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    Haustiere, © filadendron/iStock

Haustiere: Treue, teure Freunde. Auch nach der Krise?

2021-12-01T12:20:37+01:001. Dezember 2021|

Vie­le Deut­sche sind in der Coro­na-Zeit auf den Hund gekom­men. Mit Vor­tei­len für Mensch und Tier: Wir waren weni­ger ein­sam und hat­ten mehr Bewe­gung. Vie­le Tie­re fan­den ein neu­es Zuhau­se. Tier­hei­me berich­te­ten von einem regel­rech­ten Run auf Hund und Katz. Eine Mil­li­on mehr Haus­tie­re sind im ver­gan­ge­nen Jahr bei uns ein­ge­zo­gen. Doch das ist nicht nur ein kurz­fris­ti­ger Trend. Der auch wirt­schaft­liche Fol­gen hat. Die Kul­ler­au­gen haben eini­gen Unter­neh­men zu Erfol­gen bis hin zur Bör­se ver­schafft. 

Von Ant­je Erhard

Im ver­gan­ge­nen Jahr leb­ten 34,9 Mil­lio­nen Kat­zen, Hun­de, Vögel, Hams­ter, Kanin­chen, Meer­schwein­chen, Mäu­se und Zier­vö­gel mit uns im Haus­halt. Ein Plus von einer Mil­li­on im Ver­gleich zum Vor-Coro­na-Jahr 2019. Dazu kom­men Fische und Ter­ra­ri­en-Bewoh­ner. Die Zah­len ermit­tel­te das Markt­for­schungs­in­sti­tut Sko­pos Indus­trie­ver­band Heim­tier­be­darf (IVH) e.V. und den Zen­tral­ver­band Zoo­lo­gi­scher Fach­be­trie­be Deutsch­lands (ZZF) e.V. nach Befra­gung von 7.000 Haus­hal­ten. Allein die Anschaf­fung von Hun­den stieg 2020 um 20 Pro­zent im Ver­gleich zur Zeit vor Coro­na. 

Das heißt: In fast jedem zwei­ten Haus­halt in Deutsch­land (47 Pro­zent) lebt ein Tier. Am meis­ten Kat­zen: 15,7 Mil­lio­nen. Dem sprich­wört­li­che Hun­de­blick kön­nen vie­le von uns eben­falls nicht wider­ste­hen: Am zweit­be­lieb­tes­ten sind Hun­de mit 10,7 Mil­lio­nen. Vor allem bei Fami­li­en und Sin­gles fin­den Tie­re ein Heim. 

5,5 Milliarden Euro Umsatz macht die Haustierbranche 

Und sind ein wich­ti­ger Wirt­schafts­fak­tor: Die Umsät­ze mit Fut­ter und Zube­hör stei­gen seit Jah­ren. Der Umsatz der Haus­tier­bran­che stieg um fünf Pro­zent auf 5,5 Mil­li­ar­den Euro. 

Allein die Hun­de­steu­er erreich­te 2020 einen Rekord­wert: 380 Mil­lio­nen Euro. So viel wie nie zuvor laut Desta­tis, dem Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt. Ein Plus von 2,7 Pro­zent. Und ein Trend, der sich fort­zu­set­zen scheint: Schon im ers­ten Quar­tal die­ses Jah­res wur­den 159 Mil­lio­nen Euro Hun­de­steu­er ein­ge­nom­men – ein Plus von 8,4 Pro­zent zum Vor­jah­res­quar­tal. Schau­en wir auf die ver­gan­ge­nen zehn Jah­re, so hat die Hun­de­steu­er um fast die Hälf­te zuge­legt. Wie viel pro Hund fäl­lig wird, hängt vom Wohn­ort ab und sogar von der Hun­de­ras­se. 

Hin­ge­gen sind die Prei­se für Fut­ter laut Desta­tis in den ver­gan­ge­nen sechs Jah­ren nur unter­durch­schnitt­lich teu­rer gewor­den, näm­lich um 0,7 Pro­zent im Schnitt im Ver­gleich zu 2015. Die Ver­brau­cher­prei­se stie­gen indes­sen um zehn Pro­zent. 1,7 Mil­li­ar­den bzw. 1,6 Mil­li­ar­den Euro geben wir für Kat­zen- bzw. Hun­de­fut­ter aus. Vor allem Snacks, mit denen wir unse­re Tie­re beloh­nen, waren gefragt. 

