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  • Sophia Wurm, Vice President von SPDR ETFs, ©State Street Global Advisors

Jahresausblick 2023: So geht es für Anleihen nach dem Einbruch weiter

2023-01-17T10:19:50+01:005. Januar 2023|

Im abge­lau­fe­nen Bör­sen­jahr 2022 sind die Anlei­hen­märk­te teils stär­ker ein­ge­bro­chen als die Akti­en­bör­sen. Wir haben SPDR ETFs Vice Pre­si­dent Sophia Wurm gefragt, ob Anlei­hen wie­der attrak­tiv sind und wie es 2023 wei­terge­hen dürf­te. 

Von Isa­bell Angele

courage-online.de: Zuletzt wurden die Zinsen massiv angehoben. Wegen einer drohenden Rezession kann es so aber nicht unendlich weitergehen. Dürften die Notenbanken das Tempo erstmal verlangsamen, oder bleiben sie mit dem Fuß auf dem Gas?  

Sophia Wurm: Die Noten­ban­ken beob­ach­ten die makro­öko­no­mi­sche Daten­la­ge sehr genau. Hier liegt der Fokus sehr stark auf den Ver­brau­cher­prei­sen und der wei­ter­hin hohen Infla­ti­on. Ins­be­son­de­re in den USA deu­tet sich aber an, dass wir den Hoch­punkt der Infla­ti­on ver­mut­lich über­schrit­ten haben. Des­we­gen soll­te die US-ame­ri­ka­ni­sche Noten­bank im kom­men­den Jahr aller Vor­aus­sicht nach das Tem­po wei­te­rer Zins­schrit­te redu­zie­ren. Im Moment deu­tet sich sogar an, dass auch der Ziel­z­ins­satz bereits im ers­ten Quar­tal erreicht sein könn­te. In Euro­pa stellt sich die Lage etwas anders da. Die Infla­ti­on ist unver­än­dert sehr hoch (auch wenn sich die Preis­an­stie­ge abschwä­chen) und die EZB wird vor die­sem Hin­ter­grund mit hoher Wahr­schein­lich­keit das Tem­po der Zins­schrit­te nur lang­sam redu­zie­ren. Es deu­tet sich an, dass die US-Noten­bank Federal Reser­ve (Fed) vor der Euro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) den Höchst­zins­satz erreicht haben wird.   

Die Anleihenmärkte sind 2022 teils stärker eingebrochen als die Aktienbörsen, obwohl sie eigentlich ein Stabilitätsanker sein sollen. Sind Anleihen im Portfolio noch attraktiv? Sollte man einsteigen? 

Anlei­hen sind auf­grund der gestie­ge­nen Zin­sen wie­der attrak­tiv für Anleger:innen. Dies gilt ins­be­son­de­re für Unter­neh­mens­an­lei­hen mit guter und sehr guter Boni­tät (Invest­ment­gra­de). Die­se soll­ten auch die erwar­te­te Rezes­si­on rela­tiv gese­hen gut über­ste­hen und von Aus­fäl­len in wei­ten Tei­len ver­schont blei­ben. Von einer mög­li­chen geld­po­li­ti­schen Locke­rung wür­den sie eben­falls pro­fi­tie­ren. 

JP Morgan prognostiziert für die nächsten 15 Jahre deutlich steigende Erträge. Ist der Wendepunkt erreicht? 

Anlei­hen sind nach den aus­ge­präg­ten Kurs­ver­lus­ten aus über­ge­ord­ne­ter Sicht jetzt (sehr) attrak­tiv und bie­ten Anleger:innen attrak­ti­ve Invest­ment­mög­lich­kei­ten. Auch Akti­en soll­ten im neu­en Jahr – ins­be­son­de­re ab Früh­jahr / Som­mer – nach dem Aus­lau­fen der Rezes­si­on wie­der attrak­ti­ve Ren­di­te­chan­cen auf­wei­sen. Für lang­fris­tig ori­en­tier­te Anleger:innen lohnt bereits jetzt ein ers­tes Invest­ment. Soll­te es zum Jah­res­be­ginn zu erneu­ten Kurs­rück­gän­gen kom­men, bie­tet sich die Chan­ce, die Posi­ti­on wei­ter aus­zu­bau­en.  

Gibt es bei Anleihen besonders attraktive Segmente? 

Aktu­ell bie­ten sich bei­spiels­wei­se Euro Unter­neh­mens­an­lei­hen mit guter und sehr guter Boni­tät an. Die gestie­ge­nen Zin­sen im gesam­ten Lauf­zei­tenbe­reich machen ins­be­son­de­re kurz­lau­fen­de Euro Unter­neh­mens­an­lei­hen beson­ders attrak­tiv. Da sich in den USA andeu­tet, dass sich das Tem­po der Zins­er­hö­hun­gen redu­zie­ren soll­te und die Höchst­mar­ke der Leit­zin­sen ver­mut­lich bald erreicht ist, kön­nen Anleger:innen dort auch auf län­ge­re Lauf­zei­ten zurück­grei­fen. Bei US-Dol­lar (Unternehmens-)Anleihen soll­te das Wech­sel­kurs­ri­si­ko zum USD berück­sich­tigt wer­den. 

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