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„Ich empfehle einer Frau immer, mit breiten Schultern in eine Verhandlung zu gehen und für sich einzustehen.“

2021-05-31T12:54:44+02:0031. Mai 2021|

Sie schaut als Head­hun­terin über den Tel­ler­rand und sucht nach den Füh­rungs­kräf­ten von mor­gen. Karin Scham­bach, Grün­de­rin und Geschäfts­füh­re­rin der Per­so­nal­be­ra­tung Indi­go Head­hun­ters, arbei­tet mit gro­ßen Kun­den in der Finanz­bran­che und im öffent­li­chen Sek­tor, bei denen die Bereit­schaft für Diver­si­tät im Team steigt. Immer mehr Unter­neh­men fra­gen expli­zit nach Frau­en für ihre Spit­zen­po­si­tio­nen. War­um eine sol­che Beset­zung gar nicht so ein­fach ist, wo ein gro­ßes Umden­ken nötig ist und wel­che Ver­hand­lungs­po­si­tio­nen Frau­en jetzt haben, erklärt sie im Interview.

Von Clau­dia Vallentin

Frau Schambach, wie divers ist die Finanzbranche?

Die Bran­che ist immer noch extrem män­ner­do­mi­niert. Der Frau­en­an­teil in den Vor­stän­den liegt bei deut­lich unter zehn Pro­zent und auch in ande­ren Berei­chen der Finanz­bran­che kommt man über der­lei Zah­len kaum hin­weg. Je tech­ni­scher es wird, des­to weni­ger Frau­en sind es oft­mals, wie zum Bei­spiel im Portfolio-Management.

Das ist nicht wirklich überraschend. Dennoch die Frage: Woran könnte das liegen?

Die Finanz­bran­che gilt als sehr wett­be­werbs­ori­en­tiert, sehr kom­pe­ti­tiv. Das gilt nicht nur für Ban­ken unter­ein­an­der, das betrifft die gan­ze Arbeits­kul­tur. Und das spricht Frau­en wesent­lich weni­ger an als Män­ner. Das heißt, den Beginn des Kar­rie­re­we­ges tre­ten schon ein­mal viel weni­ger Frau­en an, das ist der ers­te Fil­ter. Über den Lauf der Kar­rie­re gehen dann aber auch immer mehr Frau­en ver­lo­ren, bedingt durch Fami­li­en­pla­nung und Elternzeit.

Wie bekommen wir dann überhaupt mehr Frauen in die Vorstände?

Das ist gar nicht so ein­fach und zwar nicht nur, weil es kaum Frau­en gibt, auf die man als Per­so­nal­be­ra­te­rin zurück­grei­fen kann. Die Vor­aus­set­zung, um jeman­den für den Vor­stand zu benen­nen ist meis­tens, dass die Per­son schon jetzt in einem Vor­stand ist. Ansons­ten wer­den durch die BaFin lan­ge War­te­zei­ten auf­er­legt, in denen eine Zusatz­aus­bil­dung gemacht wer­den muss, die für einen Vor­stands­pos­ten qua­li­fi­ziert. Wenn nun aber eine Vor­stands­po­si­ti­on frei wird, dann muss die Lücke oft schnell geschlos­sen wer­den, um zum Bei­spiel die Min­dest­grö­ße eines Vor­stan­des ein­zu­hal­ten.  Und dann bedie­ne ich mich aus einem ganz klei­nen Uni­ver­sum von meis­tens, wie sie es mitt­ler­wei­le selbst nen­nen, alten wei­ßen Männern.

Das klingt frustrierend.

Man muss ein­fach ein Stück weit vor­den­ken und Frau­en recht­zei­tig die Mög­lich­keit geben sich zu ent­wi­ckeln und sich ent­spre­chen­de Fähig­kei­ten anzu­eig­nen. Natür­lich ist es ein­fa­cher, jeman­den zu rekru­tie­ren, der schon bewie­sen hat, dass er die Vor­stands­rol­le tra­gen kann, aber das ist in der Regel dann eben ein Mann. Wir als Per­so­nal­be­ra­ter müs­sen hier das Poten­ti­al von Frau­en und Män­nern in ande­ren Ebe­nen erken­nen und ein­schät­zen, wer einer sol­chen Rol­le gerecht wer­den könn­te. Es bedeu­tet aber auch, dass Unter­neh­men hier Kom­pro­mis­se machen müs­sen und von uns Kan­di­da­tin­nen vor­ge­schla­gen bekom­men, die nicht zu hun­dert Pro­zent auf das gewünsch­te Pro­fil pas­sen, bei denen wir aber das Poten­ti­al erkennen.

