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  • Unser Autor war vor Ort, um sich die Arbeiten an der Fabrik anzusehen, ©Matthias Lauerer

Fast CO2-neutrales Benzin aus Chile: So funktioniert es

2022-10-31T08:59:20+01:0027. Oktober 2022|

Im Süden Süd­ame­ri­kas ent­steht eine Keim­zel­le grü­ner Mobi­li­tät. Hier wird die welt­weit wohl ers­te Fabrik für fast CO2-neu­tra­len Sprit gebaut. Unser Autor war vor Ort. 

Von Mat­thi­as Lauerer

Wer zur Quel­le des neu­en Kraft­stoffs reist, hat einen sehr wei­ten Weg vor sich, denn die liegt in Chi­les tiefs­tem Süden. Ihr Name: „Haru Oni“, was in der Mischung der indi­ge­nen Spra­chen „Selk’nam “ und „Tehu­el­che“ so viel wie „win­di­ges Land“ bedeu­tet. Aus Wind­kraft wird hier per Elek­tro­ly­se bald „grü­ner“ Was­ser­stoff und letzt­lich E‑Fuel ent­ste­hen, also syn­the­ti­scher Kraft­stoff. Und neben­bei zieht man bei die­sem Pro­zess noch CO2 aus der Luft. Doch wie funk­tio­niert das? Der von einer Wind­tur­bi­ne erzeug­te Strom wird für einen Elek­tro­ly­se­pro­zess ver­wen­det, der das Was­ser in sei­ne bei­den Haupt­be­stand­tei­le auf­spal­tet: Was­ser­stoff und Sauer­stoff. Durch eine Fil­te­rung wird das kon­zen­trier­te CO2 in der Atmo­sphä­re auf­ge­fan­gen. Der aus der Elek­tro­ly­se gewon­ne­ne Was­ser­stoff wird dann per Syn­the­se mit dem aus der Atmo­sphä­re gewon­nen CO2 kom­bi­niert. Dar­aus ent­steht Metha­nol. „Ein Teil des e‑Methanols wird in e‑Benzin umge­wan­delt“, schreibt der Luxus­au­to­bau­er Por­sche. Jenes Ben­zin lässt sich spä­ter wie her­kömm­li­cher Sprit ver­wen­den, Modi­fi­ka­tio­nen an Pkws sind nicht nötig. 

Sprit für Porsche  

In der Demons­tra­ti­ons­an­la­ge sol­len noch 2022 min­des­tens 20.000 Liter nahe­zu CO2 neu­tra­ler Sprit pro­du­ziert wer­den, wie es heißt. Mög­lich wären von der Kapa­zi­tät her bis zu 130.000 Liter pro Jahr, doch han­delt es sich um eine Pro­be­an­la­ge, bei der weiß man nie, ob alles funk­tio­niert. Wahr­schein­lich schaf­fen sie die sechs­stel­li­ge Zahl erst 2023. Die Por­sche AG nimmt „die Men­ge exklu­siv ab“ und „ver­wen­det sie in Leucht­turm-Pro­jek­ten, wie dem Motor­sport und den ´Por­sche Expe­ri­ence Cen­tern´“, sagt Her­mann-Josef Stap­pen aus der „Porsche“-Unternehmenskommunikation dazu. Spä­ter baut das chi­le­ni­sche Unter­neh­men HIF direkt dahin­ter die kom­mer­zi­el­le Fabrik. In der liegt die avi­sier­te 2024er Pro­duk­ti­on bei bis zu 55 Mil­lio­nen Liter E‑Fuel. Zwei Jah­re spä­ter sol­len es rund 550 Mil­lio­nen Liter sein – in einer Anla­ge noch etwas wei­ter nörd­lich. 

Fast CO2-neutrales Benzin 

Tatia­na Alegre ist die Gene­ral Mana­ge­rin von HIF und sie zeigt uns die Anla­ge. Was Alegre am Job gut gefällt: „Ich arbei­te hier an der grü­nen Zukunft“, sagt sie. Ers­ter Stopp: die Wind­kraft­an­la­ge. Das Fun­da­ment der Anla­ge umfasst eine Flä­che von 700 Qua­drat­me­tern. Acht Bau­ar­bei­ter legen gera­de am Fun­da­ment der Wind­an­la­ge letz­te Hand an. In 148,50 Metern Höhe dreht sich schon bald das Wind­rad über der Anla­ge. Gebaut wur­de es in Chi­na. Drei mäch­ti­ge Roto­ren lie­fern 3,4 Mega­watt Strom. 

Heftige Winde 

Gut 200 Men­schen arbei­ten hier inklu­si­ve des Ser­vice­teams. Acht Pro­zent sind Frau­en und 88 Pro­zent aller Bau­ar­bei­ter stam­men aus der Regi­on. Wes­halb das so wich­tig ist, merkt man schnell. Der Wind pfeift und zwickt und zerrt an den Gebäu­den, den Bau­ma­schi­nen und an den Ner­ven der Besu­cher. Mor­gens bläst er sach­te mit einer Geschwin­dig­keit von 30 bis 35 Kilo­me­tern pro Stun­de. Im Lau­fe des Tages kön­nen es 50 Stun­den­ki­lo­me­ter wer­den. Gut die Hälf­te der Zeit lässt es sich wer­keln. Wenn der Wind zu stark wird, mar­schie­ren die Bau­ar­bei­ter zum Haupt­ge­bäu­de zurück und stel­len die Arbei­ten ein. So wird ver­hin­dert, dass umher­flie­gen­de Besen oder Metall­tei­le Men­schen tref­fen und ver­let­zen. 

