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Finanzpsychologin Monika Müller: „Geld benebelt uns“

2022-09-22T12:06:16+02:0022. September 2022|

Moni­ka Mül­ler arbei­tet als Finanz­psy­cho­lo­gin und grün­de­te dazu ihre Fir­ma „FCM Finanz Coa­ching.“ Wir haben sie gefragt, was Geld mit uns macht, wie­so man so ungern dar­über spricht und war­um man als Stu­dent auch mit wenig Geld zufrie­den ist. 

Von Mat­thi­as Lauerer

courage-online.de: Frau Müller, Sie beschäftigen sich mit Geld. Seit wann existiert jenes überhaupt?

Moni­ka Mül­ler: Nun, Geld drückt unse­ren gesell­schaft­li­chen Sta­tus aus und es bestimmt die sozia­le Zuge­hö­rig­keit, dazu die Schicht, oder die Klas­se. Men­schen in Grup­pen haben sich stets über Sym­bo­le ver­gli­chen. Mün­zen kamen erst viel spä­ter als Tausch­mit­tel dazu.

Weshalb sprechen wir so ungern über das liebe Geld? 

Es gibt zwei Wahr­hei­ten über Geld, einer­seits spre­chen wir stän­dig und über­all über Geld. Ander­seits gibt es Tabus. Und weil Geld etwas über uns aus­sagt, ist es etwas ande­res über Geld zu spre­chen als über ande­re The­men, denn es wird hier­bei sehr intim und per­sön­lich. Bei­spiel: Wenn ich sehr wenig ver­die­ne, könn­te ich den­ken: ´Ich bin weni­ger Wert´. Dann scheue ich mich über das The­ma zu spre­chen. Ich gehe sonst ein Risi­ko ein und könn­te mich wert­lo­ser füh­len. Ein Kol­le­ge sag­te ein­mal zu mir: ´Wenn Geld als The­ma in den Raum kommt, wer­den die Men­schen komisch.“ Damit hat er gar nicht so unrecht. Man­che Fir­men machen aus dem Geld ein Tabu. Das gibt ihnen Kon­trol­le und Macht, weil es mit Stra­fen belegt ist über das Gehalt zu sprechen.

Was interessiert Sie so sehr am Thema, dass Sie sich gerne täglich in Ihrem Beruf damit beschäftigen?

Teil­neh­mer ler­nen in mei­nen Semi­na­ren das psy­cho­lo­gi­sche Poten­zi­al ken­nen, das mit dem Wort Geld ver­bun­den ist. Die Men­schen spü­ren, dass es eine Ent­wick­lungs­gren­ze gibt, über die wir hin­weg­kom­men möch­ten. Was pas­siert, wenn ich den Kon­to­aus­zug anse­he und wie wirkt das auf mich? Ver­än­de­rung und Wachs­tum fin­den statt, wenn ich mich frei füh­le das zu tun, was ich wirk­lich tun will.  

Warum ist man als Student ohne Geld glücklicher?

Das liegt an den ähn­li­chen Ver­hält­nis­sen, die wäh­rend des Stu­di­ums herr­schen. Erst mit dem Ein­tritt ins Berufs­le­ben bekommt das The­ma eine ande­re Dimen­si­on, die Unter­schie­de wer­den sicht­ba­rer. Gene­rell zei­gen sich dann die gelern­ten Mus­ter aus der Kind­heit.  

Wie sah Ihr Umgang mit Geld am Anfang Ihres Berufslebens aus?

Ich hat­te einen rela­tiv ent­spann­ten Ein­stieg, weil das Geld bei der ers­ten Arbeit tarif­lich gere­gelt war. Ich habe zunächst alles aus­ge­ge­ben, was ich bekam, und habe spä­ter gespart und mich gefragt: Wie­viel davon brau­che ich denn tat­säch­lich? Gene­rell wür­de ich sagen: Ich habe mei­nen eige­nen Weg gesucht. 

Sie waren verbeamtet und sind ausgestiegen. Weshalb?

Ich bin ein Mensch mit rela­ti­ver hoher Risi­ko­be­reit­schaft und hat­te den star­ken Wunsch, ein eige­nes Unter­neh­men zu grün­den. Eine Kol­le­gin sag­te zu mir: ´Wenn du 15 Jah­re ver­be­am­te­te bist, gehst du nicht mehr zurück.´ Aus mei­nem Umfeld haben die­sen Schritt nicht vie­le Men­schen verstanden.

