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Goldschmiedin: Modellieren aus Leidenschaft

2021-07-21T07:28:10+02:0012. Juli 2021|

Susa Beck ist Gold­schmie­din und han­tiert mit so stil­vol­len Werk­zeu­gen wie Kitt­ku­gel, Pun­zen und Zise­lier­ham­mer. Um rich­tig in den Flow zu kom­men, braucht sie Ruhe und arbei­tet gern nachts. Ihre Spe­zia­li­tät sind Cocktailringe.

Auf­ge­zeich­net von Mari­ka Schaertl

Man­che Gold­schmie­de arbei­ten in schön insze­nier­ten oder fast schon kli­nisch anmu­ten­den High­tech-Werk­stät­ten. Das ist beein­dru­ckend. Mich fas­zi­niert, wel­che raf­fi­nier­ten tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten es da mitt­ler­wei­le gibt. Zum Bei­spiel CAD-Com­pu­ter­pro­gram­me, die bei der Kon­struk­ti­on hel­fen und bei denen der Ent­wurf anschlie­ßend in Wachs geplot­tet und dann in Edel­me­tall gegos­sen wird. Aber das ist nichts für mich. Ich arbei­te hand­werk­lich lie­ber „down to earth“. Mein Arbeits­platz ist daher eher nüch­tern-funk­tio­nell. Mein Mate­ri­al vor Augen, müs­sen mei­ne Hän­de jeden Arbeits­schritt füh­len kön­nen. Mit die­sem Old-School-Ansatz kommt mei­ne Hand­schrift am bes­ten zur Geltung.

Was sich auf mei­nem Arbeits­tisch befin­det? Tra­di­tio­nel­les Werk­zeug, zum Bei­spiel eine Kitt­ku­gel. Der Kitt wird erwärmt und fixiert das Werk­stück durch das anschlie­ßen­de Erkal­ten. Man kann klas­si­sche Treib­ar­bei­ten dar­in her­stel­len, das sind zum Bei­spiel Ble­che mit Mus­tern. Mit Pun­zen und Ham­mer wird ein Blech in den Kitt getrie­ben, der Kitt gibt nach, es ent­ste­hen gewölb­te, flie­ßen­de Mus­ter im Metall. Der dabei ver­wen­de­te Zise­lier­ham­mer hat einen gebo­ge­nen Stil, dadurch ergibt sich ein federn­der schnel­ler Schwung beim Arbeiten.

Ein antik anmu­ten­des Schmuck­stück für sich ist mei­ne Säge, die ein Kol­le­ge aus Ame­ri­ka ent­wi­ckelt hat. Ich hab’ sie auf Insta­gram ent­deckt. Unter­halb des Gold­schmie­de­werk­tischs mit der typi­schen halb­run­den Aus­spa­rung und dem Feil­na­gel ist zudem ein Leder­tuch befes­tigt. Das nennt man Brett­fell, da wer­den alle Edel­me­tall-abfäl­le gesam­melt und spä­ter wie­der ein­ge­schmol­zen. Dann gibt es da noch die­se grel­le grün fluo­res­zie­ren­de Flüs­sig­keit. Das ist Löt­was­ser. Wenn das Metall erhitzt wird, ver­hin­dert das Löt­was­ser, dass sich Pati­na bildet.

Model­lie­ren ist mei­ne Lei­den­schaft. Meis­tens ver­wen­de ich Spe­zi­al­wachs. Wie ein Bild­hau­er frä­se ich eine Form aus einem Block. Die geht dann zum Gie­ßen in Edel­me­tall an einen Spe­zi­al­be­trieb. Oft adap­tie­re ich bereits ent­stan­de­ne For­men immer wei­ter. Sel­ten sieht ein Stück wie das ande­re aus.

Das liegt auch dar­an, dass ich beim Gold­schmie­den mei­nen Sin­nen fol­ge. Alles, was die Sin­ne anregt, inspi­riert mich. Wenn ich im Ate­lier bin, höre ich auf dem iPho­ne über Spo­ti­fy gern klas­si­sche Musik. Mit dem Kopf­hö­rer blen­de ich die Umge­bung aus und füh­le die Musik unmit­tel­bar. Sie fließt durch den Gehör­gang direkt in mei­ne Hän­de. Bei den Cel­lo-Sui­ten von Bach hat­te ich, fast in Tran­ce, das Gefühl, die Fei­le wird zum Bogen, der über die Form schwingt.

