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  • Dr. Gesa Crockford, Geschäftsführerin bei ImmoScout24, ©ImmoScout24

Immobilienkauf bei steigenden Zinsen? Das rät ImmoScout24-Chefin Gesa Crockford

2022-11-03T12:04:16+01:003. November 2022|

Wer der­zeit in eine Immo­bi­lie inves­tie­ren will, braucht star­ke Ner­ven. Die Infla­ti­on zer­frisst das Erspar­te und die Bau­zin­sen stei­gen. Wir haben Dr. Gesa Crock­ford, Geschäfts­füh­re­rin des Online-Markt­plat­zes ImmoScout24 gefragt, ob sich Immo­bi­li­en­in­vest­ments trotz­dem loh­nen und was sie Inter­es­sier­ten raten würde.

Von Isa­bell Angele

courage-online.de: Auf Erspartes gibt es derzeit kaum Zinsen. Demgegenüber stehen steigende Bauzinsen. Was bedeutet das für Immobilienkäufer:innen?

Dr. Gesa Crock­ford: Der Kauf einer Immo­bi­lie ist auch bei der aktu­el­len Markt­la­ge wei­ter­hin mög­lich und attrak­tiv. Immo­bi­li­en sind nach wie vor eine sta­bi­le und lang­fris­tig wert­hal­ti­ge Geld­an­la­ge und Alters­vor­sor­ge. Es stimmt, dass die Bau­zin­sen in den ver­gan­ge­nen Mona­ten stark gestie­gen sind. His­to­risch betrach­tet fal­len sie jedoch immer noch güns­tig aus.

Aus­schlag­ge­bend sind vor allem die per­sön­li­che Situa­ti­on des Ein­zel­nen und die Lage der Immo­bi­lie. Für Sparer:innen, die mit­tel­fris­tig in Immo­bi­li­en inves­tie­ren wol­len, wird zum Bei­spiel der Auf­bau von Eigen­ka­pi­tal wie­der wich­ti­ger. Zin­sen und Ange­bo­te soll­ten daher früh­zei­tig und sorg­fäl­tig mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den, damit die Finan­zie­rung opti­mal an die neu­en Gege­ben­hei­ten ange­passt wer­den kann. Die Bera­tung durch eine:n Finanzierungsexpert:in ist daher heu­te wich­ti­ger denn je. Einen ers­ten Anhalts­punkt, was finan­zi­ell trag­bar ist, kann eine Finan­zie­rungs­be­ra­tung von ImmoScout24 liefern.

Im August hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erhöht. Viele glaubten, dass das Italien und Spanien zu schaffen machen könnte und deckten sich mit Bundesanleihen ein. Die Folge: Deren Zinsen sanken und mit ihnen auch die von Pfandbriefen, mit denen sich Banken, die Immobilienkredite vergeben, refinanzieren. Daraufhin gaben auch die Bauzinsen zeitweise nach. Welche Faktoren beeinflussen den Bauzins außerdem?

Der makro­öko­no­mi­sche Zusam­men­hang des Bau­zins ist äußert kom­plex. In Bezug auf das indi­vi­du­el­le Zins­ni­veau, ohne zu tief ein­zu­tau­chen, kann man jedoch fest­hal­ten, dass Ban­ken in Markt­si­tua­tio­nen wie die­ser einen hohen Wert auf den Belei­hungs­aus­lauf der Immo­bi­lie und damit das ein­ge­brach­te Eigen­ka­pi­tal legen. Die deut­schen Ban­ken haben ihre Kri­te­ri­en für die Ver­ga­be von Immo­bi­li­en­kre­di­ten zu Beginn der Coro­na-Pan­de­mie noch­mals ver­schärft und wur­den von der Bun­des­bank Anfang 2022 erneut dazu ver­pflich­tet. Dazu kom­men noch Fak­to­ren, wie die Soll-Zins­bin­dung und die per­sön­li­che Boni­tät und das Alter der Käufer:innen.

