Startseite/Gründerin Cornelia Heisig über Rückschläge und den Start von “weniger bla”
  • Gründerin Conni Heisig, ©weniger bla/Ling Kho

Gründerin Cornelia Heisig über Rückschläge und den Start von “weniger bla”

2022-09-01T14:44:31+02:001. September 2022|

Als Con­ni Hei­sig mit einer Kol­le­gin den Schritt in die Selb­stän­dig­keit gewagt hat, ist der Ver­such geschei­tert. Anfang des Jah­res hat sie schließ­lich ihr eige­nes Social-Media-Unter­neh­men gegrün­det: “weni­ger bla”. Im Inter­view hat sie uns offen erzählt, wie sie mit beruf­li­chen Rück­schlä­gen umgeht, wel­che Hür­den sie in der Grün­dungs­pha­se neh­men muss­te und wel­che Mit­tel­ständ­ler sie mit Social-Media-Stra­te­gien unter­stützt. 

Von Isa­bell Angele

courage-online.de: Weshalb wollten Sie gern selbständig arbeiten? 

Con­ni Hei­sig: Dass ich selb­stän­dig arbei­ten woll­te, wuss­te ich schon früh. Spä­tes­tens, als in der Schu­le ein Grün­der­wett­be­werb ver­an­stal­tet wur­de, hat es mich gepackt. Damals habe ich unter dem Namen “Schnul­ler­fee” eine Agen­tur für Baby­sit­ting gegrün­det. Spä­ter im Stu­di­um haben mein Freund und ich außer­dem ein Schmuck­la­bel gestar­tet. Damals hat­te ich auch die ers­ten Berüh­rungs­punk­te mit Social Media. Das Stu­di­um habe ich aber abge­bro­chen, weil das rei­ne “im Hör­saal sit­zen” nicht zu mir gepasst hat. Ich habe statt­des­sen eine Aus­bil­dung im Mar­ke­ting-Bereich absol­viert.  

Und wie kam es dann zur Selbständigkeit? 

Nach mei­ner Aus­bil­dung habe ich in meh­re­ren Agen­tu­ren gear­bei­tet. Zwei davon wur­den geschlos­sen. Ich frag­te mich also, ob ich wirk­lich noch eine drit­te Schlie­ßung abwar­ten woll­te. Statt­des­sen habe ich es vor etwa zwei Jah­ren selbst in die Hand genom­men und bin als Free­lan­ce­rin in die Solo-Selb­stän­dig­keit gestar­tet. Damals noch mit einer ehe­ma­li­gen Kol­le­gin im Free­lan­cer-Team. Wenn man sich bei Agen­tu­ren um Auf­trä­ge bewirbt, ist es oft bes­ser, gleich das Pro­jekt-Team zu stel­len.  

Hat das funktioniert? 

Nicht sehr gut. Wir haben gemerkt, dass wir mit unter­schied­li­chen Erwar­tun­gen in das Gan­ze gestar­tet sind und hat­ten nicht mehr den glei­chen Fokus. Wir haben uns wahr­schein­lich zu wenig Gedan­ken über das Grund­ge­rüst gemacht.   

Welche Learnings haben Sie daraus gezogen? 

Nur weil etwas nicht sofort klappt, heißt das nicht, dass man es nicht noch mal pro­bie­ren kann. Am Anfang war es ein beru­hi­gen­des Gefühl zu wis­sen, dass man nicht kom­plett allein ist. Ganz nach dem Mot­to: Wenn man einen nicht so guten Tag hat, wird nicht gleich alles ein­stür­zen. Aber nach­dem wir unse­re Zusam­men­ar­beit been­det hat­ten, habe ich schnell die Vor­zü­ge gese­hen, allein zu arbei­ten. Natür­lich trägt man die gesam­te Ver­ant­wor­tung, aber man kann auch sei­ne Ideen bes­ser ver­wirk­li­chen. Man fällt zwar schnell hin, aber man steht auch genau­so schnell wie­der auf.   

So kam es schließlich zur Gründung von “weniger bla”. Was waren die größten Anfangshürden? 

