­res­en­de im Jahr 1942 in den USA Eine Unter­su­chung des Dow Jones Indus­tri­al Average zwischen1927 und 1942 zeig­te: Der US-Index war jedes­mal gestiegen.

Von Intraday bis langfristig: Rally ist nicht Rally

Ral­ly ist aber nicht gleich Ral­ly. Schau­en wir zunächst, was der so genann­te Bul­len­markt her­gibt. Bul­len­markt heißt stei­gen­de Kur­se. Es gibt ver­schie­de­ne Bullen-Rallys:

Es gibt zum Einen die lang­fris­ti­ge Ral­ly. Die haben wir in den ver­gan­ge­nen Jah­ren von 2009 bis 2020 gese­hen. Kurs­ge­win­ne zwi­schen fünf und 25 Pro­zent oder mehr sind hier ein Kri­te­ri­um. Rück­gän­ge errei­chen höchs­tens zehn Pro­zent in die­ser Phase.

Zykli­sche Ral­lys sind kür­zer. Stim­mungs­ge­steu­ert. Sie kön­nen ein paar Wochen, ein paar Mona­te oder auch ein paar Jah­re dau­ern. Hier stei­gen und fal­len die Kur­se im Ein­klang mit der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung. Intra­day bedeu­tet, dass die Kur­se an einem Han­dels­tag stark stei­gen. Stei­ge­run­gen von 10–20 Pro­zent kom­men eher bei Ein­zel­ti­teln an einem ein­zi­gen Tag vor, bei Indi­zes eher nicht.

Achtung, Bärenmarkt-Rally

Auf der ande­ren Sei­te gibt es das Phä­no­men Bären­markt-Ral­ly. Der Bär steht an der Bör­se für fal­len­de Kur­se. Bären­märk­te wer­den mit min­des­tens 20 Pro­zent Kurs­mi­nus definiert.

Eine Bären­mark­t­ral­ly heißt, dass inner­halb eines über­ge­ord­ne­ten (also sozu­sa­gen eines „gro­ßen“) Auf­wärts­trends die Kur­se fal­len. Die­ses Phä­no­men tritt zum Bei­spiel in Zei­ten von Rezes­sio­nen auf.

Wie aber krie­gen wir nun raus, ob wir den Bären auf­ge­ses­sen sind oder ob es sich tat­säch­lich um eine Bul­len-Ral­ly han­delt? Auch da gibt es Anhalts­punk­te: Gibt es vie­le posi­ti­ve Nach­rich­ten aus Kon­junk­tur und Wirt­schaft, spricht das für die Bul­len. Das ist aber noch kein ver­läss­li­cher Indi­ka­tor. Hin­zu kommt die Vola­ti­li­tät: Steigt sie stark an, ist es ein Ach­tungs­si­gnal. Wich­tig ist das Momen­tum: Eine ech­te Ral­ly defi­niert sich durch über­wie­gend höhe­re Schluss­kur­se. Und schließ­lich das Volu­men. Ein hohes Volu­men an Käu­fen kann eben­falls auf einen Trend nach oben hinweisen.

Selbst­ver­ständ­lich ist eine Jah­res­en­dral­ly nicht.

Fazit: Der Bör­sen­ein­stieg nur im vier­ten Quar­tal – das ist eine ein­fa­che und ner­ven­scho­nen­de Stra­te­gie, um die – ja es gibt sie wirk­lich – Jah­res­en­dral­ly „mit­zu­neh­men“. Vor allem an den letz­ten fünf Han­dels­ta­gen vor Weih­nach­ten bis zum 6. Janu­ar – dem Fei­er­tag Hei­li­ge Drei Köni­ge – stei­gen die Kur­se über­durch­schnitt­lich. Eine Garan­tie ist das aller­dings nicht.

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