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Image-Upgrade für nachhaltige Kleidung

2021-05-28T14:57:28+02:005. Mai 2021|

Pink­far­be­ne Saris, bun­te Boho-Klei­der oder Basics für Bri­git­te Lese­rin­nen. Julia Zir­pel begeis­ter­te sich schon immer für schö­ne Klei­dung. Als Mode­re­dak­teu­rin und Fashion Direc­tor lieb­te sie es, Trends zu ent­de­cken. Heu­te schreibt sie nicht nur, son­dern ver­kauft auf ihrer Platt­form The Wear­ness nach­hal­ti­ge Klei­dung auf höchs­tem Niveau.

Von Michae­la Stemper

Woher kommt Deine Begeisterung für schöne Kleidung?

Mein ers­tes Erleb­nis, wie Klei­dung Men­schen ver­än­dern kann, stammt aus mei­ner Kind­heit in Indi­en: Ich erin­ne­re mich an mei­ne Nan­ny, die sich einen neu­en Sari kauf­te. Das pas­sier­te nicht oft, weil sie die Groß­fa­mi­lie unter­stüt­ze. Sie pack­te den Sari aus dem knis­tern­den Papier – leuch­tend pink und gol­den bestickt. Vor unse­ren Augen ver­wan­del­te sich die­se Frau: sie wirk­te stolz, gewann an Wür­de. Die­ser Moment hat mich nach­hal­tig beeindruckt.

Mit zehn Jah­ren zogen wir zurück nach Deutsch­land. Mein ers­ter Schul­tag war grau und reg­ne­risch. Als ich rein­kam, wuss­te ich, mit den Kla­mot­ten fin­dest du kei­ne Freun­de. Ich trug bun­te Hip­pie-Klei­dung und prall­te auf die har­te, modi­sche Wirk­lich­keit eines bun­des­deut­schen Klas­sen­zim­mers der 80iger Jah­re. Nun ja, mein Stil war nicht so ange­sagt. Klei­dung kann eben auch Zuge­hö­rig­keit ausdrücken.

Beides zeigt, Mode ist nicht nur oberflächlich …

Und das geht wei­ter: Wir zie­hen uns auch als Erwach­se­ne so an, wie wir uns posi­tio­nie­ren möch­ten. Oder, von wem wir aner­kannt wer­den wol­len. Auch ein Büro­kos­tüm zeigt, wer ich sein will. Es lohnt sich bei­spiels­wei­se vor wich­ti­gen Prä­sen­ta­tio­nen dar­über nach­zu­den­ken: was zie­he ich an, was steht mir oder was stärkt mich? Der ers­te Ein­druck zählt. Sicher­lich ist das Schub­la­den­den­ken, aber man kann es für sich nutzen.

Deine erste Schublade hieß: Moderedakteurin! Für Frauenmagazine wie myself hast Du viele Modetrends besprochen. Wie und wo spürtest Du den Umbruch?

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San­ta Supi­ta, Quel­le: The Wearness

Ich stu­dier­te Mode­de­sign in Ber­lin und New York und war Mode­re­dak­teu­rin bei Bri­git­te, Inter­view, Cos­mo­po­li­tan und zuletzt 10 Jah­re bei mys­elf. Gera­de weil ich so lan­ge in der Bran­che arbei­te, sah ich den Wan­del. In den letz­ten zwan­zig Jah­ren spitz­te sich vie­les zu.

Zu Anfang mei­ner Kar­rie­re fuhr ich zwei­mal im Jahr auf Mode­mes­sen, habe Kol­lek­tio­nen ange­schaut, die spä­ter ver­kauft wur­den. Suk­zes­si­ve gab es dann immer mehr Kol­lek­tio­nen, die immer schnel­ler prä­sen­tiert wur­den. Vier­mal im Jahr mach­te das durch­aus Sinn. Es gibt ja auch vier Jah­res­zei­ten. Aber heu­te erwar­te­ten Kun­den bei jedem Shop­be­such neue Tei­le. So schnell wie die Sachen rein­kom­men, muss das Zeug auch wie­der run­ter von der Fläche.

Ab Ende der 2000er stell­te wir auch eine Ver­än­de­rung im Den­ken der Lese­rin­nen fest: Sie hin­ter­frag­ten mehr. Plötz­lich woll­ten alle wis­sen, wo kau­fe ich schö­ne und nach­hal­tig pro­du­zier­te Kleidung?

Und fanden wenig. War das der Anstoß 2017 den Online-Marktplatz für nachhaltigen Luxus zu eröffnen?

Ich sah die Nach­fra­ge. Gleich­zei­tig doku­men­tier­ten die ers­ten Zah­len, wel­chen Anteil Mode an der Umwelt­ver­schmut­zung hat. Zu die­ser Zeit stu­dier­te ich Inno­va­ti­on Manage­ment mit Fokus auf die drei Ps: peop­le, pla­net und pro­fit. Das befeu­er­te die Idee zu The Wearness.

Wie funktioniert The Wearness?