Globale Kooperation 

Doch wer fand sich hier in der ver­las­se­nen Regi­on Magalla­nes zu einem Novum zusam­men? Die Fir­ma HIF baut die Anla­ge nicht nur, sie ist auch Eigen­tü­me­rin des Pilot­pro­jekts „Haru Oni“. Sie­mens Ener­gy lie­fert das Herz­stück der Anla­ge und ist einer der Mit­grün­der. Enel Green Power ist eben­falls Mit­grün­der und Exxon­Mo­bil schuf die soge­nann­te MtG-Tech­no­lo­gie. Dahin­ter ver­birgt sich der Begriff „Metha­nol zu Ben­zin“, die aus dem grü­nen Was­ser­stoff spä­ter Ben­zin macht. Der chi­le­ni­sche Ölkon­zern ENAP küm­mert sich um die Infra­struk­tur und ist der Logis­tik- und Dienst­leis­tungs­an­bie­ter. Das Ener­gie­un­ter­neh­men Empre­sas Gas­co zeich­net für die Pro­dukt­ent­wick­lung von Flüs­sig­gas ver­ant­wort­lich und der Misch­kon­zern John­son Mat­they stellt die Tech­no­lo­gie für die Metha­nol­syn­the­se bereit. Por­sche ist als Abneh­mer des Treib­stoffs eben­falls mit von der Par­tie. Ein glo­ba­les Hand in Hand also für grü­nes Ben­zin, für das sich der deut­sche Finanz­mi­nis­ter und enga­gier­te Por­sche­fah­rer Chris­ti­an Lind­ner zuletzt noch bei der EU stark mach­te. 

Wenn Bäume dem Wind nachgeben  

51 Mil­lio­nen US-Dol­lar kos­tet der Bau. Das Geld für „Haru Oni“ stammt von HIF, ande­ren Fir­men, bei denen man sich bedeckt hält – und der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Im Dezem­ber 2020 gab es dafür einen För­der­be­scheid in Höhe von 8,23 Mil­lio­nen Euro. Damit galt „Haru Oni als das ers­te Was­ser­stoff-Vor­ha­ben, das bei der Natio­na­len Was­ser­stoff­stra­te­gie geför­dert wur­de“, wie das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz ver­kün­de­te.  

Ist das die Rettung? 

Beim Ver­las­sen des Gelän­des hat man ein Stück weit das Gefühl, die Zukunft gese­hen zu haben. Eine Zukunft, in der es welt­weit vie­le sol­cher Anla­gen geben könn­te. Fabri­ken, die syn­the­ti­schen Kraft­stoff aus Wind­kraft, Was­ser und der Luft ent­zo­ge­nem CO2 pro­du­zie­ren. Orte, die der Mensch­heit Zeit ver­schaf­fen, bis die gesam­te Lie­fer­ket­te der E‑Mobilität „grün“ und nach­hal­tig gewor­den ist.  

ETFs für grünen Wasserstoff und grüne Mobilität 

Nach­hal­ti­ge Invest­ments sind bereits seit Jah­ren im Kom­men. Auch Was­ser­stoff und die damit ver­bun­de­nen Tech­no­lo­gien sto­ßen auf reges Inter­es­se. Beson­ders ein­fach kön­nen Anleger:innen per ETF in grü­nen Was­ser­stoff und grü­ne Mobi­li­tät inves­tie­ren. Wir haben eini­ge span­nen­de Invest­ment­mög­lich­kei­ten her­aus­ge­sucht. Einer der ETFs ist der Van­eck Vec­tors Hydro­gen Eco­no­my ETF. Die­ser bün­delt Unter­neh­men, die sich dem Auf­bau der Was­ser­stoff­wirt­schaft ver­schrie­ben haben. Ähn­li­che Zie­le ver­folgt der L&G Hydro­gen Eco­no­my ETF. Im Gegen­satz zu den bei­den rei­nen Was­ser­stoff ETFs setzt der iSha­res Glo­bal Clean Ener­gy ETF auf eine brei­te­re Risi­ko­streu­ung und bil­det den gleich­na­mi­gen Bran­chen­in­dex S&P Glo­bal Clean Ener­gy ab. Anleger:innen muss jedoch bewusst sein, dass sich die Indus­trie sowie die zuge­hö­ri­gen Unter­neh­men noch in einem sehr frü­hen Sta­di­um befin­den.  

Neben Invest­ments in grü­nen Was­ser­stoff, kön­nen Anleger:innen auch auf grü­ne Mobi­li­tät set­zen. Der wohl bekann­tes­te ETF im Bereich Elek­tro­mo­bi­li­tät dürf­te der iSha­res Electric Vehi­cles and Dri­ving Tech­no­lo­gy UCITS ETF sein, der die größ­ten Unter­neh­men der Bran­che umfasst. Eine wei­te­re Mög­lich­keit wäre der Xtra­ckers Future Mobi­li­ty ETF, der über­wie­gend Unter­neh­men abbil­det, die sich durch einen Wis­sens- bezie­hungs­wei­se Inno­va­ti­ons­vor­sprung von ihren Wett­be­wer­bern abhe­ben. Als eine wei­te­re Invest­ment­mög­lich­keit im Bereich grü­ne Mobi­li­tät ist der L&G Bat­te­ry Value-Chain UCITS ETF zu nen­nen. Damit kön­nen Anleger:innen in die Bat­te­rie-Tech­no­lo­gie inves­tie­ren, ohne die kein E‑Auto fah­ren wür­de. 

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