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  • Prof. Dr. Alexandra Wuttig, Kanzlerin sowie Professorin für Innovation und Entrepreneurship der IU Internationalen Hochschule, ©IU Internationale Hochschule

Frauen in MINT: „Die wenigsten kennen eine IT-Expertin – das muss sich ändern“

2022-09-23T13:50:00+02:0023. September 2022|

Bis heu­te sind Frau­en in MINT (Mathe­ma­tik, Infor­ma­tik, Natur­wis­sen­schaf­ten und Tech­nik) ‑Beru­fen unter­re­prä­sen­tiert. Am feh­len­den Inter­es­se liegt das nicht, zeigt eine Stu­die der IU Inter­na­tio­na­le Hoch­schu­le. Wir haben mit Kanz­le­rin Alex­an­dra Wut­tig über feh­lende Role­mo­dels, gesell­schaft­li­che Ver­än­de­rung und gut bezahl­te Stu­di-Neben­jobs gespro­chen. 

Von Isa­bell Angele

courage-online.de: Frau Wuttig, weshalb ist es so wichtig, dass auch junge Frauen im MINT-Bereich durchstarten? 

Alex­an­dra Wut­tig: Da gibt es sehr vie­le Grün­de. Es ist gesell­schaft­lich sehr wich­tig, dass Frau­en auch im MINT-Bereich aktiv sind. Bis­her war die Welt sozu­sa­gen “von Män­nern für Män­ner” kon­zi­piert. Gera­de was die For­schung im Bereich Medi­zin oder Wis­sen­schaft angeht, spie­len Frau­en häu­fig eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le. Wür­den mehr Frau­en in sol­chen Berei­chen arbei­ten, könn­ten sie neue Sicht­wei­sen ein­brin­gen. Über­dies ist es für die Zukunfts­fä­hig­keit als Wett­be­werbs­stand­ort Deutsch­land wich­tig, dass es einen neu­en Blick auf die Din­ge gibt. Außer­dem hat unse­re Stu­die gezeigt, dass das Inter­es­se jun­ger Frau­en für MINT-Beru­fe da ist, sie sich aber letzt­lich doch für ande­re Bran­chen ent­schei­den. Zu guter Letzt gibt es in dem Bereich einen enor­men Fach­kräf­te­man­gel – gut aus­ge­bil­de­te Frau­en kämen da gera­de recht. 

Wenn das Interesse bei jungen Frauen für MINT-Fächer und ‑Berufe da ist, weshalb entscheiden sich nur so wenige für eine Karriere in dem Bereich? 

Im Grun­de es ist es wie im Unter­neh­mer­tum: Man kennt sehr weni­ge weib­li­che Role­mo­dels, also Frau­en, mit denen sich MINT-Inter­es­sier­te iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Auch im Bekann­ten­kreis haben zwar vie­le top aus­ge­bil­de­te Aka­de­mi­ke­rin­nen wie Ärz­tin­nen oder Anwäl­tin­nen, aber nur die wenigs­ten ken­nen eine IT-Exper­tin – das muss sich ändern. Das Bild, das vie­le von den Beru­fen haben, ist auch kein beson­ders gutes. Meis­tens stellt man sich einen “Nerd” vor, der in sei­nem Käm­mer­chen vor dem Com­pu­ter sitzt und mit kei­nen Men­schen spricht. Aber so ist das nicht. MINT-Beru­fe sind sehr viel­sei­tig und auch sehr kom­mu­ni­ka­tiv. 

Woher kriegt man solche Rolemodels? 

Es gibt sie bereits. Sie sind nur nicht so sicht­bar. Das ver­su­chen wir an unse­rer Hoch­schu­le mit einer Kam­pa­gne zu ändern. Unter­stüt­zung bekom­men wir dabei von Bit­kom, dem Bran­chen­ver­band der deut­schen Infor­ma­ti­ons- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che. Zusam­men mit dem Ver­band dre­hen wir Vide­os mit erfolg­rei­chen Frau­en, die im MINT-Berei­chen tätig sind und machen sie so bekann­ter. Außer­dem bie­ten wir eine Ring­vor­le­sung für Mäd­chen ab der 10. Klas­se an. Hier wird bei­spiels­wei­se erklärt, wie die IT-Welt in Wirk­lich­keit aus­sieht. Gelei­tet wer­den die­se Vor­le­sun­gen von unse­ren Pro­fes­so­rin­nen aus den ent­spre­chen­den Fächern. Die Ver­an­stal­tun­gen fin­den ab dem 5. Okto­ber alle online statt, sodass die Mäd­chen von über­all aus teil­neh­men kön­nen.  