Ich muss­te mir ein kom­plett neu­es Netz­werk auf­bau­en. Als Free­lan­ce­rin war ich sehr gut ver­netzt, aber als Unter­neh­mens­grün­de­rin brauch­te ich neue Kon­tak­te. Gestar­tet habe ich mit Kalt­ak­qui­se am Tele­fon, also mit Initia­tiv-Anru­fen bei poten­zi­el­len Kun­den, aber das hat nicht sehr gut funk­tio­niert. Statt­des­sen habe ich ange­fan­gen, Vor­trä­ge zum The­ma Social Media zu hal­ten bei­spiels­wei­se beim Bun­des­ver­band mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft (bvmw). So habe ich tat­säch­li­che Inter­es­sen­ten also Leads gene­riert. Gesprä­che auf Mes­sen waren eben­falls sehr hilf­reich. Außer­dem bie­te ich kos­ten­lo­se Vor­ge­sprä­che an, das nimmt vie­len poten­zi­el­len Neu­kun­den eine Hür­de.   

Außer­dem habe ich direkt mit einer Mit­ar­bei­te­rin in Voll­zeit auf einer Juni­or­stel­le gestar­tet. Ich woll­te ihr mein Wis­sen, das ich mir in den Jah­ren zuvor ange­eig­net hat­te, wei­ter­ge­ben. Aber ich habe die anspruchs­vol­le Grün­dungs­pha­se unter­schätzt und hat­te daher kaum Zeit für sie. Außer­dem sind Per­so­nal­kos­ten enorm – vor allem wenn man gera­de erst gegrün­det hat. Die­se Zusatz­be­las­tung hat es nicht ein­fa­cher gemacht. Für das Kün­di­gungs­ge­spräch habe ich mir einen Füh­rungs­kräf­tecoach an die Sei­te geholt. Gera­de am Anfang ist Unter­stüt­zung von außen sehr viel wert.  

Apropos finanzielle Belastung. Wie haben Sie den Start Ihres Unternehmens finanziert? 

Ich habe als Free­lan­ce­rin sehr viel ange­spart und konn­te so auch das Min­dest­stamm­ka­pi­tal von 25.000 Euro für eine GmbH-Grün­dung sowie ein klei­nes finan­zi­el­les Pols­ter auf­brin­gen. Von dem Pols­ter ist nicht sehr viel übrig, aber es läuft gut. Gera­de am Anfang sind die Kos­ten hoch. Schließ­lich braucht man eine Web­site, Design und so wei­ter. Da ich gemerkt habe, dass eine Junior­kraft mich noch nicht gut genug unter­stüt­zen kann, arbei­te ich der­zeit mit erfolg­rei­chen Free­lan­cern zusam­men, um die Kun­den-Pro­jek­te best­mög­lich umzu­set­zen. Auch das kos­tet natür­lich Geld. Prak­tisch alle Gewin­ne sind daher direkt wie­der ins Unter­neh­men geflos­sen.   

Mit Ihrem Unternehmen unterstützen Sie den Mittelstand in seiner Kommunikation in den Sozialen Medien. Was sind die Hauptprobleme, die Ihnen in den Unternehmen begegnen? 

Häu­fig ist Social Media in den Fir­men, die ich beglei­te, gar kein The­ma. Und wenn sie schon gestar­tet haben, dann steckt kein Kon­zept dahin­ter, nie­mand trägt die Ver­ant­wor­tung dafür und es wird kaum Zeit inves­tiert. Mei­ne Haupt­auf­ga­be ist es daher, ihnen die Bedeu­tung von Social Media für ihr Unter­neh­men auf­zu­zei­gen und mit ihnen eine Stra­te­gie zu ent­wi­ckeln, die sie lang­fris­tig selbst umset­zen kön­nen. Wich­tig ist es auch, dass es einen Haupt­ver­ant­wort­li­chen für die Social-Media-Akti­vi­tä­ten der Fir­ma gibt, der auch Zeit hat, sich damit aus­ein­an­der­zu­set­zen. Das ist nichts, was man ein­fach neben­her machen kann.   

Ein häu­fi­ges Pro­blem ist außer­dem die The­men­fin­dung. Ein Flüs­sig­gas-Anbie­ter, mit dem ich zusam­men­ge­ar­bei­tet habe, stand bei­spiels­wei­se vor der Schwie­rig­keit, über­haupt eine Ziel­grup­pe aus­zu­ma­chen, bei der sie an ihrer Sicht­bar­keit arbei­ten kön­nen. Schließ­lich hat­te ich die Idee, dass man die Grill-Com­mu­ni­ty anspre­chen kann. Gas­grills haben schließ­lich zahl­rei­che Fans. Die Fir­ma war begeis­tert von der Idee und so haben wir sie mit Erfolg umge­setzt.   

