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    Die Parität zwischen Euro und Dollar rückt näher ©RomanR - stock.adobe.com

Euro – Kommt die Parität zum US-Dollar?

2022-05-24T12:01:34+02:0024. Mai 2022|

Der Euro fällt und fällt. Gera­de war er nur noch 1,034 US-Dol­lar wert. Die Pari­tät rückt näher. Also das Niveau, zu dem Euro und US-Dol­lar gleich viel wert sind. Aber was bedeu­tet das? 

Von Ant­je Erhard

Inmit­ten der Pan­de­mie schla­gen die stei­gen­den Prei­se, der Krieg in der Ukrai­ne und enor­me wirt­schaft­li­che Risi­ken nega­tiv auf unser Geld durch: Der Euro fällt und fällt. Zeit­wei­se war er mit 1,034 US-Dol­lar so bil­lig wie seit Jah­ren nicht mehr. Den Euro kön­nen wir daher nicht ohne das wirt­schaft­li­che Umfeld den­ken.  

Denn Infla­ti­on und eine mög­li­che Rezes­si­on belas­ten nicht nur unse­re Brief­ta­schen, son­dern auch Volks­wirt­schaf­ten und Unter­neh­men. Die Spu­ren sehen wir an den Kapi­tal­märk­ten: Akti­en, Anlei­hen, der Euro, Edel­me­tal­le – alle gehen in die Knie.  

Dabei war in der Ver­gan­gen­heit ein schwa­cher Euro in Euro­pa durch­aus akzep­tiert: „Eine Abwer­tung för­dert die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Wirt­schaft im Euro­raum und stärkt die Kon­junk­tur; vor allem export­ori­en­tier­te Unter­neh­men pro­fi­tie­ren von einer höhe­ren Nach­fra­ge außer­halb der Euro­zo­ne“, sagt uns Micha­el Blu­men­roth, Devi­sen-Exper­te der Deut­schen Bank. Das heißt, der bil­li­ge Euro mach­te Expor­te ins Aus­land güns­ti­ger. Für eine Export-Nati­on wie Deutsch­land ein Plus­punkt. Aber – so sagt Micha­el Blu­men­roth wei­ter – sei eine Wäh­rungs­ab­wer­tung „immer ein zwei­schnei­di­ges Schwert“. Denn impor­tier­te Waren wer­den teu­rer. Die Fol­ge: Die Infla­ti­on könn­te so noch höher aus­fal­len bzw. län­ger auf dem uner­wünscht hohen Niveau blei­ben und es wer­de „zuneh­mend schwie­ri­ger, das Infla­ti­ons­ziel von zwei Pro­zent wie­der zu errei­chen“. Ergo: „Auch aus die­sem Grund soll­te die Euro­päi­sche Zen­tral­bank dar­an inter­es­siert sein, durch Leit­zins­er­hö­hun­gen einen wei­te­ren star­ken Wert­ver­fall des Euro zu ver­hin­dern.“  

Für uns Ver­brau­cher bedeu­tet es bis dahin aber, dass ein schwa­cher Euro den Urlaub und Rei­sen in die USA teu­rer macht. Auf der ande­ren Sei­te pro­fi­tie­ren wir an den Kapi­tal­märk­ten: Die Ren­di­ten auf Bun­des­an­lei­hen sind viel nied­ri­ger als auf die US-Staats­an­lei­hen. Mit einem schwa­chen Euro kön­nen wir als deut­sche Anleger:innen den Zins­vor­teil von US-Staats­an­lei­hen nut­zen und zugleich Wäh­rungs­ge­win­ne erzie­len. Aber eben nur, wenn der Dol­lar wei­ter auf­wer­tet. Und das wird mög­li­cher­wei­se nicht mehr lan­ge der Fall sein. Denn der Blick in die Zukunft ist nicht mehr immer nur wol­ken­ver­han­gen.  

