• Ist Gold immer noch ein Inflationsschutz?, ©Stockfotos-MG - stock.adobe.com

Gold: Wo ist der sichere Hafen?

2022-06-17T12:06:00+02:0017. Juni 2022|

Die Infla­ti­on bleibt rekord­hoch. Und das über­rascht selbst die Notenbanker:innen. Die hat­ten damit gerech­net, dass die irren Preis­an­stie­ge nur vor­über­ge­hend sind. Und haben ent­spre­chend gezö­gert, die Zin­sen zu erhö­hen. Denn das ist nun mal das Mit­tel gegen Infla­ti­on. Doch im Juli macht die EZB Ernst. Die Zins­wen­de kommt. Nach elf Jah­ren. Doch selbst Gold, eigent­lich doch so ein siche­rer Hafen, fällt 

Von Ant­je Erhard

In der Coro­na-Pan­de­mie hat Gold vie­le besorg­te Anleger:innen beru­higt: Wer im März 2020 zu Pan­de­mie-Beginn und Akti­en­markt-Crash in Gold inves­tiert hat, hat­te schon im August einen Gewinn von 25 Pro­zent gemacht. Auch in die­sem Früh­jahr hat Gold die 2.000 Dol­lar-Mar­ke wie­der über­wun­den. Und sei­nen Job als Kri­sen­wäh­rung unter­stri­chen. Doch seit Jah­res­be­ginn ist selbst das Edel­me­tall kein Gewinn – liegt aber im Gegen­satz zu den meis­ten ande­ren Ver­mö­gens­wer­ten nicht tief im Minus. Denn Infla­ti­on und Rezes­si­ons­sor­gen las­sen die Kur­se von Akti­en, Anlei­hen, Kryp­tos und zum Teil eben auch Gold pur­zeln. Allein in den letz­ten drei Mona­ten fällt Gold um knapp fünf Pro­zent. Und jetzt stei­gen auch noch die Zin­sen – zum ers­ten Mal seit elf Jah­ren. 

Kommt die Rezession?

In der Ver­gan­gen­heit haben Zins­er­hö­hun­gen fast immer eine Rezes­si­on aus­ge­löst. Und eigent­lich ist Gold da als siche­rer Hafen doch eine gute Idee, wer­den vie­le von uns den­ken. Doch selbst Gold ist ange­sichts der Infla­ti­on unbe­ein­druckt. Immer­hin, in Euro hat Gold rund acht Pro­zent zuge­legt, weil der Euro zum US-Dol­lar abge­wer­tet hat. Der star­ke US-Dol­lar ist einer der Grün­de, dass Gold so ver­hal­ten reagiert, sagt Micha­el Blu­men­roth, Roh­stoff- und Devi­sen-Spe­zia­list der Deut­schen Bank. „Auf­grund sei­nes fes­ten Kur­ses wird Gold für Anleger:innen oder Schmuckkäufer:innen außer­halb des US-Dol­lar-Wäh­rungs­rau­mes teu­rer, in Japan zum Bei­spiel um rund 16 Pro­zent.“  

Doch noch viel stär­ker schla­gen die stei­gen­den Kapi­tal­markt­zin­sen zu Buche: „Die ers­ten Leit­zins­er­hö­hun­gen bzw. die Ankün­di­gung wei­te­rer Zins­schrit­te hat­te einen deut­li­chen Anstieg der Real­zin­sen zur Fol­ge“, erklärt Micha­el Blu­men­roth die Zusam­men­hän­ge. Je höher die Real­zin­sen sei­en (Nomi­nal­zin­sen der Anlei­hen abzüg­lich der erwar­te­ten Infla­ti­on), des­to attrak­ti­ver wer­den Staats­an­lei­hen rela­tiv zu Gold, weil sie eben­falls als „siche­re Häfen“ betrach­tet wür­den.  

US-Staatsanleihen immer attraktiver

Der­zeit sei­en vor allem US-Staats­an­lei­hen, die über sämt­li­che Lauf­zei­ten hin­weg knapp 3,5 Pro­zent Ren­di­te erziel­ten, eine attrak­ti­ve Alter­na­ti­ve zu Gold. Und auch in der Euro­zo­ne stei­gen die Zin­sen: „In der Euro­zo­ne sind die Ren­di­ten von Bun­des­an­lei­hen zwar in den ver­gan­ge­nen Tagen eben­falls deut­lich ange­stie­gen, sie sind aber ver­mut­lich noch nicht hoch genug, um eine ech­te Opti­on zu wer­den“, erklärt Micha­el Blu­men­roth. Außer­dem wür­den vie­le Großanleger:innen der­zeit lie­ber ver­su­chen, mög­lichst viel Liqui­di­tät bzw. Cash in ihren Port­fo­li­os zu hal­ten. 

Nur ein bisschen Zinserhöhung?

Aber was kann sich die EZB über­haupt an Zins­er­hö­hun­gen leis­ten? „So wie ein biss­chen Put­zen die Woh­nung nicht sau­ber macht, ist ein biss­chen Zins­er­hö­hung noch kei­ne Sta­bi­li­täts­po­li­tik“, sagt Robert Hal­ver, Lei­ter der Kapi­tal­markt-Stra­te­gie der Baa­der Bank. Es gehe um das Wie­viel. Da fal­le es ihm aber schwer zu glau­ben, dass die EZB einen radi­ka­len geld­po­li­ti­schen Wech­sel ein­läu­tet. „Die EZB wird die Sozi­al­ar­bei­te­rin Euro­pas blei­ben.“  

Sorge vor einer neuen Schuldenkrise in Europa

Gin­ge es nach der Wirt­schaft Deutsch­lands, Finn­lands, der Nie­der­lan­de oder Öster­reichs, wären die Zin­sen schon viel höher. Aber: „Euro­pa ist nur so sta­bil wie ihr schwächs­tes Glied.“ Und es gäbe nun mal eini­ge mus­kel­schwa­che Län­der, die mit stark stei­gen­den Zin­sen „in arge Finanz­not.“ Kämen. 

Wir sehen bereits die­se Angst am Anlei­hen­markt: Die Ren­di­ten von Ita­li­en und Spa­ni­en stei­gen und stei­gen. Wenn sich das fort­setzt, ris­kiert Euro­pa womög­lich die nächs­te Schul­den­kri­se. Robert Hal­ver meint, dass die EZB dann lie­ber mehr Infla­ti­on hin­neh­men wird.

Micha­el Blu­men­roth sieht Gold aber mit­tel­fris­tig „auf­grund der geo­po­li­ti­schen Unsi­cher­hei­ten und der anhal­tend hohen Infla­ti­ons­ra­ten gestützt. Die poten­zi­ell wei­ter­hin star­ken Kurs­schwan­kun­gen an den Finanz­märk­ten soll­ten Gold auf­grund sei­nes „Ver­si­che­rungs­cha­rak­ters“ auch zukünf­tig als eine attrak­ti­ve Ergän­zung eines diver­si­fi­zier­ten Port­fo­li­os inter­es­sant erschei­nen las­sen.“ 

Fazit: Gold hat Federn gelas­sen inmit­ten der Kri­se – aber weni­ger stark als ande­re Ver­mö­gens­wer­te. Kurz­fris­tig kann der Gold­preis unter Druck blei­ben, weil die Noten­ban­ken die Zin­sen erhö­hen. 

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