• Eliza Diekmann
    Eliza Diekmann, Bürgermeisterin der Stadt Coesfeld, ©simonthon

Frau Diekmann kommt ins Amt: Coesfelds Bürgermeisterin im Interview

2022-04-11T11:20:15+02:0022. April 2022|

Eli­za Diek­mann ist 34 Jah­re alt und Bür­ger­meis­te­rin der Stadt Coes­feld. Dies wäre an sich nichts Beson­de­res, nur gelang ihr die Wahl ins Amt in einem stramm kon­ser­va­ti­ven Gebiet, das über Jahr­zehn­te von der CDU gewon­nen wur­de. Dann ist Frau Diek­mann noch eine zwei­fa­che Mut­ter von Kin­dern, die heu­te drei und sechs Jah­re alt sind. Dazu trat sie part­ei­los an. Ein Interview.

Von Mat­thi­as Lauerer

Liebe Frau Diekmann, Sie sind Bürgermeisterin der Stadt Coesfeld. Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen?

Ich habe Poli­tik­wis­sen­schaf­ten stu­diert und als Jour­na­lis­tin mit mei­nen Berich­ten gefühlt immer nur vom Spiel­feld­rand aus zuge­se­hen, was mich ab und an schon fast ver­zwei­feln ließ. Ich hat­te dann die Idee, selbst aktiv zu wer­den und nicht nur dar­über zu berich­ten, was ande­re machen. Ich wuss­te jedoch nicht, wie ich es ange­hen soll­te, denn bei keiner Par­tei habe ich mich pro­gram­ma­tisch zu ein­hun­dert Pro­zent wohl­ge­fühlt. Mei­ne Kan­di­da­tur für das Amt des Bür­ger­meis­ters war erst nur ein fei­ner Witz auf Par­tys, aber spä­ter wur­de es mit der Kom­mu­nal­wahl 2021 sehr kon­kret.

Welche Dinge haben Sie vorher geärgert? Was hat sie um den Schlaf gebracht?

Ich habe in Ber­lin unter ande­rem für eine Nach­rich­ten­agen­tur gear­bei­tet und von dort aus den poli­ti­schen Betrieb sehr genau beob­ach­tet. Lei­der haben sich die The­men immer wie­der­holt und im fol­gen­den Jahr ging es dann damit wie­der von vor­ne los, ohne dass sich in der Zwi­schen­zeit etwas geän­dert hät­te. Das hat mich frus­triert. Es gab kein Fort­kom­men im The­men­ka­russell, nur viele Ideen und Vor­schlä­ge, deren Umset­zung kei­ner übernahm.

Wie gelang Ihnen der Wahlkampf als parteilose Kandidatin? Dabei galt Coesfeld bis dato als CDU-Bastion … 

Ich habe mir mei­ne Unter­stüt­zer selbst aus­ge­sucht und bin par­tei­los ange­tre­ten. Ich habe es zudem auf keinen Fall eben­so neben­bei gemacht und mir vor­her stra­te­gisch über­legt, wie es funk­tio­nie­ren könn­te.

Wir hat Ihr Umfeld reagiert?  

Das war sehr zwie­ge­spal­ten. Die einen waren froh dar­über, dass ich damit wohl mei­ne Beru­fung gefun­den hat­te. Die ande­ren sahen das jedoch eher kri­tisch. Denn zuvor war mir auch nicht sicher gewe­sen, ob es eine pas­sen­de Arbeit für mich in Coes­feld geben könn­te und ging davon aus, dass ich die Stadt des­we­gen wie­der ver­las­sen müsste. Dann gab es auch die Zweif­ler, die sich und mich frag­ten: Über­nimmt sie sich nicht? Ist es nicht zu lang­wei­lig und tro­cken für Eli­za?’ Heute weiß ich, sie dass sie Unrecht hat­ten und es mir blen­dend geht.

Von Ihrem Mann waren Sie zu dieser Zeit bereits getrennt?

Ja, das ist rich­tig, doch er hat mich trotz­dem unter­stützt und mir gesagt: ‘Mach mal!

Wie erging es Ihnen am Abend des Wahlsieges?

Das Ergeb­nis hat mich gefreut und im Kopf fing ich den­noch sofort mit der Arbeit an und frag­te mich, was ich als Nächs­tes tun müsse. Es war so ein: ‘Okay, jetzt geht es los!’

Sind Sie glücklich mit Ihrer Wahl?

Ja, abso­lut, es ist genau das, was ich in mei­ner beruf­li­chen Ver­ant­wor­tung tun möch­te. Das hat mich auch sehr über­rascht, denn zuvor war ich stets auf der Suche gewe­sen. Ich kann die span­nen­de Arbeit nur empfehlen…

Über Eliza Diemann

Eli­za Diek­mann, 34 Jah­re alt, ist seit gut 1,5 Jah­ren par­tei­lo­se Bür­ger­meis­te­rin für die Stadt Coes­feld mit ihren 36.000 Ein­woh­nern. Gewählt wur­de sie zur jüngs­ten Bür­ger­meis­te­rin der Stadt in NRW mit 67 Pro­zent der Wäh­ler­stim­men. 

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