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  • Mali M. Baum bringt unternehmerische Einflüsse aus Tel Aviv und New York mit, ©WLounge

Gründerin Mali M. Baum bringt Unternehmen, Gründerinnen und Politik zusammen

2022-11-18T12:17:16+01:0018. November 2022|

Deutsch­land hinkt ande­ren Staa­ten bei Unter­neh­mens­grün­dun­gen hin­ter­her. Mali M. Baum möch­te das ändern. Die Unter­neh­me­rin hat in Ber­lin die WLounge gegrün­det und bringt Grün­de­rin­nen, Unter­neh­men und Poli­tik an einen Tisch.

Von Bir­git Wetjen

courage-online.de: Du bist mit deiner Familie 2014 nach Berlin gezogen – als 37-jährige Gründerin und Unternehmerin. Was hat dich in Berlin am meisten überrascht? 

Mali M. Baum: Wer wie ich in Tel Aviv und New York gear­bei­tet und in Asi­en pro­du­ziert hat, wun­dert sich erst ein­mal über das gan­ze Öko­sys­tem. Wenn du dort für ein Unter­neh­men arbei­test und ange­stellt bist, machst du immer auch noch etwas neben­bei. Nicht so in Deutschland.

Hat dich das nicht abgeschreckt?

(lacht) Das wur­de ich oft gefragt. Aber ich habe das ganz anders emp­fun­den. Ich sah einen „Blue Ocean“ …

… also die Chance, ganz neue Geschäftsmodelle zu entwickeln?

Genau! Ich kam mit dem Blick von außen und habe hier ein unge­heu­res Poten­zi­al gese­hen. Ob im Ver­gleich mit Isra­el, den USA oder Asi­en, Deutsch­land hinkt der Ent­wick­lung um gut 20 Jah­re hin­ter­her. Dabei gibt es kei­nen Grund, dass es hier nicht genau­so funk­tio­nie­ren kann. Es besteht also Nach­hol­be­darf. Und ich kann mit mei­nen Erfah­run­gen und mei­nem inter­na­tio­na­len Netz­werk dazu bei­tra­gen. Das ist Deutsch­land für mich, das ist Ber­lin. 

Was genau war dein Ziel? 

Ich kam als Unter­neh­me­rin nach Ber­lin, und zunächst fiel mir auf, dass hier nur sehr weni­ge Frau­en im Busi­ness sind – vor allem in Füh­rungs­po­si­tio­nen von gro­ßen Kon­zer­nen, aber es gab auch nur weni­ge Unter­neh­me­rin­nen oder Grün­de­rin­nen. Ich wur­de dann immer wie­der gefragt: Mali, du bist doch so gut ver­drah­tet, kannst du uns nicht die Tür zu Inves­to­ren öff­nen? Kannst du uns weib­li­che Füh­rungs­kräf­te vor­stel­len? Kannst du uns sagen, was es braucht, um ein Pro­dukt inter­na­tio­nal erfolg­reich zu lan­cie­ren? So bin ich von der Unter­neh­mer­sei­te auf die Bera­ter- und schließ­lich auf die Inves­to­ren­sei­te gewech­selt.  

Woran liegt es deiner Meinung nach, dass Deutschland den Anschluss verpasst hat – und nur wenige Frauen Unternehmen gründen?

Viel­leicht an der Tra­di­ti­on oder der Kul­tur? Aber ich spe­ku­lie­re nicht ger­ne über die Ursa­chen, ich suche lie­ber nach Lösun­gen. Ein Bei­spiel: Mei­ne Kin­der haben in Isra­el schon mit einem Jahr den Umgang mit Com­pu­tern gelernt. Hier in Ber­lin fan­gen Kin­der in der sieb­ten Klas­se an. Mein Sohn konn­te das alles, er hat sich gelang­weilt, und ich habe die Leh­re­rin gefragt, ob er nicht eine Art Lot­se sein kön­ne, der den ande­ren Kin­dern hilft. Und da hieß es: Nein, das geht nicht, alle Kin­der sind gleich. In Isra­el sind nicht alle Kin­der gleich. Ist jemand bril­lant in Mathe, dann wird er geför­dert. Wir sehen die Indi­vi­du­en und för­dern ihre Stärken.