Es ist ein kura­tier­ter Mark­platz. In der Brei­te lässt sich das am bes­ten mit Ama­zon ver­glei­chen. Das heißt, der Kun­de bestellt über uns, aber die Pro­du­zen­ten erhal­ten die Order und ver­sen­den selbst. „Hand­ver­le­sen“ trifft es gut: Wir suchen gezielt aus, was prä­sen­tiert wird, wäh­len Bil­der, schrei­ben Tex­te. Drei Kri­te­ri­en legen wir zugrun­de: Nach­hal­tig­keit, Stil und Qua­li­tät. Die unter­schied­li­chen, nach­hal­ti­ge Aspek­te spie­geln sich in den Icons wider, die wir zu jedem Pro­dukt zeigen.

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1979 Swim, Quel­le: The Wearness

Ihr wolltet das Image nachhaltiger Kleidung verändern, oder?

Das war drin­gend nötig! Alles was zu die­sem Zeit­punkt auf dem Markt war, hat­te den Charme der Öko-Hanf­kla­mot­te. Uns war klar, so lan­ge das so aus­sieht, wird sich auch nicht viel ändern. Pro­duk­te müs­sen gekauft wer­den, weil man sie schön fin­det und sich dar­in wohl fühlt. Stil und Qua­li­tät spie­len eine gro­ße Rolle.

Was waren die ersten Schritte beim Aufbau der Plattform?

Ich fand tol­le Part­ne­rin­nen: zunächst die Mode­jour­na­lis­tin Jen­ni­fer Dixon, die als Redak­ti­ons­lei­te­rin der Luxus­platt­form Sty­lebob arbei­te­te. Die drit­te im Bun­de, Guya Merk­le, war Exper­tin für nach­hal­ti­gen Schmuck. Eines unse­rer ers­ten Tref­fen fand im berühm­ten Soho House in Ber­lin statt. Der Rest war eher har­te Arbeit am Küchen­tisch. Guya fun­gier­te auch als Busi­ness Angel. Spä­ter kam Karo­lin Helou von der Madame hinzu.

Wer bringt welche Stärken ein?

Grün­den ist Team­work. Ich brau­che mei­ne Spar­rings­part­ne­rin­nen. Ich bin die Front­frau und kann für unse­re Ideen begeis­tern. Jen­ni­fer ist kon­zep­tio­nell den­kend und arbei­tet sehr fokus­siert. Caro­lin ist stark und gedul­dig mit den B2B-Part­nern. Guya denkt unter­neh­me­risch und bringt Exper­ten­wis­sen wie Kon­tak­te beim The­ma Nach­hal­tig­keit ein.

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Das Team von The Wear­ness: Julia Zir­pel, Guya Merk­le, Jen­ni­fer Dixon und Karo­lin Helou (v.l.n.r.). Quel­le: The Wearness

Wann kracht es bei Euch?

Wir vier ticken schon ähn­lich. Seit 2019 haben wir einen wei­te­ren Inves­tor an Bord: die Papa Oscar Grup­pe mit Fokus auf Mode­brands. Sie über­neh­men Online Mar­ke­ting und IT. Wir Vier sind uns oft einig, müs­sen aber hin und wie­der mit unse­rem Inves­tor diskutieren.

Die ersten Designer waren …

Labels, die nach­hal­tig pro­du­zie­ren, das aber nicht an die gro­ße Glo­cke häng­ten: Bei­spiels­wei­se Anto­nia Zan­der, die mit zer­ti­fi­zier­ten Cash­me­re Gar­nen arbei­te­te. Älte­re Damen in Polen stri­cken ihre Stü­cke in Hand­ar­beit und bes­sern mit Werks­ver­trä­gen ihre Ren­te auf. Oder Anzü­ge von Malai­ka Raiss.

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Ora­mai Lon­don, Quel­le: The Wearness

Gestar­tet sind wir mit 15 Brands, die uns aus dem Mode­busi­ness kann­ten. Heu­te kom­men die Pro­du­zen­ten auf uns zu. Wir neh­men nur euro­päi­sche Her­stel­ler, deren Lie­fer­ket­ten und Nach­hal­tig­keits­stra­te­gien nach­voll­zieh­bar sind.

Was nehmt ihr nicht?

Desi­gner, deren Stil nicht passt. Wir haben eine modi­sche Aus­rich­tung. Unse­re Kun­din­nen sind weni­ger an Brands und mehr an Beson­de­rem inter­es­siert. Jene, die noch an ihrer Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie arbei­ten müs­sen, wer­den eben­falls Heim geschickt.

Wie gut funktionierte die Verbindung aus Nachhaltigkeit und High End Fashion anfangs?

Wer auf Nach­hal­tig­keit setz­te, wur­de 2018 schon schräg ange­schaut. Im April wur­de die Platt­form gelauncht und erst im August betrat Gre­ta die Welt­büh­ne. Wir waren also etwas vor der Zeit. Natür­lich begeg­ne­ten wir Skep­sis. Man frag­te sich, ob der Kun­de so

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Malai­ka­raiss, Quel­le: The Wearness

weit sei. Kei­ner hät­te gedacht, dass Nach­hal­tig­keit so schnell eine sol­che Kraft ent­wi­ckeln würde.