Im Juli dürften die Zinsen in der Eurozone steigen

Das fängt mit den Zin­sen an: Die Chef­volks­wir­tin der Hela­ba, Ger­trud Traud, bringt es auf den Punkt: „Vor vier Wochen waren die Zei­chen aus dem Frank­fur­ter Ost­end, dem Sitz der EZB, noch auf War­te­stel­lung aus­ge­rich­tet. Nun haben zahl­rei­che Mit­glie­der des EZB-Rats und auch die Prä­si­den­tin Chris­ti­ne Lagar­de end­lich einen Sin­nes­wan­del ange­deu­tet. Wir gehen jetzt davon aus, dass die EZB bereits im Juli, also kurz nach dem Aus­lau­fen des Anlei­he­kauf­pro­gramms, einen ers­ten Zins­schritt voll­zieht. Bis zum Jah­res­en­de wird der nega­ti­ve Ein­la­gen­satz Geschich­te sein.“ Und wenn kei­ne wei­te­ren Sank­tio­nen oder gar ein Gas-Embar­go dro­hen, soll­te sich die Infla­ti­on bis Jah­res­en­de bei uns ent­span­nen. Ger­trud Traud und ihr Team erwar­ten dann sechs Pro­zent Geld­ent­wer­tung. 

Noch ist es nicht so weit. Und so berich­tet Ger­trud Trauds Kol­le­ge Chris­ti­an Apelt, wie ner­vös die Märk­te sind ange­sichts all der poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Risi­ken. Des­halb sei der US-Dol­lar als siche­rer Hafen gefragt. Stei­gen­de Zin­sen geben einer Wäh­rung eigent­lich Rücken­wind. Aber auch in den USA stei­gen die Prei­se und es wür­de die Wirt­schaft abwür­gen, wenn die Zin­sen zu stark stei­gen. Des­halb wer­den auch in den USA die Zin­sen nicht unbe­grenzt stei­gen, weiß Devi­sen-Exper­te Apelt: „Von der Zins­sei­te dürf­te der Green­back daher vor­erst kaum noch unter­stützt wer­den bzw. es droht sogar Gegen­wind.“ 

Der US-Dollar gilt als überbewertet

In Euro­pa bleibt es vor allem poli­tisch schwie­rig. Und das belas­tet den Euro und auch ande­re Wäh­run­gen in Euro­pa. Aber wenn sich die Lage ent­span­ne, also nicht eska­liert und kein Gas­em­bar­go kommt, kön­ne sich der Euro erho­len, erklärt Chris­ti­an Apelt, denn: “Jen­seits der der­zeit domi­nie­ren­den Fak­to­ren Geld­po­li­tik und Risi­ko­nei­gung ist jedoch aus län­ger­fris­ti­ger Sicht die extre­me Über­be­wer­tung der US-Wäh­rung zu beach­ten. Gemes­sen an der Kauf­kraft­pa­ri­tät war der Dol­lar gegen­über dem Euro noch nie so teu­er bzw. nur gegen­über dem umge­rech­ne­ten Euro Mit­te der acht­zi­ger Jah­re, als der FED-Leit­zins zwei­stel­lig war.“ Kurz­fris­tig wür­de Chris­ti­an Apelt eine „Markt­über­trei­bung in Rich­tung Pari­tät“ nicht aus­schlie­ßen. Aber mit­tel­fris­tig wür­de sich der Euro auf 1,10 US-Dol­lar oder gar mehr erho­len.   

Micha­el Blu­men­roth ist da auch opti­mis­tisch: „Da in den USA die Noten­bank Fed schon in den Zins­er­hö­hungs­zy­klus ein­ge­stie­gen ist und die Märk­te wei­te­re deut­li­che Zins­an­he­bun­gen schon ein­ge­preist haben, könn­te der Auf­wärts­trend des US-Dol­lars jetzt gebremst wer­den oder sich gar umkeh­ren. Soll­te die EZB die für 2022 von den Märk­ten erwar­te­ten Erhö­hun­gen tat­säch­lich durch­füh­ren und für 2023 wei­te­re Erhö­hun­gen andeu­ten, könn­te der Euro auf mitt­le­re Sicht zum US-Dol­lar Auf­wer­tungs­po­ten­zi­al haben.“ 

Und dann lohnt sich auch wie­der finan­zi­ell die USA-Rei­se. 

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