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  • Lohnen sich Investments in die Aktien von Milch- und Fleischersatzprodukten?, ©annapustynnikova - stock.adobe.com

Investments in Milch- und Fleischersatz: Gesund – aber lukrativ?

2022-09-07T09:39:04+02:009. September 2022|

Die Wachs­tums­aus­sich­ten sind viel­ver­spre­chend. Den­noch sind vie­le Anleger:innen mit vega­nen Invest­ments auf die Nase gefal­len.  

Von Ant­je Erhard

Hafer­drink statt Kuh­milch, Soja-Pat­ty statt Rind­fleisch-Bur­ger. Der Markt für vega­ne Pro­duk­te wächst seit Jah­ren. Selbst die Imbiss-Ket­te McDonald’s glaub­te an die Fleisch-Alter­na­ti­ven und nahm den vege­ta­ri­schen McPlant von Bey­ond Meat auf die Spei­se­kar­te von 600 sei­ner Filia­len. Doch der Pro­be­lauf ist been­det. Ob McDonald’s wei­te­re Ver­su­che mit Bey­ond Meat in Euro­pa wagt, ist nicht bekannt. Auch Tests bei KFC, Taco Bell und Piz­za­Hut brach­ten noch kei­ne län­ger­fris­ti­gen Ver­trä­ge. 

Beyond Meat-Aktie: Zunächst viel Euphorie 

Obwohl vega­ne Ernäh­rung für vie­le das „new nor­mal“ ist und der Markt wächst, hat Bey­ond Meat als einer der Vor­rei­ter der Bran­che auch mit der Geschäfts­ent­wick­lung erneut ent­täuscht: Im zwei­ten Quar­tal wur­den die Ver­lus­te grö­ßer, die Umsät­ze san­ken wei­ter. Die Jah­res­pro­gno­se ist nicht zu hal­ten, Stel­len wer­den gestri­chen. Die Aktie sprang nach den Zah­len den­noch kurz­zei­tig um mehr als 20 Pro­zent an. Doch auf Jah­res­sicht ist die Bilanz wenig erbau­lich: Das Jah­res­mi­nus beträgt 66 Pro­zent. Ana­lys­ten sagen mehr­heit­lich hal­ten (70 Pro­zent) oder ver­kau­fen (25 Pro­zent). Dabei hat­te die Aktie nach dem Bör­sen­gang 2019 an der Nasdaq zeit­wei­se um mehr als 400 Pro­zent zuge­legt.  

Und so war der Boden für wei­te­re Bör­sen­gän­ge in dem Seg­ment zunächst geeb­net. Im Früh­som­mer 2021 war Oat­ly mit Hafer‑, Man­del- und Soja-Milch als Ersatz für tie­ri­sche Pro­duk­te an die Bör­se gegan­gen. Mit Erfolg. Am ers­ten Tag war der Kurs von 17 auf 22 US-Dol­lar gestie­gen. Die Schwe­den waren an der Bör­se mit sage und schrei­be zehn Mil­li­ar­den US-Dol­lar bewer­tet wor­den. Heu­te ist davon noch ein Vier­tel übrig. Die Aktie ist wie so vie­le ihrer Kon­kur­ren­ten erheb­lich ein­ge­bro­chen, kos­tet jetzt noch knapp vier US-Dol­lar. Auch hier das glei­che Bild: Wachs­tum ja, aber weni­ger als erwar­tet. 22 Pro­zent mehr Umsatz im zwei­ten Quar­tal waren weni­ger als von Ana­lys­ten erhofft. Der Ver­lust ist wei­ter gestie­gen. Die Jah­res­pro­gno­se ist kas­siert, die Aktie abge­stürzt. Den­noch sagen die Ana­lys­ten mehr­heit­lich (59 Pro­zent) kau­fen. 13 von ihnen haben Kurs­zie­le zwi­schen 3,50 und 6,00 US-Dol­lar.  