Für dieses Jahr sind weitere Zinserhöhungen von der EZB geplant. Wie wirkt sich das auf die Bauzinsen aus?

Der Haupt­grund für wei­te­re Zins­er­hö­hun­gen ist das Ziel, die Infla­ti­ons­ent­wick­lung zu brem­sen. In die­sem Sin­ne sind die wei­te­re Leit­zins­er­hö­hung vor­her­zu­se­hen und es ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Erhö­hung bereits von den Märk­ten ein­ge­preist wur­de. Von unse­ren Kun­den bekom­men wir eben­falls gespie­gelt, dass sie mit einem gleich­blei­ben­den bis leicht stei­gen­dem Zins­ni­veau bei der Bau­fi­nan­zie­rung rechnen.

Was bedeutet die Zinsentwicklung für laufende und neue Immobilienfinanzierungen: Für wie viele Menschen platzen jetzt die Träume vom Eigenheim? 

Der Traum vom Eigen­heim ist für die Mehr­heit auch wei­ter­hin mög­lich und rea­lis­tisch. Wir sehen, dass der Kauf­markt in Deutsch­land funk­tio­niert und die Nach­fra­ge auf dem Vor-Coro­na-Niveau ange­kom­men ist. Vor einer Her­aus­for­de­rung ste­hen jedoch Käufer:innen, die ohne­hin knapp und eher opti­mis­tisch kal­ku­liert haben und kurz vor einer Anschluss­fi­nan­zie­rung ste­hen. Hier ist eine pro­fes­sio­nel­le Bera­tung wich­ti­ger denn je geworden.

Und wie stark schlägt das bei bereits laufenden Finanzierungen ein?

Bei bestehen­den Finan­zie­run­gen, die inner­halb der nächs­ten 36 Mona­ten zur Ver­län­ge­rung anste­hen, lohnt es sich schon jetzt Ange­bo­te ein­zu­ho­len und in den Aus­tausch zu gehen. Zudem emp­feh­len wir, auf die hohe Nach­fra­ge nach Bau­spa­ren zu reagie­ren und hier Kon­di­tio­nen zu prüfen.

Wie sollten Immobilieninteressierte in diesem Umfeld agieren?

Inter­es­sen­ten tref­fen ihre Ent­schei­dun­gen nicht von heu­te auf mor­gen. Der Kauf einer Immo­bi­lie ist eine ein­ma­li­ge Ent­schei­dung im Leben mit hoher finan­zi­el­ler Trag­wei­te. Oft­mals erstreckt sich der Pro­zess über einen län­ge­ren Zeit­raum und beginnt mit dem Auf­bau des ent­spre­chen­den Eigenkapitals.

Um sich den Traum vom Eigen­heim zu erfül­len, bedarf es indi­vi­du­el­le Lösun­gen zu fin­den. Die Basis bil­den eine gute Bera­tung und der nach­hal­ti­ge Auf­bau von Eigen­ka­pi­tal, unab­hän­gig von der jewei­li­gen Markt­si­tua­ti­on. Bei den gestie­ge­nen Finan­zie­rungs­kos­ten und der der­zei­ti­gen Erhö­hung der Haus­halts­aus­ga­ben soll­te genau kal­ku­liert wer­den, wel­che Finan­zie­rungs­vo­lu­mi­na in Fra­ge kom­men. Aktu­ell sehen wir, dass Inter­es­sen­ten wie­der die Mög­lich­keit haben, den Kauf­preis zu ver­han­deln. Dar­auf las­sen die höhe­ren Stand­zei­ten inse­rier­ter Kauf­im­mo­bi­li­en schließen.

Welche Erwartungen haben Sie für die Entwicklung der Immobilienpreise in Deutschland?