Welchen Bedeutung hat Geld in unserer Sozialen Marktwirtschaft?

Wir sind auf­ge­wach­sen in einer Gesell­schaft, die vom Zusam­men­halt pro­fi­tiert. Geld ist sicher ein Motor, doch die Wäh­rung allein funk­tio­niert nicht als Kitt für eine Gesell­schaft. Die Poli­tik hat hier eine gro­ße Ver­ant­wor­tung und das Finan­zi­el­le muss dabei einen ange­mes­se­nen Platz fin­den. Was wich­tig ist: Alle Schich­ten soll­ten mit­ein­an­der in Kon­takt bleiben.

Klappt das auch mit weniger Wohlstand?

Wir müs­sen Atem holen und begrei­fen: ´Wir wer­den jetzt alle gemein­sam etwas ärmer´ und das Cre­do lau­tet: ´Wir sit­zen im sel­ben Boot´. Ich hal­te das für eine gro­ße Kom­mu­ni­ka­ti­ons­auf­ga­be der Bun­des­re­gie­rung. Wir müs­sen spü­ren: wir wer­den gese­hen, kei­ner geht ver­lo­ren.  

Wie gehe ich als Firmenchef mit Unsicherheit um?

Unter­neh­mer, die erfolg­reich Wer­te schaf­fen, haben auch immer wie­der Pha­sen, in denen sie weni­ger Geld haben oder umset­zen. Dann ist unter­neh­me­ri­sche Risi­ko­be­reit­schaft gefragt: das bedeu­tet krea­tiv sein und Unsi­cher­heit ertra­gen. Das gelingt mit mei­ner inne­ren Frei­heit in Bezug zu Geld. 

Stichwort Ex-RTL-Schuldnerberater Peter Zwegat: Weshalb verdrängen Menschen mit hohen Schulden ihre Malaise?

In dem Moment, wenn einer Schul­den hat und sie nicht bedie­nen kann, beginnt der inne­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zess. Kommt dann noch die Mah­nung, dann geht es los: „Was füh­le ich dabei und wie ist die­se geschrie­ben? Wie gehe ich mit die­sen unan­ge­neh­men Emo­tio­nen um? Das haben  die wenigs­ten Men­schen gelernt. Wenn man dann den gesam­ten Schul­den­stand erfährt, und dabei Herr Zwegat oder sein Nach­fol­ger opti­mal kom­mu­ni­zie­ren und den Bür­ger emo­tio­nal abho­len mit dem Tenor: ´Du bist ein wert­vol­ler Mensch und hast das Pro­blem erkannt´ beginnt ein Ent­wick­lungs­pro­zess.  Meist blei­ben Fra­gen wie: Wo hat es jener Mensch ver­säumt, ande­ren – denen er Geld gelie­hen hat – Druck zu machen sein Geld zurück­zu­for­dern? Oder, war­um küm­mert sich jemand so wenig um sich selbst? Denn jeder muss für sich sor­gen und beim The­ma Geld am Ball blei­ben.   

Welche Grundlagen sollte jeder Bürger beim Thema beherrschen?

Mir ist es ein Anlie­gen, dass Kin­der und Jugend­li­che ler­nen, dass Geld nicht nur ein Tausch­mit­tel ist, son­dern etwas mit ihnen macht. Das ist wie ein Navi, das sie durchs Leben trägt. Wie gehe ich mit der Angst um, wenn weni­ger auf dem Kon­to ist? Wie reagie­re ich? Las­se ich die Angst zu, und schaue, ob die sich nach eini­gen Minu­ten ver­flüch­tigt hat? Ich muss klug reflek­tie­ren und acht­sam sein mit mir und ande­ren Men­schen. Selbst die Freu­de über eine hohe Sum­me auf dem Kon­to kann ich reflek­tie­ren. Will ich alles behal­ten oder tei­len? Ein kla­res Bewusst­sein ist gut, um zu ver­ste­hen, was Geld in mir aus­löst. Sonst wer­den wir von unse­rem Ver­hält­nis zu Geld bene­belt.   

Alle sprechen über die hohe Inflation, doch war jene bereits 1973 oder auch 1982 sehr hoch. Weshalb ist das nun ein so großes Thema? 

Da pas­siert etwas, das löst Unru­he und Unsi­cher­heit aus. Hin­ter­grund: Wenn wir uns immer nur auf Sicher­heit aus­rich­ten, sind wir auf unsi­che­re Zei­ten nicht vor­be­rei­tet. 

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