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  • Über Geld reden - auch von Frau zu Frau Foto: SeventyFour/iStock

Finanziell unabhängig: 10 Tipps für Frauen

2021-05-10T09:54:11+02:006. März 2020|

Es gibt Orte, an denen sich nie­mand ger­ne auf­hält. Laut Umfra­gen gehö­ren auch Bera­tungs­zim­mer von Ban­ken dazu. Ganz beson­ders Frau­en sol­len sich dort ungern auf­hal­ten. Das ist para­dox, denn finan­zi­ell unab­hän­gig zu sein, ist für Frau­en in Deutsch­land ein beson­ders wich­ti­ges Ziel im Leben.

 

Von Bri­git­te Water­mann & Astrid Zehbe

Fast vier von fünf Frau­en geben laut einer aktu­el­len You­Gov-Umfra­ge im Auf­trag der Com­merz­bank an, dass die finan­zi­el­le Unab­hän­gig­keit für sie „äußerst“ oder „sehr“ wich­tig sei. Gleich­zei­tig beschäf­tigt sich aber nur jede Vier­te regel­mä­ßig mit der eige­nen Geld­an­la­ge. Und nur mage­re sechs Pro­zent schät­zen ihre eige­ne Finanz­kom­pe­tenz als hoch ein. „Für vie­le Frau­en ist das The­ma Finan­zen ähn­lich attrak­tiv wie einen Kak­tus zu strei­cheln“, sagt Clau­dia Krie­ger, Lei­te­rin Anla­ge­ma­nage­ment der Com­merz­bank-Nie­der­las­sung München-Nord.

Finanziell unabhängig zu werden, ist für Frauen schwieriger

Doch wor­an mag das lie­gen? Krie­ger sieht dafür etli­che Grün­de: „Es sind noch vie­le über­hol­te Rol­len­kli­schees wirk­sam, die ver­hin­dern, dass Frau­en sich um ihr Geld küm­mern.“ Auch die oft nied­ri­ge­ren Ein­kom­men von Frau­en wir­ken sich nega­tiv aus. Laut der Umfra­ge haben nur 15 Pro­zent der Befrag­ten ein eige­nes Net­to­ein­kom­men von über 2000 Euro im Monat. Frau­en über­näh­men oft viel Zusatz­ar­beit – im Haus­halt und in der Fami­lie. Teil­zeit­jobs oder Fami­li­en­pau­sen haben zur Fol­ge, dass Frau­en im Alter im Schnitt deut­lich weni­ger Geld als Män­ner zur Ver­fü­gung haben – und das, obwohl sie sta­tis­tisch län­ger leben.

Ein Nach­teil ist auch die unter­schied­li­che Bezah­lung: In Deutsch­land beträgt die soge­nann­te Ent­gelt­lü­cke zwi­schen Frau­en und Män­nern noch immer über 20 Pro­zent, was zum wich­ti­gen Teil an der Berufs­wahl liegt: Frau­en arbei­ten öfter in sozia­len oder dienst­leis­tungs­na­hen Beru­fen, die weni­ger gut bezahlt sind. Doch selbst bei glei­cher for­ma­ler Qua­li­fi­ka­ti­on und ansons­ten glei­chen Merk­ma­len beträgt der Ent­gelt­un­ter­schied immer noch sechs Prozent.

Lasst uns über Geld reden

„Es mag unro­man­tisch klin­gen, aber Frau­en soll­ten auch in der Part­ner­schaft stets dar­auf ach­ten, finan­zi­ell unab­hän­gig zu sein, und ihr Geld stets selbst im Blick haben“, emp­fiehlt die freie Finanz­pla­ne­rin Ste­fa­nie Kühn, die das Buch „Ein Mann ist kein Ver­mö­gen“ geschrie­ben hat. Ange­sichts von Schei­dungs­ra­ten von um die 40 Pro­zent ein ver­nünf­ti­ger Rat. „Was spricht zum Bei­spiel dage­gen, mit dem Part­ner einen finan­zi­el­len Aus­gleich aus­zu­han­deln, wenn man beruf­lich der Kin­der wegen kürzertritt?“

Fakt ist, dass Frau­en, die finan­zi­ell unab­hän­gig sein wol­len und sich selbst um ihr Geld küm­mern, oft sehr erfolg­reich dabei sind: „Finanz­in­ter­es­sier­te Frau­en, die zu uns in die Bera­tung kom­men, haben häu­fig den bes­se­ren Über­blick, sind bera­tungs­of­fen und lei­den weni­ger unter Selbst­über­schät­zung als man­che Män­ner“, sagt Krie­ger. Die­se Aus­sa­ge stüt­zen auch Aus­wer­tun­gen von Direkt­ban­ken. Laut ING hat­ten weib­li­che Depot­in­ha­ber 2019 das bes­se­re Händ­chen bei Geld­an­la­ge­ent­schei­dun­gen als Män­ner: Frau­en erziel­ten eine Ren­di­te vor Kos­ten in Höhe von 24,1 Pro­zent auf ihren Depots, Män­ner von 23,5 Pro­zent. „Wir beob­ach­ten bei unse­ren weib­li­chen Kun­den, dass sie im Ver­gleich zu unse­ren männ­li­chen Kun­den öfter lang­fris­tig und brei­ter inves­tie­ren. Bei­spiels­wei­se in Fonds oder ETFs. Dies könn­te einer der Grün­de für das bes­se­re Abschnei­den sein“, erläu­tert Tho­mas Dwor­nitzak, Lei­ter Spa­ren & Anle­gen der ING.

