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  • Fawn Weaver hat die Whiskey-Brennerei Uncle Nearest Premium Whiskey gegründet, ©Uncle Nearest

Fawn Weaver: Die Frau, die die Firmengeschichte von Jack Daniel’s umkrempelte

2022-10-11T12:04:39+02:0011. Oktober 2022|

Mit „Uncle Nea­rest Pre­mi­um Whis­key“ schuf Fawn Wea­ver die am schnells­ten wach­sen­de US-Whis­key-Mar­ke. Wer ist die Frau, die neben­bei auch die Fir­men­ge­schich­te von „Jack Daniel’sumkrem­pel­te? 

Von Mat­thi­as Lauerer

Auf den Gala­pa­gos-Inseln exis­tiert bis heu­te ein zum Whis­key­fass umfunk­tio­nier­ter Brief­kas­ten aus dem Jahr 1700. Er dien­te See­fah­rern zum Aus­tausch von Post, wie es der „Eco­no­mist“ ein­mal notier­te. Ein krea­ti­ver Weg, um mit Whis­key umzu­ge­hen. Einer der bekann­tes­ten Whis­keys dürf­te wohl „Jack Daniel’s“ sein, denn der fin­det sich welt­weit in den Super­märk­ten. Her­ge­stellt wird er seit 1866.  

Lehrling Jack 

In all den Jah­ren stell­te aber nie­mand die berech­tig­te Fra­ge, wie ein damals noch sehr jun­ger Mann namens Jack Dani­els über­haupt das nöti­ge Hand­werk erlern­te und solch einen immensen Erfolg mit der Spi­ri­tuo­se hat­te, die ihn reich mach­te. Doch Dani­el hät­te ohne einen schwar­zen Whis­key-Bren­ner namens Nea­rest Green wohl nie einen Trop­fen gebrannt. Erst unlängst war es die US-Ame­ri­ka­ne­rin Fawn Wea­ver, die die Geschich­te der Fir­ma aus dem Süden der USA auf den Kopf stell­te.  

Fawn Weaver in Singapur

Rück­blick: Jasper New­ton Dani­el aka Jack Dani­el wird vor knapp 180 Jah­ren als zehn­tes Kind der Fami­lie gebo­ren. Die Mut­ter stirbt, kur­ze Zeit spä­ter macht sich der Vater davon. Der Jun­ge schlägt sich bis in den Süden der USA durch und beginnt mit dem Whis­key­bren­nen. Die Best­sel­ler­au­torin Fawn Wea­ver liest vor ein paar Jah­ren im Urlaub in Sin­ga­pur etwas über Nea­rest Green, den Skla­ven aus Ten­nes­see, der Jack Dani­el das Whis­key­bren­nen bei­brach­te.  

Erst hört Fawn Weaver nichts über Mr. Green 

Wea­ver reist nach Nash­ville und besucht drei Füh­run­gen der „Jack-Daniel’s“-Brennerei. In kei­ner hört sie ein Wort über Green. Also mie­tet Wea­ver sich ein Haus in Lynch­burg und nimmt Kon­takt zu Greens Nach­fah­ren auf, von denen noch vie­le in der Gegend leben. Sie stö­bert in Archi­ven und belegt, dass Green dem welt­be­kann­ten Whis­key­ba­ron die Destil­la­ti­on bei­brach­te. 

Bittere Geschichte 

Der Hin­ter­grund: „Der Skla­ve Nea­rest Green wur­de immer wie­der ver­lie­hen, denn die fähi­gen Bren­ner waren sehr teu­er“, sag­te Wea­ver in einem Inter­view. Damals arbei­te­te er für Dan Call, doch der war auch Pries­ter und muss­te sich um das Jahr 1856 ent­schei­den: Blei­be ich Pas­tor – oder stei­ge ich tie­fer ins Whis­key­ge­schäft ein? Die Wahl nimmt ihm sei­ne Ehe­frau ab: Call steigt aus – und Nea­rest Green wird Chef der Destil­le­rie. Dort war zehn Jah­re zuvor auch eben­je­ner Jasper New­ton Dani­el, also der heu­te welt­be­kann­te Jack Dani­el, gebo­ren, der spä­ter mit Green zusam­men­ar­bei­te­te. 

Fawn Weaver denkt groß 

Zurück in die Gegen­wart. Wea­ver fin­det die umge­rech­net 1,27 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße Farm, auf dem das Green-Daniel’s‑Destillat damals reif­te und kauft sie. Dann über­zeugt sie den Whis­key­her­stel­ler „Brown-For­man“, der „Jack Daniel’s“ heu­te pro­du­ziert, Green offi­zi­ell zum ers­ten „Mas­ter Distil­ler“ der Mar­ke zu ernen­nen. 

Extremer Erfolg 

Den Erfolg ent­schied ein Gespräch mit den Nach­fah­ren des Man­nes: Denn auf die Fra­ge, was gesche­hen soll, um den begab­ten Vor­fah­ren zu ehren, hört Wea­ver, dass die­ser doch eine eige­ne Fla­sche Whis­key ver­dient habe. Und die­ser neue Bour­bon ver­kauft sich rasant. Laut der Ana­ly­se­fir­ma „IWSR“ wird er zur am schnells­ten wach­sen­den Whis­key­mar­ke in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Nea­rest Greens Nach­fah­rin Vic­to­ria Eady But­ler arbei­tet heu­te übri­gens als Mas­ter Blen­de­rin des neu­en Whis­keys. Und: Die Mar­ke ist der am häu­figs­ten aus­ge­zeich­ne­te ame­ri­ka­ni­sche Whis­key 2019 und 2020. 2021 holt man bei der „San Fran­cis­co World Spi­rits Com­pe­ti­ti­on“ den zwei­ten Rang. 

Geldsegen 

Im Som­mer 2021 legt Fawn auch noch einen mit 50 Mil­lio­nen US-Dol­lar aus­ge­stat­te­ten „Uncle Nea­rest Ven­ture Fund“ auf. Des­sen Ziel: in schnell wach­sen­de Spi­ri­tuo­sen­mar­ken zu inves­tie­ren, die von Min­der­hei­ten gegrün­det wur­den und sich in deren Besitz befin­den. Dem „Food und Wine“ Maga­zin, sag­te die Grün­de­rin: „Wir haben ande­re erfolg­reich gemacht, indem wir als Mar­ken­bot­schaf­ter arbei­te­ten, aber kei­ner von uns war in der Lage, den Erfolg allein auf­zu­bau­en. Ich ände­re das.“ 

Mutiger Schritt 

Laut des Maga­zins „Ebo­ny“ erklärt sich Wea­ver ihren Erfolg so: „Als wir in den Bour­bon-Markt ein­tra­ten, hat­ten wir kei­ne Ahnung, dass wir als ers­te und ein­zi­ge Mar­ke, die an einen Afro­ame­ri­ka­ner erin­nert, und als ers­tes gro­ßes Spi­ri­tuo­sen­un­ter­neh­men, das von einem Füh­rungs­team aus Frau­en gegrün­det und gelei­tet wird, Geschich­te schrei­ben wür­den. Die Fra­ge, ob eine Mar­ke mit einer Geschich­te, die ame­ri­ka­ni­sche The­men auf­greift, an die sich noch nie­mand gewagt hat­te, ange­nom­men wür­de.“ Die aus­ge­lös­te finan­zi­el­le Wel­le gibt die Ant­wort.  

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