Nach teil­wei­se deut­li­chen Preis­kor­rek­tu­ren für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser und Neu­bau­woh­nun­gen im Vor­quar­tal, stei­gen aktu­ell die Ange­bots­prei­se für Neu­bau-Eigen­tums­woh­nun­gen im drit­ten Quar­tal wie­der leicht an. Das zeigt das quar­tals­wei­se erschei­nen­de ImmoScout24 Wohn­ba­ro­me­ter, das die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen der Nach­fra­ge und Immo­bi­li­en­prei­se dar­stellt. In der gesamt­deut­schen Betrach­tung erle­ben Wohn­im­mo­bi­li­en zum Kauf wei­ter­hin einen leich­ten Preis­auf­trieb, wenn auch mode­ra­ter als in den Vorquartalen.

Bestands-Eigen­tums­woh­nun­gen bei ImmoScout24 wer­den im drit­ten Quar­tal 2022 um 0,9 Pro­zent teu­rer ange­bo­ten als im zwei­ten Quar­tal. Neu­bau-Eigen­tums­woh­nun­gen ver­teu­ern sich im Durch­schnitt um 1,0 Pro­zent. Bei Ein­fa­mi­li­en­häu­sern stei­gen die Ange­bots­kauf­prei­se im Bestand um 0,5 und im Neu­bau um 1,9 Prozent.

Studien zeigen, dass sich die Nachfrage vermehrt weg von Kauf- hin zu Mietimmobilien verschiebt. Welche Auswirkungen hat das auf Mietpreise?

Für das drit­te Quar­tal 2022 zeigt das Wohn­ba­ro­me­ter, dass die Ange­bots­prei­se für Miet­woh­nun­gen deutsch­land­weit erneut stark anstei­gen. Auf­grund der Nach­fra­ge­ver­schie­bung von Kauf- in Rich­tung Miet­markt erwar­ten wir, dass sich die Miet­prei­se in den kom­men­den Mona­ten deut­lich dyna­mi­scher als die Kauf­prei­se ent­wi­ckeln wer­den. Der Druck auf den Miet­markt wächst. Die wei­ter­hin stei­gen­de Nach­fra­ge über­trifft das Ange­bot deut­lich. Miet­su­chen­de tref­fen bei der Woh­nungs­su­che auf noch mehr Kon­kur­renz und wei­ter stei­gen­de Miet­prei­se. Ins­be­son­de­re in den Metro­po­len muss drin­gend mehr Ange­bot geschaf­fen wer­den, damit woh­nen nicht unbe­zahl­bar wird.

Was sind die wichtigsten Tipps, die Sie für den Kauf einer Immobilie an die Hand geben würden?

Es gilt jetzt Ruhe zu bewah­ren und sich nicht zu stark von den aktu­el­len Markt­ent­wick­lun­gen beein­flus­sen zu las­sen. Es gibt aktu­ell wie­der so viel Ange­bot wie seit Jah­ren nicht mehr. Wer pro­ak­tiv und mit posi­ti­ver Ein­stel­lung in die Pla­nung geht, kann fle­xi­bler mit War­te­zei­ten agie­ren und auch beim Kauf­preis eine Ver­hand­lungs­ba­sis schaf­fen. Zudem kann eine Über­sicht der Must-Haves und Nice-to-Haves dabei hel­fen, Chan­cen am Markt und damit auch das bestehen­de Ange­bot fle­xi­bler zu nut­zen. Da das Eigen­ka­pi­tal wich­ti­ger wird, soll­te dies mit Spar­plä­nen oder Bauspar­op­tio­nen ergänzt wer­den, um sich noch güns­ti­ge Zin­sen zu sichern.

Über Gesa Crockford 

Dr. Gesa Crock­ford ist Geschäfts­füh­re­rin bei Immoscout24. Sie ver­ant­wor­tet die Ver­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on, den Kun­den­dienst, das Cus­to­mer Rela­ti­ons­hip Manage­ment sowie den Bereich Pri­cing des Unternehmens.

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