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Gesund für’s Depot: Wie ist die Zukunft der Impfstoff-Hersteller?

2021-09-03T16:08:51+02:003. September 2021|

Nach kur­zer For­schungs­pha­se erzie­len die Her­stel­ler der Coro­na-Impf­stof­fe BionTech/Pfizer und Moder­na nun Mili­ar­den­ge­win­ne. Und wer­den an der Bör­se ent­spre­chend hoch bewer­tet. Doch nicht alle Her­stel­ler, die ange­tre­ten sind, gegen Coro­na zu for­schen und Impf­stof­fe bzw. Medi­ka­men­te zu ent­wi­ckeln, sind bis dato erfolg­reich. Die neu­en Tech­no­lo­gien jedoch sind viel­ver­spre­chend. Was heißt das für die Zukunft der Impf­stoff-Her­stel­ler? Und für die Akti­en der der­zeit belieb­tes­ten Branche? 

Von Ant­je Erhard 

Anleger:innen von Bio­n­Tech erle­ben seit Mona­ten eine Ral­ly, die sel­ten an der Bör­se ist: Eine bahn­bre­chen­de Tech­no­lo­gie für Impf­stof­fe gegen das Coro­na-Virus, Mil­li­ar­den­ge­win­ne und die Aus­sicht auf wei­te­re Impf­stof­fe auf Basis die­ser neu­en Tech­no­lo­gien stim­men Investor:innen regel­recht eupho­risch. Doch nicht alle Her­stel­ler, die viel­ver­spre­chend gestar­tet sind im Kampf gegen Coro­na, sind so erfolgreich.

Wie nah Nie­der­la­ge und Sieg bei­ein­an­der lie­gen, zeig­te das Bei­spiel Cur­e­vac aus Deutsch­land. Mit einer Wirk­sam­keit gegen das Coro­na-Virus von 48 Pro­zent in Pha­se 3 der Unter­su­chun­gen erhielt das Unter­neh­men bis dato kei­ne Zulas­sung der Gesund­heits­be­hör­den. Die Wirk­stof­fe von BionTech/Pfizer und Moder­na waren mit einer Wirk­sam­keit von 97 Pro­zent ins behörd­li­che Ren­nen gegan­gen. Und hat­ten damit im Dezem­ber 2020 die Not­fall-Zulas­sun­gen der US-Gesund­heits­be­hör­de FDA wie auch der euro­päi­schen Behör­den erhalten.

Curevac forscht am Impfstoff der zweiten Generation

Cur­e­vac forscht nun an einem Impf­stoff der zwei­ten Genera­ti­on: Zusam­men mit Gla­x­oS­mit­h­Kli­ne aus Groß­bri­tan­ni­en will Cur­e­vac einen ver­bes­ser­ten Impf­stoff, der aller­dings noch in der prä­kli­ni­schen Pha­se ist, auf den Markt brin­gen. Er zei­ge aber eine gute Wirk­sam­keit gegen ver­schie­de­ne Virus­va­ri­an­ten. Bis zur Markt­rei­fe ist der Weg aller­dings noch weit. Im vier­ten Quar­tal soll eine kli­ni­sche Pha­se 1 star­ten. Die Aktie hat sich aller­dings von ihrem Jah­res­tief bei 38,10 Euro erholt und notiert nun bei mehr als 60 Euro.

Dani­el Sau­renz, Finanz­jour­na­list und Mit-Grün­der des Invest­ment­por­tals Fein­gold Rese­arch, ist den­noch vor­sich­tig opti­mis­tisch für das Main­zer Unter­neh­men: „Natür­lich sind Bio­n­Tech und Moder­na momen­tan bei Akti­en die meist­ge­such­te Ware. Der Nach­züg­ler mit dem poten­zi­ell größ­ten Kurs­sprung könn­te Cur­e­vac wer­den, sofern man eine Zulas­sung noch schaf­fen wird und gute Qua­li­tät liefert”.

Einmalimpfung wirklich sinnvoll?

John­son & John­son aus den USA ent­wi­ckel­te einen Impf­stoff, der mit einem Picks, sprich einer Imp­fung, aus­kommt und ist seit März in Deutsch­land zuge­las­sen. Doch es meh­ren sich die so genann­ten Impf­durch­brü­che, also Erkran­kun­gen an Coro­na trotz Imp­fung. Damit wer­den Fra­gen nach der Wirk­sam­keit einer Ein­mal­imp­fung laut. Der Wirk­stoff hat vier Wochen nach der Imp­fung 66 Pro­zent Schutz, schwe­re Ver­läu­fe wer­den zu 85 Pro­zent ver­hin­dert. Das Unter­neh­men hält Auf­fri­schungs­imp­fun­gen der­zeit nicht für nötig.