Frauen legen defensiver an

Die Con­sors­bank hat von Anfang 2017 bis Mit­te 2019 Depots von Män­nern und Frau­en aus­ge­wer­tet: In Zei­ten, in denen die Märk­te pri­ma lie­fen, zahl­te sich die offen­si­ve­re, aber ris­kan­te­re Anla­ge­stra­te­gie der Män­ner aus – so etwa 2017 und im ers­ten Halb­jahr 2019. Im schwie­ri­gen Bör­sen­jahr 2018 waren die Frau­en bes­ser: Ihre defen­si­ver auf­ge­stell­ten Depots erwie­sen sich als kri­sen­re­sis­ten­ter und weni­ger schwan­kungs­in­ten­siv. Ins­ge­samt hat­ten die Män­ner zwar einen leich­ten Per­for­mance-Vor­sprung, doch brauch­ten sie auf­grund der hohen Schwan­kun­gen die bes­se­ren Ner­ven. Wich­tig: Trans­ak­ti­ons­kos­ten wur­den bei der Ana­ly­se nicht berück­sich­tigt. Wären sie dabei, wür­de der Vor­sprung der Män­ner noch gerin­ger aus­fal­len. Der Grund: Sie tra­de­ten bei Con­sors mehr als dop­pelt so oft wie Frauen.

Ratschläge, um finanziell unabhängig zu sein

Wor­auf Frau­en außer­dem ach­ten, hat das Zins­por­tal Welt­Spa­ren unter­sucht: Es befrag­te 1044 Frau­en, wel­che zehn Rat­schlä­ge sie ihrem jün­ge­ren Ich geben wür­den, um finan­zi­ell unab­hän­gi­ger zu wer­den. Unter­sucht wur­den zusätz­lich zwei Genera­tio­nen: Frau­en von 18 bis 44 Jah­ren und Frau­en ab einem Alter von 45 Jah­ren. Mit zuneh­men­dem Alter wird deut­li­cher sicht­bar, wel­che Ent­schei­dung die­se Frau­en in der Ver­gan­gen­heit lie­ber anders getrof­fen hätten.

Finanziell unabhängig von anderen bleiben

Für die Mehr­heit der deut­schen Frau­en (54 Pro­zent) ist es am aller­wich­tigs­ten, sich von nie­man­dem finan­zi­ell abhän­gig zu machen. Mit zuneh­men­dem Alter nimmt die Zustim­mung zu die­ser Aus­sa­ge sogar zu. Was hilft? Um hier nicht in eine Abhän­gig­keits­fal­le zu tap­pen, soll­ten Frau­en die­se The­men anspre­chen und der Haupt­ver­die­ner für einen finan­zi­el­len Aus­gleich sorgen.

Finanzentscheidungen bewusst und ohne Einmischung treffen

51 Pro­zent der Frau­en rät, in Sachen Finan­zen unab­hän­gig von ande­ren zu agie­ren und selbst klu­ge Ent­schei­dun­gen rund ums Geld zu tref­fen. Was hilft? Lesen, lesen, lesen – das Inter­net sowie der Buch- und Zeit­schrif­ten­han­del bie­ten eine gan­ze Rei­he von Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­ten, mit denen man sich Finanz­wis­sen aneig­nen kann.

Keine Schulden machen

Die Hälf­te der Stu­di­en­teil­neh­me­rin­nen gibt den Rat­schlag, sich nicht zu ver­schul­den. Zwar las­sen sich Schul­den nicht immer ver­hin­dern, jedoch soll­ten unnö­ti­ge Kon­sum­schul­den, etwa für ein neu­es Sofa oder das neu­es­te Han­dy, immer hin­ter­fragt wer­den. Schließ­lich gefähr­det unnö­ti­ger Kon­sum den Ver­mö­gens­auf­bau. Was hilft? Bevor man etwas kauft, soll­te man zwei­mal dar­über nach­den­ken, ob man es wirk­lich benö­tigt – und im Zwei­fel lie­ber dar­auf ver­zich­ten – vor allem dann, wenn man es sich nicht leis­ten kann.

Für Frauen hört beim Geld die Liebe auf

Für jede zwei­te Frau ab 45 (52 Pro­zent) steht fest, dass Frau­en nie blind vor Lie­be bei finan­zi­el­len Ent­schei­dun­gen sein soll­ten – bei den jün­ge­ren Frau­en tei­len die­se Ein­stel­lung knapp über ein Drit­tel (37 Pro­zent). Was hilft? Finanz­ent­schei­dun­gen soll­ten nicht dem Part­ner über­las­sen, son­dern gemein­sam getrof­fen werden.

