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Gute Schulden, schlechte Schulden

2022-01-10T12:48:14+01:0010. Januar 2022|

Die gute Nach­richt zuerst: Wir Deut­schen haben rela­tiv nied­ri­ge Schul­den, inter­na­tio­nal betrach­tet. Doch Schul­den sind nicht gleich Schul­den. Es gibt gute und schlech­te. Und sie sind unter­schied­lich teu­er… 

Von Ant­je Erhard

27.600 Euro – so hoch ist die Sum­me, mit der die Deut­schen im Schnitt ver­schul­det sind. Die gute Nach­richt. Seit dem Jahr 2014  mit einem Schul­den­stand von 34.500 Euro ist das pri­va­te Minus Jahr für Jahr gesun­ken. Das ermit­tel­te das Markt­for­schungs­por­tal Sta­tis­ta. Die kom­men bei eini­gen nicht zuletzt dadurch zustan­de, dass wir angeb­lich pro Jahr jede:r 8.857 Euro für ent­behr­li­che Din­ge aus­ge­ben, ermit­tel­te die Online-Platt­form Welt­spa­ren. Also für unge­nutz­te Fit­ness-Ver­trä­ge und Abos, zu hohe Strom­kos­ten oder teu­re Ver­si­che­run­gen.  

Wir Deut­schen ste­hen damit im euro­päi­schen Ver­gleich noch gut da: Nor­we­gen sind laut OECD die am dritt­höchs­ten ver­schul­de­te Nati­on mit 238,5 Pro­zent des Ein­kom­mens. Platz zwei geht an die Nie­der­län­der mit 239,5 Pro­zent. Spit­zen­rei­ter sind die Dänen: 281,3 Pro­zent des Ein­kom­mens. Zum Ver­gleich Deutsch­land: 57,7 Pro­zent. 

Schulden für Vermögenszuwachs: Gute Schulden 

Doch Schul­den sind nicht gleich Schul­den. Es gibt sogar ver­gleichs­wei­se gute Schul­den. Das sind alle die Ver­bind­lich­kei­ten, die wir für Inves­ti­tio­nen auf­neh­men, um einen Ein­kom­mens- oder Ver­mö­gens­zu­wachs zu erzie­len. Ein Bei­spiel: Die Inves­ti­ti­on in eine ver­mie­te­te Immo­bi­lie. Mit den Miet­ein­nah­men wer­den Zin­sen und Til­gun­gen begli­chen, mög­li­cher­wei­se aber auch Grund­steu­ern, etc. Bleibt nach Abzug die­ser Kos­ten noch Geld übrig, erhöht sich das Ein­kom­men. Dar­über hin­aus dürf­te – zumin­dest in den meis­ten Lagen in Deutsch­land – der Wert der Immo­bi­lie über die Zeit stei­gen. 

Sinn macht es, die Neben­kos­ten des Kaufs (Grund­er­werbs­steu­er, Makler:in, Notar:in…) aus der eige­nen Tasche zu zah­len. Die­se Kauf-Neben­kos­ten wer­den übli­cher­wei­se nicht von einer Bank mit­fi­nan­ziert. Die Zins­sät­ze für Immo­bi­li­en-Dar­le­hen sind jedoch deut­lich nied­ri­ger als für Kon­su­men­ten-Dar­le­hen, weil dem Kre­dit ein – mög­li­cher­wei­se stei­gen­der – sub­stan­ti­el­ler Wert gegen­über­steht. 

Ande­re Inves­ti­ti­ons­gü­ter kön­nen Unter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen, Kunst oder Anti­qui­tä­ten sein.  

Grund­sätz­lich gilt: Auch „gute“ Schul­den muss man sich leis­ten kön­nen. Wer zu vie­le Kre­di­te lau­fen hat, kann sich über­schul­den. Wenn Zwangs­ver­stei­ge­rung oder Not­ver­kauf der Immo­bi­lie dro­hen, ist nichts gewon­nen. 

Achtung: Aktienkauf auf Pump zählt NICHT zu den guten Schulden – Hohes Risiko 

Ach­tung, der Kauf von Akti­en auf Pump gehört NICHT zu den guten Schul­den. Akti­en­ge­schäf­te sind ein Risi­ko. Dar­an gibt es nichts zu deu­teln. Der Wert kann deut­lich fal­len, wer Knock out-Pro­duk­te erwirbt (bit­te nur Fort­ge­schrit­te­ne!) geht sogar das Risi­ko eines Total­ver­lusts ein. So was gehört nicht auf Kre­dit gemacht. Akti­en sind ein ver­nünf­ti­ges Invest­ment lang­fris­tig und kön­nen schon ab 25 Euro im Monat in einem Spar­plan gekauft wer­den. Lie­ber klei­ne Schrit­te als auf Pump zocken, weil gera­de die Kur­se stei­gen. Abwärts geht es näm­lich meist schnel­ler. 

