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    Betriebliche Altersvorsorge, ©Vasyl Dolmatov/iStock

Fürs Alter vorsorgen: mit dem Betrieb!

2022-03-24T16:27:52+01:0024. März 2022|

Fürs Ein­kom­men im Ruhe­stand vor­sor­gen und dadurch schon heu­te mehr Ein­kom­men haben: Monat für Monat. Das gelingt nur mit einer Betriebs­ren­te. Courage-online.de erklärt, wie das geht.  

Von Gise­la Haberer

2.910 Euro net­to hat ein Rent­ner­paar im west­deut­schen Schnitt an Ein­kom­men im Monat. Bei weib­li­chen Sin­gles liegt das durch­schnitt­li­che Ein­kom­men im Ruhe­stand bei 1.606 Euro. Wie bit­te? Hört man nicht immer von wesent­lich nied­ri­ge­ren Ren­ten? Ja, denn meist wird nur von der gesetz­li­chen Ren­te gespro­chen. Die ist aber nur als Basis-Ver­sor­gung gedacht. Dar­auf sol­len eine Betriebs­ren­te und pri­va­te Vor­sor­ge auf­bau­en – so die Vor­ga­be der Poli­tik. Die Älte­ren machen vor, wie das klappt. Denn ein Fünf­tel ihrer Ein­kom­men im Ruhe­stand fließt aus pri­va­ter Vor­sor­ge und ein Fünf­tel aus Betriebs­ren­ten. Nur ein Pro­zent der Rent­ner­haus­hal­te erhält staat­li­che Unter­stüt­zung, wie der Ren­ten­ver­si­che­rungs­be­richt der Bun­des­re­gie­rung aus­weist. Damit auch die heu­te Jün­ge­ren im Alter nicht zwangs­läu­fig arm sind, erleich­ter­ten gesetz­li­che Refor­men den Zugang zu betrieb­li­cher Alters­ver­sor­gung (bAV) Schritt für Schritt.  

Anspruch auf Betriebsrente

Seit zwan­zig Jah­ren haben ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­te ein Recht, über ihren Betrieb fürs Alter vor­zu­sor­gen. Die bAV kann auf ins­ge­samt fünf unter­schied­li­chen Wegen umge­setzt wer­den: Zwei davon kann das Unter­neh­men frei­wil­lig anbie­ten und dann dafür selbst auf­kom­men, drei Wege kön­nen Ange­stell­te ein­for­dern und dafür einen Teil ihres Ent­gelts in Vor­sor­ge umwan­deln.   

Freiwillige Leistungen der Firma

Die ältes­te Form der bAV ist die Direkt­zu­sa­ge: Dabei zahlt das Unter­neh­men die Bei­trä­ge für die Betriebs­ren­te kom­plett allei­ne. Erstaun­li­cher­wei­se ist dies bis heu­te auch die häu­figs­te Form: fast die Hälf­te aller Betriebs­ren­ten sind Direkt­zu­sa­gen. Die sel­tens­te Form dage­gen ist der zwei­te Weg, den Betrie­be frei­wil­lig anbie­ten kön­nen: die Unter­stüt­zungs­kas­se. Zusätz­lich zu den Bei­trä­gen ihres Betriebs kön­nen Beschäf­tig­te auch selbst in die Kas­se ein­zah­len. Die­se bei­den Wege – Direkt­zu­sa­ge und Unter­stüt­zungs­kas­se – las­sen sich nicht ein­kla­gen.  

Vorsorge aus Verdienst

Beschäf­tig­te haben aber ein Recht dar­auf, dass ein Teil ihres Loh­nes in eine bAV fließt. Die­se so genann­te Ent­gelt­um­wand­lung muss der Betrieb ermög­li­chen. Dafür ste­hen drei Mög­lich­kei­ten zur Aus­wahl: Direkt­ver­si­che­rung, Pen­si­ons­kas­se oder Pen­si­ons­fonds. Bei der Direkt­ver­si­che­rung wird zu Guns­ten des Ange­stell­ten eine Ren­ten­ver­si­che­rung abge­schlos­sen. Für immer mehr Bran­chen gibt es auch spe­zi­el­le Pen­si­ons­kas­sen oder Pen­si­ons­fonds.  

Frei von Sozialabgaben und Steuern

Die Ent­gelt­um­wand­lung erhöht nicht nur die Ren­te, son­dern auch bereits das ver­füg­ba­re Ein­kom­men wäh­rend des Berufs­le­bens. Denn sobald Ent­gelt in Vor­sor­ge umge­wan­delt wird, erspart dies Bei­trä­ge zu Sozi­al­ver­si­che­run­gen und zudem Steu­ern. 2022 blei­ben Bei­trä­ge zur bAV bis zu 282 Euro im Monat sozi­al­ver­si­che­rungs­frei und bis zu 564 lohn­steu­er­frei.  