Am Anfang ver­kauf­ten wir nur ein­zel­ne Tei­le, auch Ende 2018 war es noch über­sicht­lich. Heu­te ist das Wachs­tum ste­tig, also auch nach­hal­tig. Man darf nicht ver­ges­sen: Wir haben ein Unter­neh­men mit Pur­po­se gegrün­det, so dass wir zwei Erfolgs­fak­to­ren im Auge haben: zum einen der mone­tä­re Gewinn, zum ande­ren unser Bei­trag zum Wan­del in der Gesell­schaft. Manch­mal funk­tio­niert das eine bes­ser, dann das andere.

Nachhaltigkeit ist hip. Wo scheitern die Großen der Industrie?

Unter­neh­men, die zu vie­le Unter­li­ni­en in der Beklei­dung ver­lie­ren den Über­blick und dadurch die Kon­trol­le. Zwi­schen­händ­ler machen Pro­duk­ti­ons­ket­ten undurch­sich­tig und Bie­ter­ver­fah­ren drü­cken den Preis unter jede Schmerz­gren­ze. Schnel­le Wech­sel der Pro­du­zen­ten sind die Fol­ge. Tex­til­un­ter­neh­men wis­sen des­halb häu­fig nicht, wer am Ende der Lie­fer­ket­te steht. Ehr­lich gesagt, wol­len es eini­ge auch nicht wissen.

Wie verhalte ich mich als Verbraucher richtig?

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Osno­wa, Quel­le: The Wearness

Kauft klei­ne Labels! Je klei­ner die Stück­zahl, des­to unwahr­schein­li­cher ist die Pro­duk­ti­on im glo­ba­len Süden. Der Blick aufs Zer­ti­fi­kat verrät

auch nicht alles. Steht „Bio Baum­wol­le“ auf dem Eti­kett, sagt das nichts über die Ver­ar­bei­tung der Fasern, die Fär­be­me­tho­den oder die Fer­ti­gung. Das „Fai­re“ Sie­gel hin­ge­gen bewer­tet nur arbeits­recht­li­che Aspek­te. Meh­re­re Aspek­te berück­sich­tigt die GOTS-Zer­ti­fi­zie­rung. Alle Sie­gel kos­ten zudem Geld, sodass sich meist nur die gro­ßen Anbie­ter Zer­ti­fi­zie­run­gen leisten.

Zu guter Letzt: Was ist Deine textile Allzweckwaffe?

Ich besit­ze einen alten, upge­cy­cel­ten Smo­king Bla­zer von After March. Passt über alles, sieht schick und offi­zi­ell aus. Bei mei­nem Mui Miu-Man­tel fra­ge ich mich immer wie­der, wann wer­de ich den mal nicht

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Osno­wa, Quel­le: The Wearness

mehr gut fin­den. Er beglei­tet mich seit 18 Jah­ren, Win­ter für Winter.

Und welches nachhaltige Stück fehlte lange in Deinem Kleiderschrank?

Es war schwie­rig nach­hal­ti­ge Jeans zu fin­den, die mir gefal­len. Ich such­te etwas Höher­ge­schnit­te­nes, in dun­kel­blau und unge­wa­schen. Letzt­end­lich wur­de ich beim pol­ni­schen Jeans Label Osno­wa fündig.

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Was sind eigentlich Fonds?

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7 Tipps zur Selbstführung im Homeoffice

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Personal Branding — Was verbirgt sich dahinter?

Mit etwas Geduld, einer lang­fris­ti­gen Stra­te­gie und den eige­nen Stär­ken kann Per­so­nal Bran­ding zu neu­en Auf­trä­gen, Pro­jek­ten oder Posi­tio­nen ver­hel­fen. Das Ziel ist es, sich in den Köp­fen der Men­schen für sein The­ma und sei­ne Fähig­keit zu ver­an­kern — ohne sich dabei auf­dring­lich zu ver­kau­fen. Ver­kau­fen lässt sich in die­sem Fall das eige­ne Image, die Leis­tun­gen und die Exper­ti­se, die sich im opti­ma­len Fall ganz orga­nisch verbreiten.

Sucht euch Sponsoren!

Vere­na Tha­ler gehört zum Manage­ment des Ber­li­ner Fin­techs Rai­sin — bekannt als Welt­spa­ren. Sie ist für die Berei­che Stra­te­gie und Geschäfts­ent­wick­lung zustän­dig. Im Inter­view mit der Cou­ra­ge ver­rät die pro­mo­vier­te Betriebs­wir­tin, was für sie beim The­ma Geld wich­tig ist und wie die 33-Jäh­ri­ge ihren beruf­li­chen Auf­stieg in der män­ner­do­mi­nier­ten Fin­tech-Sze­ne geschafft hat: Sie such­te sich näm­lich gezielt Sponsoren.

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