Anders als Biontech/Pfizer (mRNA) und Moder­na (Boten­mo­le­kü­le) setzt John­son & John­son auf einen Vek­tor-Impf­stoff. Das bedeu­tet, er ent­hält einen Krank­heits­er­re­ger als Trans­port­mit­tel, das die wich­tigs­te Infor­ma­ti­on über das Coro­na­vi­rus in die Zel­len trans­por­tiert, ohne eine Infek­ti­on aus­zu­lö­sen. Damit wird das Immun­sys­tem zu einer Reak­ti­on ver­an­lasst und ist auf eine mög­li­che Infek­ti­on vor­be­rei­tet. Die Aktie leg­te übers Jahr mode­rat zu. Doch John­son & John­son ist nicht nur Pharma‑, son­dern auch Kon­sum­gü­ter-Her­stel­ler und als sol­cher breit auf­ge­stellt: Baby-Pfle­ge­mit­tel, Haut­pfle­ge und Schmerz­mit­tel gehö­ren zur Pro­dukt­pa­let­te des Konzerns.

AstraZeneca-Aktie ohne Kursgewinne

Den Vek­tor-Impf­stoff ver­wen­det auch Astra­Ze­ne­ca. Im inter­na­tio­na­len Impf­stoff-Ren­nen lag Astra­Ze­ne­ca denn auch lan­ge vorn. Das Unter­neh­men hat­te mit der Uni­ver­si­tät Oxford koope­riert und den Impf­stoff gegen das Coro­na-Virus mit ihr gemein­sam ent­wi­ckelt. Im ers­ten Halb­jahr brach­te das Umsät­ze von 1,2 Mil­li­ar­den Dol­lar ein bei 319 Mil­lio­nen aus­ge­lie­fer­ten Dosen. Der Impf­stoff wird zum Selbst­kos­ten­preis verkauft.

Neben dem Impf­stoff hat das Unter­neh­men nun ein Coro­na-Medi­ka­ment ent­wi­ckelt und rech­net mit einer vor­läu­fi­gen Zulas­sung noch in die­sem Jahr. Doch wäh­rend die Kon­kur­renz-Akti­en abho­ben, erreicht Astra­Ze­ne­ca in einem Jahr kaum Kurs­ge­win­ne. Lie­fer­eng­päs­se des Impf­stof­fes und Neben­wir­kun­gen und den dar­aus unter ande­ren in Deutsch­land ver­häng­ten Impf­stopp brach­ten das Unter­neh­men in die Kri­tik, obwohl das Vak­zin eine Wirk­sam­keit von rund 80 Pro­zent hat.

Die Konkurrenz schläft nicht 

Und die Kon­kur­renz schläft nicht. Nova­vax als noch nicht in Deutsch­land und Euro­pa zuge­las­se­ner Impf­stoff setzt auf eine ande­re Tech­no­lo­gie: auf einen Wirk­stoff auf Pro­te­in-Basis. Vor der Ent­wick­lung der mRNA- und der Vek­tor-Impf­stof­fe war die­se Tech­no­lo­gie die moderns­te und erprobt zum Bei­spiel bei Grip­pe. Nova­vax mel­de­te im Juni eine Wirk­sam­keit von gut 90 Pro­zent. Im August hat Nova­vax die Zulas­sung in Indi­en und Indo­ne­si­en bean­tragt, in Euro­pa prüft die Arz­nei­mit­tel­be­hör­de EMA das Vak­zin. In den USA soll ein Antrag im vier­ten Quar­tal gestellt werden.

Grund­sätz­lich setzt die For­schung nicht nur auf Impf­stoff aus der Sprit­ze. Auch Tablet­ten und Nasen­sprays wer­den der­zeit erforscht. Kli­ni­sche Prü­fun­gen lau­fen der­zeit in den USA und in Kana­da. Markt­rei­fe hat noch kei­nes der Produkte.

Fazit Impfstoff-Hersteller

Vier Impf­stof­fe sind der­zeit in Deutsch­land – wie auch in vie­len ande­ren Län­dern der Welt – zuge­las­sen. Mit unter­schied­li­chen Ver­fah­ren. Und unter­schied­li­chen Erfol­gen. Wirt­schaft­lich wie an der Bör­se. Die Hoff­nun­gen set­zen dar­auf, das Coro­na-Virus zu besie­gen, aber auch mit neu­en Tech­no­lo­gien wie der mRNA-Tech­no­lo­gie ande­re Krank­hei­ten wie Krebs oder HIV zu besie­gen. Ob und wie schnell das gelin­gen kann, ver­mag aller­dings nie­mand vorherzusehen.

Die Bör­sen­hausse der erfolg­reichs­ten Her­stel­ler aller­dings mit Skep­sis. Deut­lich nied­ri­ge­re Notie­run­gen sind nicht aus­zu­schlie­ßen, wenn der posi­ti­ve Nach­rich­ten­fluss nach­lässt. Dani­el Sau­renz von Fein­gold Rese­arch resü­miert: „Mit Abzü­gen in der B‑Note kann man aus Chan­ce-Risi­ko-Sicht klei­ne­re spe­ku­la­ti­ve Invest­ments in Cur­e­vac oder Novo­vax fahren.“

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