Mit welchen Firmen arbeiten Sie zusammen? 

Ich habe aktu­ell knapp über zehn Kun­den. Die Pake­te sind dabei ganz unter­schied­lich. Manch­mal unter­stüt­ze ich nur punk­tu­ell, bei ande­ren wird ein Stra­te­gie­work­shop umge­setzt und bei man­chen Kun­den gibt es fixe monat­li­che The­men. Was das Volu­men angeht, star­ten die Retai­ner, also die­je­ni­gen, bei denen ich monat­lich unter­stüt­ze, bei 4.000 Euro. Von klei­ne­ren Unter­neh­men bis hin zu gro­ßen Mit­tel­ständ­lern und Agen­tu­ren ist alles dabei. Um ein paar Bei­spie­le zu nen­nen: Ich betreue die Sana IT Ser­vices, die zu den Sana-Kli­ni­ken gehö­ren. Zusätz­lich set­ze ich ein span­nen­des Pro­jekt mit TVET Ham­burg, einem Insti­tut für beruf­li­che Bil­dung, um. Außer­dem arbei­te ich mit dem Baye­ri­schen Jugend­ring zusam­men. Hier betreue ich das Pro­jekt Digi­tal Street­work, von der Stra­te­gie über die Kon­zep­ti­on bis hin zur Umset­zung, um für eine mög­lichst gro­ße Sicht­bar­keit des Pro­jekts zu sorgen.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in den kommenden Jahren? 

Mei­ne Visi­on ist es, dass ich mir mit weni­ger bla im Bereich Social-Media-Stra­te­gien einen Namen gemacht und mich eta­bliert habe. So dass ich als zuver­läs­si­ger Part­ner mit­tel­stän­di­scher Unter­neh­men gese­hen wer­de und ich lang­fris­ti­ge Koope­ra­tio­nen umset­zen kann. Dafür will ich in den kom­men­den Jah­ren Ver­trau­en auf­bau­en und die­ses natür­lich bestä­ti­gen.  

Was sind die drei wichtigsten Tipps, die Sie für Social-Media-Kommunikation immer mit auf den Weg geben? 

Der wich­tigs­te Tipp ist, sich dar­auf ein­zu­las­sen, nicht die Augen zu ver­schlie­ßen und neu­gie­rig zu sein. Außer­dem braucht es eine Struk­tur. Die­se beinhal­tet bei­spiels­wei­se einen Con­tent­plan mit For­ma­t­ideen, sodass auch in regel­mä­ßi­gen Abstän­den Bei­trä­ge ver­öf­fent­licht wer­den. Und zu guter Letzt muss man mutig sein und authen­ti­sche Ein­bli­cke geben.  

Die bes­ten Sto­ries für dich!

Noch mehr Infos für dich

Zahnmedizin: Selbständigkeit in der eigenen Zahnklinik

Vor rund zwan­zig Jah­ren grün­de­te Dr. Dia­na Svo­bo­da ihre eige­ne Zahn­kli­nik in Essen. Heu­te betreibt sie einen zwei­ten Stand­ort in Düs­sel­dorf und ver­treibt ihre eige­ne Gesichts­pfle­ge­li­nie. Wir haben mit ihr dar­über gespro­chen, wie sie zur Zahn­me­di­zin kam und wes­halb sie sich für eine pri­vat­ärzt­li­che Behand­lung ent­schie­den hat. 

Frauen in MINT: „Die wenigsten kennen eine IT-Expertin – das muss sich ändern“

Bis heu­te sind Frau­en in MINT (Mathe­ma­tik, Infor­ma­tik, Natur­wis­sen­schaf­ten und Tech­nik) ‑Beru­fen unter­re­prä­sen­tiert. Am feh­len­den Inter­es­se liegt das nicht, zeigt eine Stu­die der IU Inter­na­tio­na­le Hoch­schu­le. Wir haben mit Kanz­le­rin Alex­an­dra Wut­tig über feh­len­de Role­mo­dels, gesell­schaft­li­che Ver­än­de­rung und gut bezahl­te Stu­di-Neben­jobs gesprochen. 

Dir hat der Artikel gefallen? Jetzt teilen...

Nach oben