Wie schätzen Sie denn die Bereitschaft in der Finanzbranche ein, Frauen in Führungspositionen zu befördern?

Sehr hoch. Die meis­ten haben ver­stan­den, dass es kein „Wei­ter so“ gibt und wün­schen sich ganz expli­zit Frau­en in der Füh­rungs­eta­ge. Das ist vor allem dem Druck von außen geschul­det. Durch Quo­ten­re­ge­lun­gen, aber auch durch gesell­schaft­li­chen Druck, der hier enorm gestie­gen ist.

Das verhilft Frauen ja eigentlich zur einer viel besseren Verhandlungsposition.

Abso­lut, aber die Bewer­bung um eine Füh­rungs­po­si­ti­on – und das ist ja unser Kern­ge­schäft – ist mit­nich­ten ein Selbst­läu­fer. Schon gar nicht, wenn der Beruf mit der Fami­li­en­pla­nung ver­ein­bar sein soll. Denn dafür braucht es Fle­xi­bi­li­tät und genau die müs­sen Frau­en dann auch einfordern.

Was empfehlen Sie Frauen für solche Verhandlungen?

Ich wür­de einer Frau immer emp­feh­len mit brei­ten Schul­tern in eine Ver­hand­lung zu gehen und für sich ein­zu­ste­hen. An sich sel­ber und an die eige­nen Kom­pe­ten­zen zu glau­ben. Man muss auch nicht immer alles sel­ber lösen, son­dern kann den Ball zurück an den Arbeit­ge­ber spie­len und sich Ange­bo­te machen las­sen, die fle­xi­ble Arbeits­zei­ten ermög­li­chen. So wie Home Office oder Kin­der­be­treu­ung. Bei allem müs­sen wir uns unse­res Wer­tes bewusst sein. Frau­en müs­sen mit selbst­be­wuss­tem Schritt auf dem roten Tep­pich lau­fen, von dem ich sagen wür­de, dass er gera­de da liegt.

Trotzdem sind die aktuell weiblich besetzten Führungspositionen wie eingangs erwähnt sehr niedrig. Wo stehen wir in dem Prozess zu mehr Frauen in der Finanzbranche?

An einem Punkt, an dem gesagt wird, dass Frau­en auf den Stel­len gewollt sind, aber kei­ne gefun­den wer­den. Weil eben nach den immer glei­chen Pro­fi­len geschaut wird. Und da hört die Den­ke dann auch auf. Die Bereit­schaft hier abzu­wei­chen, Kom­pro­mis­se ein­zu­ge­hen und zuzu­las­sen, dass bei Kan­di­da­tin­nen noch eine gewis­se Lern­kur­ve zurück­zu­le­gen ist, steigt hier eher wider­wil­lig. Hier braucht es ein Umden­ken, was wir in unse­ren Work­shops auch ver­su­chen anzu­sto­ßen. Es ist ein Pro­zess, der Zeit braucht.

Wir haben ja schon ganz schön lange gewartet.

Eben, des­halb steigt ja auch der Druck.

Brauchen wir die Frauenquote?

Ich bin eigent­lich gegen Regu­lie­run­gen von oben, weil ich an die Selbst­re­gu­lie­rungs­kräf­te glau­be. Aber in die­sem Punkt, das gebe ich ganz offen zu, ist mir der Glau­be ver­lo­ren gegan­gen. Ich glau­be, es wür­de ohne Quo­te zu lan­ge dau­ern die Struk­tu­ren zu durch­bre­chen. Und es wür­de mir leid­tun, wenn mei­ne Töch­ter an dem glei­chen Punkt ste­hen wür­den, an dem ich auch stand. Es wäre schön, wenn die Quo­te irgend­wann über­flüs­sig wäre, aber im Moment brau­chen wir sie.

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