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    Dividendenzahlung, ©Pakorn Prucpirojnakul/iStock

Gutes Timing: Aktien vor oder nach Dividenden-Ausschüttung kaufen?

2022-01-14T13:55:39+01:0014. Januar 2022|

Zwi­schen März und Mai ist in Deutsch­land Divi­den­den-Sai­son. Und die dürf­te zur Zufrie­den­heit der Aktionär:innen aus­fal­len, weil stei­gen­de Gewin­ne wie­der mehr Gewinn-Betei­li­gun­gen zulas­sen. Doch wann die ent­spre­chen­de Aktie kau­fen: vor oder nach der Divi­den­den-Zah­lung? 

Von Ant­je Erhard

Am drit­ten Han­dels­tag nach der Haupt­ver­samm­lung wird in Deutsch­land die Divi­den­de an die Aktionär:innen gezahlt. Dafür müs­sen Anleger:innen die Divi­den­de am Tag der Haupt­ver­samm­lung im Depot zu haben — bes­ser einen Tag frü­her, um auf der siche­ren Sei­te zu sein. Eine antei­li­ge Zah­lung der Divi­den­de, wenn man die Aktie wirk­lich erst kurz vor dem Aktio­närs­tref­fen und der Aus­schüt­tung erwirbt, gibt es nicht. Es gibt die vol­le Divi­den­de – ob man sie einen Tag oder ein Jahr im Depot hat.  

Am ers­ten Han­dels­tag nach der Haupt­ver­samm­lung notiert die Aktie dann „ex Divi­den­de“. Das heißt, sie wird abzüg­lich die­ser Gewinn­be­tei­li­gung gehan­delt. Meis­tens wird die­ser Divi­den­den-Abschlag in den nächs­ten Han­dels­ta­gen wie­der auf­ge­holt, aber das weiß im Vor­feld natür­lich nie­mand genau zu sagen. 

Lohnt es sich also, eine Aktie nach der Divi­den­den-Zah­lung zu kau­fen? Ja und nein. Meis­tens steigt eine Aktie an den Tagen vor der Haupt­ver­samm­lung des Unter­neh­mens bereits. Anleger:innen sprin­gen auf, weil sie auf die Divi­den­de set­zen. Nach der Divi­den­den-Zah­lung ist die Aktie güns­ti­ger. Bei einer gerin­gen Divi­den­den-Ren­di­te macht das nicht so viel aus, bei drei oder mehr Pro­zent schon. Außer­dem kann sich der Akti­en­kauf „danach“ loh­nen, wenn die Trans­ak­ti­ons­kos­ten vom aktu­el­len Kurs abhän­gen: Sie sind umso nied­ri­ger, je nied­ri­ger der Akti­en­kurs ist. 

Die Divi­den­den-Ren­di­te lässt sich ein­fach berech­nen: Sie ist das Ver­hält­nis der Divi­den­de zum aktu­el­len Kurs der Aktie und berech­net sich, indem die Höhe der Divi­den­de pro Aktie durch den Kurs der Aktie geteilt und mit 100 mul­ti­pli­ziert wird.  

Ein Bei­spiel: Kos­tet eine Aktie 150 Euro und schüt­tet das Unter­neh­men eine Divi­den­de von drei Euro pro Aktie aus. Wir rech­nen 3 Euro / 150 Euro x 100 Pro­zent = 2 Pro­zent. Eine Divi­den­den-Ren­di­te von zwei Pro­zent ist okay, aber kein beson­ders hoher Wert.  

DAX: Versicherer und Auto-Hersteller besonders spendabel 

Im DAX gel­ten die Ver­si­che­rer und Auto-Her­stel­ler als beson­ders spen­da­bel. Allein die Alli­anz will für die­ses und die kom­men­den Jah­re die jähr­li­che Aus­schüt­tung um min­des­tens fünf Pro­zent stei­gern. Das wür­de bedeu­ten, dass die Anleger:innen nach 9,60 im Mai 2022 mehr als 10 Euro je Aktie an Divi­den­de bekom­men.  

Vor der Pan­de­mie wur­den allein von DAX-Unter­neh­men 38 Mil­li­ar­den Euro an die Aktionär:innen aus­ge­schüt­tet. Mit der Coro­na-Pan­de­mie kürz­ten auch Unter­neh­men aus der ers­ten Bör­sen­li­ga die Divi­den­de. Doch das wird inzwi­schen bei den meis­ten wie­der auf­ge­holt. Das liegt einer­seits dar­an, dass bei vie­len Unter­neh­men die Geschäf­te trotz Lie­fer­eng­päs­sen und anhal­ten­der Pan­de­mie wie­der bes­ser lau­fen, ande­rer­seits kön­nen sich gera­de gro­ße Unter­neh­men leich­ter als klei­ne­re Kapi­tal besor­gen und gel­ten als weni­ger plei­te-anfäl­lig. 