In Deutsch­land hat­te Veganz die Gunst der Stun­de genutzt. Die ers­te vega­ne Super­markt-Ket­te Euro­pas bie­tet Pro­duk­te, die 100 Pro­zent vegan, nach­hal­tig und bio-zer­ti­fi­ziert sind. Kek­se und Scho­ko­rie­gel gibt es außer­dem in 300 Tank­stel­len und Kios­ken. Aber im ers­ten Quar­tal ging mit einem Umsatz­rück­gang ein grö­ßer gewor­de­ner Ver­lust ein­her. Doch zu 100 Pro­zent sind sich die Ana­lys­ten der­zeit einig: Die Aktie sei ein Kauf. Die Aktie, die kurz nach dem Bör­sen­gang im Novem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res auf 100 Euro gestie­gen war, notiert jetzt noch mit einem Fünf­tel.  

Der Markt wächst, wenngleich von niedriger Basis aus 

Was war pas­siert? Nun, zunächst sind die Unter­neh­men üppig bewer­tet wor­den. Aber die Eupho­rie war groß, und der Markt war bzw. ist da. Und wächst. So hat der Fleisch- und Wurst­pro­du­zent Rügen­wal­der Müh­le im ver­gan­ge­nen Geschäfts­jahr erst­mals mehr Veg­gie- als klas­si­sche Pro­duk­te ver­kauft. Die Unter­neh­mens­be­ra­tung KPMG bestä­tigt schon 2020: „Der Absatz von vega­nen Alter­na­ti­ven nimmt zu.“ Welt­weit trie­ben aber die Schwel­len­län­der den Fleisch­kon­sum ins­ge­samt wei­ter. 

Trotz­dem sehen die Ana­lys­ten von Glo­bal­Da­ta die Fleisch-Alter­na­ti­ven als den am schnells­ten wach­sen­den Lebens­mit­tel-Sek­tor welt­weit mit durch­schnitt­li­chen Wachs­tums­ra­ten von 12,7 Pro­zent (CAGR). Es gäbe vie­le Inno­va­tio­nen in die­ser Nische: Der Markt wer­de im Jahr 2025 etwa 11,03 Mil­li­ar­den US-Dol­lar erreicht haben. Im Ver­gleich dazu wer­de der glo­ba­le Fleisch­markt bis 2025 um 341,5 Mil­li­ar­den auf 1,6 Bil­lio­nen US-Dol­lar ansteigen.

Niederlande: Veggie günstiger als Fleisch 

Ein Grund dafür sind die der­zeit noch hohen Prei­se. Für mehr Akzep­tanz müs­sen die Kos­ten gleich sein zu denen her­kömm­li­cher Pro­duk­te. In den Nie­der­lan­den ist das der Fall – mehr noch. Hier sind die vega­nen Alter­na­ti­ven zu Fleisch sogar güns­ti­ger. Nach Anga­ben von Pro­Veg wur­de Fleisch zwi­schen Febru­ar und Juni im Schnitt um 21 Pro­zent teu­rer, pflanz­li­che Flei­sch­al­ter­na­ti­ven nur um zwei Pro­zent.  

Inter­na­tio­nal ist das noch nicht der Fall. Das ver­hin­dern der­zeit die Lie­fer­eng­päs­se, die hohen Ener­gie- und die stei­gen­den Roh­stoff-Prei­se. Auch die Expan­si­on ist in Zei­ten von Krieg, Infla­ti­on und Ver­brau­cher-Zurück­hal­tung ins Sto­cken gera­ten. Der Wett­be­werb hin­ge­gen nicht. Das Lebens­mit­tel-Geschäft ist hart umkämpft. Gro­ße Play­er bestim­men den Markt. Wer sich da lang­fris­tig in einer Nische wie dem vega­nen Markt durch­set­zen wird, ist der­zeit noch nicht abseh­bar. Das Risi­ko ist sehr hoch. 

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