Und warum gibt es so wenig Frauen in Führungspositionen?

Es feh­len die Role Models und auch die fami­liä­ren Vor­bil­der. Ich ken­ne kei­ne deut­sche Frau, die sagt, dass sie von ihrer Mut­ter empowe­red wor­den ist, also dar­in bestärkt wur­de, ein Busi­ness zu füh­ren. In der Schu­le mei­ner Kin­der waren vie­le Müt­ter nicht oder nur teil­wei­se berufs­tä­tig. Hier­zu­lan­de giltst du als berufs­tä­ti­ge Mut­ter als Raben­mut­ter, aber zum Glück ändert sich auch hier das Mind­set, und vie­le jun­ge Frau­en wol­len unab­hän­gig sein und ihr eige­nes Geld verdienen.

Du hast in Israel dein erstes Unternehmen gegründet – für Kinderspielzeug – und es global aufgestellt. Welche Erfahrungen hast du als Gründerin gemacht? 

Alle Unter­neh­men, die ich grün­de, haben die glei­che DNA – sie müs­sen ein Pro­blem lösen, etwas Neu­es brin­gen, einen Wert schaf­fen. Wir waren damals jun­ge Eltern, mein Mann ein bril­lan­ter Indus­trie­de­si­gner. Wir hat­ten die Idee, Spiel­zeug für Kin­der zu ent­wi­ckeln. Klar gab es Lego, Play­mo­bil und all die bekann­ten Mar­ken, aber wir haben mit Bee­ze­ebee etwas voll­kom­men Neu­es geschaf­fen. Wir hat­ten eine super Sto­ry – als Eltern, die selbst mit ihren Kin­dern spie­len. Wir haben eine Pro­dukt­li­nie ent­wi­ckelt, die die Mus­keln sti­mu­liert, die Fan­ta­sie anregt und die jewei­li­gen Cha­rak­te­re mit ins Spiel bringt. Und wir haben glo­bal pro­du­ziert und ver­mark­tet. Auch in Deutsch­land sind die Vor­aus­set­zun­gen für Grün­der sehr gut. Bil­dung, Kapi­tal, Infra­struk­tur, Indus­trie und viel Unter­stüt­zung vom Staat: Wir haben alles, was es braucht. Wir müs­sen die Strän­ge nur zusammenführen.

Dafür hast du in Berlin 2018 die WLounge gegründet. Seit Januar 2022 gibt es das zugehörige WLounge House. Was verbirgt sich dahinter? 

WLounge ist ein glo­ba­les Öko­sys­tem. Wir unter­stüt­zen Frau­en in Tech­no­lo­gie und Wirt­schaft und set­zen uns für Viel­falt und Inte­gra­ti­on in allen Pha­sen des Geschäfts­pro­zes­ses ein. Zu uns kom­men Gründer:innen, um ihr Busi­ness zu ent­wi­ckeln, Exper­ten für Wirt­schafts­för­de­rung von Stadt- bis EU-Ebe­ne, aber auch Unter­neh­men, die Ideen, Invest­ments oder Füh­rungs­kräf­te suchen. Wir brin­gen sie alle zusam­men, ver­an­stal­ten Foren und hel­fen bei Fra­gen wie: Was braucht es, um ein nach­hal­tig erfolg­rei­ches Unter­neh­men zu grün­den? Was brauchst du als Grün­de­rin? Woher kriegst du Kapi­tal? Und was kannst du in die Com­mu­ni­ty ein­brin­gen? Wir ver­an­stal­ten Foren und Pro­gram­me und brin­gen alle an einen Tisch. 

Frauen bekommen nur schwer Risikokapital. Du legst einen Fonds namens Magda auf. Wer kann investieren – und wer profitiert? 

Der Mag­da Fonds wird dar­auf abzie­len, wäh­rend der Seed- und Sca­le-up-Pha­se in Impact-Unter­neh­men zu inves­tie­ren, die das Poten­zi­al haben, Ein­hör­ner zu wer­den. Mag­da ist immer noch im Fund­rai­sing, und wir hei­ßen alle will­kom­men, die etwas ver­än­dern und ihr Kapi­tal ein­set­zen möch­ten, um in die Gewinner:innen von mor­gen zu inves­tie­ren. 

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