Ich bin auch ein beken­nen­der Bal­lett­fan. Als Tän­ze­rin bin ich zwar nicht begabt. Aber ich lebe die Lie­be zu Tanz und Bewe­gung in den flie­ßen­den, schwin­gen­den Ent­wür­fen aus, die typisch für mich sind. Die Natur und ihre orga­ni­sche For­men­spra­che, Muscheln und Koral­len, das Meer, Blät­ter, Erde – alle die­se Ele­men­te sind in mei­nen Ent­wür­fen zu entdecken.

Zum Sinn­li­chen in mei­nem Ate­lier gehö­ren auch die Duft­ker­zen. Alles, was gut duf­tet, beflü­gelt mei­ne Lau­ne, auch die mei­ner Kund:innen. Eine Duft­ker­ze als Bei­ga­be zum Kauf ist bei mir schon Tradition.

Eine beson­de­re Ver­bin­dung habe ich auch zu mei­nem far­ben­fro­hen Kaf­fee­be­cher. Vor 30 Jah­ren habe ich ihn von einer befreun­de­ten Kera­mi­ke­rin erwor­ben. Trotz sei­ner Macken und Ris­se wird er nicht aus­ran­giert. Ich schät­ze Kunst und Kunst­hand­werk, und Macken erzäh­len Geschich­ten. Wie Leo­nard Cohen in sei­nem Lied „Anthem“ singt: „The­re is a crack, a crack in ever­ything. That’s how the light gets in …“

Kaf­fee trin­ke ich früh­mor­gens – ich bin ein schwä­bi­scher „Schaf­fer“. Ab acht Uhr sit­ze ich in der Werk­statt. Je nach Arbeits­pro­zess arbei­te ich aber auch gern abends oder nachts, vor allem wenn ich neue Sachen ent­wer­fe. Da muss es ruhig sein, damit ich in den Flow kom­me. Ich mag die­se inne­re Antriebs­fe­der, die mich immer wei­ter anspornt. Mir wird nie fad.

Bekannt bin ich übri­gens für auf­fäl­li­ge Cock­tail­rin­ge, aber mei­ne Kol­lek­ti­on umfasst alle Schmuck­ar­ten. Mei­ne Kli­en­tel sind cha­ris­ma­ti­sche Frau­en ab 40 Jah­ren auf­wärts. Mit einem Fai­ble für Kunst und Qua­li­tät umge­ben sie sich gern mit schö­nen Din­gen. Meist haben sie schon viel Schmuck gekauft, sie suchen jetzt das Indi­vi­du­el­le, das sich von der Mas­se abhebt. Hand­ar­beit erlebt immer mehr Zuspruch. Natür­lich hat Coro­na die Zahl der Kun­den, die bei mir ein- und aus­ge­hen, ver­rin­gert. Mei­ne Kun­din­nen kom­men ja nicht nur aus ganz Deutsch­land, son­dern aus vie­len Län­dern. Aber das Rei­sen ist ja gera­de nicht möglich.

Dabei muss man mei­nen Schmuck doch anpro­bie­ren. Die Hap­tik ist essen­zi­ell. Es gibt kei­ne Scho­ko­la­den­sei­ten. Jede Ansicht ist mir wich­tig, so ent­steht Kom­ple­xi­tät. Mit spie­le­ri­scher Leich­tig­keit darf sich dabei alles um sich selbst drehen.

Susa Beck, gebo­ren in Stutt­gart, ist Gold­schmie­din mit Edel­stein- und Dia­mant­gut­ach­ter­aus­bil­dung – und seit über 30 Jah­ren im Job. Nach Pra­xis­auf­ent­hal­ten in Nami­bia und New York arbei­tet sie heu­te als selbst­stän­di­ge Gold­schmie­din und frei­schaf­fen­de Künst­le­rin in Mün­chen. www.susabeck.de

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