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  • Granny-Au-pairs können bei der Kinderbetreuung unterstützen und trumpfen mit Erfahrung, ©Jacob Lund - stock.adobe.com

Granny-Au-pairs: Besser als Mary Poppins

2022-07-04T12:02:15+02:001. Juli 2022|

Mama und Papa arbei­ten und brauchen eine Lösung für die Kin­der­be­treu­ung. Wo es geht, hel­fen Groß­el­tern aus. Wer es sich leis­ten kann, enga­giert viel­leicht eine Nan­ny. Wer möch­te, lädt ein Au-pair-Mäd­chen ein. Und für wen es die Mischung macht, ent­schei­det sich für eine Gran­ny-Au-pair.  

Von Ines Baur

Wer an Au-pairs denkt, hat das Bild von zwan­zig­jäh­ri­gen Youngs­ters vor sich. Gera­de die Schu­le hin­ter sich gebracht, möch­ten sie die Welt ent­de­cken. In einem ande­ren Lebens­ab­schnitt doch eben­falls auf der Suche nach Abwechs­lung und Aben­teu­er sind so eini­ge Damen 50+. Sie machen sich, ähn­lich wie ihre jun­gen Kol­le­gin­nen, auf in die Welt und unter­stüt­zen als Au-pair Gast­fa­mi­li­en bei der Kin­der­be­treu­ung und im Haus­halt. Genau­ge­nom­men als Gran­ny-Au-pair.  

Granny Au-pairs punkten mit Lebenserfahrung und Soft Skills

Die Gran­ny-Au-pairs sind gut 30 Jah­re älter als kon­ven­tio­nel­le Au-pairs. Das bedeu­tet 30 Jah­re mehr Lebens­er­fah­rung. Eine Tat­sa­che, die vie­le berufs­tä­ti­ge Eltern und Allein­er­zie­hen­de schät­zen. Die Gran­nys haben die Ruhe weg, wenn der Drei­jäh­ri­ge einen Trotz­an­fall hat und mit den Fäust­chen auf den Boden trom­melt. Sie ken­nen die bes­ten Haus­re­zep­te gegen Fie­ber und kön­nen gleich­zei­tig Grieß­brei füt­tern und das klei­ne Ein­mal­eins abfra­gen.  

Ein Granny Au-pair im Haus ist ein Mehr-Generationen-Projekt

Fami­li­en­kon­stel­la­tio­nen haben sich in den letz­ten Jahr­zehn­ten ver­scho­ben, der Main­stream, wie Men­schen 50+ ihr Leben gestal­ten auch. Bio­lo­gi­sche Groß­el­tern haben die Klei­nen zwar ger­ne um sich, möch­ten aber selbst was erle­ben und genie­ßen die neue Frei­heit. Ande­re Groß­el­tern sind zu alt und füh­len sich der Auf­ga­be das Enkel­kind zu betreu­en nicht gewach­sen. Denn: Frau­en wer­den immer spä­ter Mama. Waren 1970 in Deutsch­land (West) Frau­en beim ers­ten Kind durch­schnitt­lich 24 Jah­re alt, waren sie 2018 sie­ben Jah­re älter. Mit einem Gran­ny-Au-pair leben – zumin­dest zeit­wei­se – drei Genera­tio­nen unter einem Dach. Von die­sen wert­vol­len Erfah­run­gen pro­fi­tie­ren alle. 

Wo finden Familien ein Granny-Au-pair?

Wer mit Gran­ny-Au-pairs in Kon­takt tre­ten möch­te, macht das online. In Deutsch­land gibt es das Por­tal granny-aupair.com, aupair.com oder aupair50plus.com. Wer mehr­spra­chig erzieht und ger­ne eine Omi aus dem Aus­land möch­te, kann bei mamieadom.com auf die Suche gehen.  