Welt­weit stieg der Markt für Haus­tier-Bedarf von 216 Mil­li­ar­den US-Dol­lar 2020 auf 232 Mil­li­ar­den US-Dol­lar 2021. Ana­lys­ten schät­zen, dass er bis 2027 auf 350 Mil­li­ar­den US-Dol­lar stei­gen dürf­te.  

Ernüchterung: Viele Tiere kommen zurück in die Heime 

Doch mit dem Ende des Lock­downs kehrt in Deutsch­land vie­ler­orts Ernüch­te­rung ein: Die Tie­re sind nun oft nicht mehr mit dem (Büro-)Alltag ver­ein­bar. Vie­le Neu-Besitzer:innen sind über­for­dert. Tier­hei­me berich­ten von Rück­läu­fen. 

Wer aber sein Tier behält, will es gesund ernäh­ren, mit in den Urlaub neh­men oder ent­spre­chend gut alter­na­tiv unter­brin­gen und gut medi­zi­nisch ver­sorgt wissen.
Der seit Jah­ren grund­sätz­lich anhal­ten­de Trend zum Haus­tier hat den Unter­neh­men deut­li­che Gewinn­stei­ge­run­gen gebracht – vor allem seit der Coro­na-Pan­de­mie. Haus­tie­re sind aber auch an der Bör­se als Anla­ge-The­ma ange­kom­men: 

Zooplus-Aktie in Übernahmekampf enorm gestiegen 

Zoop­lus, der größ­te Online-Tier­zu­be­hör-Händ­ler in Deutsch­land und Euro­pa, stei­ger­te sei­nen Umsatz im drit­ten Jah­res­vier­tel auf 514 Mil­lio­nen Euro. Das ist ein Plus von 17 Prozent.
Zoop­lus-Akti­en haben bin­nen drei Jah­ren 250 Pro­zent an Wert gewon­nen. Das meis­te davon aller­dings im Zuge eines Über­nah­me-Kamp­fes zwei­er Finanz­in­ves­to­ren. Der ist jetzt ent­schie­den. Seit Jah­res­be­ginn stieg die Aktie aber allein um 279 Pro­zent. Die aktu­el­le Bör­sen-Bewer­tung erreicht damit 3,4 Mil­li­ar­den Euro. Vor einem Jahr war es noch ein Drit­tel davon. Ach­tung, die Aktie wird dem­nächst von der Bör­se genom­men. Außer­dem mel­de­te das Unter­neh­men trotz der Umsatz­stei­ge­run­gen rote Zah­len. 

Fress­napf als Markt­füh­rer im sta­tio­nä­ren Han­del peilt erst­mals drei Mil­li­ar­den Euro Umsatz an. Knapp 1,5 Mil­li­ar­den Euro wur­den im ers­ten Halb­jahr erzielt, ein Plus von 21 Pro­zent. Das Unter­neh­men ist aller­dings nicht bör­sen­no­tiert. 

In den USA zeich­net sich ein ähn­li­ches Bild ab: Auch dort stei­gen die Kur­se von Unter­neh­men der Haus­tier-Bran­che. Ein Bei­spiel ist Zoe­tis, ein Her­stel­ler von Impf­stof­fen für Haus- und Nutz­tie­re. Über drei Jah­re stieg die Aktie um knapp 130 Pro­zent. Tru­pa­n­ion leg­ten sogar um 340 Pro­zent zu in drei Jah­ren. Das ist ein Unter­neh­men, das sich auf Tier-Ver­si­che­run­gen spe­zia­li­siert hat.  

Aber Ach­tung: Heim­tier-Akti­en sind ein Nischen­markt. Sie schwan­ken stark. Brei­ter streu­en lässt sich das Risi­ko mit einem Fonds. In Deutsch­land gibt es den Alli­anz Pet and Ani­mal Well­being, der glo­bal inves­tiert mit star­kem Fokus USA und damit auf mitt­le­re Sicht, drei Jah­re, gut 88 Pro­zent Plus erzielt hat. 

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