Bildungskredite: Investition in die Zukunft 

Zwei­ter Punkt guter Schul­den sind Bil­dungs­kre­di­te für Aus­bil­dung oder Stu­di­um. Sie wer­den meis­tens güns­tig finan­ziert als BaföG oder spe­zi­el­le För­der­kre­di­te von Ban­ken oder der Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW). Sie sind güns­tig und müs­sen erst zurück­ge­zahlt wer­den, wenn ein Ein­kom­men erzielt wird. Sie sind des­halb als gute Schul­den zu betrach­ten, weil wir in unser künf­ti­ges Ver­mö­gen, in unser Human­ka­pi­tal, inves­tie­ren. 

Schlechte Schulden: Konsumschulden 

Schlech­te Schul­den sind Kon­sum­schul­den. Autos, Han­dys, Rei­sen auf Pump sind teu­re „Spä­ße“. Sie ver­hin­dern, dass wir Ver­mö­gen auf­bau­en. Sie brin­gen kein Ver­mö­gen, sie ver­lie­ren viel­mehr schnell an Wert und sie kos­ten jeden Monat Geld. Und wäh­rend eine ver­mie­te­te Immo­bi­lie von den Mieter:innen abge­zahlt wird, ste­hen Schuldner:innen für ihre Kon­sum­schul­den allei­ne gera­de. Hin­zu kommt, dass die Zin­sen für Kon­su­men­ten-Kre­di­te deut­lich höher sind als für Immo­bi­li­en, denn hier steht kein Ver­mö­gens­wert gegen­über. 

Zwar wer­ben vie­le Insti­tu­te mit Zin­sen für weni­ger als einen Pro­zent, doch boni­täts­ab­hän­gig sind  bis zu 13,99 Pro­zent Zin­sen mög­lich. Ein Bei­spiel: Wer ein Auto finan­ziert, zahlt gut und ger­ne drei bis vier Pro­zent Zin­sen. Doch der Wert des Autos ist nach drei Jah­ren nur noch unge­fähr die Hälf­te vom Neu­wert. Das Dar­le­hen ist jedoch in die­ser Zeit meist längst nicht abge­zahlt. 

Das Pro­blem: Kon­sum-Kre­di­te sind fast schon gesell­schaft­li­cher Stan­dard.  Nach dem Mot­to: Man lebt nur ein­mal. Auch mit einem guten Ein­kom­men ist man bzw. frau aber nicht vor Schul­den gefeit. Die „Buy now pay later“– Men­ta­li­tät hat eine gan­ze neue Finanz­in­dus­trie ent­ste­hen las­sen: Paypal, Klar­na, oder Affirm leben gut von unse­ren mate­ri­el­len Wün­schen.  

Ein Kre­dit nimmt außer­dem jede Moti­va­ti­on zum Spa­ren und die Vor­freu­de. Ihn los­zu­wer­den, setzt viel Dis­zi­plin vor­aus: Eine ehr­li­che Bestands­auf­nah­me ist die Basis. Und dann die mög­lichst schnel­le Rück­zah­lung. Auch Schuld­ner­be­ra­tun­gen hel­fen. Die gibt es bun­des­weit. 

Umschuldung – Hier schlummert meist Einsparpotential 

Wer einen – zu teu­ren — Kre­dit hat, kann immer­hin umschul­den. Hier liegt häu­fig Spar­po­ten­ti­al von zehn, 20 oder gar 30 Pro­zent. Nied­rig­zin­sen haben also auch mal Vor­tei­le. Ver­gleichs­por­ta­le stel­len die Kon­di­tio­nen gegen­über. Wich­tig ist beim Umschul­den: Son­der­til­gun­gen soll­ten mög­lich und kos­ten­los sein, kei­ne ver­steck­ten Kos­ten anfal­len. 

Umschul­dun­gen sind vor allem dann sinn­voll, wenn man bis dato einen Dis­po stra­pa­ziert hat. Auch wenn die Zin­sen gesun­ken sind, man aber einen Alt­ver­trag mit hohen Zin­sen hat, lohnt meis­tens die Umschul­dung. Auch dann, wenn sich die Boni­tät ver­bes­sert hat. 

Vor einer Umschul­dung ist die Ana­ly­se des Alt­ver­tra­ges wich­tig: Hin­sicht­lich rest­li­cher Lauf­zeit und Rest­schuld sowie auf Fris­ten zur Ablö­sung des Dar­le­hens. Ori­en­tie­rung bei der Kün­di­gung bie­ten die gesetz­li­chen Fris­ten von drei Mona­ten für Ver­trä­ge, die vor dem 11. Juni 2010 abge­schlos­sen wor­den sind, frist­lo­se Kün­di­gung gilt für Ver­trä­ge ab danach. 