Wich­tig sind denn auch die Geschäfts­aus­sich­ten: Sind sie posi­tiv, kön­nen Aktionär:innen auch künf­tig Divi­den­den oder sogar Divi­den­den-Erhö­hun­gen erwar­ten. Ach­tung aber, woher die Divi­den­de kommt: Der ope­ra­ti­ve Gewinn muss höher sein als die Gewinn­be­tei­li­gung an die Aktionär:innen. Die Divi­den­de darf nicht aus der Sub­stanz gezahlt wer­den müs­sen, nur um die Anteilseigner:innen bei Lau­ne zu hal­ten. Ande­rer­seits soll­te die Divi­den­de nicht zu nied­rig aus­fal­len. Eine Aus­schüt­tungs­quo­te von 25 bis 75 Pro­zent geglät­tet über drei Jah­re gilt als guter Indi­ka­tor und spricht eben­so für ein funk­tio­nie­ren­des Geschäfts­mo­dell wie eine Divi­den­de, die über zehn Jah­re kon­ti­nu­ier­lich gezahlt wur­de.  

DAX-Performance mit Dividende – S&P 500 und Co. ohne 

Gera­de bei DAX-Unter­neh­men zeigt sich, dass Divi­den­den ein wich­ti­ger Bestand­teil der Per­for­mance sind. Hier wer­den die aus­ge­schüt­te­ten Divi­den­den bei der Berech­nung des Index mit­be­rech­net. Das ist inter­na­tio­nal unüb­lich. Aller­dings wird der DAX auch ohne Divi­den­den berech­net: als Kurs-DAX. Er ist ver­gleich­bar mit dem S&P 500 oder dem Dow Jones oder ande­ren Indi­zes, die seit jeher als Kurs-Indi­zes berech­net wer­den. Der Vor­teil der Berech­nung eines Index mit Divi­den­den liegt dar­in, dass die Divi­den­den schon wäh­rend der Hal­te­dau­er ein­ge­rech­net wer­den. Kurs­ge­win­ne gibt es hin­ge­gen erst bei einem Ver­kauf. Wer aber die Per­for­mance der Indi­zes ver­glei­chen möch­te, soll­te eine ein­heit­li­che Grund­la­ge mit dem Kurs-Index schaf­fen. 

Ausschüttung: automatisch, Besteuerung: auch 

Die Divi­den­den-Aus­schüt­tung pas­siert auto­ma­tisch. Und lei­der auch die Besteue­rung: 25 Pro­zent Abgel­tungs­steu­er plus Kir­chen­steu­er wer­den fäl­lig, wenn der jähr­li­che Frei­be­trag von 801 Euro (er steigt dem­nächst auf 1.000 Euro pro Anleger:in) aus­ge­schöpft ist. 

US-Unter­neh­men zah­len die Divi­den­den anders als deut­sche: Meist quar­tals­wei­se. Man­che auch monat­lich, aber der Quar­tals­fall ist der Regel­fall. Für Anleger:innen wer­den dann pau­schal sofort 30 Pro­zent Quel­len­steu­er fäl­lig. Für bri­ti­sche Akti­en hin­ge­gen wird kei­ner­lei Quel­len­steu­er fäl­lig. 

Ich per­sön­lich mache einen Akti­en­kauf nicht vom Divi­den­den-Stich­tag abhän­gig und auch –nicht nur – von der Höhe der Divi­den­de. Denn die kann von Jahr zu Jahr schwan­ken, oder gar aus­fal­len. Vie­le wachs­tums­ori­en­tier­te Unter­neh­men zah­len zum Bei­spiel recht wenig Divi­den­de, sie inves­tie­ren das Geld lie­ber wie­der. Eta­blier­te­re Unter­neh­men gel­ten oft als ver­läss­li­che Divi­den­den-Zah­ler, doch auch hier sind nicht alle Ein­nah­men plan­bar und das Risi­ko von Divi­den­den-Kür­zun­gen besteht. Es spie­len vie­le Para­me­ter eine Rol­le für eine Aktie. Die Divi­den­de ist nur einer davon.

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