• Einhörner
    Einhörner, ©Jacob Ammentorp Lund/iStock

Geldflut für die Einhörner

2022-03-14T17:09:57+01:0014. März 2022|

Bis vor ein paar Jah­ren gab es sie fast so sel­ten wie in Mär­chen und Mythen. Die Rede ist von Ein­hör­nern, die in der Welt der Techi­es als Fir­men gel­ten, die vom Markt mit mehr als einer Mil­li­ar­de US-Dol­lar bewer­tet wer­den. Nun scheint es einen regel­rech­ten Run der Geld­ge­ber auf Start-ups zu geben. Wie kann das sein?

Von Mat­thi­as Lauerer

In der Welt der Wall Street, in der nur Zah­len zäh­len, hat eine beson­de­re Zif­fer einen fast magi­schen Ruf: eine Mil­li­ar­de, also die Eins mit neun Nul­len. Tech­no­lo­gie-Start-ups, die vor dem Bör­sen­gang eine Bewer­tung von die­ser Sum­me errei­chen, hei­ßen Ein­hör­ner. 2015 wur­den 41 Unter­neh­men mit exakt die­ser Zahl bewer­tet, damals ein Rekord, wie das Risi­ko­ka­pi­tal­for­schungs­un­ter­neh­men CB Insights berich­tete und 103 Start-ups hatten vor sie­ben Jah­ren diese Mil­li­ar­den­gren­ze über­schrit­ten, wie aus den Sta­tis­ti­ken des Unter­neh­mens her­vor­geht. Inter­es­sant, denn jene Aus­sa­ge beruht auf vie­len Fak­to­ren und nicht immer auf har­ten Finanz­da­ten.

Die Einhörner sind los

Laut der Ana­ly­se­fir­ma „Pitch­book“ sam­mel­ten Start-ups in den Ver­ei­nigten Staa­ten im ver­gan­ge­nen Jahr unglaub­li­che 330 Mil­li­ar­den US-Dol­lar, also umge­rech­net 298 Mil­li­ar­den Euro ein, was dem 2019er Brut­to­so­zi­al­pro­dukt des Staa­tes Ägyp­ten ent­spricht. Woher kommt die­se Zuver­sicht in Unter­neh­men, die sich oft erst noch auf dem Markt und bei den Kun­den bewei­sen und bewäh­ren müs­sen? Liegt der Geldts­u­na­mi an der Pan­de­mie, in der sich zeig­te, wie schnell sich digi­ta­le Anwen­dungen durch­set­zen, wenn es nicht anders geht? Haben all die Ven­ture Capi­ta­lists also mehr Mut gefasst, auf das nächs­te gro­ße Ding zu set­zen?

BeispielNotCo

Ein Bei­spiel: Obacht heißt es beim Konsum von Bio-Rind­fleisch und Bio-Milch, damit befeu­ern wir die Fleisch- und Milch­in­dus­trie und die sägt am fra­gi­len Kli­ma-Ast der Erde. Doch was, wenn drei Chi­le­nen eine Lösung dafür in pet­to hät­ten? Ihr Start-up trägt den Namen „Not­Co“, was für ihre „Nicht“-Firma ste­hen soll. Hier ent­ste­hen neue Pro­duk­te, aber die sind eben nicht das tie­ri­sche Ori­gi­nal, son­dern aus­schließlich aus Pflan­zen gemacht. Eine künst­li­che Intel­li­genz ent­warf bis­lang Milch, Joghurt, Eis­creme, Ham­bur­ger und Chi­cken Nug­gets. Lohn der Arbeit: eine Bewer­tung von über 1,5 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Immer­hin, die­se Fir­ma hat ihre Pro­duk­te erfolg­reich auf den Markt ein­ge­führt.

Nur Schall und Rauch?

Doch es gibt auch Nega­tiv­bei­spie­le. Wir erin­nern uns an die Betrü­ge­rin Eli­sa­beth Hol­mes von „Ther­a­nos“, deren Fir­men­wert die famo­se Geldgren­ze auch ein­mal über­schritten hat­te. Doch lei­der beruh­te das sagen­haf­te Blut­ana­ly­se­ge­rät des fri­schen Unter­neh­mens schlicht auf Betrug. Nun stand die geknick­te Lady vor Gericht und lan­det wohl sehr bald im Knast. Für wie viele Jah­re ist noch unbe­kannt, das Straf­maß wur­de noch nicht ver­kün­det. Die Wirt­schaft­wo­che beschrieb es unlängst so: Der Fall Hol­mes ist ein Warn­schuss vor den Bug von ande­ren hoch­flie­gen­den Täu­schern. Momen­tan strömt das Kapi­tal nur so in Start-ups aus dem Sili­con Val­ley, etli­che Jung­un­ter­neh­men sind ohne fer­ti­ges Pro­dukt an die Bör­se gegan­gen. Ob das wohl gut­geht oder sich doch Mil­li­ar­den Green­backs in Wohl­wol­len auflösen?

Beispiel „Evernote

Und wer erin­nert sich noch an Ever­no­te“? Jene, einst hoch­be­wer­te­te Fir­ma, wur­de vom Busi­ness Insi­der als das ers­te tote Ein­horn bezeich­net. Vielleicht soll­ten also all jene flei­ßi­gen US-Geld­ge­ber ein­mal kurz inne­hal­ten, bevor sie den nächs­ten dicken Scheck an die Schlan­ge ste­hen­den Nerd­trup­pen der hoff­nungs­vol­len Super-Start-ups Aspi­ran­ten wei­terrei­chen …   

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