Die Regis­trie­rung auf den Por­ta­len ist in der Regel für Gran­nys und Fami­li­en kos­ten­los. Ein­ge­tra­ge­ne Mit­glie­der kön­nen ihre Pro­fi­le gegen­sei­tig unver­bind­lich anse­hen. Erst wenn jemand in Kon­takt tre­ten möch­te, ist eine kos­ten­pflich­ti­ge Mit­glied­schaft Vor­aus­set­zung. Die Prei­se bewe­gen sich zwi­schen 20 und 65 Euro pro Monat. Mit­glied­schaf­ten dau­ern meist drei bis zwölf Mona­te. Die Gran­nys haben Kost und Logis frei, Gehalt bekom­men sie nicht. Wer möch­te, kann ein klei­nes Taschen­geld geben.  

Das Zusam­men­le­ben beruht auf gegen­sei­ti­gem Ver­trau­en, nicht auf einem Arbeits­ver­trag. Bei der Kon­takt­auf­nah­me und den Fol­ge­ge­sprä­chen soll­ten bei­de Par­tei­en ganz klar abklä­ren:  

  • Wo wohnt die Gran­ny? Hat sie ein eige­nes Zim­mer, ein eige­nes Bad? 
  • Was genau sind die Auf­ga­ben? 
  • Von wann bis wann sind die Arbeits­zei­ten? 
  • Betei­ligt sich die Fami­lie an den Rei­se­kos­ten? 
  • Wel­che Frei­räu­me hat die Granny?
  • Wie schützt jeder für sich sei­ne Pri­vat­sphä­re? 

Granny-Au-pairs im Ausland

Lebt eine Fami­lie im Aus­land und möch­te ein deut­sche Gran­ny-Au-pair ein­la­den, muss sie wis­sen, dass die Damen kein Au-pair-Visum bekom­men. „Die Au-pair-Visa-Abkom­men sind bila­te­ra­le Abkom­men zwi­schen zwei Län­dern“, erklärt Michae­la Han­sen. Sie ist Erfin­de­rin und Inha­be­rin der Online-Platt­form granny-aupair.com. Die Abkom­men wur­den in den 1960er Jah­ren geschlos­sen. Damals konn­te man(n) sich ein­fach nicht vor­stel­len, dass eine Frau jen­seits der Drei­ßig als Au-pair ins Aus­land geht. 

Bis heu­te hat sich nichts geän­dert. Michae­la Han­sen sagt, dass sie sei schon bei diver­sen natio­na­len und inter­na­tio­na­len Behör­den und Insti­tu­tio­nen vor­stel­lig gewor­den sei. Doch bis­her sähe man dort kei­nen Hand­lungs­be­darf. „Wir wün­schen uns sehr, dass end­lich etwas bezüg­lich der alters­dis­kri­mi­nie­ren­den und nicht mehr zeit­ge­mä­ßen Gesetz­ge­bung in Bewe­gung käme.“ Momen­tan rei­sen die Gran­ny-Au-pairs als Tou­ris­tin­nen in fer­ne Län­der. Damit ergibt sich sehr oft eine Blei­be-Zeit von drei bis sechs Mona­ten.  

Alle paar Mona­te ein Wech­sel, kann für die Fami­li­en anstren­gend sein. Ande­rer­seits – wenn es rich­tig gut klappt – kön­nen die Gran­nys daheim in Deutsch­land Urlaub machen und dann wie­der neu ein­rei­sen und „nach Hau­se“ kom­men. 

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Der Gen­der-Pay-Gap ist bekannt. Auch der Invest­ment-Gap wird andis­ku­tiert. Wer aller­dings genau hin­sieht, wird auch eine unschö­ne Lücke im Ser­vice­kon­zept vie­ler Finanz­häu­ser fin­den. Mile­na Rot­ten­stei­ner, Lei­te­rin des Spar­kas­sen Inno­va­ti­on Hubs, und Seli­na Haupt, Pro­jekt­lei­te­rin, zei­gen in ihrer 2021er Stu­die ein­drucks­voll, wo es man­gelt und wie Ser­vice ein­fach bes­ser wer­den könnte. 

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