Zuschüsse von Chef oder Chefin

Auch das Unter­neh­men erspart sich durch die Ent­gelt­um­wand­lung Sozi­al­ab­ga­ben. Denn für den Teil des Loh­nes, der in eine Direkt­ver­si­che­rung, Pen­si­ons­kas­se oder Pen­si­ons­fonds fließt, fal­len kei­ne Beträ­ge für Kranken‑, Pflege‑, Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung an. Im Gegen­zug sind die Unter­neh­men aber zu einem Zuschuss zur bAV ver­pflich­tet: in Höhe von bis zu 15 Pro­zent des umge­wan­del­ten Ent­gelts, höchs­tens jedoch in Höhe der ein­ge­spar­ten Sozi­al­ab­ga­ben. Seit die­sem Jahr gilt die Zuschuss-Pflicht grund­sätz­lich für alle Ver­trä­ge, zuvor galt dies nur für Neu-Abschlüs­se ab 2019.   

Vorteile für niedrigere Einkommen

Liegt das monat­li­che Brut­to-Ein­kom­men unter 2.200 Euro, kann der Betrieb einen Zuschuss zur bAV zwi­schen 240 und 480 Euro im Jahr zah­len. Zum Aus­gleich erhält das Unter­neh­men einen direk­ten Steu­er­zu­schuss von 30 Pro­zent und kann die Auf­wen­dun­gen als Betriebs­aus­ga­ben abset­zen. 

Mit dem Betrieb riestern

Man­che Fir­men bie­ten eine bAV mit Ries­ter-För­de­rung an. Die staat­li­che För­de­rung gibt es für maxi­mal zwei Ver­trä­ge pro Per­son. So könn­te man pri­vat und betrieb­lich ries­tern. Das lohnt aber nicht immer. Denn: Um Ries­ter-Zula­gen zur bAV zu erhal­ten, müs­sen die Bei­trä­ge aus dem Net­to­ge­halt stam­men. Es gibt also ent­we­der Zula­gen oder Steu­er- und Sozi­al­ab­ga­ben­frei­heit. Betrieb­lich ries­tern kann aber loh­nen, wenn auf die­sem Weg eine Inva­li­di­täts- und Hin­ter­blie­be­nen­ren­te abschließ­bar ist.   

Betriebsrente mitnehmen

Beschäf­tig­te, die zu einem ande­ren Unter­neh­men wech­seln, haben das Recht, ihre bAV-Ansprü­che aus einer Direkt­ver­si­che­rung, einer Pen­si­ons­kas­se oder einem Pen­si­ons­fonds mit­zu­neh­men. Dafür gel­ten Höchst­gren­zen und Fris­ten. Mit dem neu­en Arbeit­ge­ber oder der Arbeit­ge­be­rin lässt sich ver­ein­ba­ren, dass der bis­he­ri­ge bAV-Ver­trag wei­ter­läuft und zwar über die Clea­ring-Stel­le der Deut­schen Gesell­schaft für betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung.    

Keine Angst vor Insolvenz

Kann ein Unter­neh­men sei­ne Ver­pflich­tun­gen zur Betriebs­ren­te nicht mehr erfül­len, dann über­neh­men die vom Betrieb beauf­trag­ten Trä­ger, Direkt­ver­si­che­run­gen, Pen­si­ons­fonds, Pen­si­ons­kas­sen oder Unter­stüt­zungs­kas­sen die Bei­trags­zu­sa­gen, unter­stützt vom Pen­si­ons-Siche­rungs-Ver­ein 

Betriebsrenten sichern

Für Arbeitgeber:innen ist die Zusa­ge einer Betriebs­ren­te eine jahr­zehn­te­lan­ge Belas­tung. 2018 wur­de das Sozi­al­part­ner­mo­dell ein­ge­führt, das sie von der Haf­tung für die Höhe der spä­te­ren Ren­te ent­bin­det. Arbeitgeber:innen sagen dann nur noch die Zah­lung der Bei­trä­ge und eines Zuschus­ses zu. Das klingt gut, ist aber kaum für einen Betrieb allei­ne umsetz­bar. Daher wer­den sol­che Sozi­al­part­ner­mo­del­le in der Regel zwi­schen Gewerk­schaf­ten und einem gro­ßen Unter­neh­men oder einer gan­zen Bran­che aus­ge­han­delt. Und das dau­ert. Bis­lang wur­de erst ein Haus­ta­rif des Ver­si­che­rers Talanx abge­schlos­sen. Die­ser wird noch behörd­lich geprüft. Die Ener­gie­wirt­schaft ver­han­delt gera­de über einen Tarif für die gesam­te Bran­che.  

Höhere Betriebsrente im Ruhestand

Auch bei der Aus­zah­lung im Ruhe­stand gibt es gesetz­li­che Ver­bes­se­run­gen. 2018 wur­den pri­va­te und betrieb­li­che Ries­ter-Ren­ten gleich­ge­stellt: Seit­her wer­den auf Aus­zah­lun­gen aus allen Ries­ter-Ver­trä­gen kei­ne Sozi­al­ab­ga­ben mehr fäl­lig. Seit­dem gibt es zudem einen Frei­be­trag, der auf die Grund­si­che­rung nicht ange­rech­net wird. Für Rent­ner und Rent­ne­rin­nen, die im Alter Grund­si­che­rung bezie­hen müs­sen, erhöht ihre bAV also wei­ter­hin ihr ver­füg­ba­res Ein­kom­men. Seit 2020 gibt es zudem auf alle bAV-Ren­ten einen Frei­be­trag, bis zu dem kei­ne Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung fäl­lig wer­den. Des­sen Höhe wird jähr­lich fest­ge­legt. 2022 liegt er bei 200 Euro im Monat.  

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