Mehr Mut gefragt und besseres Verhandlungsgeschick

Als eine Ursa­che des Gen­der Pay Gap gilt das bes­se­re Ver­hand­lungs­ge­schick der Män­ner. So set­zen Frau­en bei Ver­hand­lun­gen oft zu gering an. Was hilft? Muti­ger bei Ver­trags­ver­hand­lun­gen her­an­ge­hen. Zudem beim Job­wech­sel die Ein­kom­mens­stei­ge­rung ein­prei­sen. Und auch hier hilft: Lesen! Es gibt zahl­rei­che Lite­ra­tur zu Gehalts­ver­hand­lun­gen. Im Ein­zel­fall hel­fen Gehalts-Coa­ches, sich opti­mal auf eine Gehalts­ver­hand­lung vor­zu­be­rei­ten und sei­nem Ziel, finan­zi­ell unab­hän­gig zu wer­den, näher zu kommen.

Auch Kleinstbeträge schaffen Vermögen

38 Pro­zent der befrag­ten Frau­en stim­men zu, dass sie durch Zin­sen­zins­ef­fek­te auch mit klei­ne­ren Beträ­gen auf Dau­er beacht­li­che Rück­la­gen auf­bau­en kön­nen. Frau­en über 45 Jah­re sehen das sogar zu 41 Pro­zent so und redu­zie­ren so für jün­ge­re Frau­en (33 Pro­zent Zustim­mung) die Bar­rie­ren im Kopf, indem ein­fach mit dem Ver­mö­gens­auf­bau sofort los­ge­legt wer­den soll­te – selbst mit Kle­cker­be­trä­gen. Was hilft? Ein­fach mal los­le­gen. Klei­ne Spar­be­trä­ge füh­ren ans Spa­ren her­an, bei­spiels­wei­se mit Spar-Chal­len­ges. Inves­tie­ren lässt sich eben­falls üben – anfangs mit einem Mus­ter­de­pot, spä­ter bei­spiels­wei­se mit Spar­plä­nen ab 25 Euro pro Monat. Auch mit klei­nen Beträ­gen kann man finan­zi­ell unab­hän­gig werden.

Je früher, desto besser

Vier von zehn Frau­en (38 Pro­zent) raten, mög­lichst früh mit dem Spa­ren anzu­fan­gen, um den Zin­ses­zins­ef­fekt best­mög­lich aus­zu­nut­zen und so finan­zi­ell unab­hän­gig zu wer­den. Zögern­des Ver­hal­ten führt zu Ver­zö­ge­rung oder hält sogar gänz­lich von der Vor­sor­ge ab. Was hilft? Ein­fach los­le­gen, lau­tet auch hier das Mot­to. Es gibt nicht den per­fek­ten Zeit­punkt und War­te­zeit ver­kürzt Lauf­zeit und damit Zinsen.

Weniger ist mehr – besonders bei unnötigen Fixkosten

Mache einen Kas­sen­sturz und che­cke dei­ne Aus­ga­ben – das raten 36 Pro­zent der Befrag­ten: Fix­kos­ten wie Abos, Mit­glied­schaf­ten und Ver­si­che­run­gen. Bei die­ser Erkennt­nis klaf­fen die Alters­grup­pen aus­ein­an­der: 41 Pro­zent der ab 45-Jäh­ri­gen sehen das Ein­spar­po­ten­zi­al hier als essen­zi­ell an, jedoch nur 28 Pro­zent bei den jün­ge­ren Befrag­ten. Was hilft? Regel­mä­ßig die Aus­ga­ben über­prü­fen und kün­di­gen, was nicht genutzt wird.

Sparen beim Konsum durch Reduktionen

36 Pro­zent der Frau­en aller Alters­grup­pen raten ihren Geschlechts­ge­nos­sin­nen, auf Preis­nach­läs­se und Rabatt­ak­tio­nen zu ach­ten. Was hilft? Geziel­tes Ein­kau­fen und den Schnäpp­chen­mo­dus anstel­len. Hilf­reich sind dabei Bonus-Apps, Brow­ser-Erwei­te­run­gen und ganz klas­sisch anti­sai­so­na­les Ein­kau­fen und bei Lebens­mit­teln zu Rand­zei­ten shoppen.

Sparen mit Sinn und Ziel

Auf dem zehn­ten Platz der Top-Finanz­tipps von Frau­en für Frau­en wird die Emp­feh­lung aus­ge­spro­chen, finan­zi­el­le Zie­le klar zu defi­nie­ren und die­se Zie­le anschlie­ßend beharr­lich zu ver­fol­gen. Was hilft? Auf ein kon­kre­tes Ziel zu spa­ren, hilft bei der Erfolgs­kon­trol­le, ermög­licht zudem, kla­re Zeit­räu­me und benö­tig­te Geld­be­trä­ge zu ermit­teln. Damit lässt sich gleich­zei­tig die Dis­zi­plin, die Freu­de über das Erreich­te und die Vor­freu­de erhö­hen. Auch das Ziel, finan­zi­ell unab­hän­gig zu wer­den, lässt sich erreichen.

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