Grund­sätz­lich wich­tig ist eine Über­sicht über die Ver­bind­lich­kei­ten, über alle Ein­nah­men und Aus­ga­ben und ein Plan, wie den Schul­den bei­zu­kom­men ist. Hier ist wich­tig, rea­lis­ti­sche Zie­le zu set­zen. Und mög­lichst viel zu spa­ren. Dazu gleich mehr. 

50–50-Regel: Schulden ab- und Kapital aufbauen 

Cou­ra­ge-Extra-Tipp: Wer Schul­den tilgt, kann ver­nünf­ti­ger­wei­se par­al­lel schon mit dem Spa­ren bzw. Inves­tie­ren anzu­fan­gen. Auch mit klei­nen Sum­men. Expert:innen spre­chen dabei von der 50–50-Regel: Die Hälf­te des geplan­ten Kapi­tals geht in die Til­gung der Schul­den, die ande­re Hälf­te in den Kapi­tal­auf­bau.  

Punkt Zwei sind Rück­la­gen. Die sind am wich­tigs­ten, bevor es mit dem Spa­ren bzw. Inves­tie­ren los­geht. Vie­le Expert:innen sagen, sechs Monats­ge­häl­ter an Rück­la­gen soll­te jede:r haben, um auf der siche­ren Sei­te zu sein für Unvor­her­ge­se­he­nes wie ein kaput­tes Auto oder einen mög­li­chen Job­ver­lust. Aber wann ist man das schon? Aber zwei oder drei Monats­ein­nah­men soll­ten es sein. Für alle Fäl­le.  

Rück­la­gen zu bil­den oder Geld zu inves­tie­ren kann so funk­tio­nie­ren: Wir neh­men 10 Pro­zent unse­res Ein­kom­mens und legen es auf ein Extra-Kon­to. Auch wenn die Zin­sen lächer­lich bzw. nahe­zu abwe­send sind. Aber wir las­sen das Geld nicht dau­er­haft dort: Ist ein bestimm­te Sum­me (Ziel!) zusam­men­ge­kom­men, inves­tie­ren wir es an den Kapi­tal­märk­ten. Jedes Jahr. Auch fünf Pro­zent wären ein Anfang.  

Alter­na­ti­ve ist ein Spar­plan. Dann spa­ren wir nicht erst die Sum­me an, um sie dann zu inves­tie­ren, son­dern auto­ma­tisch jeden Monat einen klei­nen Betrag. Das geht ab 25 Euro. Das Gan­ze funk­tio­niert auto­ma­tisch, wird regel­mä­ßig vom Giro­kon­to abge­bucht, ohne dass wir uns drum küm­mern müs­sen. Spar­plä­ne las­sen sich auf vie­le Asset­klas­sen von ein­zel­nen Akti­en über ETFs ein­rich­ten. Ab 25 Euro. Es gibt auch wel­che ab einem Euro. Macht aber in punc­to Kos­ten und dem, was da über die Jah­re zusam­men­kommt, kei­nen Sinn. Die Sum­me lässt sich jeder­zeit ändern. 

50–30-20-Regel für die Finanzplanung 

Nach der 50–30-20-Regel nut­zen wir 50 Pro­zent unse­rer Ein­künf­te für Fix­kos­ten, 30 Pro­zent für Wün­sche wie Rei­sen und 20 Pro­zent zum Spa­ren bzw. Inves­tie­ren. Für vie­le sind 20 Pro­zent recht ambi­tio­niert. Und ist die Hür­de zu hoch, fan­gen vie­le gar nicht erst an. Auch zehn Pro­zent sum­mie­ren sich schnell. Wich­tig ist, das Spar­geld wirk­lich auf ein sepa­ra­tes Kon­to zu legen oder gleich zu inves­tie­ren.  

Ziele machen das Sparen und Investieren leichter 

Noch ein Tipp: Wer ein Ziel hat, spart leich­ter. Ist so. Beim Spa­ren, wie beim Inves­tie­ren. Auch beim Schul­den­ab­bau. Aber Zie­le müs­sen rea­lis­tisch sein. Wer mal hier in einen Fonds ein­zahlt und da mal eine Aktie kauft, hat kei­ne Stra­te­gie und damit lang­fris­tig ver­mut­lich auch kei­nen Erfolg. Mer­ke: Beim Inves­tie­ren geht nichts ohne Stra­te­gie und Risi­ko-Streu­ung. Wer Schul­den hat, wird 10.000 Euro nicht in sechs oder acht Mona­ten bezahlt haben kön­nen. Es muss mach­bar sein, damit es durch­ge­zo­gen wer­den kann. Kon­kre­te Zie­le moti­vie­ren. Und es fühlt sich gut an, wenn wir es geschafft haben, oder? Und ab dann wer­den nur noch gute Schul­den gemacht. 

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