Ihre Studie zeigt, dass viele Befragte an ihrem Vorwissen und ihren Fähigkeiten für spezielle MINT-Fächer zweifeln. Das Vorwissen der Schülerinnen müsste doch dem ihrer männlichen Klassenkameraden ähnlich sein – woher kommen die Zweifel? 

Vie­le Mäd­chen sind in den ent­spre­chen­den Schul­fä­chern sehr gut, begeg­nen aber oft Vor­ur­tei­len. Die­se Erfah­rung habe ich auch selbst gemacht. Mein Leh­rer mein­te damals zu mir, dass ich Mathe doch auch able­gen kön­ne, das wür­de ich als Mäd­chen schließ­lich sowie­so nicht mehr brau­chen. Ich schrieb aber gute Noten und woll­te Mathe­ma­tik gar nicht able­gen. Wir müs­sen als Gesell­schaft weg von dem Den­ken, dass Män­ner den tech­ni­schen und Frau­en den sozia­len Beru­fen zuge­ord­net wer­den. Und wir müs­sen das Selbst­be­wusst­sein der Mäd­chen stär­ken.  

Ein Teil der jungen Frauen gibt außerdem an, dass die finanziellen Hürden bei einem MINT-Studium zu hoch wären und sie wegen der hohen Belastung nur wenig Zeit für einen Nebenjob hätten. Stehen vor diesem Problem nicht auch die jungen Männer? 

Ich ver­mu­te hier wie­der eine Fehl­vor­stel­lung der jun­gen Frau­en, wie das Stu­di­um aus­sieht. Wie­so soll­ten Frau­en hier mehr Arbeits­zeit inves­tie­ren müs­sen als ihre männ­li­chen Kom­mi­li­to­nen? Außer­dem hat man in jedem Stu­di­um einen hohen Lern­auf­wand. Tat­säch­lich ist es sogar so, das IT-Stu­die­ren­de bes­ser bezahl­te Neben­job­mög­lich­kei­ten haben. Das ist in vie­len Stu­di­en­gän­gen anders. 

Über Alex­an­dra Wuttig

Prof. Dr. Alex­an­dra Wut­tig ist Kanz­le­rin der IU Inter­na­tio­na­len Hoch­schu­le (IU), der größ­ten Hoch­schu­le Deutschlands.

Über die IU Inter­na­tio­na­le Hochschule 

Mit über 85.000 Stu­die­ren­den ist die IU Inter­na­tio­na­le Hoch­schu­le (IU) die größ­te Hoch­schu­le in Deutsch­land. Die pri­va­te, staat­lich aner­kann­te Bil­dungs­ein­rich­tung ver­sam­melt unter ihrem Dach mehr als 200 Stu­di­en­pro­gram­me im Bache­lor und Mas­ter­be­reich, die in deut­scher oder eng­li­scher Spra­che ange­bo­ten wer­den. Stu­die­ren­de kön­nen zwi­schen dua­lem Stu­di­um, Fern­stu­di­um und myStu­di­um, das Online- und Prä­senz­ver­an­stal­tun­gen kom­bi­niert, wäh­len und mit­hil­fe einer digi­tal gestütz­ten Lern­um­ge­bung ihr Stu­di­um selbst­be­stimmt gestal­ten. Zudem ermög­licht die IU Wei­ter­bil­dun­gen und för­dert die Idee des lebens­lan­gen Ler­nens. Ziel der Hoch­schu­le ist es, mög­lichst vie­len Men­schen welt­weit Zugang zu per­so­na­li­sier­ter Bil­dung zu ver­schaf­fen. Im Jahr 2000 hat die IU ihren Betrieb auf­ge­nom­men, inzwi­schen ist sie in über 30 deut­schen Städ­ten ver­tre­ten. Sie koope­riert mit mehr als  10.000 Unter­neh­men und unter­stützt sie aktiv bei der Mit­ar­bei­ter­ent­wick­lung. Zu den Part­nern gehö­ren unter ande­rem die Deut­sche Bahn, Motel One, Tele­kom, Voda­fone und VW Finan­cial Ser­vices. Infor­ma­tio­nen zu den „Frau­en in MINT“-Projekten an der IU fin­den gibt es hier.

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